Kostensenkung ohne Komfortverlust
Flüssiggas-BHKW im LandhotelDas Landhotel Hirsch in Tübingen gehört zur Gruppe der inhabergeführten Hotels in Deutschland. Wie viele seiner Kollegen steckt Eigentümer Ernst Fischer in einem Dilemma: Auf der einen Seite stetig steigende Energiekosten, auf der anderen Seite die wachsenden Komfortansprüche von Kunden und Mitarbeitern. Mit dem Einbau eines flüssiggasbetriebenen BHKW hat Ernst Fischer eine Lösung gefunden, mit der er ohne Komfortverlust seine Stromkosten um bis zu 50 % senken kann.
Schließlich musste er jedoch erkennen, dass seine Energiesparmaßnahmen die Preissteigerungen nicht mehr kompensieren konnten. Deshalb informierte er sich über Möglichkeiten, die das Hotel günstiger als bisher mit Energie versorgen. Schnell stieß er auf eine effiziente Lösung für die Strom- und Wärmeversorgung: ein sogenanntes Mini-Blockheizkraftwerk (BHKW). Die kompakten Anlagen arbeiten nach dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung und erzeugen gleichzeitig Wärme sowie Strom. Durch den Einsatz eines BHKW lassen sich dauerhaft Energiekosten senken. Ein möglichst konstanter Betrieb setzt wiederum voraus, dass die erzeugte Wärme ebenso stetig verbraucht wird. Ein BHKW ist demnach vor allem für die Betriebe interessant, in denen das ganze Jahr über ein gleichmäßiger Bedarf an Heizwärme oder Warmwasser besteht – also für Hotels. Als Faustregel gilt: Mini-BHKW rechnen sich ab einem Jahresbrennstoffbedarf von 100 000 kWh.
Fernwartung via Internet
Ernst Fischer entschied sich für ein Modell der Firma Simple Energie. Ein Grund war die Steuerung. „Im Gegensatz zu vielen anderen Wettbewerbern nutzen wir keine Standardsoftware, sondern haben unser eigenes Programm entwickelt“, erklärt Michael Krings von der Simple Energie GmbH. „Der Vorteil ist, dass wir nicht nur das BHKW steuern und überwachen können, sondern auch die gesamte Hydraulik und eine ggf. noch vorhandene alte Heizanlage. Dadurch lassen sich alle Systeme aufeinander abstimmen und können Laufleistung sowie Effizienz optimieren.“ Ein weiterer Vorteil ist, dass Simple Energie die Anlagen via Internet im Rahmen der Wartungsverträge 24 h am Tag kontrolliert. Somit wird eine Fehlfunktion des BHKW sofort automatisch erkannt. In acht von zehn Fällen lässt sich die Störung dann online durch Simple Energie beheben. Muss dennoch einmal ein Techniker zur Anlage, so ist er aufgrund der vorab übermittelten Informationen optimal vorbereitet.
Flüssiggas fernab der Gasnetze
Simple Energie produziert ausschließlich BHKW, die mit Gas angetrieben werden und folgt damit einem allgemeinen Trend. „In den vergangenen Jahren ist meines Wissens kein Modell für Heizöl auf den Markt gekommen“, sagt Michael Krings. „Ein Grund ist sicherlich, dass bei der Gasverbrennung kaum Ruß oder Asche und so gut wie kein Feinstaub entstehen. Die Anlagen sind dadurch viel wartungsfreundlicher als BHKW mit Öl und sparen den Betreibern letztlich Arbeit und Kosten.“
Gerade in ländlichen Gegenden und kleineren bis mittelgroßen Orten gibt es allerdings vielfach keinen Zugang zum öffentlichen Erdgasnetz – das gilt auch für auch das Landhotel Hirsch. Dass Ernst Fischer sein BHKW dennoch mit Gas betreiben kann, hat einen einfachen Grund: Flüssiggas. Der emissionsarme Brennstoff wird Verbrauchern netzunabhängig in Tanks direkt vor Ort zur Verfügung gestellt. „Im Vergleich zu Heizöl produziert Flüssiggas bis zu 15 % weniger CO2“, erklärt Thomas Landmann, Verkaufsdirektor von Primagas. „Zudem kann der Energieträger uneingeschränkt in Wasserschutz- oder Trinkwassereinzugsgebieten eingesetzt werden.“ Das ist gerade in Gebieten von Vorteil, die in unmittelbarer Nähe zu Flüssen liegen oder als Hochwasserzonen strengen Umweltvorschriften unterliegen.
Vom Stromverbraucher zum Stromerzeuger
Der größte Vorteil der Kombination BHKW und Flüssiggas: Durch den selbst erzeugten Strom sind BHKW-Betreiber nicht nur unabhängiger von den großen Energieproduzenten – sie sind auch von Stromverbrauchern zu Stromanbietern geworden. „Wenn unser Mini-BHKW mehr Strom produziert, als wir verbrauchen, können wir den Überschuss ins öffentliche Netz einspeisen“, erklärt Ernst Fischer. Für jede abgegebene kW/h erhält er eine Vergütung in Höhe des an der Leipziger Strombörse ermittelten durchschnittlichen Quartalspreises. Dieser liegt aktuell bei rund 3,12 Cent/kWh (Stand: 2. Quartal 2014). Doch das ist längst nicht alles. „Wer Flüssiggas zur Stromerzeugung verwendet, bekommt am Ende eines Jahres die Energiesteuer vom Staat zurückerstattet“, erklärt Thomas Landmann. Pro kg sind das 6,06 Cent. Zusätzlich erhält Ernst Fischer für jede mit dem flüssiggasbetriebenen BHKW erzeugte (kWh) Strom einen staatlichen Kraft-Wärme-Kopplungsbonus von 5,42 Cent ausgezahlt.
Nach Berechnungen von Simple Energie erzielte Ernst Fischer mit der im August 2012 installierten Anlage bereits im ersten Jahr rund 7000 € – nach Abzug der Brennstoff- und Wartungskosten. Bereits nach rund sechs Jahren wird sich das BHWK voraussichtlich amortisiert haben. Für den Hoteleigentümer ist der finanzielle Aspekt natürlich das entscheidende Argument pro Flüssiggas-BHWK gewesen. „Allerdings bin ich auch froh, dass ich mir künftig nicht mehr ständig darüber Gedanken machen muss, wo wir Energie sparen können, ohne den Komfort für Mitarbeiter und Gäste zu reduzieren“, betont Ernst Fischer.
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