Öffentliche und kommunale Sanitäreinrichtungen

Sanitärräume mit besonderen Ansprüchen

Sanitärräume in öffentlichen Objekten und kommunalen Objekten erleben seit einigen Jahren mehr Aufmerksamkeit. Nicht zuletzt Sanierungsbedürftigkeit bei Bestandsbauten auf der einen Seite, die Novellierung der Trinkwasserverordnung auf der anderen Seite, aber auch die wachsende Erkenntnis, dass Sanitärräume als Visitenkarten nach innen und außen fungieren, haben die Bedeutung des Sanitärraums zumindest einen kleinen Schritt näher zum Planungsmittelpunkt gebracht. 

Welle der Sanierungsvorhaben

Sowohl in der Verwaltung als auch in öffentlichen Büroobjekten tendierte die Größe und Anzahl der dargebotenen Toilettenräume und Waschbereiche von Bestandsbauten und dabei insbesondere bei den Bauten aus den 70er Jahren, die heute meist als „Bausünden“ tituliert werden, eher gegen ein minimales Raumangebot. Einrichtung und Funktionalität waren als spartanisch zu bezeichnen. Öffentlich zugängliche Besuchertoiletten zeigen eher ein trübes Bild sowohl einer vernachlässigten Planung und Einrichtung, nicht selten auch einer minimalen Wartung und Betreuung....

Welle der Sanierungsvorhaben

Sowohl in der Verwaltung als auch in öffentlichen Büroobjekten tendierte die Größe und Anzahl der dargebotenen Toilettenräume und Waschbereiche von Bestandsbauten und dabei insbesondere bei den Bauten aus den 70er Jahren, die heute meist als „Bausünden“ tituliert werden, eher gegen ein minimales Raumangebot. Einrichtung und Funktionalität waren als spartanisch zu bezeichnen. Öffentlich zugängliche Besuchertoiletten zeigen eher ein trübes Bild sowohl einer vernachlässigten Planung und Einrichtung, nicht selten auch einer minimalen Wartung und Betreuung. Grundsätzliches Problem – die Budgets wurden im sanitären Bereich äußerst sparsam eingesetzt.Besondere Schwachstellen zeigten sich besonders dort, wo öffentliche und kommunale Gebäude stark frequentiert wurden. Insbesondere im schulischen oder auch Sportbereich. Anfang 2000 rollte eine erste Sanierungswelle heran. Da angesichts sinkender Schülerzahlen in Deutschland kaum noch neue Schulen gebaut werden, wird die Sanierung bestehender Schulgebäude immer wichtiger. Zugleich ist die Haushaltslage der Schulträger zumeist angespannt. Damit sind Einschränkungen innerhalb der Sanierungen fast unumgänglich. Fördermittel, wie das Konjunkturpaket II sind zudem vorrangig für den Einsatz energetischer Sanierungen vorgesehen, so dass der Bereich der Toilettenanlagen und Waschräume auch heute noch stark begrenzten Budgets unterliegt.

Sanitärräume in Neubauten

Auch wenn Neubauten nicht derartig schmalen Budgetbedingungen unterliegen, scheinen Sanitärräume dennoch nicht zum Planungs­mittel­punkt zu gehören. Immer noch sind Toilettenanlagen und Wasch­räume häufig den tatsächlichen Nutzungsansprüchen- und Fre­quen­tierungsaufkommen nicht angepasst. Weniger sind es die überdimensionierten Anlagen als vielmehr zu klein geplante Toilettenbereiche, die zu einem Hygieneproblem werden können. Hier wäre oft im Vorfeld mehr planerische Für- und Vorsorge wünschenswert und auch entsprechende Abstimmung mit Bauherren und gegebenenfalls Betreibern. Es gibt durchaus Lösungen, die sich selbst schwankenden Frequentierungen anpassen können. Solche Systemkomponenten sind schnell montier- und installierbar und bieten die nötige Flexibilität auf, sich auf wandelnde Nutzungsbedingungen einzustellen.

 

Neue Schwerpunkte der Sanierung im sanitären Bereich

In den letzten Jahren hat sich trotz oft enger budgetärer Rahmenbedingungen in öffentlichen Sanitärbereichen einiges bewegt. Hygiene wird ernster genommen. Toilettenanlagen, Wasch- und Duschräume gehören in aller Regel zum Sanierungsvorhaben, das im Machbaren von den Verantwortlichen vorangetrieben wird. Nicht zuletzt die Novellierung der Trinkwasserverordnung hat zudem gerade im technischen Bereich der Lösungen hinter der Wand die Aktivitäten hinsichtlich Sanierungen und Renovierungen forciert. Aspekte des gesunden, legionellenfreien Trinkwassers, der bakteriell einwandfreien Wasserentnahme bei Duschen und Waschplätzen hat ein neues Bewusstsein bei vielen Betreibern und Gebäudeeignern geschaffen. Auch in Gebäuden des Schwimmbad- und Freizeitsports sind Sanierungen ein bedeutendes Thema, das einhergeht mit einem neuen Bewusstsein der Trinkwasserhygiene, aber auch der Hygiene und Sauberkeit des Sanitärraums. In den letzten Jahren sind damit zahlreiche Aspekte innerhalb des Sanitärraums in den Vordergrund gerückt, die noch vor der Jahrtausendwende keinen derartigen Stellenwert im öffentlichen Raum einnahmen. Neben den Aspekten der Trinkwasserhygiene und Hygiene mit den Kriterien der Pflege, Reinigung und Wartung sind Aspekte der Funktionalität und Bedienungssicherheit neben Langlebigkeit, Flexibilität und Vandalismusschutz von zentraler Bedeutung.

 

Trinkwasserhygiene

Sauberes, bakteriologisch unbedenkliches Wasser ist das A und O der menschlichen Gesundheit. Innerhalb des öffentlichen Raumes sind Legionellen- und Pseudomonadenkontaminationen zentrale Proble­me innerhalb der Hausinstallation. Nur eine Anlage die nach den Regeln der Technik installiert, gewartet und betrieben wird, bietet die Voraussetzungen für Kontaminationsfreiheit. Die Trinkwasserhygiene stellt im öffentlichen Raum ein immer größeres Problem dar, nicht zuletzt durch zahlreiche sanierungsbedürftige Anlagen mit schlechten Isolierungen, Totleitungen oder überdimensionierten Leitungsnetzen bieten ein großes Aufgabenfeld für Sanierungen und Renovierungen.

 

Hygiene

Die Hygiene des öffentlichen Sanitärraums bietet seinen Nutzern gesundheitliche Sicherheit und Unbedenklichkeit beim Gebrauch der Anlagen. Sanitäranlagen sollten daher so konzipiert sein, dass sie die Reinigung und Pflege durch das Servicepersonal maßgeblich vereinfachen. Materialien sollten sich einfach reinigen lassen, Säuren und Putzmitteln keine Angriffsfläche bieten und nicht zu Korrosionen neigen.

Auch die Form der Sanitärelemente leistet einen wichtigen Beitrag zur Hygiene. Waschbecken, die stehendes Wasser vermeiden, ein integrierter Spritzschutz zur Wand, wandhängende Toiletten, unter denen bequem der Boden gereinigt werden kann, sind nur einige wichtige Elemente.

Neue Technologien wie z. B. Ringspülungen beim WC, wasserlose Urinale mit hygienischer Membrantechnologie, aber auch berührungsfreie Armaturen sichern ebenfalls eine hygienische Nutzung wie auch eine vereinfachte Pflege und Reinigung.

 

Service und Wartung

Service und Wartung sind zwei wichtige Aspekte im modernen Sanitärraum. Je aufwendiger Wartungseinsätze sind, desto größer ist die Gefahr, dass diese Arbeiten nicht sorgfältig und regelmäßig durchgeführt werden. Aber es gibt Entwicklungen, die Aufwand und auch Kosten sparen. Beispielsweise Duschelemente mit revisionsfähiger Haubenklappenvorrichtung können eventuelle Montage- und wichtige Wartungsarbeiten maßgeblich erleichtern, da notwendige Arbeiten ausgeführt werden können, ohne dass die Rohrleitungen demontiert werden.

Auch die drahtlose Kontrolle und Dokumentation per Laptop ist innerhalb der modernen Armaturentechnologie bereits möglich und zwar per Funkübertragung, z. B. mit einem so genannten WRC-System.

 

Montage

Die Gefahr von Vandalismus, die hohen Sicherheitskriterien, die starke Frequentierung, die Auflagen der Hygiene und Trinkwasserhygiene stellen besondere Anforderungen auch an die Montage der Produkte. Die Tatsache, dass in einem Raum nicht nur zwei, sondern oft zehn oder mehr Waschanlagen, Duschen etc. montiert werden müssen, macht die Sache für den Ausführenden nicht einfacher. Produkte, die ein umständliches Maßnehmen vereinfachen, wie z. B. Systemträger mit Markierungen für Duschelemente sind ein wichtiges Montagehilfsmitte. Aber auch Elemente, die leichter – sogar von nur einer Person – zu transportieren und montieren sind, z. B. Waschanlagen aus einem robusten Verbundwerkstoff, wie z. B. Mineralstahl, bieten klare Vorteile. Elemente müssen einfach zu montieren sein und gleichzeitig genügend Stabilität und Robustheit aufbieten. Das gilt sowohl für Aufputz-, als auch Unterputzlösungen. Durchdachte Sanitärsysteme erlauben eine abgestimmte Kombination aus UP- und AP-Elementen, um so den optischen Gesamteindruck durchgängig und ästhetisch zu halten.

 

Funktionalität

Die Funktionalität ist nicht nur entscheidend für die Bedienungsfreundlichkeit der Sanitärelemente, sie hat auch entscheidenden Einfluss auf die Langlebigkeit und Sicherheit. Sie muss auf die Bedürfnisse des öffentlichen Raumes zugeschnitten sein. Sanitärelemente, die im privaten Bad gebräuchlich sind, haben im öffentlichen Sanitärraum keinerlei Berechtigung und können echte Gefahrenstellen bergen.

Für den öffentlichen Raum wurden spezielle Produkte konzipiert, wie Papierhandtuchspender, die ein leichtes Entnehmen und Nachrücken des Papiervorrats zulassen und die zudem leicht nachzufüllen sind, Toilettenpapierrollenhalter, die ein sicheres Nachrücken der Vorratspapierrollen erlauben, und Flüssigseifenspender zur Unterputz- und Aufputzmontage mit vandalensicherer zur-Wand-Druck-Entnahme der Seife. Aber nicht nur bei den Accessoires ist Funktionalität wichtig. Duschelemente per Piezotaster-Auslösung und praktischer Start-Stopp-Funktion, bzw. berührungsfreie Armaturen machen die Nutzung einfach und angenehm.

Bedienungssicherheit

Einher mit der Funktionalität geht die Bedienungssicherheit. Der Nutzer muss die Elemente einfach und sicher nutzen können. Form, Funktion und Materialien müssen sich damit den oft starken Frequentierungen stellen können. Defekte Elemente oder gestörte Funktionen sind ein Hygiene- und Sicherheitsrisiko, bzw. leisten sogar dem Vandalismus Vorschub.

 

Der optische Gesamteindruck

Ein nicht zu unterschätzender Aspekt ist der optische Auftritt öffentlicher Sanitäranlagen. Architektonische Lösungen, ein übersichtliches Angebot unterschiedlicher Sanitärkomponenten, Wahrung des Intimbereichs (z. B. durch Schamwände bei Urinalen), Lichtelemente, gefällige Formen sowie geeignete Materialien sind u.a. entscheidende Faktoren eines positiven Gesamteindrucks. Es gilt als erwiesen, dass ein ansprechendes Gesamtbild von Sanitärräumen wesentlich zum pfleglichen Umgang mit dem Inventar beiträgt. Bewährt haben sich im öffentlichen Raum Materialien wie z. B. Edelstahl rostfrei und Verbundwerkstoffe, die als sehr robust, langlebig und pflegeleicht gelten.

 

Flexibilität

Nicht jeder öffentliche Sanitärraum unterliegt der gleichen Frequen­tie­rung. Oft wird sogar der gleiche Sanitärraum mal mehr, mal we­ni­ger genutzt. Einrichtung und Ausstattung müssen Stoßzeiten genauso überstehen, wie in Ruhezeiten gleichbleibende Sicherheit, Sauberkeit und Funktionalität bieten. Grundsätzlich sind natürlich Ruhezeiten für ein Leitungsnetz ein Problem, da die Gefahr der Ansiedelung von Legionellen oder Pseudomonaden besteht. Mit regelmäßigen Hygienespülungen kann diesem Problem effizient begegnet werden. Regelmäßige Kontrollen und Überwachungen auch weniger genutzter Sanitärräume sind unerlässlich. Entsprechende Kontrollsysteme erleichtern den Aufwand für den Betreiber.

 

Mehr Kommunikation für individuelle Lösungsansätze

Der öffentliche Sanitärraum stellt an Planer, Architekten, Installateure und Betreiber spezielle Anforderungen. Aber auch die Produkte, die in diesem Bereich zum Einsatz kommen, müssen sich den besonderen und hohen Anforderungen stellen können. Eine willkürliche Wahl kostet Geld und Zeit – beides gibt das Budget öffentlicher und kommunaler Bauträger nicht her. Es ist also wichtig, sich im Vorfeld ausreichend zu informieren. Das Gespräch mit Experten und in diesen Bereichen kompetenten Unternehmen ist der erste Schritt zu abgestimmten Lösungen.

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