Frohlocket zum neuen Jahr

Die „Alten“ unter uns haben Mitte der 70er/Anfang der 80er Jahre die Entscheidung getroffen, sich in der Heizungs-, Lüftungs-, Sanitär- und Kältebranche ein Leben lang niederzulassen – ganz gleich, ob als Monteur, Techniker, Kaufmann, Meister oder Ingenieur. Die 1980er und 1990er Jahre haben wirtschaftlich gesehen – gemessen am Querschnitt von traditionellem Handwerk bis hin zum großen industriellen Anlagenbau – nur mittelmäßige Ergebnisse gebracht.

Wenn ich mich an den industriellen Anlagenbau erinnere, läuft gelegentlich die eine oder andere Träne aus dem Auge: Die Branche geprägt durch einige wirtschaftliche deftige Berg- und Talfahrten. Im industriellen Bereich massig Zusammenlegungen von großen Marktteilnehmern, Aufkäufe von Familienunternehmungen und manche klassische systematische „Zerlegungen“, die heute bei weitem nicht mehr an das erinnern, was sie einmal waren.

Die öffentlichen Ausschreibungen mit bis zum Teil 20 anbietungswilligen Marktteilnehmern; deren interner Kalkulationsaufwand und den der Lieferanten den Betrag überschritten, den der billigste Teilnehmer überhaupt an dieser Ausschreibung als Gewinn einfahren konnte.

Die Wertstellung der Branche war in keinem Fall abgehoben. Bodenständig. In keinster Weise wurden wir besonders beobachtet. Niemand streichelte die Branche, und so ganz am Rande klang gelegentlich auch mal ein Touch Abwasser hervor.

Luftverschmutzung, ein zunehmend grüner Einfluss, Energieknappheit, die Diskussion um das CO2, kranke Wälder, Kriege, politisch motivierte Beschränkungen beim Energietransport und schwere Unglücke in Kernkraftwerken lassen die Bedeutung unserer Branche mit zum Spitzenreiter werden.

Die Branche – ganz gleich, ob Hersteller, Handwerk oder industrieller Anlagenbau – hat eine sagenhafte Wertschätzung erhalten, von der wir früher haben nicht einmal träumen dürfen. Wer vor 30 bis 40 Jahren die Industrie befragt hat, was ihr am meisten am Herzen läge, dann waren es Antworten, wie zu wenig Bauland für gewerbliche Vorhaben, Infrastruktur, wie der dreispurige Ausbau der Autobahnen, Kündigungsschutz und vieles mehr, an denen man aneckte.

Heute antwortet die Industrie, befragt nach den Problemen der Zukunft, in erster Linie mit dem Wort Energie. Woher erhalten wir die Energie, und wie bekommen wir den Energieverbrauch gedrosselt? Auf das Wort Energieeffizienz gibt es nur eine Antwort, das ist unsere Branche. Jeder, der in dieser Branche arbeitet, auch der Leser dieser Zeilen, gehört mit zu einer privilegierten Gruppe, die genau auf die Frage der Energieeffizienz viele Antworten weiß. Seit der Erfindung des Lagerfeuers hat die Branche meines Erachtens noch nie eine so große Wertschätzung erlebt. Wenn es jetzt nicht klappt, haben Sie sich zu spät auf den demografischen Wandel eingestellt oder arbeiten in den falschen Nischen, Kernkraftanlagenbau etc. Ganz oben auf dem Sahnetüpfelchen der hohen Wertschätzung der Branche auch noch ein Dank an die Politik für anhaltend gute Konjunktur – Frohlocket zum neuen Jahr!

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