Qualifizierung für die Transforma­tion in die digitale (Bau)Zukunft

BIM-Fachseminare vermitteln Theorie und Praxis am konkreten Projekt

Öffentlichen Ausschreibungen, unter anderem für Bundesbauten oder durch die Deutsche Bahn, fordern immer öfter die Qualifikation „Arbeiten mit Building Information Modeling (BIM)“ ein. In dem dafür notwendigen Transformationsprozess stehen viele Baubeteiligte aber noch ganz am Anfang. Mit dem Fachseminar „TGA.Digital – BIM ColLab“ bietet Viega einen ganzheitlichen, individuellen Qualifizierungsansatz bis zur Zertifizierungsreife der Teilnehmenden.

Der Bausektor steht aktuell vor Herausforderungen, die in weiten Teilen widersprüchlicher kaum sein könnten. Auf der einen Seite gibt es im Wohnungsbau einen Bedarf, der noch auf Jahre hinaus mit den herkömmlichen Herangehensweisen und Arbeitsmethoden bedient wird: Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung geht von etwa 320.000 Wohnungen aus, die bis 2030 jedes Jahr neu gebaut werden müssten. Tatsächlich gebaut wurden 2024 laut Statistischem Bundesamt (Destatis) aber nur 251.900, 14,4 % weniger als noch im Vorjahr. Am Bedarf gibt es also allein in diesem Bausegment keine Zweifel.

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Das Seminarcenter „Viega World“ ist ein Leuchtturmprojekt für die Zukunft des Bauens.
Bild: Viega

Das Seminarcenter „Viega World“ ist ein Leuchtturmprojekt für die Zukunft des Bauens.
Bild: Viega
Der Bausektor steht aktuell vor Herausforderungen, die in weiten Teilen widersprüchlicher kaum sein könnten. Auf der einen Seite gibt es im Wohnungsbau einen Bedarf, der noch auf Jahre hinaus mit den herkömmlichen Herangehensweisen und Arbeitsmethoden bedient wird: Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung geht von etwa 320.000 Wohnungen aus, die bis 2030 jedes Jahr neu gebaut werden müssten. Tatsächlich gebaut wurden 2024 laut Statistischem Bundesamt (Destatis) aber nur 251.900, 14,4 % weniger als noch im Vorjahr. Am Bedarf gibt es also allein in diesem Bausegment keine Zweifel.

Auf der anderen Seite hat die Bauwirtschaft mit massiven Personalproblemen zu kämpfen. Der Verband Beratender Ingenieure (VBI) geht davon aus, dass etwa jedes dritte Ingenieurbüro freie Stellen mangels geeigneter Bewerberinnen und Bewerber nicht besetzen kann. Dieser Mangel wird durch den demografischen Wandel und den steigenden Bedarf an Fachkräften in Bereichen wie Energiewende und Digitalisierung noch verstärkt. Durch zeitraubende Genehmigungsverfahren kann die Nachfrage nach Bauleistungen voraussichtlich auch mittelfristig nicht gedeckt werden. Dies gilt insbesondere vor dem Hintergrund der qualitativ deutlich gestiegenen Anforderungen an die Bauleistungen. Im Hochbau sind das unter anderem:

die Forderung nach einem sparsameren Umgang mit (begrenzten) Rohstoffen 

eine unter ökologischen, ökonomischen und sozialen Gesichtspunkten nachhaltigere Bauweise in der Lebenszyklusbetrachtung

Dafür müssen Neubauten und ihre Technische Gebäudeausrüstung (TGA) viel umfassender entwickelt werden, als dies in der Vergangenheit der Fall war.

Bauleistungen werden komplexer

Die BIM-Qualifizierung erfolgt im anerkannten Zertifizierungsschema der buildingSMART Foundation.
Bild: Viega

Die BIM-Qualifizierung erfolgt im anerkannten Zertifizierungsschema der buildingSMART Foundation.
Bild: Viega
Wesentliche Stichworte sind in diesem Zusammenhang die gesetzlichen Vorgaben zur Reduzierung des Primärenergiebedarfs, bis hin zum zukünftigen Null-Energie-Gebäude, oder ein ganzheitlich gedachtes Gebäudedesign im Sinne der Kreislaufwirtschaft. Hier wird über die reine Wiederverwertbarkeit der eingesetzten Bauprodukte hinaus die gesamte Wertschöpfungskette von der Rohstoffgewinnung über die Produktion und Nutzung beim Bauen bis hin zum Recycling sowie der Rückführung in natürliche Kreisläufe berücksichtigt. Das lässt sich angesichts der hohen Komplexität, die das Bauen dadurch bekommt, mit den herkömmlichen, arbeitsteiligen Planungsprozessen und Bauleistungen weder inhaltlich noch wirtschaftlich leisten. Um den weit gefächerten Anforderungskanon an die Mehrleistungen im Hochbau zu erfüllen, sollten die Zuständigkeiten, Verfahren und Prozesse digitalisiert und methodisch komplett neu aufgesetzt werden.

Praxiserprobte Expertise

Dass und wie dies möglich ist, hat das Unternehmen Viega mit dem Neubau des Seminarcenters „Viega World“ gezeigt. Es gilt als Leuchtturmprojekt für die Integrale Planung mit der Arbeitsmethodik Building Information Modeling (BIM). Unter enger wissenschaftlicher Begleitung durch das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE und die RWTH Aachen University (Lehrstuhl für Energieeffizientes Bauen – E3D) wurde hier Grundlagenarbeit geleistet, um die Engpässe des Bauens über eine Digitalisierung der Planungs- und Bauprozesse aufzulösen. Diese Erkenntnisse fließen schon seit geraumer Zeit in die Baupraxis ein und sorgen dadurch für eine Weiterentwicklung der gesamten Branche.

Die Anforderungen an Hochbauten werden immer komplexer. Hier ein Blick in die Technikzentrale.
Bild: Viega

Die Anforderungen an Hochbauten werden immer komplexer. Hier ein Blick in die Technikzentrale.
Bild: Viega
Als ein entscheidender Problemkreis in der Definition der neuen Bauprozesse und Zuständigkeiten im Sinne von BIM kristallisierte sich bei der „Viega World“ unter anderem die lineare Arbeitsmethodik der unterschiedlichsten Baubeteiligten (Investor, Fachplaner, ausführende Unternehmen etc.) heraus, die sich auch in den von ihnen eingesetzten „Werkzeugen“ (hier: Software) ausdrückt.

Jeder der Baubeteiligten arbeitet in seinem Gewerk üblicherweise mit einer eigenen, fachspezifischen Software. Die Modelle werden in deren nativen Formaten erstellt und gepflegt – mit der Herausforderung, dass dann eine gemeinsame Arbeitsweise mit diesen Werkzeugen erreicht werden muss. Diesen Problemkreis allein durch eine weitere Software aufzulösen, ist jedoch wenig zielführend. Insbesondere, da neben der reinen Datenweitergabe die grundsätzliche organisatorische Form der Zusammenarbeit immer mitzudenken ist. Sie ist im Sinne einer kontinuierlichen Abstimmung von entscheidender Bedeutung, damit im Bauprozess möglichst durchgängig (zeitlich, örtlich und prozessual) von gleichen Wissensständen ausgegangen werden kann.

Das Seminarcenter „Viega World“ ist Schulungsinhalt. Theorie und Praxis sind hier also sehr anschaulich direkt miteinander verknüpft.
Bild: Viega

Das Seminarcenter „Viega World“ ist Schulungsinhalt. Theorie und Praxis sind hier also sehr anschaulich direkt miteinander verknüpft.
Bild: Viega
Der am Projekt „Viega World“ prototypisch entwickelte und mittlerweile in die Viega Seminarangebote („TGA.Digital BIM intensiv“ bzw. „TGA.Digital – BIM ColLab“) aufgenommene Ansatz verfolgt das Ziel, Verständnis für den Einsatz und die Notwendigkeiten der verschiedenen Tools zu wecken. Und dieses Verständnis im nächsten Schritt dann sowohl softwareseitig als auch inhaltlich vom nativen Bereich kommend über einen Austauschbereich zum Kern der BIM-Kollaboration als gemeinsamem Bereich der Zusammenarbeit zu überführen (siehe Grafik).

Wie beschrieben arbeitet dabei jedes Gewerk planend mit und in seiner fachspezifischen Software. Der Austauschbereich dient im Wesentlichen der technischen Zusammenführung und Koordination der fachspezifischen, nativen Modelle. Dabei bleibt jedes Modell in seiner spezialisierten Umgebung erhalten. Nach diesem Zwischenschritt fokussiert erst der gemeinsame Bereich auf einen zentralen, integrierten Arbeitsprozess, bei dem alle Projektbeteiligten über ein gemeinsames System in definierten Zyklen zusammenarbeiten und alle relevanten Daten konsolidiert vorliegen.

„Viega World“ als reales Projektbeispiel

Entsprechend strukturiert ist das Viega Weiterbildungsangebot unter dem Veranstaltungskonzept „TGA.Digital“ aufgebaut. In dem fünftägigen Seminar „TGA.Digital – BIM ColLab“ zur Umsetzung der BIM-Methodik und zur BIM-Koordination in der konkreten Planung, wird den Teilnehmenden dieser Planungs-, Arbeits- und Denkprozess nicht nur theoretisch, sondern anhand des Projektbeispiels „Viega World“ auch praxisgerecht nachvollziehbar vermittelt.

Das Arbeiten am eigenen Beispielprojekt rundet das individuelle Viega Seminar „TGA.Digital – BIM ColLab“ ab.
Bild: Viega

Das Arbeiten am eigenen Beispielprojekt rundet das individuelle Viega Seminar „TGA.Digital – BIM ColLab“ ab.
Bild: Viega
Für einen BIM-Autor oder BIM-Fachkoordinator können die Grundlagen für die Arbeit mit BIM, wie der Umgang mit unterschiedlichsten Softwarelösungen sowie Datenaustauschformaten wie IFC (Industry Foundation Classes) und BFC (BIM Collaboration Format) für die modellbasierte Zusammenarbeit bei openBIM-Projekten als bekannt vorausgesetzt werden. Zu seinen bzw. ihren Aufgaben gehört aber beispielsweise genauso, schon zum Projektstart über die Datentiefe und die Prozesse des Datenaustausches mit allen Akteuren zu einer gemeinsamen Übereinkunft zu gelangen. In dem Seminar wird daher das kollaborative Arbeiten mit den unterschiedlichen Beteiligten an den Modellen und das Arbeiten über eine gemeinsame Projektplattform (CDE) mit Funktionen und Prozessen vermittelt – mit dem Viega Seminarcenter als Best-practice-Beispiel. Hier lässt sich detailliert dokumentiert unter anderem nachvollziehen, wie z. B.

Auftraggeber-Informationsanforderungen (AIA) zu erarbeiten und anschließend in einen BIM-Abwicklungsplan (BAP) zu übertragen sind

wie mit dem BIM-Management des Auftraggebers schriftlich fixiert wird, welcher Akteur welche Informationen in welcher Qualität zu welchem Zeitpunkt und Datenformat zu liefern hat

wie diese Vereinbarungen im Projektverlauf immer wieder auf Einhaltung zu prüfen sind. Denn die einzelnen Akteure nutzen die AIA, um einen gemeinsamen BIM-Abwicklungsplan für das Projekt mit den gewerkespezifischen Reifegraden zu entwickeln

Im nativen Bereich arbeitet jedes Gewerk in seiner eigenen, fachspezifischen Software. Der Austauschbereich dient primär der technischen Zusammenführung und Koordination von fachspezifischen, nativen Modellen.
Bild: Viega

Im nativen Bereich arbeitet jedes Gewerk in seiner eigenen, fachspezifischen Software. Der Austauschbereich dient primär der technischen Zusammenführung und Koordination von fachspezifischen, nativen Modellen.
Bild: Viega
Spätestens dann wird deutlich, warum BIM eine echte Kollaboration im Sinne des Projektes voraussetzt. Denn je nach Modellierungsstand können die verschiedenen Gewerke zu einem Zeitpunkt unterschiedlich weit detaillieren. In der Regel sind zum Beispiel die Sanitär- und Lüftungsplanung gegenüber der Heizungsplanung im Voraus, weil für die Heizungsplanung erst eine Heiz- und Kühllastberechnung erforderlich ist, für die ein möglichst genaues Modell benötigt wird. Gleichzeitig sind die Vereinbarung von Reifegraden, die Kommunikation von Änderungen sowie Intervallen für die Datenübergabe zum Abgleich der Fachmodelle entscheidend für den reibungslosen und effizienten Ablauf des Projektes in der Praxis.

Qualifikation wird entscheidend

Die enge Verknüpfung von Theorie und Praxis in dem Seminar stellt einen entscheidenden Mehrwert dar, weil das Wissen um die Notwendigkeit, BIM in den Planungsbüros einzuführen, vorhanden ist. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund, dass stufenweise je nach Bauvolumen immer mehr Bundesbauvorhaben als BIM-Projekte ausgeschrieben werden müssen. In diesem Zusammenhang wird von Planungsbüros häufiger ein schriftlicher Qualifizierungsnachweis von Mitarbeitenden für die BIM-Koordination gefordert, bspw. eine Zertifizierung gemäß VDI/bS-MT 2552 Blatt 8, ISO 19650 oder vergleichbar. Entsprechend hat Viega das fünftägige Seminar „TGA.Digital – BIM ColLab“ so konzipiert, dass es berechtigt, an der Prüfung zur buildingSMART Professional Zertifizierung – „Practitioner - openBIM Coordination“ teilzunehmen.

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