Hygiene in öffentlichen Sanitärräumen

Gesundheitsschutz geht vor!

Angeschlagene Waschtische, wackelige WC-Sitze, verschmutzte Urinale: Öffentliche Sanitärräume in desolatem Zustand sind nicht nur ein Ärgernis, sondern können auch zur Gesundheitsgefahr für die Besucher werden. Denn überall dort, wo sich Menschen die Klinke in die Hand geben, spielt Hygiene eine wichtige Rolle. Die VDI 3818 „Öffentliche Sanitärräume“ liefert Grundlagen und allgemeine Planungshinweise zur Hygiene in frei zugänglichen Sanitärbereichen.

Planerische Grundlage: Die VDI 3818

Mit Planungs- und Ausführungsempfehlungen liefert die VDI 3818 eine gute Arbeitsgrundlage für Planer, Installateure und Betreiber von öffentlichen Sanitäreinrichtungen. Als „öffentlich“ definiert die Richtlinie Sanitärräume, deren Besucher anonym und für Verschmutzungen oder Beschädigungen in der Regel nicht verantwortlich zu machen sind.

Unter Hygienegesichtspunkten fordert sie die „Bereitstellung einer ausreichenden Anzahl an sanitären Einrichtungen, die bedarfsgerecht lokalisiert und zweckmäßig ausgestattet sind“. Bewegungsflächen für ungehinderte,...

Planerische Grundlage: Die VDI 3818

Mit Planungs- und Ausführungsempfehlungen liefert die VDI 3818 eine gute Arbeitsgrundlage für Planer, Installateure und Betreiber von öffentlichen Sanitäreinrichtungen. Als „öffentlich“ definiert die Richtlinie Sanitärräume, deren Besucher anonym und für Verschmutzungen oder Beschädigungen in der Regel nicht verantwortlich zu machen sind.

Unter Hygienegesichtspunkten fordert sie die „Bereitstellung einer ausreichenden Anzahl an sanitären Einrichtungen, die bedarfsgerecht lokalisiert und zweckmäßig ausgestattet sind“. Bewegungsflächen für ungehinderte, möglichst kreuzungsfreie Bewegungsabläufe sowie ausreichende Ablageflächen unterstützen laut VDI hygienebewusstes Verhalten der Besucher ebenso wie klare Benutzungshinweise. Bereits die Eingangstür des öffentlichen Sanitärraumes sollte nach Möglichkeit berührungslos funktionieren, um eine Keimübertragung auszuschließen. Für die tägliche Reinigung und Pflege wichtig ist der Einsatz reinigungsfreundlicher, leicht zu desinfizierender Materialien. Mit den richtigen Produkten und Lösungen lassen sich die Vorgaben der VDI 3818 in den typischen Bereichen WC, Urinal und Waschtischanlage konsequent umsetzen.

 

Wandhängend WCs mit unsichtbarem Spülkasten

WCs bieten ein Stück Intimsphäre im öffentlichen Raum. Weil die Besucher hier unbeobachtet sind, unterliegen WC-Anlagen besonderen Anforderungen und müssen so gestaltet sein, dass sie leicht zu reinigen sowie widerstandsfähig sind. Wandhängende WCs bieten Vorteile bei der Reinigung, da sie keinen Standfuß haben, an dem sich Schmutzränder bilden könnten. Ein ausreichender Abstand zwischen Keramik und Boden erleichtert das Wischen des Bodens, eine Keramik mit glatter Außenkontur ist besonders einfach sauber zu halten. Moderne Vorwand-Installationssysteme bieten eine zuverlässige Befestigung für wandhängende Keramiken, die Vandalismus hohen Widerstand entgegensetzt. Unterputz-Spültechnik sollte Standard sein, da Aufputz-Spülkästen weniger reinigungsfreundlich und anfälliger für Beschädigungen sind.

Spülrandlose „Rimfree“-Keramiken sind leichter sauber zu halten als konventionelle WCs mit Spülrand und geben dem Benutzer auch subjektiv ein besseres Hygienegefühl. Zudem bieten sie im öffentlichen Raum oder Transitbereichen keine Versteckmöglichkeiten. Spezialglasuren wie „Keratect“ machen die Keramik langlebiger und pflegeleichter.

 

Antibakterielle WC-Sitze gegen Keime

Besucher kommen auf dem WC vor allem mit dem Sitz in direkten Kontakt. Sinnvoll ist daher der Einsatz antibakterieller WC-Sitze. Additive, die dem Kunststoff beigemischt sind, hemmen das Bakterienwachstum wirkungsvoll und lassen Keime nach kurzer Zeit absterben. Antibakteriell ausgerüstete Sitze von Keramag beispielsweise sind für die Bakterienstämme getestet, die am häufigsten in Sanitärräumen von Krankenhäusern, Altenheimen und anderen Einrichtungen vorkommen.

 

Berührungslose WC-Spülung verringert Handkontakte

Um direkte Handberührungen zu vermeiden, sind aus hygienischer Sicht berührungslose Spülauslösungen sinnvoll. Am besten geeignet für öffentliche Bereiche sind automatische Spülauslösungen mit Nutzererkennung. Sie sorgen ohne aktives Zutun des Benutzers dafür, dass der nächste Nutzer ein sauber ausgespültes WC vorfindet. Wenn Spülauslösungen mit Handbetätigung eingesetzt werden, dann bevorzugt widerstandsfähige Modelle aus Edelstahl, die zum Beispiel durch Verschrauben gesichert sind und sich besser reinigen und desinfizieren lassen als Drückerplatten aus Kunststoff.

 

Besucherfrequenz bestimmt Spülintervalle

Bei der Planung von Urinalanlagen mit Wasserspülung spielt die zu erwartende Besucherfrequenz eine wichtige Rolle. In Bereichen mit geringer bis normaler Nutzungshäufigkeit sorgt eine automatische Spülauslösung mit Nutzererkennung dafür, dass die Keramik nach jeder Benutzung sauber ausgespült ist. Bei sehr hoher Besucherfrequenz ist eine Intervallspülung güns­tiger, da sie weniger Wasser verbraucht als die Spülung nach jeder Benutzung. In Bereichen mit typischen Stoßzeiten, etwa in Stadien oder Veranstaltungsbauten, sind Kombinationen möglich: In Hochfrequenzzeiten schaltet die Anlage auf Intervallspülung, während besucherschwacher Zeiten stellt sie auf Spülung durch Nutzererkennung um.

 

Spülrandlos ist hygienischer

Spülrandlose Urinalkeramiken bieten die gleichen Vorteile wie WCs ohne Spülrand: Sie sind leichter sauber zu halten und vermitteln ein besseres Hygienegefühl. Das typische „Tröpfeln“ auf den Boden vor dem Urinal lässt sich durch den Einsatz ausgeprägt schnabelförmiger Keramiken minimieren, die in der Praxis den Abstand zwischen Besucher und Becken verringern. Bewährt haben sich auch einfache visuelle Leitsysteme wie zum Beispiel ein Kerzenmotiv, das ins Beckeninnere eingebrannt ist.

 

Reduzierte Handkontakte an Waschtischanlagen

An den Waschtischanlagen öffentlicher Sanitärräume lassen sich die Handkontakte der Besucher nahezu auf null reduzieren. Für alle notwendigen Funktionen am Waschtisch gibt es Lösungen ohne direkten Handkontakt. Berührungslose Armaturen zum Beispiel gibt es für jede Bausituation wahlweise mit Stromanschluss, mit Batteriebetrieb oder einem Stromgenerator, der seine Energie aus der Fließkraft des Wassers bezieht. Günstig ist ein größerer Abstand zwischen Wasserauslauf und Becken, der dem Besucher mehr Bewegungsfreiheit schenkt und ungewollte Berührungen vermeidet. Das lässt sich in Reihenwaschanlagen zum Beispiel mit Wandarmaturen gut lösen. Bei der Anordnung der Armatur ist darauf zu achten, dass der Wasserstrahl nicht direkt in den Ablauf des Waschbeckens gerichtet ist. Durch Rückspritzen aus dem Ablaufbereich hinein in den Beckenbereich könnte es sonst zu einer erhöhten Keimbelastung kommen. Das Schmutzwasser muss zudem auf direktem Weg – also innerhalb der Ablauffläche des Waschplatzes – ablaufen können, damit andere Nutzer nicht beeinträchtigt werden.

Berührungslose Seifenspender, Handtuchspender oder Händetrockner sind ebenfalls zu bevorzugen, um Handkontakte zu vermeiden. Seifenspender sollten so angeordnet werden, dass sie nicht auf den Boden oder die Waschtischablage tropfen und unschöne Verschmutzungen hinterlassen. Die Abfallbehälter für Papierhandtücher müssen ausreichend groß geplant werden. Günstig ist ein verdeckter Einbau, zum Beispiel unter der Waschtischablage, da offen aufgestellte Behälter leicht umgeworfen oder beschädigt werden können.

 

Reinigungsfreundliche Becken und Ablagen

Geeignet für öffentliche Sanitärbereiche sind normale Waschtische sowie Unterbaubecken zum Beispiel mit durchgehender und leicht zu reinigender Abdeckplatte. Unterbaubecken aus dem Mineralwerkstoff „Varicor“ überzeugen durch leichte Reinigung und Bruchfestigkeit. Zudem sind kleine Schäden leicht reparabel und können auspoliert werden. Aus dem Mineralwerkstoff lassen sich auch Reihenwaschanlagen aus einem Guss realisieren. Da Becken und Ablagen komplett unterbrechungsfrei ausgeführt sind, ist diese Form der Waschplatzgestaltung besonders leicht sauber zu halten. In der Farbe Standard-Weiß hat der Mineralwerkstoff „Varicor“ eine anti­bakterielle Wirkung.

 

Wartung und Pflege

Saubere Sanitärräume fördern ein achtsames Verhalten der Nutzer. Die Reinigungsplanung für die Sanitärräume muss daher auf die Besucherfrequenz abgestimmt und so getaktet sein, dass die Besucher jederzeit gut gepflegte Räume und genügend Verbrauchsmaterialien wie Toilettenpapier, Seife und Papierhandtücher vorfinden. Es sollten nur zugelassene Reinigungs- und Desinfektionsmittel der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie eingesetzt werden. Natürlich sind Putzmittel wie Lappen, Schwämme oder Schrubber regelmäßig zu ersetzen, um hier Hygieneprobleme auszuschließen. Sehr wichtig ist es, Schäden und Funktionsausfälle schnell zu beheben. Zum einen lässt sich damit ein reibungsloser Betrieb sicherstellen. Zum anderen vermeidet man den „Broken-Windows-Effekt“, dem zufolge Schäden weitere Schäden nach sich ziehen und rücksichtsloses Verhalten der Besucher wahrscheinlicher machen.

 

Fazit

Bereits bei der Planung entscheidet sich, wie hygienisch sicher und dauerhaft ansprechend öffentliche Sanitärräume betrieben werden können. Von großer Bedeutung sind die Raumplanung und die Benutzerführung sowie der Einsatz von Produkten, die für die hohen Beanspruchungen und die besonderen Anforderungen im öffentlichen Bereich konzipiert sind.

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