Trendthema Flachdach

Die Dachentwässerung nicht vergessen

Nützlicher, grüner, größer – Flachdächer machen Karriere. Früher eher aus wirtschaftlichen Gründen gewählt, haben sie sich zu einer Dachform entwickelt, die Raum für neue Perspektiven erschließt. Statik, Entwässerung und Wartung kommen damit eine neue Bedeutung zu – auch angesichts des Klimawandels.

Die Zeiten, in denen ein Flach­dach lediglich als preis­werte und zeitsparende Alter­na­tive zum Steildach galt, sind vorbei. Immer mehr Planer und Bauherren schätzen, dass ein Flachdach die im Bodenbereich versiegelte Fläche in lichter Höhe neu erschließt und im Innern des Gebäudes eine optimale Raumnutzung ermöglicht.

Trend: Nützlicher

Das Flachdach als brachliegende Fläche beflügelt die Fantasie, vor allen Dingen im städtischen Umfeld, in dem Grund und Boden immer knapper werden. Solaranlagen sind schon lange auch auf dem Flachdach angekommen. Ihre Effizienz ist mittlerweile so ausgelegt,...

Die Zeiten, in denen ein Flach­dach lediglich als preis­werte und zeitsparende Alter­na­tive zum Steildach galt, sind vorbei. Immer mehr Planer und Bauherren schätzen, dass ein Flachdach die im Bodenbereich versiegelte Fläche in lichter Höhe neu erschließt und im Innern des Gebäudes eine optimale Raumnutzung ermöglicht.

Trend: Nützlicher

Das Flachdach als brachliegende Fläche beflügelt die Fantasie, vor allen Dingen im städtischen Umfeld, in dem Grund und Boden immer knapper werden. Solaranlagen sind schon lange auch auf dem Flachdach angekommen. Ihre Effizienz ist mittlerweile so ausgelegt, dass sie nicht nur Strom für das darunterliegende Gebäude liefern können. Das Flachdach auf dem Berliner Großmarkt, dem „Bauch von Berlin“, gilt mit einer Fläche von knapp sechs Fußballfeldern als das größte Solarkraftwerk auf Ber­liner Dächern. Es hat eine Leistung von 1,6 MWp, eine Ge­samt­leistung die ausreicht, um 600 Haushalte mit Strom zu ver­sorgen. Auch die Umwelt gewinnt, denn pro Jahr bleiben ihr so ca. 850 t CO2 erspart. Effektive Entwässerung und regelmäßige Wartung sind bei Flachdächern, die bereits eine zusätzliche Auflast zu tragen haben, von besonderer Wichtigkeit. 

Trend: Grüner

„Flachdach – das unentdeckte Land“, so betitelte Jackon Insulation bereits 2009 eine Informationsbroschüre zum Thema Umkehrdach. Mittlerweile erlebt das Umkehrdach eine Renaissance, vor allen Dingen im urbanen Raum. Mit Terrassen und Gärten in lichter Höhe bekommt das Flachdach eine dritte bzw. neue grüne Dimension. Das Fraunhofer Institut arbeitet z. B. an einem Prototyp für das „InFarming“, das eine Gemüsezucht oder Weizenanbau auf dem Dach ermöglicht. Dahinter steht die Idee, auf innerstädtischen Grünflächen frische Produkte in der Nähe der Verbraucher zu erzeugen. Ein Konzept, das auch zur Mini­mierung des Transportaufwands und damit zur Senkung der CO2-Belastung beiträgt. Bei begrünten Dächern wird Regen nicht mehr als Problem, sondern als Ressource betrachtet. Vor Überflutung bei Extremregenereignissen schützt eine effektive Notentwässerung durch die Attika, die über den planerisch vorgesehenen Wasserstand wacht.

Trend: größer

Größenwahn oder wirtschaftliches Zukunftsdenken? Im Streben nach immer optimaleren Kosten-/Nutzeneffekten zeigen gerade Industriehallenbauten den Trend zum Wachstum. Hochregallager, bei denen die Gebäudehülle um riesige Regalkomplexe herumgebaut wird, wachsen in schwindelerregende Höhen.

Mit einer Fläche von 55 000 m2 und einer Höhe von 38 m markiert z. B. das Adidas-Logistikzentrum in Rieste einen Meilenstein in der deutschen Baugeschichte des Unternehmens. Als größtes Flachdach der Welt gilt derzeit das 999 000 m2-Dach der Blumenauktionshalle in Aalsmeer. Unter seinem gigantischen Tragwerk gehen über 350 Betriebe dem blühenden Geschäft des internationalen Tulpenhandels nach. Mit zunehmender Dachfläche, oft als kostenbewusste Stahltrapezblechkonstruktion ausgeführt, kommt dem Thema Entwässerung und Statik eine neue Bedeutung zu. Ein Rechenbeispiel für ein 55 000 m2 großes Flachdach am Standort Rieste verdeutlicht dies: Über den Zeitraum von 5 min sammeln sich hier bei einem ganz normalen Berechnungsregen 594 000 l Regenwasser, was einem Gewicht von 594 t entspricht. Bei einem Jahrhundertregenereignis würden hier 1 118 700 l Wasser anfallen, also eine zusätzliche Dachlast von 1118,7 t. Dieses Beispiel zeigt, dass eine richtig ausgelegte Flachdachentwässerung eine aktive Vorsorge, wenn nicht sogar eine „Lebensversicherung“, für das Ge­bäude darstellt.

Megatrend: DSS

Als Jahrhundertregen wird ein fünfminütiges Starkregenereignis bezeichnet, das statistisch gesehen nur alle 100 Jahre zu erwarten ist. Aber die Wetterkapriolen der letzten Jahre, die immer häufiger mit Extremregen aufwarteten, scheinen diese Zeitrechnung in Frage zu stellen.

Effiziente Druckströmungssysteme, die immer höhere Regenspenden in Bestzeit von immer größeren Dachflächen schaffen, sind so gefragt wie nie zuvor. Sie entlasten die Statik des Daches, ehe diese durch das Gewicht des Wassers an ihre Grenzen gebracht wird. Druckströmungssysteme, auch DSS-Systeme genannt, arbeiten mit Unterdruck und Vollfüllung der Rohre. Sie können also mit relativ kleinen Rohrdurchmessern (die die Statik durch geringes Eigengewicht entlasten) relativ große Regenmengen entwässern. Damit empfehlen sie sich besonders für große Flachdachbauten und Hochregallager. Wirtschaftliche Druckströ­mungs­systemlösungen lassen sich in der Regel realisieren, wenn die waagerechte Längenausdehnung des Rohrstranges das 10- bis 20-fache der verfügbaren Höhe beträgt. Bei einer Gebäudelänge von 100 m und einer Gebäudehöhe von 10 bis 20 m kann davon ausgegangen werden, dass die gewünschte wirtschaftliche Arbeitsweise erreicht wird.

Vergleich: DSS gegen Freispiegelentwässerung

Druckströmungssysteme sammeln das Regenwasser in gefällelosen Sammelleitungen direkt unter der Dachkonstruktion und führen es über wenige Fallleitungen schnell in die Grundleitung ab. Daraus resultiert eine optimale Raum- und Hallennutzung, z. B. für Hochregallager, bei denen kein Platz verschenkt werden soll. Weniger Fallleitungen bedeuten auch weniger Rammschutz sowie weniger Erd- und Wartungsarbeiten bei den Grundleitungen. Durch keine oder nur wenige Inspektionsschächte und die Selbstreinigungsfunktion des Rohrsystems wird der Wartungsaufwand verringert. Aufgrund der erhöhten Leistungsfähigkeit kann mit kleineren Rohrnennweiten gearbeitet werden, was sich unter dem Strich auch positiv auf die Kosten auswirkt.

Mit immer größeren Spannweiten werden auch die Rohrleitungen immer länger. Bei einem DSS-System, das zum Aufschaukeln neigt, wenn das Wasser unter Druck in die Rohre schießt, sollte daher auf ein ver­lässliches Befestigungssys­tem geachtet werden. Sita ar­bei­tet hier z. B. mit einem Mon­tage­schienensystem, das die hohen mechanischen und thermischen Beanspruchungen eines Druckentwässerungssys­tems aufnimmt und auftretende Bewegungen sicher in die Halte­konstruktion einleitet.

Vorschrift: Notentwässerung

In den letzten Jahren sind die Richtlinien für die Notentwässerung an die veränderten klimatischen Bedingungen angepasst worden. Nach DIN EN 12056-3 und DIN 1986-100 ist eine Notentwässerung Pflicht. Nur ein korrekt ausgelegtes Ent­wäs­serungssystem, das die Re­gen­massen unter allen Wet­ter­umständen vom Dach abführt, gibt allen die erforderliche Sicher­heit. Dies gilt auch für Pla­ner und Ausführende, die nach den neuen Richtlinien für ihre Arbeit haften. Auch das effizienteste DSS-System kann eine Notentwässerung nicht ersetzen bzw. ersparen. Eine Notentwässerung ist so auszulegen, dass sie mindestens die Differenz zwischen Berechnungs- und Jahr­hundertregenspende sicher und frei auf das Grundstück ableitet. Keinesfalls darf sie an das System für die Hauptentwässerung angeschlossen werden.

Service: hydraulische Berechnung

Ein perfekt arbeitendes, hydraulisches DSS-Entwässerungssys­tem basiert auf umfangreichen Berechnungen, die in die Hand von Spezialisten gehören. Volu­men­strom, Anzahl der Dachab­läufe und Druckabgleich fließen in eine Berechnung ein, die die perfekte Funktion sicherstellt. Der Sita-DSS-Berechnungsservice erbringt diese Serviceleis­tung kostenfrei in enger Abstimmung mit den Planenden und ist auch in der Bauphase immer ansprechbar. So erhalten alle am Bau Beteiligten die Gewissheit, dass ihre Arbeit auch praktisch gesehen Zukunftssicher­heit bietet. Wenn dann noch regelmäßige Wartungs­zyklen eingehalten werden, bei denen z. B. der freie Einlauf in die Gullytöpfe kontrolliert wird, dann kann der nächste Starkregen ruhig kommen.

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