Große Lösung statt kleine Schritte

Mehrfamilienhausmodernisierung in Wernau

Ein Mehrfamilienhaus in Wernau wurde optisch und technisch grundlegend modernisiert. Mit dem Einsatz einer Gas-Absorptionswärmepumpe und eines Gas-Brennwertkessels wurden nicht nur der Wohnkomfort gesteigert, sondern auch der Energieverbrauch deutlich gesenkt.

Das Mehrfamilienhaus im baden-württembergischen Wernau ist nach einem Jahr Umbauzeit nicht wiederzuerken­nen. Die Argumente für die grund­legende Modernisierung des Mehrfamilienhauses mit bislang 24 Einheiten lagen auf der Hand: Das Gebäude aus dem Jahr 1959 bot keinen ausreichenden Wärmeschutz. Darüber hinaus war die Art der Raumheizung und Trinkwassererwärmung nicht mehr zeitgemäß: Ein Gaskachelofen mit 9,3 kW Leistung als raumluftabhängige Verbrennungsstätte und ein elektrisch betriebener Warmwasserboiler mit 80 l Inhalt in jeder Wohnung, diese Kombination erfüllte die heutigen...
Das Mehrfamilienhaus im baden-württembergischen Wernau ist nach einem Jahr Umbauzeit nicht wiederzuerken­nen. Die Argumente für die grund­legende Modernisierung des Mehrfamilienhauses mit bislang 24 Einheiten lagen auf der Hand: Das Gebäude aus dem Jahr 1959 bot keinen ausreichenden Wärmeschutz. Darüber hinaus war die Art der Raumheizung und Trinkwassererwärmung nicht mehr zeitgemäß: Ein Gaskachelofen mit 9,3 kW Leistung als raumluftabhängige Verbrennungsstätte und ein elektrisch betriebener Warmwasserboiler mit 80 l Inhalt in jeder Wohnung, diese Kombination erfüllte die heutigen Anforderungen an eine Wärmeerzeugung nicht mehr. In diesem Zusammenhang entschied sich die Wohnungsbaugenossenschaft Wernau für die große Lösung – und ein architektonisch interessantes Gesamtkonzept. Von der früheren Gebäudeansicht ist bei dieser Planung nichts mehr übriggeblieben.

Heute dominieren modernes Grau und leuchtendes Weiß an der Fassade, das alte Steildach ist einem modernen Flachdachaufbau gewichen. Das schafft nicht nur Raum für sechs zusätzliche Wohnungen im Penthousestil, sondern gibt dem Gebäude auch ein komplett neues Erscheinungsbild.

Doch nicht nur optisch, sondern auch technisch hat die Woh­nungsbaugenossenschaft Wer­nau das Haus grundlegend verändert. Anstelle der Gaskachel­öfen und der elektrisch beheizten Warmwasserboiler, die dezentral in jeder Wohnung angebracht waren, liefern jetzt eine energieeffiziente Buderus-Gas-Absorptionswärmepumpe „Loga­therm GWPL 41“ und ein Gas-Brennwertkessel „Logamax plus GB 162-65“ Raumwärme und warmes Wasser. „Dadurch ist der Wohnkomfort für unsere Mie­ter erheblich gestiegen – und dies bei einer Reduzierung der Ener­gie­kos­ten“, betont Matthias Schnei­der, Geschäftsführer der Woh­nungs­bau­genossenschaft.

Energieeffizientes Gesamtkonzept

Das Mehrfamilienhaus wurde entkernt und mit neuen Fenstern sowie einem Vollwärmeschutz an der Fassade versehen, dadurch lassen sich die Wärmeverluste deutlich senken. Die U-Werte sind jetzt viel besser und liegen für die Fenster bei 0,9, die Außenwand bei 0,17 und das Flachdach bei 0,14. Eine kontrollierte Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung reduziert die Wärmeverluste zusätzlich. Bei der energetischen Sanierung arbeitete die Heizungsfachfirma Amann GmbH aus Wendlingen eng mit der Buderus-Niederlassung Esslingen zusammen. „Zielvorgabe des Bauherren war ein möglichst umweltschonendes und energieeffi­zientes Konzept für die Raumheizung und Trinkwassererwärmung“, erklärt Inhaber Theo Amann. Weil der Erdgasanschluss bereits vorhanden war, bot sich die weitere Nutzung dieses Energieträgers an. Mit einer Gas-Absorptionswärmepumpe und einem Gas-Brennwertgerät konnten die strengen Anforderungen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes in Baden-Württemberg an eine Sanierung im Bestand erfüllt werden. Dieses verlangte zu diesem Zeitpunkt einen 50 %-igen Anteil an regenerativer Wärme­er­zeugung beim Einsatz einer Wärmepumpe und einer grundlegenden Modernisierung des Heizsystems.

Die Kombination aus Gas-Absorptionswärmepumpe und Gas-Brennwertgerät zeigt, dass eine zukunftsweisende Technik gut in ein Bestandsgebäude integriert werden kann. Mit dieser Lösung und den zusätzlichen Maßnahmen zur Wärmedämmung lässt sich der Energieverbrauch erheblich senken – von rund 625 000 kWh/a auf nur noch knapp 60 000 kWh/a (umgerechnet auf 24 Wohneinheiten wie vor dem Umbau). Für die jetzt 30 Wohneinheiten liegt der Energiebedarf bei rund 80 000 kWh/a. Auch der CO2-Ausstoß hat sich deutlich reduziert. Dieser lag vor der Renovierung bei 152 t/a und jetzt noch bei 15 t/a.

Vorteil der Gas-Absorptionswärmepumpe

In dem Mehrfamilienhaus in Wernau mit 2000 m2 Wohnfläche deckt die Gas-Absorptionswärmepumpe mit 41 kW Leistung (bei A7/W35) die Grundlast, der Gas-Brennwertkessel mit 65 kW wird als Spitzenlastkessel und zur Trinkwassererwärmung eingesetzt. Die im Freien aufgestellte Wärmepumpe erreicht einen hohen Wirkungsgrad von bis zu 165 % und eignet sich mit Vorlauftemperaturen von bis zu 65 °C auch für herkömmliche Heizflächen, so dass im renovierten Altbau des Mehrfamilienhauses die Wärme jetzt über Heizkörper mit einer maximalen Vorlauftemperatur von bis zu 60 °C verteilt wird. In den Neubauwohnungen ist eine Fußbodenheizung eingebaut – hier liegt die Vorlauftemperatur bei 45 °C. 

Weil die Anschlusstechnik der Wärmepumpe der eines Gas-Brenn­wertgerätes entspricht, ist die Installation einfach. „Die An­forderungen für die Außenaufstellung sind bereits von Elektro-Wär­me­pumpen bekannt“, unterstreicht Heizungsfachmann Theo Amann. Werkseitig verfügt die Gas-Absorptionswärmepumpe über einen anschlussfertig gefüllten, wartungsfreien Kältekreislauf. Die Wärmepumpe ermöglicht einen unterbrechungsfreien Betrieb selbst bei niedrigen Außentemperaturen. Ein weiteres Argument für den Einbau in dem modernisierten Mehrfamilienhaus in Wernau war der große Modulationsbereich von 50 bis 100 %. Damit eignet sich die Maschine ideal für ein bivalentes Sys­tem mit einem Gas-Brennwertkessel.

Spitzenlastabdeckung durch Gas-Brennwertkessel

Mit einer Leistung von 65 kW unterstützt der „Logamax plus GB162“ als Spitzenlastkessel die Gas-Wärmepumpe bei besonders hohen Wärmeanforderungen. Herzstück des Brennwert plus-Kon­zeptes ist der „Aluplus“-Wär­me­tauscher. Der Aluminium-Rippenrohr-Wärmetauscher im Motorblockdesign ist robust, kompakt und hat eine lange Lebens­dauer. Im Inneren jedes Rohres sorgen raffiniert ineinandergedrehte Kanäle für eine größtmögliche Oberfläche und verbesserte Wärme­übertragung und damit für Normnutzungsgrade von bis zu 110,5 %, bezogen auf den Heizwert Hi. Besonderes Kennzeichen des Wärmetauschers ist die spezielle Oberflächenveredelung der Heizflächen durch ein patentiertes Plasmapolymerisationsverfahren. Dieses schützt vor Verschmutzung und erleichtert Reinigung und Wartung. „Besonders vorteilhaft beim Einbau waren die kompakten Abmessungen und das vergleichsweise geringe Gewicht des Kessels“, unterstreicht Heizungsfachmann Theo Amann. Auch Servicearbeiten lassen sich ganz einfach ausführen, weil alle relevanten Bauteile von vorne zugänglich sind.

Regelungstechnik und Speicherkonzept

Eine Besonderheit ist die übergeordnete gemeinsame Ansteuerung aller Systemkomponenten mit dem Buderus-Regelsystem „Logamatic 4000“, das für deren optimales Zusammenwirken sorgt. Dadurch ist stets ein energieeffizienter und umweltschonender Betrieb möglich. Das eingebaute Regelgerät „Logamatic 4323“ wurde mit mehreren Funktionsmodulen ergänzt: Das „FM458“ erfasst Sammelstörmeldungen und hat einen Ein- und Ausgang von 0 bis 10 V für die Wärmeanforderung, das „FM444“ dient zur Einbindung eines alternativen Wärmeerzeugers und eines Puf­fer­speichers in die Heizungsanlage. Mit dem „FM442“ ist die Einbindung von zwei Heizkreisen mit oder ohne Stellglied in das Regelsystem möglich und das „FM445“ ermöglicht die Einbindung einer Temperaturregelung für ein Speicherladesystem mit externem Wärmetauscher in die Heizungsanlage.

Den Warmwasserkomfort für die etwa 80 Bewohner bieten die beiden Warmwasserspeicher „Logalux SF750“ mit Speicherladesys­tem „LSP3“, sie können zusammen 1500 l bevorraten. Der ebenfalls eingebaute Puffer­speicher „Logalux P500“ hat ein Volumen von 500 l. Die Dimensionierung sichert den uneingeschränkten Warmwasser­kom­fort und stellt gegenüber der früheren Trinkwassererwärmung eine wesentliche Verbesserung mit deutlich höherem Komfort dar. „Durch die grundlegende Modernisierung des Gebäudes konnten wir neben der erheblichen Energieeinsparung den Wohnkomfort deutlich steigern. Darüber haben sich die Mieter sehr gefreut“, sagt Wohnungsbau-Geschäftsführer Matthias Schneider.

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