Personalberatung ist Vertrauenssache

Teil 1 – Langfristige Zusammenarbeit ist sinnvoll

In einer dreiteiligen Serie geht der Personalberater Ewald W. Schneider auf die Personalbeschaffung in der TGA-Branche ein. Im vorliegenden ersten Teil geht es darum, wie eine langfristigte Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und neuem Mitarbeiter auf den Weg gebracht werden kann.

Da hat man als Unternehmen bereits selbst diverse Anzeigen geschaltet und mit einigen Kandidaten gesprochen – aber irgendwie entspricht der oder die Kandidat/-in nicht so recht den Vorstellungen des Arbeitgebers. Wenn dann die Zeit im Nacken sitzt, wird auch mal gerne über den eigenen Schatten gesprungen und die Anfrage bei diversen Personalberatungen gestartet. Wir erleben solche „Anfragen“ zunehmend, was wiederum ein deutliches Signal für die knappe Ressource „guter Bewerber“ ist. Jede Personalberatung hat dann sicher Ihre eigene Philo­sophie, wie sie potentiellen Kunden verdeutlicht, was...
Da hat man als Unternehmen bereits selbst diverse Anzeigen geschaltet und mit einigen Kandidaten gesprochen – aber irgendwie entspricht der oder die Kandidat/-in nicht so recht den Vorstellungen des Arbeitgebers. Wenn dann die Zeit im Nacken sitzt, wird auch mal gerne über den eigenen Schatten gesprungen und die Anfrage bei diversen Personalberatungen gestartet. Wir erleben solche „Anfragen“ zunehmend, was wiederum ein deutliches Signal für die knappe Ressource „guter Bewerber“ ist. Jede Personalberatung hat dann sicher Ihre eigene Philo­sophie, wie sie potentiellen Kunden verdeutlicht, was ihr Stil, und wie ihre Vorgehensweise ist. Es gibt eine ganz großes Band­breite: Von unseriösem head-hunting (Abwerbung von Mitarbeitern beim Wettbewerb) bis hin zu Berufskollegen, die spätestens nach zwei Jahren ver­mittelte Mitarbeit erneut ver­mitteln. Andere wiederum ver­suchen, den Kunden auch mal über den Vermittlungspreis zu ködern. Letztlich ist eine gute Personalberatung immer als eine Investition zu sehen und nicht mit einer 20 %-Aktion zu haben. Das Honorar sollte sich an der Schwierigkeit der zu besetzenden Position orientieren. Typische Erschwernisse bei der Besetzung sind beispielsweise: Viel gefordertes Spezialwissen und Verfügbarkeit in einer Region. Firmen mit einem besonders guten Arbeitgeberimage haben es da noch am leichtesten: Die ziehen die guten Bewerber magisch an, und auch der Personal­berater hat es deutlich leichter. Wie bei guten Produkten ist auch ein guter, in der Branche bekannte Arbeitgeber leichter „zu ver­kau­fen“ als ein Ladenhüter.

Personalberater als Dienstleister

Erfolgreiche und seriöse Personalberatungen sehen sich als Dienstleister, die als oberste Priorität den Ansatz verfolgen, dem Kunden nachhaltig bei der Personalsuche und der Personalentscheidung zu helfen. Um das jedoch erfolgreich tun zu können, muss sich der Kunde öffnen: Er muss dem Personalberater umfassenden Einblick in sein Unternehmen geben. Er muss ihm die Chance für eine lange und nachhaltige Zusammenarbeit geben. Bei vermeintlichen Fehlentscheidungen direkt den Berater zu wechseln, ist zu kurzfristig gedacht. Von beiden Seiten muss das Ziel eindeutig auf eine langfristige Zusammenarbeit ausgelegt sein. Es muss Zeit eingeräumt werden, um dem Personalberater die Möglichkeit zu geben, seinen Auftraggeber zu verstehen. Einen Kunden und dessen wahren Bedürfnisse zu verstehen, bedeutet, den „Geist“ eines Unternehmens kennenzulernen. Diesen lernt man nicht in einem Besprechungsraum eines Unternehmens kennen – da muss man als Personalberater tiefer in die Struktur eines Unternehmens schauen. Eine intensive Bedarfsanalyse ist sicher der erste Ansatz – aber ohne den ganz tiefen Einblick in die Seele eines Unternehmens, wird die Zusammenarbeit langfristig kaum erfolgreich werden.

Es sind diese einmaligen Fähigkeiten, die nur ein sehr erfahrener Personalberater entwickeln kann: Zu lernen, was den nachhaltigen Erfolg eines Unternehmen wirklich ausmacht, was die Geisteshaltungen der Entscheider und der Mitarbeiter eines Unternehmens sind. Das ist quasi eine unsichtbare Einstellung bei beiden, die entscheidenden Einfluss darauf haben, ob ein neuer Mitarbeiter sich langfristig in diesem Unternehmen jemals „zu Hause fühlen“ wird. Die Kunst des erfolgreichen Personalberaters liegt schlicht und ergreifend darin, den Auftraggeber und auch den Bewerber mit seinen Vorstellungen „zu verstehen“. Vergleichen kann man die Situation mit einem „verliebten Pärchen“. Es wird schnell von beiden Seiten ein verklärter Blick für die Realität einer langfristigen Zusammenarbeit entwickelt. So wird schnell aus den Flitterwochen eine belastete Beziehung, die nur darauf wartet, wieder aufgelöst zu werden. Der erfolgreiche Personalberater weiß das alles aus (leidvollen) Erfahrungen und steuert dagegen. Er versucht, den Blick über die „Hochzeitsnacht“ hinaus zu richten und denkt intensiv darüber nach, wie belastungsfähig und alltagstauglich eine Zusammenarbeit zwischen neuem Mitarbeiter undUnternehmen werden kann.

Gründe fürs Scheitern

Erfahrungsgemäß scheitern die meisten (Arbeits)beziehungen nicht an fachlichen Defiziten, sondern weil die Chemie nicht stimmt. Das muss nicht zwangsläufig die Chemie zwischen Arbeit­geber und Mitarbeiter sein. Da sind noch ganz andere Kräfte am Werk: Mobbing zwischen Kollegen ist ebenfalls ein häufiger Grund, warum neu eingestellte Mitarbeiter bereits innerhalb der ersten zwei Beschäftigungsjahre scheitern. Das wird dann schnell ein teurer Spaß für beide Seiten. Der gescheiterte Mitarbeiter verliert schnell an Marktwert, wenn er sich alle zwei Jahre einen neuen Job suchen muss. Das Unternehmen verliert noch mehr Geld. Der Mitarbeiter war in den ersten zwei Jahren definitiv noch nicht produktiv.

Für uns als Personalberatung ist es wichtig, im Verlaufe einer langfristigen Zusammenarbeit intensiv mit diversen Mitarbeitern unseres Auftraggebers zu kommunizieren. Wir bitten unseren Auftraggeber bei Auftragserteilung, uns die Chance zu geben, sein Unternehmen und seine Mitarbeiter intensiv(er) kennen­zulernen. Das ist gerade bei neuen Auftraggebern jedoch oft nicht ganz einfach umzusetzen. Da wir glücklicherweise neben unserer Aufgabe als Personalberater auch noch als Coach und Trainer für viele unserer Kunden arbeiten dürfen, finden sich immer wieder Möglichkeiten einer intensiven Kommunikation durch Coaching und Training von Mitarbeitern. Hier lernt man die Mitarbeiter eines Unter­neh­mens besonders intensiv kennen. Hier ergeben sich viele Gelegenheiten auch mal an Informationen zu gelangen, die im Besprechungsraum vollkommen unzugänglich wären. Hier erkennen wir häufig, was den Geist eines Unternehmens wirklich ausmacht. Das ist in unseren Augen ein deutlicher Vorteil, den geeigneten Kandidaten/-in zu finden. Es versteht sich natürlich von selbst, dass diese Informationen vertraulich behandelt werden. Erfolgreiche Personalberater kommunizieren natürlich nach der Vermittlung mit den Bewerbern intensiv weiter. Hier erhalten wir weitere wertvolle Informationen, die bei zukünftigen Personalempfehlungen für unseren Auftraggeber hilfreich sein können.

Gefahrenquelle Mobbing

Zum Abschluss noch eine Anmerkungen zur Megagefahr von Mitarbeitermobbing – einem der häufigsten Gründe, warum neue Mitarbeiter innerhalb der ersten zwei Beschäftigungsjahre entnervt aufgeben oder sich der Arbeitgeber vom Mitarbeiter trennen möchte.

Um Mitarbeitermobbing zu vermeiden, empfehlen wir ein ganz einfaches Mittel: An der Personalauswahl auch zukünftige Kollegen zu beteiligen! Für den guten Personal­berater hat das auch den Charme, die Kommunikationskultur im Unternehmen in einer frühen Phase der Zusammenarbeit intensiv studieren zu können. Es ist eine weitere Gelegenheit, den „wahren Geist“ in einem Unternehmen zu identifizieren.


Fazit

Der gute und erfolgreiche Personalberater ist im Grunde ein „Heiratsvermittler“ und „Eheberater“. Er denkt intensiv über die Alltagstauglichkeit einer (Arbeits-)Beziehung nach und ist damit weit mehr als nur ein „Vermittler“ von Personal.

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