Kostensenkung ohne Komfortverlust

Flüssiggas-BHKW im Landhotel

Das Landhotel Hirsch in Tübingen gehört zur Gruppe der inhabergeführten Hotels in Deutschland. Wie viele seiner Kollegen steckt Eigentümer Ernst Fischer in einem Dilemma: Auf der einen Seite stetig steigende Energiekosten, auf der anderen Seite die wachsenden Komfortansprüche von Kunden und Mitarbeitern. Mit dem Einbau eines flüssiggasbetriebenen BHKW hat Ernst Fischer eine Lösung gefunden, mit der er ohne Komfortverlust seine Stromkosten um bis zu 50 % senken kann.

Die Ener­gie­kosten im Hotel- und Gast­stät­ten­gewerbe sind ein leidiges Thema. Leidig, weil die Debatte um hohe Neben­kos­ten alles andere als neu ist. Aber auch, weil durch die ständigen Preissteigerungen für viele Hoteliers die Schmerzgrenze erreicht ist. Das gilt auch für das Landhotel Hirsch in Tübingen. „Ende 2012 haben wir festgestellt, dass unsere Energiekosten mittlerweile rund 10 % des Umsatzes ausmachen – obwohl wir bereits seit Jahren auf einen sparsamen Umgang mit Strom und Wärme achten“, sagt Eigentümer Ernst Fischer. So ließ er 1987 das Hotel sanieren und beispielsweise die...
Die Ener­gie­kosten im Hotel- und Gast­stät­ten­gewerbe sind ein leidiges Thema. Leidig, weil die Debatte um hohe Neben­kos­ten alles andere als neu ist. Aber auch, weil durch die ständigen Preissteigerungen für viele Hoteliers die Schmerzgrenze erreicht ist. Das gilt auch für das Landhotel Hirsch in Tübingen. „Ende 2012 haben wir festgestellt, dass unsere Energiekosten mittlerweile rund 10 % des Umsatzes ausmachen – obwohl wir bereits seit Jahren auf einen sparsamen Umgang mit Strom und Wärme achten“, sagt Eigentümer Ernst Fischer. So ließ er 1987 das Hotel sanieren und beispielsweise die Fenster austauschen. Und auch im Kleinen schauen Ernst Fischer und seine 24 Mitarbeiter auf den Energieverbrauch. „Für die Küche haben wir z.B. einen „Salamander“ (Ofen mit starker Oberhitze für Großküchen) gekauft, der nur dann in Betrieb ist, wenn sich ein Gericht darunter be­findet“, erläutert der Hotelier.

Schließlich musste er jedoch erkennen, dass seine Energiesparmaßnahmen die Preissteigerungen nicht mehr kompensieren konnten. Deshalb informierte er sich über Möglichkeiten, die das Hotel günstiger als bisher mit Energie versorgen. Schnell stieß er auf eine effiziente Lösung für die Strom- und Wär­me­versorgung: ein sogenanntes Mini-Blockheizkraftwerk (BHKW). Die kompakten Anlagen arbeiten nach dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung und erzeugen gleichzeitig Wärme sowie Strom. Durch den Einsatz eines BHKW lassen sich dauerhaft Energie­kosten senken. Ein möglichst konstanter Betrieb setzt wiede­rum voraus, dass die erzeugte Wärme ebenso stetig ver­braucht wird. Ein BHKW ist demnach vor allem für die Betriebe interes­sant, in denen das ganze Jahr über ein gleichmäßiger Bedarf an Heizwärme oder Warmwasser besteht – also für Hotels. Als Faustregel gilt: Mini-BHKW rechnen sich ab einem Jahresbrennstoffbedarf von 100 000 kWh.


Fernwartung via Internet

Ernst Fischer entschied sich für ein Modell der Firma Simple Energie. Ein Grund war die Steuerung. „Im Gegensatz zu vielen anderen Wettbewerbern nutzen wir keine Standardsoftware, sondern haben unser eigenes Programm ent­wickelt“, erklärt Michael Krings von der Simple Energie GmbH. „Der Vorteil ist, dass wir nicht nur das BHKW steuern und überwachen können, sondern auch die gesamte Hydraulik und eine ggf. noch vorhandene alte Heizanlage. Da­durch lassen sich alle Systeme aufeinander abstimmen und können Laufleistung sowie Effizienz optimieren.“ Ein weite­rer Vorteil ist, dass Simple Energie die Anlagen via Internet im Rah­men der Wartungsverträge 24 h am Tag kontrolliert. Somit wird eine Fehlfunktion des BHKW sofort automatisch erkannt. In acht von zehn Fällen lässt sich die Störung dann online durch Simple Energie beheben. Muss dennoch einmal ein Techniker zur Anlage, so ist er aufgrund der vor­ab übermittelten Informationen optimal vorbereitet. 


Flüssiggas fernab der Gasnetze

Simple Energie produziert ausschließlich BHKW, die mit Gas an­getrieben werden und folgt damit einem allgemeinen Trend. „In den vergangenen Jahren ist meines Wissens kein Modell für Heiz­öl auf den Markt gekommen“, sagt Michael Krings. „Ein Grund ist sicherlich, dass bei der Gasverbrennung kaum Ruß oder Asche und so gut wie kein Feinstaub entstehen. Die Anlagen sind da­durch viel wartungsfreundlicher als BHKW mit Öl und sparen den Betreibern letztlich Arbeit und Kosten.“ 

Gerade in ländlichen Gegenden und kleineren bis mittelgroßen Orten gibt es allerdings vielfach keinen Zugang zum öffentlichen Erdgasnetz – das gilt auch für auch das Landhotel Hirsch. Dass Ernst Fischer sein BHKW dennoch mit Gas betreiben kann, hat einen einfachen Grund: Flüssiggas. Der emissionsarme Brennstoff wird Verbrauchern netzunabhängig in Tanks direkt vor Ort zur Verfügung gestellt. „Im Vergleich zu Heizöl produziert Flüssiggas bis zu 15 % weniger CO2“, erklärt Thomas Landmann, Verkaufsdirektor von Primagas. „Zudem kann der Energieträger uneinge­schränkt in Wasserschutz- oder Trinkwassereinzugsgebieten eingesetzt werden.“ Das ist gerade in Gebieten von Vorteil, die in unmittelbarer Nähe zu Flüssen liegen oder als Hochwasserzo­nen strengen Umweltvorschriften unterliegen.


Vom Stromverbraucher zum Stromerzeuger

Der größte Vorteil der Kombination BHKW und Flüssiggas: Durch den selbst erzeugten Strom sind BHKW-Betreiber nicht nur unab­hän­giger von den großen Energieproduzenten – sie sind auch von Stromverbrauchern zu Stromanbietern geworden. „Wenn unser Mini-BHKW mehr Strom pro­duziert, als wir verbrauchen, können wir den Überschuss ins öffent­liche Netz einspeisen“, erklärt Ernst Fischer. Für jede abgegebene kW/h erhält er eine Vergütung in Höhe des an der Leipziger Strombörse ermittelten durchschnittlichen Quartalspreises. Dieser liegt aktuell bei rund 3,12 Cent/kWh (Stand: 2. Quartal 2014). Doch das ist längst nicht alles. „Wer Flüssig­gas zur Stromerzeugung verwendet, bekommt am Ende eines Jahres die Energiesteuer vom Staat zurückerstattet“, erklärt Thomas Landmann. Pro kg sind das 6,06 Cent. Zusätzlich erhält Ernst Fischer für jede mit dem flüssiggasbe­trie­benen BHKW erzeugte (kWh) Strom einen staatlichen Kraft-Wärme-Kopp­lungsbonus von 5,42 Cent ausgezahlt.

Nach Berechnungen von Sim­ple Energie erzielte Ernst Fischer mit der im August 2012 installierten Anlage bereits im ersten Jahr rund 7000 € – nach Abzug der Brennstoff- und Wartungs­kosten. Bereits nach rund sechs Jahren wird sich das BHWK vor­aus­sichtlich amortisiert haben. Für den Hoteleigentümer ist der finanzielle Aspekt natürlich das entscheidende Argument pro Flüssiggas-BHWK gewesen. „Allerdings bin ich auch froh, dass ich mir künftig nicht mehr ständig darüber Gedanken machen muss, wo wir Energie spa­ren können, ohne den Komfort für Mitarbeiter und Gäste zu reduzieren“, betont Ernst Fischer.

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