Die Technik unter dem Dach

Druckstromentwässerung mit vorbeugendem Brandschutz

Die neue Produktions- und Lagerhalle von MDT ist ein Musterbeispiel für die Anwendung der DIN 18234, die auch den vorbeugenden Brandschutz bei kleinen Durchdringungen vorschreibt. In dem Gebäude in Hardheim wurde eine DIN-gerechte Entwässerungslösung samt vorbeugendem Brandschutz realisiert.

Das Geschäft des Schirmherstellers MDT in Hardheim blüht – und dies nicht nur aufgrund der markanten Tulpenschirme – invertierter, also umgedrehter, Sonnenschirme – für die das Unternehmen bekannt ist. Um der steigenden Nachfrage zu entsprechen, wurde der Stammsitz in Hardheim um einen imposanten Anbau mit vier Gebäudekomplexen erweitert. „Die Erweiterung wurde unter anderem nötig, um künftig riesige Sonnenschirme mit einem Ausmaß von 30 x 30 m herstellen zu können. Ein Teil der durch den 4300 m2 großen Komplex gewonnenen Fläche wird für die Produktionserweiterung eingesetzt, ein Teil als...
Das Geschäft des Schirmherstellers MDT in Hardheim blüht – und dies nicht nur aufgrund der markanten Tulpenschirme – invertierter, also umgedrehter, Sonnenschirme – für die das Unternehmen bekannt ist. Um der steigenden Nachfrage zu entsprechen, wurde der Stammsitz in Hardheim um einen imposanten Anbau mit vier Gebäudekomplexen erweitert. „Die Erweiterung wurde unter anderem nötig, um künftig riesige Sonnenschirme mit einem Ausmaß von 30 x 30 m herstellen zu können. Ein Teil der durch den 4300 m2 großen Komplex gewonnenen Fläche wird für die Produktionserweiterung eingesetzt, ein Teil als Lager“, erläutert der Bilanzbuchhalter Thorsten Kalipp, der das Neubauprojekt begleitete.

Vier Hallen unter einem Dach

Der Neubaukomplex fasst vier unterschiedlich lange Hallen unter einem Dach zusammen, womit sich die Frage nach einer effektiven Entwässerung der weitläufigen Dachfläche stellte, die nur mit einem Druckströmungssystem beantwortet werden kann. Die Entscheidung fiel zugunsten eines Polyethylen-Rohrsystems in Verbindung mit einem vorbeugenden Brandschutz im Gullybereich – ein System, das sich durch hohe Wirtschaftlichkeit, geringe statische Last und eine schnelle, leichte Montage auszeichnet. Jeder Hallenteil wurde entwässerungstechnisch gesondert berechnet. Dies gab uns die Dachgeometrie vor. Die Sammelleitungen führen dann das Wasser unterhalb der Tiefpunkte zu den Grundleitungsanschlüssen“, erläutert Versorgungstechniker Frank Birwe, der bei der Sita Bauelemente GmbH die technischen Detailberechnungen ausführt. Für Transparenz bis hin zur Materialliste sorgte das spezielle PC-gestützte Planungsprogramm des Druckentwässerungsspezialisten. Per CAD-System wurde die gesamte Planung sichtbar gemacht und mit dem Auftraggeber abgestimmt. Zur Sicherheit wurde dabei auch eine Kollisionsprüfung durchgeführt, die bösen Überraschungen durch „kollidierende“ Bauwerksträger etc. vorbaut.

 

Brandschutzeinheit und Gully in einem

Durch die Entscheidung für den „SitaFiresafe“, einer komplett vormontierten Brandschutzeinheit mit integriertem Gully, wurden mehrere Anforderungen gleichzeitig erfüllt. Erstens wurde so der DIN 18234 Teil 3 bis 4 entsprochen, die vorschreibt, bei allen Durchdringungen großer Industriehallen vorbeugende Maßnahmen gegen die Brandweiterleitung zu ergreifen. Zweitens beantwortete die vormontierte Brandschutzeinheit, die komplett vom Dach aus installiert wird, den Wunsch des Auftraggebers nach einer wirtschaftlichen, zeitsparenden Lösung, denn der Termin für die anschließenden Bodenarbeiten definierte ein genau einzuhaltendes, enges Zeitfenster. Nachträgliche brandschutztechnische Ummantelungen, die Zeit und zusätzlichen Geräteeinsatz erfordern, konnten so vermieden werden.

Insgesamt 33 feuerfeste „SitaFiresafe“ mit integriertem „Sita­DSS Profi“-Dachgully und Aufstockelement wurden verbaut. Zusätzlich ausgestattet mit einem

„SitaAnstaulement“ übernehmen elf Einheiten die Funktion der Notentwässerung. Vormontiert und mit allen erforderlichen Bauteilen geliefert, waren die Brandschutzeinheiten schnell in den Tiefpunkten des Trapezblechdachs verbaut. Dank des ankonfektionierten Verstärkungsblechs konnten die Brandschutz-Gully-Einheiten direkt verschraubt werden. Entsprechend den Brandschutzregeln wurde der Bereich des Verstärkungsblechs mit „MIFA“-Vollsickenfüllern versehen. Ein bituminöser Anstrich von Gullykragen und Verstärkungsblech bereitete hier den Anschluss der Dampfsperre vor. Wie in der DIN vorgeschrieben, wurde nun jeweils mittig über den Brandschutzeinheiten eine nicht brennbare Dämmung von 1 m x 1 m aufgebracht. Den Anschluss der Aufstockelemente, die in Hardheim ein Wärmedämmpaket von 150 mm überbrücken, sichern jeweils mehrlippige Winkeldichtringe und die mechanische Fixierung der Wunschanschlussmanschette, die hier passend zur Dachbahn aus Bitumen besteht. Mit dem abschließenden Aufsetzen des Kiesfangs, bzw. der auf 35 mm justierten Anstauelemente für die Notentwässerer, waren die Dacharbeiten abgeschlossen. Alles war nun bereit für die Montage der Druckströmungsanlage im Innenbereich der Halle – denn mit integrierter Brandschutzmanschette und ankonfektioniertem Anschlussrohr, das anschlussbereit in den Innenraum ragte, war das Feld für die Installationsarbeiten perfekt bereitet.

DSS-System auf der Schiene

„Für das DSS-System hatte sich MDT auch aufgrund der platz­sparenden, parallel zur Decke verlaufenden Installation mit wenigen Fallrohren entschieden, die eine optimale Nutzung der Hallen unterstützt. Pro Dachfläche (Sammelleitung) haben wir nur eine Fallleitung, die die Regenspende der Dachgullys zusammenfasst. Unauffälliger kann effektive Entwässerung nicht realisiert werden“, so Cengiz Karadeniz, Key Account Manager der Sita, der die gesamte Installation begleitete. Unterstützt wurde die zügige Installation durch das „SitaRail“-System, einer vormontierten Befestigungseinheit für die Schnellmontage von PE-Rohren. Dank der SitaDSS-Montageschienen werden die innenliegenden, horizontalen Rohre der Unterdruckentwässerung in einem genau definierten Abstand gehalten. Einer thermisch bedingten Längen­ausdehnung und Durchbiegung der PE-Rohre wird damit vorgebaut. Bewegungen, die entstehen, wenn das Regenwasser unter Druck in die Rohrleitungen schießt, werden von der Haltekonstruktion abgefangen. Alle dafür erforderlichen Bauteile bis hin zur Baukörperbefestigung sind innerhalb des Systems aufeinander abgestimmt, was nicht nur die sichere, sondern auch die schnelle Konstruktion unterstützt. Nach knapp drei Monaten Bauzeit waren rund 395 Rohrmeter für die Hauptentwässerung und 205 m für die parallel angelegte Notentwässerung verbaut.

Auf dem Hallendach sichern jetzt 22 „Firesafe“ eine Ablaufleistung von 133 l/s. Elf Elemente, die für die Notentwässerung mit einem Anstauelement von 35 mm ausgestattet wurden, wachen über die statische Belastung. Steigt der Wasserspiegel auf dem Dach über die definierte Anstauhöhe von 35 mm, entlasten sie den Dachaufbau zusätzlich um 68,4 l/s. Zusätzlich sichern Wasserspeier im Attika-Bereich die außenliegenden Tiefpunkte ab.

Fazit

Je größer die Dachfläche, umso schneller sammeln sich dort Regenmassen, die in Sekundenschnelle zu einer statischen Gefährdung werden können. Hinzu kommt die Belastung durch die in letzter Zeit immer häufiger auftretenden extremen Regenereignisse. Die Region um Hardheim, die einen Berechnungsregen r(5,5) von 320 l/(s ha) und einen Jahrhundertregen von r(5,100) von 605 l/(s ha) aufweist, liegt hier im oberen Mittelfeld. Somit trägt das leistungsstarke Druckströmungsentwässerungssystem dazu bei, den neuen Hallenkomplex, in den eine 7-stellige Summe geflossen ist, effektiv zu schützen. Der nächste Starkregen in Hardheim kann kommen. Produktionsanlagen und Sonnenschirme bleiben im Trockenen.

Jetzt Artikel freischalten:

tab DIGITAL

14 Tage kostenlos testen

2,49 € / Woche*

Fachwissen jederzeit und überall.

Greifen Sie auf exklusive PLUS-Artikel und das komplette Online-Archiv zu und lesen Sie tab bequem im E-Paper-Format. Das digitale Abo für alle, die flexibel bleiben möchten.

Ihre Vorteile:

  • Exklusive tab-PLUS-Artikel
  • 6 E-Paper für mobiles Lesen
  • Online-Archivzugang

*129,48 € bei jährlicher Abrechnung inkl. MwSt.

Jetzt bestellen

tab KOMBI

4,99 € / Woche*

Das komplette tab-Erlebnis – digital & gedruckt.

Für alle, die Fachinformationen auf allen Kanälen nutzen möchten: Kombinieren Sie Print und Digital, profitieren Sie von unseren Fachforen und präsentieren Sie Ihr eigenes Projekt.

Ihre Vorteile:

  • Exklusive tab-PLUS-Artikel
  • 6 Print-Ausgaben pro Jahr
  • E-Paper für mobiles lesen
  • Teilnahme an einem Fachforum
  • Online-Archivzugang
  • Veröffentlichen eines Projekts

*259,48 € bei jährlicher Zahlung inkl. MwSt. & Versand

Jetzt bestellen

Thematisch passende Artikel:

Ausgabe 7-8/2010

„Lotsen“ für die Notentwässerung

Die Flughafenwerft von Air Berlin in Düsseldorf

Check Hangar 8:24 h an sieben Tage pro Woche, 365 Tage pro Jahr. Das ist der Timetable für Hangar 8, die Flughafenwerft von Air Berlin am Düsseldorfer Flughafen. Die schnelle Wartung und Reparatur...

mehr
Ausgabe 11/2018

Entwässerung mit Zweitnutzeneffekt

Regen wird auf Zeitreise geschickt

Normalerweise ist es das Bestreben, Regenwasser schnell vom Dach und vom Gebäude abzuführen. Bei dem Lagerhallenneubau der Weinmann & Schanz GmbH, Versandgroßhandel für die Sanitär-, Heizungs-...

mehr
Ausgabe 09/2025

Entwässerungslösung für steigende Regenmengen

Sanierung einer 70 Jahre alten Flachdachentwässerung im laufenden Betrieb

Wie saniert man die Entwässerung eines Ensembles von Bestandsgebäuden, wenn über den alten Grundleitungen Bauwerke, Maschinen oder ganze Produktionsanlagen stehen? Diese Frage stellte sich bei der...

mehr
Ausgabe 10/2017

Flachdach-Notentwässerung

Wenn der große Regen kommt

Überflutete und eingestürzte Flachdächer, Regenwasser, das über Anschlüsse in Gebäude eindringt, Rückstau von überlasteten Kanalisationen: Die Folgen der Extremwetter werden immer häufiger...

mehr
Ausgabe 04/2017

Normgerechte Kaskadenentwässerung

Die Regenspende in geregelte Bahnen lenken

Ein Anbau an ungünstiger Stelle? Eine stufenförmig angeordnete Balkonfassade beim Neubau? Staffelgeschosse, die über mehrere Etagen reichen? Nicht immer lässt der Baukörper zu, die Regenspende...

mehr