Exklusiver Online-Beitrag: Fußbodentemperierung für ein Sakralgebäude

Das Kirchenzentrum Hannover-Süd

Die Neuapostolische Kirche Niedersachsen K.d.ö.Rplant, vier ihrer hannoverschen Kirchengemeinden zu einer neuen Gemeinde zusammenzuschließen, die den südlichen Teil der Stadt sowie Laatzen abdeckt. Zu diesem Zweck wird derzeit ein neues Kirchenzentrum mit Gemeindehaus und angeschlossener Wohnbebauung im Stadtteil Döhren errichtet. In Rahmen dieses Bauprojektes sollte das Sakralgebäude mit einer Fußbodentemperierung ausgestattet werden, die optimale Bedingungen für die neue Pfeifenorgel bietet.

Die Neuapostolische Kirche Niedersachsen verfügt in Hannover-Döhren an der Thurnithistraße über ein circa 4.900 m² großes Grundstück, auf dem das Projekt Kirchenzentrum Hannover-Süd realisiert wird. Der Neubau wird durch einen prägnanten, 19,3 m hohen Kirchturm gekennzeichnet, der als Lichtturm – also ohne Glocke – ausgeführt ist und den Altarbereich beleuchtet. Das angegliederte Gemeindezentrum besitzt eine Höhe von 9,2 m und nimmt zusammen mit dem Lichtturm eine Grundfläche von etwa 37,5 m x 23,6 m ein. Zusätzlich zum Sakralbau werden zwei Wohngebäude mit Abmessungen von jeweils 20 m x 20 m...

Die Neuapostolische Kirche Niedersachsen verfügt in Hannover-Döhren an der Thurnithistraße über ein circa 4.900 m² großes Grundstück, auf dem das Projekt Kirchenzentrum Hannover-Süd realisiert wird. Der Neubau wird durch einen prägnanten, 19,3 m hohen Kirchturm gekennzeichnet, der als Lichtturm – also ohne Glocke – ausgeführt ist und den Altarbereich beleuchtet. Das angegliederte Gemeindezentrum besitzt eine Höhe von 9,2 m und nimmt zusammen mit dem Lichtturm eine Grundfläche von etwa 37,5 m x 23,6 m ein. Zusätzlich zum Sakralbau werden zwei Wohngebäude mit Abmessungen von jeweils 20 m x 20 m und insgesamt 46 Wohneinheiten vorrangig für die Mitglieder der Gemeinde errichtet. Sie werden als sechsgeschossige Baukörper mit Flachdach und einer Höhe von 18,8 m ausgeführt.

„Dem Bauherrn war der Autarkiegedanke sehr wichtig. Gas, Öl oder Strom sollten deshalb nicht als Primärenergie für die Gebäude verwendet werden. Die gesamte Liegenschaft wird stattdessen zentral über eine Erdwärmepumpenanlage versorgt, die aus Tiefenbohrungen gespeist wird“, erläutert Matthias Reese, technisch-kaufmännischer Berater bei der Giacomini GmbH (www.giacomini.de). Für die Wohngebäude wurden dabei je sechs Bohrungen à 200 m Tiefe vorgenommen und für die Kirche sieben Bohrungen à 120 m, bei denen etwa 15 °C gewonnen werden.

 

Homogene Temperierung über Fußbodenheizung

Die eingesetzten Wärmepumpen eignen sich auch zum Heizen und Kühlen des Kirchengebäudes, in dem eine Fußbodentemperierung von Giacomini verbaut wird. „Die Neuapostolische Kirche Niedersachen hatte uns 2010 schon einmal mit der Installation einer giacoklima-Fußbodenheizung in einer Kirche in Wunstorf beauftragt“, so Matthias Reese. „Nachdem sich damals herausstellte, dass unser Modell optimale Bedingungen für die dortige Pfeifenorgel geschaffen hat, hat sich der Bauherr auch dieses Mal wieder dafür entschieden.“ Auch in der Turnithistraße soll eine Pfeifenorgel eingebaut werden, der besonders eine gleichmäßige Temperierung des Raumes ohne schnelle Schwankungen zu Gute kommt. „Bei einer Langzeitmessung in Wunstorf konnten sehr konstante Temperaturlinien festgestellt werden, was für die Orgel sehr gut ist“, bestätigt Orgelbaumeister Udo Feopentow, Inhaber der Feopentow Orgelbauwerkstatt. „Generell gilt, dass die relative Luftfeuchtigkeit optimalerweise zwischen 50 und 60 % liegen sollte.“ Erschwert wird dies jedoch durch die Staffelung des Kirchensaals in drei Ebenen beziehungsweise Raumhöhen: unter der Empore, unter dem Hauptdach und unter dem Lichtturm.

Um dies zu kompensieren, sorgt die „giacoklima“-Fußbodenheizung auf Basis genauester Planungen durch die GMW-Ingenieurbüro GmbH, Hannover, für eine besonders homogene Klimatisierung mit ruhigen Temperaturwechseln: Es werden feinstregelnde Armaturen eingesetzt, dieüber ein Steuerungsgerät stetig nachjustieren und schon bei kleineren Temperaturschwankungen einen größeren Querschnitt des Heizungsvorlaufes berücksichtigen. „Eine derartige Steuerung ist entscheidend, um eine schnelle Reaktion und somit besonders bei größeren Gebäuden sehr gute Werte zu erzielen“, so Matthias Reese, der bei Giacomini für das Projekt verantwortlich ist. „Zu diesem Zweck fließen verschiedene Parameter zusammen: Es werden Temperatur-, Vorlauf- und Rücklauf- sowie Feuchtemessungen vorgenommen, die die Regelung der Anlage bestimmen.“ Dies gilt auch für die Fußboden-Klimatisierungen, die in den Wohneinheiten der beiden weiteren Gebäude eingesetzt werden.

Im Wesentlichen besteht die Fußbodenheizung aus einer Noppenplatte mit schneckenförmig verlegtem Kunststoffrohr und einem Verteilerkasten mit Fußbodenverteilern. Auf Bauherrnwunsch wurde die Aufbauhöhe der Noppenplatte jedoch von 40 auf 30 mm reduziert. „Wir sind außerdem sehr froh, dass für den Kirchenraum ein Terazzoboden ausgewählt worden ist. Denn je mineralischer der Belag aufgebaut ist, desto höhere Wirkungsgrade können bei der Fußbodentemperierung erzielt werden“, ergänzt Matthias Reese. Ein Teppichboden beispielsweise ließe keine so hohen Werte zu.

 

Dezentrale Warmwasserbereitung

Im Rahmen der Warmwasserbereitung in den beiden benachbarten sechsgeschossigen Wohnhäusern entschied sich der Bauherr für eine dezentrale Lösung: Es wurden insgesamt 46 Trinkwasserübergabestationen von Giacomini einschließlich Regelungseinheiten zur Temperatursteuerung und Armaturen zur Strangregulierung installiert. „Von der Funktionsweise her ähnelt die Trinkwasserübergabestation einem elektrischen Durchlauferhitzer. Statt Strom wird hier jedoch das Heizungswasser als Wärmequelle verwendet, das über die Erdwärmepumpen permanent erzeugt wird“, so Matthias Reese. In der Übergabestation befindet sich ein Wärmetauscher, bis zu dem das Heizungswasser aufliegt. Dort wird die Kaltwasserleitung durchgeschliffen und das Trinkwasser bei Bedarf erwärmt.

Der Vorteil dieser Lösung liegt darin, dass in den einzelnen Wohnungen kein Gasanschluss oder Schornstein mehr vorhanden sein muss und auch kein erhöhter Stromverbrauch entsteht, wie das beispielsweise bei Etagenheizungen der Fall ist. Durch den Einsatz von Übergabestationen wird außerdem keine zentrale Warmwasserbereitung mehr benötigt; die entsprechenden Anlagen, wie Steigleitung, Zirkulation, Warmwasser-Speicher und Regelungstechnik können eingespart werden. Das Problem der Wärmeverluste in den Warmwasser-Steig- und Zirkulationsleitungen entfällt damit ebenso wie Maßnahmen zur Beprobung und Legionellen-Vermeidung. „Bei den Übergabestationen kommt es nur  zu kleinsten Mischwasserinhalten, es besteht also kaum eine Gefahr der Verkeimung“, erklärt Matthias Reese hinsichtlich der Hygiene in der dezentralen Warmwasserbereitung.

Das Projekt Kirchenzentrum Hannover-Süd wurde 2013 begonnen und sollte im Dezember 2015 abgeschlossen werden.

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