Gemischtes Bild für Bauwirtschaft in Europa

RICS: Materialkosten bremsen Bauwirtschaft, Wohnungsbau legt zu

In Deutschland sinkt der Baustimmungsindex laut Ergebnissen des RICS von +34 auf +27.
Bild: Clipdealer

In Deutschland sinkt der Baustimmungsindex laut Ergebnissen des RICS von +34 auf +27.
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Die Ergebnisse des Royal Institution of Chartered Surveyors (RICS) Global Construction Monitor (GCM) für das erste Quartal 2026 zeigen, dass der übergeordnete Construction Sentiment Index (CSI) leicht auf einen Wert von +8 gestiegen ist, nach +7 in Q4 2025. Damit bewegt sich der Indikator weiterhin in leicht positiverem Terrain. Hinter dieser insgesamt stabilen Entwicklung zeigt sich jedoch ein differenzierteres Bild: Sowohl auf regionaler als auch auf Länderebene ist eine deutliche Verschiebung erkennbar.

Der kostenseitige Druck hat sich im Quartalsverlauf deutlich verschärft. Die 12-Monats-Kostenprognosen sind in allen Bereichen gestiegen, und die Befragten nennen zunehmend geopolitische Spannungen im Nahen Osten als einen wesentlichen Einflussfaktor. Auch die Erwartungen hinsichtlich der Kreditbedingungen haben sich deutlich verschlechtert. Der 12-Monats-Ausblick hat erstmals seit mehreren Quartalen deutlich ins Negative gedreht. Demgegenüber bleiben die Erwartungen hinsichtlich des zukünftigen Arbeitsvolumens insgesamt positive, insbesondere im Bereich Infrastruktur.

Europa: Marktumfeld schwächt sich ab

Angesichts zunehmender geopolitischer und makroökonomischer Belastungen zeigen die Ergebnisse des GCM für Europa im ersten Quartal 2026 ein schwächeres regionales Bild, sodass der CSI von +14 auf +7 sank. Obwohl der Gesamtwert weiterhin positiv ist, zeigt die Betrachtung auf Länderebene ein deutlich fragmentierteres Bild als in den vergangenen Quartalen. Italien und Großbritannien sind nun neben Frankreich ebenfalls im negativen Bereich. Zudem haben sich die zuvor starken Werte in Deutschland, Irland und den Niederlanden abgeschwächt. Die europaweiten Erwartungen für den Wohnungsbau wurden zurückgenommen, während sich die Infrastruktur weiterhin widerstandsfähig zeigt.

Auf Länderebene führt Deutschland die untersuchten Märkte weiterhin an, obwohl der Wert von +34 auf +27 sank. Auch die Niederlande schwächten sich von -25 auf +19 ab, Irland fiel von +18 auf +9. Die auffälligste Veränderung zeigte sich in Italien. Hier fiel der CSI deutlich von +18 auf -15 mit Schwäche in allen drei Sektoren. Großbritannien fiel ebenfalls klar ins Negative von +2 auf -9. Frankreich blieb mit -24 der schwächste Markt der Region und nahezu unverändert gegenüber -22 in Q4, wobei die Infrastruktur dort weiterhin etwas Unterstützung bietet.

Materialkosten als größtes Problem

Im ersten Quartal zeigt sich in Europa eine deutliche Veränderung bei den Faktoren, die die Aktivität bremsen. Materialkosten sind nun das am häufigsten genannte Problem: 63 % der Befragten nannten diesen Faktor, der damit deutlich höher als 50 % in Q4 liegt. In Deutschland lag der Anteil derer, die den Faktor nannten, sogar bei 67 %. Auch Materialengpässe stiegen von 17 % auf 27 %. Die unzureichende Nachfrage stieg ebenfalls von 37 % auf 46 %. Des Weiteren zeigt Deutschland hier eine ähnliche Tendenz, wo der Wert von 39 % auf 60 % stieg. Im Gegensatz dazu gingen folgende Faktoren europaweit zurück: Arbeitskräftemangel: 28 % (von 49 %), Wettbewerb: 28 % (von 33 %), Fachkräftemangel: 52 % (von 55 %) und Finanzierungsengpässe: stabil bei 52 % (von 54 %).

12-Monats-Ausblick bleibt positiv

Bei den Erwartungen für die Arbeitsauslastung in den kommenden 12 Monaten fiel im Bereich des Wohnungsbaus der Nettosaldo von +31 auf +14 %. Dies war der stärkste Rückgang unter allen Sektoren. Die Erwartungen für den Bau von Gewerbeimmobilien blieben weitgehend stabil bei +18 % (Q4: +20 %). Die Erwartungen für Infrastruktur verbesserten sich weiter von +24 % auf +38 %. Damit bleibt Infrastruktur das Segment mit dem stärksten Ausblick.

Auf Länderebene zeigt Deutschland weiterhin den ausgewogensten Ausblick über alle Sektoren hinweg. Besonders bemerkenswert ist dabei der starke Anstieg beim Ausblick im Bereich des Wohnungsbaus, hier stieg der Wert von +38 % auf +67 %. Auch Irland und die Niederlande bleiben im positiven Bereich. Frankreich fällt als klarer Nachzügler auf, da Befragte dort in beiden privaten Sektoren mit einer Schrumpfung rechnen. Italiens Ausblick hat sich ebenfalls deutlich verschlechtert. Die Erwartungen an die Gewinnmargen in den nächsten 12 Monaten verschlechterten sich ebenfalls stark von -1 % auf -19 %. Dies deutet auf wachsende Sorgen über sinkende Margen aufgrund steigender Kosten hin.

Regionale Verschiebung: Dynamik im Nahen Osten und Afrika lässt nach, APAC stabilisiert sich

Die auffälligste Entwicklung beim CSI in diesem Quartal war eine deutliche Abschwächung in der Region Naher Osten und Afrika (MEA), wo der Index im ersten Quartal von +29 auf +8 fiel. Dies deutet nach mehreren Quartalen mit konstant starken Werten auf eine deutliche Abschwächung des Wachstumstempos hin. Auch in der Region Amerika schwächte sich der Index leicht von +25 auf +21 ab, obwohl die Region weiterhin eine solide positive Stimmung verzeichnet. Europa gab ebenfalls von +14 auf +7 nach und signalisiert damit einen gewissen Verlust an Dynamik bei der jüngsten Erholung. Im Gegensatz dazu verbesserte sich die Region Asien-Pazifik (APAC) auf einen neutralen Wert von 0 (von -14 in Q4). Diese Verbesserung ist hauptsächlich auf weniger negative Ergebnisse aus dem chinesischen Festland zurückzuführen. Dennoch bleiben die Bedingungen in den meisten anderen APAC-Märkten relativ robust, wodurch APAC die einzige Region war, die im Quartalsvergleich eine Verbesserung der Stimmung verzeichnete.

Auf Länderebene führen Indien und die USA das Wachstum an, während Katar, Mauritius und Frankreich zurückfallen. Indien behauptete im ersten Quartal seine Position als stärkster Markt mit einem Wert von +42 %, gestützt durch breit angelegtes Wachstum in allen Sektoren und besonders starke Dynamik im privaten Wohnungsbau und in der Infrastruktur. Auch die Niederlande (+31), Singapur (+30) und die USA (+25) verzeichneten im Quartal solide Expansionen. Saudi-Arabien (+18), Irland (+15) und Südafrika (+14) meldeten ebenfalls starke Werte, während die Vereinigten Arabischen Emirate (+11), Malaysia (+9) und Australien (+4) moderateres Wachstum auswiesen. Am schwächeren Ende der Skala verzeichneten Katar (-43) und Mauritius (-29) deutliche Verschlechterungen gegenüber dem Vorquartal. Befragte in beiden Märkten verwiesen auf ein schwächeres Marktumfeld. Auch Hongkong (-28) und Frankreich (-27) blieben klar im Schrumpfungsbereich, während sich die Aktivität in China (-26) und Italien (-26) weiter abschwächte. Sri Lanka (-13) und Großbritannien (-10) meldeten moderat negative Werte, während sich die Bedingungen in Kanada (-3) und Neuseeland (-5) nahezu stabil zeigten.

Bei Betrachtung der sektoralen Aufschlüsselung übertrifft die Infrastruktur weiterhin andere Marktsegmente in vielen Regionen. In etwa zwei Dritteln der im Monitor erfassten Länder liegen die aktuellen Arbeitsvolumina im Infrastrukturbereich über denen im privaten Wohnungsbau und bei Gewerbeimmobilien. Frankreich, Mauritius und die Niederlande bilden Ausnahmen, da dort die Infrastrukturaktivität schwächer ist als in anderen Segmenten. Insgesamt bleibt Infrastruktur jedoch ein zentraler Wachstumstreiber im breiteren Baumarkt.

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