VDMA Gebäudetechnik vermisst klaren strategischen Rahmen – EPBD-Umsetzung bleibt entscheidend
11.03.2026Die Debatte um das Gebäudemodernisierungsgesetz (GMG) zeigt: Politische Zielvorstellungen und technische Realität laufen noch immer nicht synchron. Dabei gibt es bereits Lösungen – was fehlt, ist eine konsequente Ausrichtung auf die tatsächliche Zielerreichung im Gebäudesektor.
Aus Sicht des VDMA Forum Gebäudetechnik sind beim GMG, vormals Gebäudeenergiegesetz (GEG), noch zentrale Fragen offen.
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Aus Sicht des VDMA Forum Gebäudetechnik sind beim GMG, vormals Gebäudeenergiegesetz (GEG), noch zentrale Fragen offen: Wie soll der Gebäudesektor seine Klimaziele erreichen? Und: Wo bleibt die klare strategische Linie, die Planungssicherheit für Investitionen schafft und die europarechtlichen Anforderungen ernst nimmt? Der VDMA verweist auf seine jüngste Kurzposition zum GMG, in welcher er klarstellt, dass Stabilität, Verlässlichkeit und die 1:1 Umsetzung der europäischen Gebäuderichtlinie Energy Performance of Building Directive (EPBD) die Grundvoraussetzung für funktionierende Modernisierungspolitik sind. Rückschritte bei Betreiberpflichten, Gebäudedigitalisierung oder Systemeffizienz würden den Gebäudesektor dagegen erneut verunsichern – mit negativen Folgen für Investitionen und Klimawirkung.
VDMA: Klarer strategischer Rahmen erforderlich
Die Eckpunkte versprechen Technologieoffenheit, Vereinfachung und Flexibilität. Gleichzeitig entfallen zentrale Regelungen des bisherigen GEG, während die EPBD zwar als europäischer Rahmen benannt wird, ihre Umsetzung jedoch offenbleibt – was den Eindruck erwecken kann, dass europäische Vorgaben erneut aufgeschnürt oder verzögert werden.
Christoph Singrün, Geschäftsführer VDMA Pumpen + Systeme.
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„Die Eckpunkte schaffen Bewegung, lassen aber offen, wie unter diesen Bedingungen ein klimaneutraler Gebäudebereich erreicht werden soll. Werden klare Vorgaben im Bestand relativiert, entstehen Risiken für Investitionen, Planung und Klimawirkung. Der Abschied von der alten Struktur darf nicht bedeuten, dass Klimaneutralität künftig nur noch eine nachrangige Option ist,” betont Sascha Seiß, stellvertretender Vorsitzender des Lenkungskreises Forum Gebäudetechnik.
Die Kurzposition des VDMA betont: Energieeffizienz im Betrieb ist der zentrale Hebel – nicht erst seit der Abschaffung der 65-Prozent-Regel. Dort, wo Systeme über Jahrzehnte laufen, entstehen die größten CO₂-Einspareffekte. Pumpentechnik, hydraulischer Abgleich, Regelungstechnik, Armaturen, Gebäudeautomation, Lüftungssysteme – all das sind bewährte, wirtschaftliche Hebel, die ohne stabile Regelungen an Wirkung verlieren.
EPBD Umsetzung wichtiger als GMG
Die Branche macht deutlich: Das GMG wird nicht der große Wurf sein können, solange die europäische Gebäuderichtlinie – die EPBD – nicht konsequent, vollständig und fachlich korrekt umgesetzt wird. Christoph Singrün, Geschäftsführer VDMA Pumpen + Systeme stellt fest: „Die Technische Gebäudeausrüstung ist der Ort, an dem die Wärmewende tatsächlich funktioniert. Wenn Deutschland ernsthaft modernisieren will, braucht es eine klare, unverrückbare EPBD Umsetzung und digitale Mindeststandards im Betrieb. Ohne eine robuste Effizienzarchitektur lässt sich eine Wärmewende nicht steuern – und schon gar nicht bilanzieren.“
Die EPBD reduziert den politischen Spielraum bewusst. Sie schreibt Betriebsoptimierung, Monitoring, Innenraumqualität, Mindestleistungsstandards und eine digitale Betriebsbasis vor. Diese Vorgaben sind zwingend – und sie fehlen in den Eckpunkten bislang an mehreren Stellen.
Grüne Gase: Ergänzung, nicht Ersatz für Effizienz
Peter Müller-Baum, Geschäftsführer VDMA Power-to-X-for-Applications.
Bild: VDMA
Dr. Dennis Rendschmidt, Geschäftsführer VDMA Power Systems.
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Mit der geplanten Grüngasquote für den Gebäudesektor baut die Regierung auf ein im Koalitionsvertrag angelegtes Instrument auf. Richtig ausgestaltet, hat der VDMA sich bereits positiv zu einer Quote zur Erreichung der Treibhausgasminderung für die Industrie sowie Energie geäußert und begrüßt den Vorschlag zum Einsatz Hochlauf grüner Moleküle. Die noch auszudifferenzierende Quote wird sich am Ende an ihrem Beitrag zum Wasserstoffhochlauf und tatsächlichen Treibhausgasminderung messen müssen.
„Unter den richtigen Voraussetzungen kann eine Grüngasquote einen wirksamen Anreiz für den Hochlauf Grüner Gase schaffen und den stockenden Ausbau der Wasserstoffwirtschaft spürbar beschleunigen. Es wird jedoch auf die Details der Ausgestaltung ankommen, denn am Ende entsteht Klimaschutz nicht durch wohlklingende Etiketten, sondern durch reale Minderung von Treibhausgasen durch den Einsatz tragfähiger und zukunftsfähiger Technologien“, erklären Peter Müller-Baum, Geschäftsführer VDMA Power-to-X-for-Applications, und Dr. Dennis Rendschmidt, Geschäftsführer VDMA Power Systems.
Ein Gebäudemodernisierungsgesetz muss die Rahmenbedingungen so gestalten, dass Investitionen in die Modernisierung des Gebäudebestands wieder zunehmen und der seit Jahren rückläufige Trend gestoppt wird.
Dazu gehören aus Sicht des VDMA Gebäudetechnik insbesondere:
eine verbindliche Ausrichtung an der Klimaneutralität als Zielmarke für alle künftigen Entscheidungen,
die vollständige und fachlich korrekte Umsetzung der EPBD als zentrales Gesetz der Gebäudepolitik und muss mit energie- und systempolitischen Anforderungen abgestimmt werden,
eine spürbare Entlastung der Energiekosten für Verbraucher, bspw. durch eine Reform der Abgaben- und Netzentgeltsystematik,
und die konsequente Einführung sowie Umsetzung des ETS II auf europäischer Ebene, damit CO₂-Preissignale- marktwirksam und technologieoffen greifen.
Der Gebäudebereich braucht keinen Flickenteppich, sondern einen belastbaren europäischen Rahmen, der Investitionen ermöglicht und Effizienz zum Kern der Wärmewende macht.
