Innovationsaudit
Erfolgskontrolle für innovative UnternehmenEin Innovationsaudit ist für Unternehmen, unabhängig von deren Größe, eine Möglichkeit, die eigene Innovationsfähigkeit zu analysieren bzw. zu bewerten. Darauf aufbauend lassen sich geeignete Maßnahmen ableiten, um so die Innovationsfähigkeit zu verbessern.
Warum und wofür wird ein solches Innovationsaudit benötigt? Ein Grund liegt nahe und ist recht einfach: Praktisch jedes Unternehmen verfügt über eine Buchhaltung, eine Kostenrechnung, eine GuV und erstellt eine Bilanz. Diese liefern jeweils wichtige Informationen für die Geschäftsentwicklung. Bei der Beurteilung der Innovationsfähigkeit eines Unternehmens kann jedoch i.d.R. nicht auf ein entsprechend umfangreiches Zahlenwerk zurückgegriffen werden, um die eigene Innovationsfähigkeit zielgerichtet weiterzuentwickeln.
Einen zusammenfassenden Überblick über die Ziele von Innovationsaudits liefert Bild 1.
Einsatzmöglichkeiten für Innovationsaudits
Prinzipiell existieren viele mögliche Einsatzszenarien für ein Innovationsaudit. Die naheliegenden drei Möglichkeiten sollen hier kurz skizziert werden:
Generierung von mehr Wachstum
Ihr Unternehmen ist bereits länger im Markt erfolgreich tätig, aber Sie möchten es weiterentwickeln, systematisch mehr Innovationen hervorbringen und damit das Wachstum erhöhen. Wissen Sie, wo die Wachstumsmärke liegen, welche Bedürfnisse ihre Kunden haben und wie sie ihre internen Abläufe verbessern können? Ein Innovationsaudit kann hier viele Anregungen bieten, um die Beantwortung dieser Fragen zu unterstützen.
Neuausrichtung nach Führungswechsel oder Unternehmensnachfolge
Es gab einen Wechsel in der Geschäftsleitung ihres Unternehmens. Der neue Geschäftsführer hat sich schnell einen Überblick über die finanzielle Situation des Unternehmens verschafft. Aber wie steht es um die Zukunftsfähigkeit? Hierzu geben BWA und Kostenstellenrechnung wenig Auskunft. Ein Innovationsaudit vermittelt eine detaillierte Ist-Situation in Bezug auf die Innovationsfähigkeit des Unternehmens. Auf dieser Basis kann das Unternehmen in Hinblick auf neue Innovationen systematisch weiterentwickelt werden.
Erste Zwischenbilanz nach einer Unternehmensgründung
Sie haben ein Unternehmen gegründet und sich die ersten Jahre darauf fokussiert, ihre Unternehmensidee umzusetzen. Diese ist im Markt erfolgreich eingeführt und das Unternehmen wächst. Jetzt ist es Zeit, eine erste Bestandsaufnahme zu machen. Wie sieht ihre Innovationsfähigkeit aus, was können nächste Schritte sein, wie kann das Hervorbringen von Innovationen strukturiert und im Unternehmen verfestigt werden? Dies sind nur einige Fragen, die sich mit einem Innovationsaudit beantworten lassen.
Anforderungen an Innovationsaudits
Innovationsaudits haben konkrete Anforderungen zu erfüllen. Da sowohl die finanziellen als auch die personellen, räumlichen und zeitlichen Ressourcen begrenzt sind, ist auf ein angemessenes Kosten-/Nutzen-Verhältnis zu achten. Die Durchführung ist dann sinnvoll, wenn allen Beteiligten bewusst ist, dass genügend personelle Ressourcen für die Befragung, Durchführung sowie Analyse zur Verfügung gestellt werden müssen. Ohne ausreichenden Ressourceneinsatz ist ein solches Audit nur eine „Alibi-Veranstaltung“, die zu keinen konkret umsetzbaren Maßnahmen führt.
Des Weiteren sollte vor der Durchführung eines solchen Audits ein Mindestmaß an Innovationsmanagement vorhanden sein, da sich die Fragen auf die Innovationsziele, -strategie, -prozesse, Organisation und Ressourcen sowie Innovationskultur beziehen.
Wichtig ist die Verfügbarkeit der benötigten Informationen für den Auditor. Dies beinhaltet zum einen die Offenlegung relevanter Daten und zum anderen die Sensibilisierung der Mitarbeiter. Daten dürfen weder zurückgehalten noch verfälscht werden. Auch die Akzeptanz durch die Mitarbeiter und Unterstützung des Audits durch die Unternehmensleitung sind wichtig, da sonst alle Innovationsbemühungen der Organisation nahezu wertlos sind.
Unvermeidbar ist aber auch die lückenlose Dokumentation des gesamten Audits, damit keine Informationen verloren gehen oder unbeachtet bleiben [3].
Formen und Ablauf von Innovationsaudits
Ein Innovationsaudit kann sowohl als Selbstaudit als auch als extern geführtes Audit durchgeführt werden. Beide Varianten haben für Unternehmen Vor- und Nachteile. So bietet das Selbstaudit durch standardisierte Fragebögen eine hohe Vergleichbarkeit bei einem verhältnismäßig geringen Kosten- und Zeitaufwand. Aufgrund der standardisierten Fragen wird dies erkauft durch eine eingeschränkte Berücksichtigung der spezifischen Unternehmenssituation. Ein Selbstaudit birgt des Weiteren die Gefahr, dass die notwendige Selbsteinschätzung durch eine Art Betriebsblindheit und fehlendes Expertenwissen verfälscht wird.
Demgegenüber steht das extern geführte Audit. Durch eine neutrale Betrachtung aus verschiedenen Perspektiven sowie die individuelle Anpassungsmöglichkeit an das jeweilige Unternehmen besitzt ein solches zumeist einen höheren Aussagewert. Verbunden sind damit aber auch höhere Kosten und ein größerer Zeitaufwand.
Selbstaudit
Bei einem von Unternehmen selbst durchgeführten Innovationsaudit obliegen die Interpretation der Ergebnisse und die Ableitung von Verbesserungsmaßnahmen allein dem Unternehmen.
Die benötigten Werkzeuge, wie Fragebögen, Interviewleitfäden oder Onlinetools, können bei externen Anbietern eingekauft werden. Die Preise sind abhängig vom Anbieter und vom Umfang des Audits. Die Durchführung erfolgt durch eigene Mitarbeiter [4].
Die Datenerhebung erfolgt mittels schriftlicher Befragung, Interviewleitfaden oder Onlinetool. Eine schriftliche Befragung kann u. U. auch selbst entwickelt werden. Bei einer solchen internen individuellen Lösung muss darauf geachtet werden, die Schwerpunkte richtig zu setzen, und dass die nötigen zeitlichen, personellen sowie finanziellen Ressourcen zur Verfügung stehen.
Geführtes Audit
Die Anbieter von geführten Audits sind häufig Unternehmensberatungen, Institute und Lehrstühle. Geführte Audits bestehen meist aus vier Phasen [5]:
1. Phase: Vorbereitung und Priorisierung,
2. Phase: Interviews und Datenerfassung,
3. Phase: Auswertung und Analyse,
4. Phase: Präsentation und Diskussion.
In Phase 1 werden gemeinsam mit dem Unternehmen die Analyseziele sowie der Umfang des Audits festgelegt. Dabei werden Interviewpartner ausgewählt und erste Vorabinformationen zum Unternehmen zusammengetragen. In Phase 2 werden durch geführte Interviews anhand eines Leitfadens alle benötigten Informationen gesammelt. Nach der Erfassung und Strukturierung erfolgt Phase 3, in der die gesammelten Daten durch den Dienstleister analysiert und ausgewertet werden. Die Ergebnisse und Handlungsvorschläge werden dem auditierten Unternehmen in Phase 4 präsentiert.
In einer optionalen fünften Phase können aus den Ergebnissen mögliche Maßnahmen abgeleitet werden. Nach einem gewissen Zeitraum, z. B. nach zwölf Monaten, kann der Prozess wiederholt werden, um eine kontinuierliche Verbesserung der Innovationsfähigkeiten zu gewährleisten.
Mischform
Es existieren auch Mischformen zwischen Selbst- und geführtem Audit. Bei diesen wird häufig zu Beginn ein Selbstaudit durchgeführt, welches dann die Grundlage für einen sich anschließenden Workshop oder eine Ergebnisdiskussion mit externen Beratern bildet.
Inhalte von Innovationsaudits
Im Wesentlichen sind in einem Innovationsaudit vier Themenschwerpunkte abzudecken:
Im Bereich der Strategie sollten die folgenden Fragestellungen untersucht werden:
In Bezug auf die Portfolioentwicklung sind folgende Aspekte zu betrachten:
Bei der Entscheidung über das Budget für Innovationen stellen sich folgende Fragen:
Im Bereich der Mitarbeiter sollten folgende Schwerpunkte untersucht werden:
Um einen ganzheitlichen Überblick über die Innovationsfähigkeit des Unternehmens zu erhalten, sollten alle diese Fragestellungen im Detail untersucht werden. Nur dann lässt sich eine fundierte Standortbestimmung gewährleisten, auf deren Basis entsprechende zukunftsorientierte Zieldefinitionen und geeignete Maßnahmen abgeleitet werden [7].
Umsetzung der Ergebnisse des Innovationsaudits
Unabhängig von der gewählten Form des Innovationsaudits sollten anhand der jeweiligen Erkenntnisse Handlungsempfehlungen abgeleitet und entsprechende Maßnahmen umgesetzt werden, um die spezifische Innovationsfähigkeit zu verbessern. Diese Maßnahmen müssen der spezifischen Situation des Unternehmens angepasst sein und sollten schriftlich fixiert werden, um die Umsetzung der Maßnahmen auch kontrollieren zu können. Es gilt zunächst, einige wichtige Voraussetzungen zu prüfen:
Einige Innovationsaudits liefern aufgrund ihrer Methodik direkt Vorschläge für Maßnahmen, bei anderen Audits müssen diese erst in Form eines Maßnahmenplans erarbeitet werden. Für den zu erstellenden Maßnahmenplan ist Folgendes zu beachten:
Bei der Priorisierung bietet es sich an, alle Maßnahmen in eine Matrix einzuordnen. Auf der einen Achse wird bewertet, wie hoch die vermutete Auswirkung der Maßnahme auf die Innovationsfähigkeit des Unternehmens ist, auf der anderen Achse, wie hoch die geschätzten Aufwände für die Implementierung der Maßnahmen sind. Danach lassen sich dann diejenigen Maßnahmen priorisieren, die bei vergleichsweise geringem Aufwand hohe Auswirkungen nach sich ziehen, sofern solche Maßnahmen vorhanden sind.
Fazit
Sich mit der Innovationsfähigkeit des Unternehmens zu beschäftigen ist mindestens so wichtig wie alle Kosten ständig auf den Prüfstand zu stellen. Dies bedeutet zwar, Aufwand in Form von Zeit und Geld zu investieren, aber ein Innovationsaudit ist die beste Methode, um systematisch die Innovationsfähigkeit zu steigern.
Quellen
[1] Vgl. Kaschny/Hürth: Innovationsaudit: Chancen erkennen – Wettbewerbsvorteile sichern, 2010, S. 22 [2] Vgl. Kaschny/Hürth: Innovationsaudit: Chancen erkennen – Wettbewerbsvorteile sichern, 2010, S. 23 [3] Vgl. Löbel/Schröger/Closhen: Nachhaltige Managementsysteme, 2005, S. 67 [4] Vgl. Herstatt/Buse/Trapp/Stockstrom: Leistungsmerkmale eines KMU-gerechten Innovationsaudits, 2007, S. 9 [5] Vgl. Kaschny/Hürth: Innovationsaudit: Chancen erkennen – Wettbewerbsvorteile sichern, 2010, S. 58 [6] Vgl. Nolden: Unternehmerisches Wachstum – Aber wie?, 2011 [7] Vgl. Nolden: Unternehmerisches Wachstum – Aber wie?, 2011, S. 33 [8] Vgl. Herstatt/Buse/Trapp/Stockstrom: Leistungsmerkmale eines KMU-gerechten Innovationsaudits, 2007, S. 14 [9] Vgl. Hauschild/Salomo: Innovationsmanagement, 4. Aufl., 2007, S. 536 ff. [10] Vgl. Löbel/Schröger/Closhen: Nachhaltige Managementsysteme: sustainable development durch ganzheitliche Führungs- und Organisationssysteme – Vorgehensmodell und Prüflisten, 2001, S. 110 [11] Vgl. Herstatt/Buse/Trapp/Stockstrom: Leistungsmerkmale eines KMU-gerechten Innovationsaudits, 2007, S. 5Jetzt Artikel freischalten:
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