Die Technik unter dem Dach
Druckstromentwässerung mit vorbeugendem BrandschutzDie neue Produktions- und Lagerhalle von MDT ist ein Musterbeispiel für die Anwendung der DIN 18234, die auch den vorbeugenden Brandschutz bei kleinen Durchdringungen vorschreibt. In dem Gebäude in Hardheim wurde eine DIN-gerechte Entwässerungslösung samt vorbeugendem Brandschutz realisiert.
Vier Hallen unter einem Dach
Der Neubaukomplex fasst vier unterschiedlich lange Hallen unter einem Dach zusammen, womit sich die Frage nach einer effektiven Entwässerung der weitläufigen Dachfläche stellte, die nur mit einem Druckströmungssystem beantwortet werden kann. Die Entscheidung fiel zugunsten eines Polyethylen-Rohrsystems in Verbindung mit einem vorbeugenden Brandschutz im Gullybereich – ein System, das sich durch hohe Wirtschaftlichkeit, geringe statische Last und eine schnelle, leichte Montage auszeichnet. Jeder Hallenteil wurde entwässerungstechnisch gesondert berechnet. Dies gab uns die Dachgeometrie vor. Die Sammelleitungen führen dann das Wasser unterhalb der Tiefpunkte zu den Grundleitungsanschlüssen“, erläutert Versorgungstechniker Frank Birwe, der bei der Sita Bauelemente GmbH die technischen Detailberechnungen ausführt. Für Transparenz bis hin zur Materialliste sorgte das spezielle PC-gestützte Planungsprogramm des Druckentwässerungsspezialisten. Per CAD-System wurde die gesamte Planung sichtbar gemacht und mit dem Auftraggeber abgestimmt. Zur Sicherheit wurde dabei auch eine Kollisionsprüfung durchgeführt, die bösen Überraschungen durch „kollidierende“ Bauwerksträger etc. vorbaut.
Brandschutzeinheit und Gully in einem
Durch die Entscheidung für den „SitaFiresafe“, einer komplett vormontierten Brandschutzeinheit mit integriertem Gully, wurden mehrere Anforderungen gleichzeitig erfüllt. Erstens wurde so der DIN 18234 Teil 3 bis 4 entsprochen, die vorschreibt, bei allen Durchdringungen großer Industriehallen vorbeugende Maßnahmen gegen die Brandweiterleitung zu ergreifen. Zweitens beantwortete die vormontierte Brandschutzeinheit, die komplett vom Dach aus installiert wird, den Wunsch des Auftraggebers nach einer wirtschaftlichen, zeitsparenden Lösung, denn der Termin für die anschließenden Bodenarbeiten definierte ein genau einzuhaltendes, enges Zeitfenster. Nachträgliche brandschutztechnische Ummantelungen, die Zeit und zusätzlichen Geräteeinsatz erfordern, konnten so vermieden werden.
Insgesamt 33 feuerfeste „SitaFiresafe“ mit integriertem „SitaDSS Profi“-Dachgully und Aufstockelement wurden verbaut. Zusätzlich ausgestattet mit einem
„SitaAnstaulement“ übernehmen elf Einheiten die Funktion der Notentwässerung. Vormontiert und mit allen erforderlichen Bauteilen geliefert, waren die Brandschutzeinheiten schnell in den Tiefpunkten des Trapezblechdachs verbaut. Dank des ankonfektionierten Verstärkungsblechs konnten die Brandschutz-Gully-Einheiten direkt verschraubt werden. Entsprechend den Brandschutzregeln wurde der Bereich des Verstärkungsblechs mit „MIFA“-Vollsickenfüllern versehen. Ein bituminöser Anstrich von Gullykragen und Verstärkungsblech bereitete hier den Anschluss der Dampfsperre vor. Wie in der DIN vorgeschrieben, wurde nun jeweils mittig über den Brandschutzeinheiten eine nicht brennbare Dämmung von 1 m x 1 m aufgebracht. Den Anschluss der Aufstockelemente, die in Hardheim ein Wärmedämmpaket von 150 mm überbrücken, sichern jeweils mehrlippige Winkeldichtringe und die mechanische Fixierung der Wunschanschlussmanschette, die hier passend zur Dachbahn aus Bitumen besteht. Mit dem abschließenden Aufsetzen des Kiesfangs, bzw. der auf 35 mm justierten Anstauelemente für die Notentwässerer, waren die Dacharbeiten abgeschlossen. Alles war nun bereit für die Montage der Druckströmungsanlage im Innenbereich der Halle – denn mit integrierter Brandschutzmanschette und ankonfektioniertem Anschlussrohr, das anschlussbereit in den Innenraum ragte, war das Feld für die Installationsarbeiten perfekt bereitet.
DSS-System auf der Schiene
„Für das DSS-System hatte sich MDT auch aufgrund der platzsparenden, parallel zur Decke verlaufenden Installation mit wenigen Fallrohren entschieden, die eine optimale Nutzung der Hallen unterstützt. Pro Dachfläche (Sammelleitung) haben wir nur eine Fallleitung, die die Regenspende der Dachgullys zusammenfasst. Unauffälliger kann effektive Entwässerung nicht realisiert werden“, so Cengiz Karadeniz, Key Account Manager der Sita, der die gesamte Installation begleitete. Unterstützt wurde die zügige Installation durch das „SitaRail“-System, einer vormontierten Befestigungseinheit für die Schnellmontage von PE-Rohren. Dank der SitaDSS-Montageschienen werden die innenliegenden, horizontalen Rohre der Unterdruckentwässerung in einem genau definierten Abstand gehalten. Einer thermisch bedingten Längenausdehnung und Durchbiegung der PE-Rohre wird damit vorgebaut. Bewegungen, die entstehen, wenn das Regenwasser unter Druck in die Rohrleitungen schießt, werden von der Haltekonstruktion abgefangen. Alle dafür erforderlichen Bauteile bis hin zur Baukörperbefestigung sind innerhalb des Systems aufeinander abgestimmt, was nicht nur die sichere, sondern auch die schnelle Konstruktion unterstützt. Nach knapp drei Monaten Bauzeit waren rund 395 Rohrmeter für die Hauptentwässerung und 205 m für die parallel angelegte Notentwässerung verbaut.
Auf dem Hallendach sichern jetzt 22 „Firesafe“ eine Ablaufleistung von 133 l/s. Elf Elemente, die für die Notentwässerung mit einem Anstauelement von 35 mm ausgestattet wurden, wachen über die statische Belastung. Steigt der Wasserspiegel auf dem Dach über die definierte Anstauhöhe von 35 mm, entlasten sie den Dachaufbau zusätzlich um 68,4 l/s. Zusätzlich sichern Wasserspeier im Attika-Bereich die außenliegenden Tiefpunkte ab.
Fazit
Je größer die Dachfläche, umso schneller sammeln sich dort Regenmassen, die in Sekundenschnelle zu einer statischen Gefährdung werden können. Hinzu kommt die Belastung durch die in letzter Zeit immer häufiger auftretenden extremen Regenereignisse. Die Region um Hardheim, die einen Berechnungsregen r(5,5) von 320 l/(s ha) und einen Jahrhundertregen von r(5,100) von 605 l/(s ha) aufweist, liegt hier im oberen Mittelfeld. Somit trägt das leistungsstarke Druckströmungsentwässerungssystem dazu bei, den neuen Hallenkomplex, in den eine 7-stellige Summe geflossen ist, effektiv zu schützen. Der nächste Starkregen in Hardheim kann kommen. Produktionsanlagen und Sonnenschirme bleiben im Trockenen.
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