Eines der größten Bauvorhaben Deutschlands

Integrierte Projektabwicklung an der Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr

Das Sanierungs- und Neubauvorhaben der Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr startet in die Planungsphase. Vor kurzem unterzeichneten die Bau- und Planungspartner sowie die Bundesbauabteilung Hamburg als Bauherrenvertretung einen Mehrparteienvertrag. Damit die Campusentwicklung gelingt, setzen die Bauherren für Planung und Umsetzung des Großbauprojektes auf die Methode der Integrierten Projektabwicklung (IPA). Dazu sprach die tab-Redaktion mit Mahalia Gardner, Projektleiterin Campus DOK, und Donald Appel, Leiter der Bundesbauabteilung Hamburg.

Bei dem Sanierungs- und Neubauvorhaben an der Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr setzen die Bauherren für Planung und Umsetzung auf die Methode der Integrierten Projektabwicklung (IPA).
Bild: HSU - UniBwH

Bei dem Sanierungs- und Neubauvorhaben an der Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr setzen die Bauherren für Planung und Umsetzung auf die Methode der Integrierten Projektabwicklung (IPA).
Bild: HSU - UniBwH
tab: Frau Gardner, was macht das Projekt Douaumont-Kaserne, genannt „Campus DOK“ zu einem der größten und komplexesten Bauvorhaben Deutschlands?

Mahalia Gardner: Bei der Campusentwicklung DOK kommen mehrere Aspekte zusammen: Größe, technische Komplexität, viele Stakeholder und hohe Nachhaltigkeitsanforderungen. Auf 205.000 m² - das entspricht einer Fläche von rund 30 Fußballfeldern - entsteht eine umfassende Campusentwicklung für Forschung und Lehre, Infrastruktur und Außenanlagen. Das Projekt geht über ein klassisches Neubauvorhaben weit hinaus: Denkmalgeschützte Gebäude bleiben erhalten, bestehende Strukturen müssen eingebunden, beziehungsweise zurückgebaut und moderne Gebäude behutsam integriert werden. Und das alles im laufenden Universitätsbetrieb. Die gewählte, für Deutschland neuartige, Projektabwicklungsform IPA (Integrierte Projektabwicklung) mit insgesamt zehn Allianzpartnern, einer Laufzeit von 10 Jahren und Baukosten von ca. einer Milliarde Euro machen das Projekt nicht nur sehr groß, sondern auch organisatorisch und bautechnisch äußerst anspruchsvoll.

tab: Was bedeutet die Unterzeichnung des Mehrparteienvertrags für das Projekt Campus DOK?

Mahalia Gardner: Die Unterzeichnung des Mehrparteienvertrages ist ein wichtiger erster Meilenstein für uns. Nach dem umfangreichen europaweiten Vergabeverfahren gehen wir als Bundesbauabteilung zusammen mit neun starken Allianzpartnern in die Planungsphase über. Damit startet das Projekt offiziell als Allianz. Und zwar von Beginn an auf einer partnerschaftlichen Basis, mit geteilter Verantwortung und mit einem Ziel: unser gemeinsamer Projekterfolg.

Für die Campusentwicklung stellt die Bundeswehr Finanzmittel in Höhe von etwa 1 Mill. € zur Verfügung. Damit sollen Neubauten und Bestandssanierungen mit einer Fläche von über 100.000 m² entwickelt werden.
Bild: HSU - UniBwH

Für die Campusentwicklung stellt die Bundeswehr Finanzmittel in Höhe von etwa 1 Mill. € zur Verfügung. Damit sollen Neubauten und Bestandssanierungen mit einer Fläche von über 100.000 m² entwickelt werden.
Bild: HSU - UniBwH
tab: Wie hilft ihnen IPA, um im Kosten- und Zeitplan zu bleiben?

Mahalia Gardner: Bei unserem gewählten IPA-Modell binden wir alle wichtigen Akteure (Planung, Ausführung und Bundesbau) frühzeitig ein und sorgen für eine enge Verzahnung, so dass Risiken schon in der Planungsphase erkannt und gelöst werden und nicht erst auf der Baustelle. Mit transparenten Prozessen (wie z. B. BIM und Lean-Management), dem Open-Book-Prinzip und einer gemeinsamen Risikobewertung schaffen wir erreichbare Kosten- und Terminziele. Bei Planabweichungen steht die gemeinsame, lösungsorientierte Projektsteuerung im Sinne des Gesamterfolgs im Vordergrund.

tab: Wie lässt sich der Denkmal- bzw. Ensembleschutz mit den Bestrebungen vereinigen, einen modernen, innovativen Campus zu bauen? 

Mahalia Gardner: Denkmalschutz und Innovation schließen sich nicht aus. Wir erhalten denkmalgeschützte Gebäude aus den 70er Jahren als prägende Zeitzeugen moderner Architektur, bauen Anteile zurück und ergänzen zahlreiche Gebäude. Diese müssen heutigen Bauvorschriften, hohen Nachhaltigkeitsstandards und dem Ensembleschutz gerecht werden. Unser Anspruch ist es, flexible und robuste Gebäudestrukturen zu schaffen, die sich an neue Konzepte in Forschung und Lehre sowie auch an veränderte technologische Anforderungen anpassen. Insgesamt möchten wir einen zukunftsfähigen Campus entwickeln, bei dem die architektonische Identität gewahrt wird und gleichzeitig Neubauten harmonisch eingebunden werden.

Alle Vertragspartner im Projekt Campus DOK nach der Unterzeichnung.
Bild: Gelhausen - HSU – UniBwH

Alle Vertragspartner im Projekt Campus DOK nach der Unterzeichnung.
Bild: Gelhausen - HSU – UniBwH
tab: Herr Appel, was ist das Besondere an IPA und warum hat man sich gegen eine konventionelle Abwicklung entschieden? 

Donald Appel: Welche Projektrealisierungsform passt für unser Projekt am besten? Diese Frage hat sich die Bundesbauabteilung zusammen mit dem Bauherrn nach Vorlage des Siegerentwurfes aus dem städtebaulich-, freiraumplanerischen Wettbewerb gestellt. Ein konventionelles Vorgehen mit der Realisierung einzelner Projekte hätte die Potentiale einer integralen, ganzheitlichen Entwicklung nur schwer heben können. Außerdem hätte die Realisierung deutlich länger gedauert. Daher haben wir das Projekt einem Check unterzogen und geprüft, ob es für das IPA-Verfahren geeignet ist. Dabei wurde deutlich, dass IPA potenzielle Risiken in so einem Großprojekt minimieren kann und deutliche Beschleunigungspotentiale bietet.

tab: Welche Lehren konnten Sie bis jetzt schon aus dem Verfahren rund um IPA ziehen?

Donald Appel: Es hat uns sehr geholfen, früh mit dem Markt in den Dialog zu treten, um das Projekt noch passgenauer aufzusetzen. Es war aber auch eine wichtige Erkenntnis, im europaweiten Vergabeverfahren zu sehen, wo die Grenzen für einzelne Planer und Firmen in der Vertragsgestaltung liegen. Denn IPA ist nicht nur in der Projektabwicklung, sondern auch in der Vertragsgestaltung neu und ermöglicht Freiheiten, auf welche sich manche Firmen nicht einlassen möchten oder können. Ferner haben wir in der sehr komplexen Vorbereitungsphase und im Vergabeverfahren schon mit IPA-Methoden gearbeitet und konnten so unseren Zeitplan exakt gehalten.

tab: Welche Bedeutung hat das Projekt Campus DOK für die Stadt Hamburg und bundesweit?

Donald Appel: Die Helmut-Schmidt-Universität ist eine von zwei Bundeswehr-Universitäten. Jeder Offizier muss hier im Rahmen seiner Ausbildung ein Studium absolvieren. Es ist also elementar für die Bundeswehr, die Universität attraktiv, zukunfts- und leistungsfähig zu machen.  Für den Wissenschaftsstandort Hamburg ist die Bundeswehr-Universität im Forschungscluster, aber auch mit den Drittmittelforschungen für die Hamburger Wirtschaft ein Standortfaktor. Hier werden Forschungen auf höchstem Niveau betrieben, sei es im „Luftfahrtcluster Hamburg“, dem Forschungscluster „Biokatalyse“ oder dem Forschungsverbund „Erneuerbare Energien“.

tab: Wie bereiten Sie sich auf etwaige Änderungen im Zeit- und Kostenplan vor?

Donald Appel: Aus anderen IPA-Projekten wissen wir um die Herausforderung, die finalen Zielkosten gemeinsam festzulegen. Hier gibt es auch die Möglichkeit eines Exits für den Auftraggeber, falls es zu keiner Einigung in der Allianz kommt und die Kosten zu hoch sein sollten. Aufgrund der Länge des Bauvorhabens könnten sich unter Umständen auch Änderungen in den Bedarfen der Universität auf die Fertigstellung auswirken. Aber genau hier hat IPA seine Stärken, da man die gesamte Expertise hat, um die Auswirkungen solcher Planungsänderungen schnellstmöglich umfassend bewerten und auf einer soliden Basis eine Entscheidung als Auftraggeber treffen kann.

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