Druckströmung für Hallenneubau

Langstreckenplanung für 28.500 m² Dachfläche

Ein 28.500 m2 großes Flachdach, aber nur eine Gebäudeseite, an der die Fallleitungen montiert werden konnten. Das war die besondere Herausforderung bei der Flachdach­entwässerung des Hallenneubaus der Fa. Carl Durach GmbH & Co. KG im bayrischen Todtenweis. Eine Druckströmungsanlage ebnet dem Regenwasser den Weg quer unter dem weitläufigen Dach entlang bis in eine Rigole und eine Versickerungsgrube.

Erweiterung von 30.000 m2 auf 55.600 m2 Dachfläche: So könnte man die aktuelle Entwick­lung des Traditionsunternehmens Carl Durach GmbH & Co. KG in Zahlen darstellen. Die Errichtung einer weitläufigen Logistikhalle, die als Fertigwaren- und Speditionslager dienen soll, ist die neueste Zukunftsinves­tition des bereits 1891 als Gurken- und Sauerkrautfabrik gegründeten Familienunternehmens mit Sitz nördöstlich von Augs­burg gelegenen Todtenweis. Der Neubau, der an ein 130 m langes Bestandsgebäude auf dem Firmengelände angebaut wurde, soll Flächen ersetzen, die vorher in Außenlagern ange­mietet...
Erweiterung von 30.000 m2 auf 55.600 m2 Dachfläche: So könnte man die aktuelle Entwick­lung des Traditionsunternehmens Carl Durach GmbH & Co. KG in Zahlen darstellen. Die Errichtung einer weitläufigen Logistikhalle, die als Fertigwaren- und Speditionslager dienen soll, ist die neueste Zukunftsinves­tition des bereits 1891 als Gurken- und Sauerkrautfabrik gegründeten Familienunternehmens mit Sitz nördöstlich von Augs­burg gelegenen Todtenweis. Der Neubau, der an ein 130 m langes Bestandsgebäude auf dem Firmengelände angebaut wurde, soll Flächen ersetzen, die vorher in Außenlagern ange­mietet wurden. Da ein Teil der jetzigen Lagerhallen in Produk­tionshallen umgewandelt wird, entstand ein zusätzlicher Platzbedarf. Außerdem sollte die gesamte Logistik zeitgemäß optimiert werden. In der neuen Ausbaustufe kann ein Großteil der Waren nun direkt versandfertig palettiert und kommissioniert die Reise von der Produktion in den Handel antreten.

Konzentration im Westen

Der Bauherr wollte keine Grundleitungen unter dem neuen Gebäude, auch weil sich unter einem Teil des Neubaus noch eine Bestandsrigole befindet und ein ungünstiger Grundwasserstand vorliegt. Er stellte der Sita Bauelemente GmbH damit eine besondere Planungsaufgabe. Die gesamte Regenmenge, gut 720 l/s bei der Hauptentwässerung, sollte in die Rigole am Bestandsgebäude und in eine Versickerungsgrube entwässert werden, die sich im Westbereich des weitläufigen Firmengrundstück befindet. Bei einer Gebäudegröße von 160 m x 160 m war daher mit einzelnen Regenwassersträngen von bis zu ca. 180 m zu rechnen, bis das Wasser von der Waagerechten in die Senkrechte geführt werden konnte. Realisierbar war dies nur mit einer Druckströmungsanlage, die im Vergleich zu einer Freispiegelanlage ohne Gefälle auskommt. Nur ein Unterdrucksystem, das auch bei waagerechter Verlegung unter der Decke die gewünschte Entwässerungsleistung sicherstellt, konnte die riesigen Verzugslängen vor Ort ohne Einschränkung der Hallennutzbarkeit bewältigen.

Entwässerung im „grünen Bereich“

Der Kostra-Katalog des Deutschen Wetterdienstes weist für den Ort Todtenweis keine Besonderheiten aus. Mit einem Berechnungsregen von 310 l/(s ha) und einem Jahrhundertregen von 584 l/(s ha) liegt der Ort im ganz normalen Mittelwert. Die Hauptentwässerung übernehmen heute 90 „SitaDSS“-Profigullys DN 70, die ca. 720 l/s vom Dach schaffen. Um die 12 cm starke Wärmedämmung zu über­brücken, wurden sie zusätzlich mit Sita-Aufstockelementen aus­ge­rüstet. Ausgestattet mit einer Wunschanschlussmanschette erleichterten sie den Anschluss an die „Sikaplan“-Dach­bahn. Spenglermeister Richard Rigel sieht die Vorteile: „Eine Klemmflanschkonstruktion ist arbeits­intensiver. Man muss die Folie genau ausschneiden, die Profilaussparung für den Klemmring exakt ausschälen und dann das Ganze mit dem Spannring/ Klemmring verschrauben. Bei Gullys mit Dichtmanschette wird nur die Aussparung für den Gullytopf ausgeschnitten, der Gully eingesetzt und direkt verschweißt. Das bedeutete: Ein bis zwei Arbeitsgänge weniger. Schnelleres und einfacheres Eindichten mit weniger Bauteilen.“

Alle „SitaDSS“-Profigullys sind mit dem „SitaAirstop“ ausgestattet, der die durch die „Coriolis-Kraft“ verursachte Lufteinführung in das Rohr verhindert. So kann das System bereits bei geringen Regenmengen den gewünschten Unterdruck im Rohrleitungssystem erzeugen, der per Saug-Hebe-Effekt schnell, sicher und effektiv entwässert. Schon bei abschnittsweiser Vollfüllung der Rohre entsteht ein Druck, der zu der hohen Fließgeschwindigkeit führt, die DSS-Systeme auszeichnet.

Für die Notentwässerung wurden 58 Gullys des gleichen Typs eingesetzt, die zusätzlich mit Sita-Anstauelementen versehen wurden. Tritt bei einem Starkregenereignis die Notentwässerung in Aktion, entsorgen die an den gelben Sita-Anstauelementen erkennbaren Notentwässerungslinien zusätzlich bis zu 440 l/s auf frei überflutbare Flächen an den Gebäudeaußenseiten.

Langstreckenplanung

Insgesamt 3300 m PE-Rohre verbinden sich unter dem ca. 25 600 m2 großen Neubau-Flachdach, das an ein 2900 m2 großes Bestandsdach anschließt, zu einem komplexen Entwässerungssystem. Während die Notentwässerung frei auf das Grundstück entwässert, führt die Hauptentwässerung die Regenspende über teilweise außenliegende Grundleitungen in betriebseigene Rigolen- und Versickerungsanlagen – ohne eine öffentliche Kanalisation mit Regenwasser zu belasten.

Ein Entwässerungsgutachter hatte ermittelt, dass die Bestandsrigole, die sich heute unter einem Fünftel der neu angebauten Halle erstreckt, noch Kapazitäten frei waren. Die restliche Regenspende sollte unter dem Neubau über

120 m lange Rohrleitungen in eine ca. 15 m vom Gebäude entfernt liegende Versickerungsmulde geführt werden. Günter Durach jun. erläutert: „Wir konnten die großen Regenmengen, die bei der neuen Gebäudeausdehnung anfallen, nicht mehr über eine neue Rigole versickern, da wir einen sehr hohen Grundwasserstand haben.“ Auf dem Weg zur Versickerungsmulde unterqueren die Leitungen einen unternehmenseigenen Parkplatz und die Umfahrungsstraße der Halle.

Da die gesamte Entwässerung des Gebäudes auf die Westseite der Halle zuläuft, waren beachtliche Rohrlängen zu bewältigen. Die Installation der einzelnen bis zu 180 m langen PE-Rohrleitungen des Unterdrucksystems erforderte eine echte Langstreckenplanung zwischen den Bauausführenden. Sanitärinstallateur Panagiotis Tsitsikas erklärt: „Vor Ort wurden die 5 m langen Rohre mit Elektroschweißmuffen zur jeweiligen Rohrlänge verbunden und abschnittsweise verbaut. Obwohl wir nur mit einem kleinen Team im Einsatz waren, kamen wir zügig voran, was wir sicherlich auch dem exakt durchgeplanten Baukomponentensystem und der guten baubegleitenden Unterstützung vor Ort verdanken.“

Eine Kombination aus dem „SitaDSS“-Schnellmontagesystem und den Baukörperbefestigungen der Firma Dietul aus Kehlheim gibt dem weitläufigen Unterdruckleitungssystem sicheren Halt bis zur Übergabe in die Grundleitungen. Denn wenn das Wasser mit Unterdruck in die Rohre schießt, neigen Druckströmungssysteme dazu, eine „Eigendynamik“ zu entwickeln. Um dem vorzubeugen, wurden die horizontalen Rohre mittels begleitender Schiene alle 6,6 m an den Betonbindern mit eingelassenen Halfenschienen fixiert. Thermisch bedingte Längenausdehnungen und die Durchbiegung der Rohre werden damit unterbunden, auftretende Bewegungen der Druckströmungsentwässerung sicher in die Haltekonstruktion eingeleitet.

Fazit

Wirtschaftlichkeit stand bei dem Hallenneubau der Firma Durach ganz oben. Diesem Wunsch des Bauherrn trug das „SitaDSS“-System gleich mehrfach Rechnung. Durch die platzsparende, horizontale Verlegung und die Reduzierung der Fallrohre kann der Raum der neuen Speditions- und Logistikhalle optimal genutzt werden. Der hohe Vorfertigungsgrad der Einzelkomponenten und der systematische Aufbau unterstützten die zeitsparende Montage. Die geringeren Rohrdurchmesser, die typisch für dieses System sind, schlugen auch bei den Materialkosten positiv zu Buche. Und durch seine hohe Fließgeschwindigkeit hat das Unterdrucksystem sogar selbstreinigende Eigenschaften, ist also quasi wartungsfrei. Lediglich im Bereich der Kiesfänge und Grundleitungen sollte ab und an, ca. alle halbe Jahre, auf Fremdkörpereintrag, z. B. Laub, kontrolliert werden.

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