Totraumfreie Magnetventile

Stagnations- und Verkeimungsschutz elektronischer Armaturen

Elektronische Armaturen stehen vielfach im Ruf, Stagnation und Keimbildung zu begünstigen. Nicht ganz zu Unrecht: Durch den komplexen Aufbau herkömmlicher Magnetventile sowie die Verwendung von Gummimembranen kommt es zu einem unvollständigen Wasseraustausch. Membranlose Lösungen mit totraumfreiem Magnetventil bieten hier eine hygienische Alternative und garantieren vollständigen Wasseraustausch.

Je komplexer der innere Aufbau einer Armatur ist und je mehr „versteckte“ Räume vorhanden sind, die nicht regelmäßig durchspült werden, desto größer ist auch das Kontaminationsrisiko. Denn hier kann sich Biofilm ungehindert festsetzen und ausbreiten.

Ein Beispiel für so einen „versteckten“ Raum ist der Totraum hinter der Gummimembran, die in den meisten elektronischen Armaturen zum Einsatz kommt. Wird die Membran erst einmal porös, kann Wasser dahinter gelangen, das niemals erneuert wird. Hier ist die Gefahr der Ausbildung von Bakterien und Keimen besonders hoch und auch eine automatische...

Je komplexer der innere Aufbau einer Armatur ist und je mehr „versteckte“ Räume vorhanden sind, die nicht regelmäßig durchspült werden, desto größer ist auch das Kontaminationsrisiko. Denn hier kann sich Biofilm ungehindert festsetzen und ausbreiten.

Ein Beispiel für so einen „versteckten“ Raum ist der Totraum hinter der Gummimembran, die in den meisten elektronischen Armaturen zum Einsatz kommt. Wird die Membran erst einmal porös, kann Wasser dahinter gelangen, das niemals erneuert wird. Hier ist die Gefahr der Ausbildung von Bakterien und Keimen besonders hoch und auch eine automatische Hygienespülung hilft dann nicht mehr.

Neben dem inneren Konstruktionsaufbau kann auch das verwendete Material eventuelle Besiedlungen durch Mikroorganismen begünstigen: Raue Armatureninnenflächen bieten mehr Oberfläche und Rückzugsräume für Bakterien und „verkalkungsfreundliche“ Materialien fördern ihr Wachstum, da Kalk und Schmutz den Bakterien als Nährboden dienen.

 

Gefährliche Bakterien

Ob Kupfer, PVC-C, Edelstahl oder Polypropylen, unabhängig vom Material der eingesetzten Armaturen und Leitungen bildet sich in allen Sanitärinstallationen zwangsläufig Biofilm, und das bereits einige Wochen oder Monate nach der Inbetriebnahme. Die im Biofilm enthaltenen Erreger sind in vielen Fällen, vor allem bei immungeschwächten Personen, für nosokomiale Erkrankungen verantwortlich, teilweise sogar mit tödlichem Verlauf. 

Legionellen sind dabei, neben Pseudomonaden, häufig für Infektionen verantwortlich. Sie kommen natürlicherweise im Süßwasser sowie feuchten Böden vor. Die optimale Wachs­tums­tem­pe­ra­tur beträgt 36 bis 37 °C. Besonders gut vermehren sich Legionellen in stagnierendem Wasser, da dies die Biofilmbildung begünstigt (Tabelle 1). Die Infektion mit Legionellose durch pathogene Legionellen erfolgt durch feinste Tröpfchen bzw. Aerosole, die eingeatmet werden.

Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) schätzt, dass 4,1 Mio. Patienten jährlich von Krankenhausinfektionen betroffen sind, davon 37.000 mit tödlichem Ausgang.

Aber auch in öffentlichen und gewerblichen Einrichtungen bestehen Risiken. Laut einer Auswertung der European Working Group for Legionella Infections (EWGLI) aus dem Jahr 2011 waren 24 % von 4.277 europaweit gemeldeten Legionellose-Erkrankungen reiseassoziiert. Das heißt 1.034 Fälle standen im Zusammenhang mit Hotels, Campingplätzen oder anderen Unterkünften. Im Vergleich: In europäischen Gesundheitseinrichtungen wurden im selben Jahr „nur“ 301 Legionellose-Erkrankungen gemeldet, das sind 7 % der Fälle. Da es unmöglich ist, einen Biofilm dauerhaft zu beseitigen, kommt es darauf an, sein Wachstum einzudämmen, d.h. vor allem Stagnation zu vermeiden.

Bestimmungsgemäßer Betrieb laut VDI 6023

Zu den zentralen hygienischen Herausforderungen an Trinkwasserinstallationen zählt die Sicherstellung des bestimmungsgemäßen Betriebs.

Die VDI 6023 „Hygiene in Trinkwasser-Installationen“ vom April 2013 enthält konkrete Anforderungen für den Erhalt einer hygienisch einwandfreien Trinkwasserinstallation. So definiert sie u.a. den bei der Planung zugrundeliegenden bestimmungsgemäßen Betrieb. Der bestimmungsgemäße Betrieb stellt sicher, dass an jeder Stelle der Trinkwasserinstallation innerhalb von 72 Stunden ein Wasseraustausch durch Entnahme stattfindet. In Installationen mit fehlendem Wasseraustausch über mehr als 72 Stunden gilt der Betrieb als unterbrochen. In diesem Fall muss bei Wiederinbetriebnahme durch Öffnen der Entnahmearmaturen der vollständige Trinkwasseraustausch der Anlage oder Anlagenteile sichergestellt werden. Bei Trinkwasserinstallationen, deren bestimmungsgemäßer Betrieb länger als vier Wochen unterbrochen wird, müssen die Leitungen vor der Unterbrechung abgesperrt und bei Wiederinbetriebnahme regelkonform gespült werden. Und bei Trinkwasserinstallationen mit Betriebsunterbrechungen von mehr als sechs Monaten Dauer sind die vorher genannten Maßnahmen und zusätzlich mikrobiologische Kontrolluntersuchungen gemäß TrinkwV und auf Legionellen durchzuführen.

Auch die Entnahmestellen sind laut Definition Teil der Trinkwasserinstallation. Eine Trinkwasserinstallation umfasst die Gesamtheit der Rohrleitungen, Armaturen und Apparate, die sich zwischen dem Punkt des Übergangs von Trinkwasser aus einer Wasserversorgungsanlage an den Nutzer und dem Punkt der Entnahme von Trinkwasser befinden, so die Richtlinie VDI-DVGW 6023. Das heißt, auch Entnahmestellen sind im Abstand von 72 Stunden zu spülen.

Grundsätzlich sind zwei Varianten zur Sicherstellung des bestimmungsgemäßen Betriebs in nicht durchgängig genutzten Objekten denkbar: simulierte Entnahmen durch manuelles Spülen gemäß Protokoll sowie durch automatische Spülungen.

Die meisten Planer ziehen automatische gegenüber manuellen Spüllösungen vor. Als Begründung werden häufig Risiken in der Umsetzung und der zur manuellen Spülung erforderliche personelle Aufwand angeführt.

Zur Sicherstellung automatischer regelmäßiger Spülungen an der Entnahmestelle bieten viele namhafte Hersteller bereits seit vielen Jahren elektronische Waschtischarmaturen an. Diese verfügen in der Regel über eine „intelligente“ Steuerung, die ausbleibende Nutzungen erkennt und nach einer bestimmten Zeit, in der Regel zwölf oder 24 Stunden nach der letzten Nutzung, eine kurze Spülung auslöst. Durch diese Spülung, sie dauert in der Regel maximal eine Minute, kann das in der Armatur und in der Stichleitung befindliche Wasser ausgetauscht werden

Totraumfreies Magnetventil für vollständige Entleerung

Seit einigen Jahren werden im Bereich der elektronischen Armaturen auch totraumfreie Lösungen angeboten. Fakt ist, dass elektronische Armaturen von vielen Betreibern, insbesondere aus dem Gesundheitsbereich, kritisch gesehen werden. Hintergrund sind verschiedene ­Studien, die eine Verkeimung in den wasserführenden Teilen dieser Armaturen nachgewiesen haben. 

Alle Studien, die einen Zusammenhang zwischen elektronischen Armaturen und Verkeimungen aufgezeigt haben, wurden jedoch mit Armaturen durchgeführt, die aufgrund ihrer Bauweise Stagnationsbereiche in der Wasserführung aufweisen.

In diesen Bereichen wird das Wasser nie oder nicht komplett ausgetauscht, daher finden alle Arten von Keimen hier ideale Wachstumsbedingungen. 

Um die vollständige Entleerung gemäß VDI 6023 sicherzustellen, wurden elektronische Armaturen mit membranfreiem Magnetventil entwickelt. Der Vorteil: Der innere Aufbau ist ein­fach und Toträume gibt es nicht.

Bei diesem Magnetventil mit Kolben entleert und erneuert sich das Wasser bei jeder Benutzung. Bakterien bleibt kein Rückzugsraum und damit keine Entwicklungsmöglichkeit. 

Kuhfuss Delabie stattet eine Vielzahl der elektronischen Armaturen mit solch einem totraumfreien Magnetventil aus. Durch die patentierte Bauweise sowie die automatische Hygienespülung nach 24 Stunden Nichtbenutzung sind es die ein­zigen Armaturen auf dem Markt, die einen vollständigen Wasseraustausch in sämtlichen wasser­füh­ren­den Teilen inkl. Magnetventil sicherstellen. So erfüllen sie zu 100 % die Forderung der VDI/DVGW 6023 nach Wasseraustausch durch Entnahme in der Gesamtheit der Trinkwasser­installation einschließlich Armaturen sowie die Anforderungen der DIN EN 806-5. 

Darüber hinaus begrenzt die selbstreinigende Funktionsweise mit kalibrierter Nut die Ablage­rung von Schmutzpartikeln, welche sonst die Lebensdauer einiger Bauteile beinträchtigen kann und Mikroorgansimen Nahrung bietet.

Angenehmer Nebeneffekt – durch das sanfte, langsame Schließen des Magnetventils werden Druckschläge in der Trinkwasserinstallation verhindert. Zudem ist der Energieverbrauch sehr gering, da es sich um ein bistabiles Magnetventil handelt: Dabei werden nur zwei Impulse gesendet, einer zum Öffnen und ein weiterer zum Schließen des Wasserflusses (bei monostabilen Magnetventilen wird während der gesamten Nutzung Energie verbraucht).

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