Sichtbeton bei Leckagen schützen
Abdichtverfahren für die BetonkernaktivierungEine Leckage an Rohrleitungen im Sichtbeton – allein der Gedanke daran verschafft Architekten wie Betreibern schlaflose Nächte. Denn wie könnte nach dem Aufstemmen einer Teilfläche des Betons die Oberfläche ohne optische Brüche wiederhergestellt werden? Mit dem RDS-Abdichtverfahren sind solche Überlegungen obsolet: Diese Technik arbeitet mit einem in die Rohrleitung eingebrachten Flüssigprodukt auf mineralisch-kristalliner Basis. Die Leckage wird durch aushärtendes Siliciumdioxid von innen nach außen dauerhaft verschlossen.
Beton als Wärmespeicher
Dabei ist dieser Baustoff auch unter haustechnischen Aspekten interessant: Weil Beton ein hohes Wärmespeichervermögen besitzt, eignet er sich sehr gut als Speicher-, Puffer- und Transportmedium für Wärmeenergie. Zur energieeffizienten Klimatisierung (Kühlen/Beheizen) von Büro- und Verwaltungsgebäuden,...
Beton als Wärmespeicher
Dabei ist dieser Baustoff auch unter haustechnischen Aspekten interessant: Weil Beton ein hohes Wärmespeichervermögen besitzt, eignet er sich sehr gut als Speicher-, Puffer- und Transportmedium für Wärmeenergie. Zur energieeffizienten Klimatisierung (Kühlen/Beheizen) von Büro- und Verwaltungsgebäuden, Schulen, Krankenhäusern, Pflegeheimen oder Museen ist deshalb die so genannte Betonkernaktivierung Stand der Technik.
Dazu werden in die Betonbauteile (meist Decken, aber auch Pfeiler und Wände) innerhalb der Bewehrungslagen vorgefertigte Rohrregister eingebaut. In den Rohren zirkuliert Wasser, das je nach Temperatur Wärme aus der Decke aufnimmt (Raumkühlung) oder an die Decke abgibt (Raumbeheizung).
Eine solche Betonkernaktivierung hat durchaus spezifische Anforderungen, wie in einer BINE-Info nachzulesen ist [1]: „Im Gegensatz zur Fußbodenheizung und -kühlung muss die Verlegung der Rohrleitungen bei der Betonkerntemperierung in den Ablauf der Schalungs-, Bewehrungs- und Betonierarbeiten integriert werden. Dies erfordert eine sorgfältige Planung und intensive Abstimmung mit der Tragwerksplanung, um statisch besonders hoch beanspruchte Bereiche im Umfeld von Stützen und Schächten nicht zu schwächen. Vor der Einbettung erfolgt eine Überprüfung auf Undichtheiten der Rohre mittels Sichtabnahme und Druckprüfung. Es ist auf eine sorgfältige Verlegung der Rohre zu achten, da Schäden an den Rohrregistern später nicht mehr repariert werden können.“
Mögliche Ursachen von Leckagen
Doch was tun, wenn es trotz aller Vorsichtsmaßnahmen nach der Einbettung zu Leckagen kommt? Etwa wenn andere Gewerke die Rohrleitungen angebohrt haben, oder weil die wassergefüllten Leitungen ungeschützt dem Frost ausgesetzt waren und deshalb undicht wurden?
Innensanierung von Leckagen
Bereits minimale Leckagen können in einem Gebäude große Wasserschäden verursachen. Kostenaufwändigen Schaden bewirkt vielfach jedoch bereits die Suche nach der Leckage und deren Beseitigung. Das muss natürlich nicht sein: Zum einen ist es mit moderner Messtechnik heute möglich, die Ursache eines Wasserschadens zerstörungsfrei ohne ein Aufstemmen der Wand oder des Bodens exakt zu lokalisieren (Infokasten 1 ); das minimiert zumindest schon mal den Aufwand einer klassischen Leckagesanierung.
Es ist sogar möglich, das messtechnisch lokalisierte schadhafte Rohr auch zerstörungsfrei zu sanieren: Mit dem RDS-Abdichtverfahren der Lindenberg-Ortungstechnik: Diese Technik arbeitet mit einem in die Rohrleitung eingebrachten Flüssigprodukt der BaCoGa GmbH auf mineralisch-kristalliner Basis. Die Leckage wird durch Bildung von aushärtendem Siliciumdioxid von innen nach außen dauerhaft verschlossen.
Leckage orten und verschließen
Durch Druck- oder Zuflussmessungen ermittelt der Ortungstechniker zunächst den undichten Leitungsstrang. Anschließend trennt er diesen Leitungsabschnitt vom restlichen Leitungsnetz und entleert das Rohr; eventuell muss noch getrocknet werden. Dann füllt der Techniker ein für den speziellen Einsatzfall ausgewähltes flüssiges Dichtmittel in die Rohrleitung ein und führt es mit Hilfe einer Pumpe im Kreislauf; tritt das flüssige Dichtmittel durch die Leckage(n) aus, geht es mit Kohlendioxid (CO2) der umgebenden Luft eine feste mineralische Verbindung ein und verschließt die Leckstelle(n) dauerhaft.
Die von dem Dienstleister eigens hierfür entwickelte Anlagen- und Verfahrenstechnik erlaubt es, die für den Prozess entscheidenden Parameter (spezifisches Dichtmittel, Druck, Temperatur, pH-Wert) zu überwachen und zu regeln. Nach der erfolgreichen Abdichtung wird die Leitung gespült und erneut eine Dichtheitsprüfung durchgeführt (auf Wunsch mit Dokumentation der Druckverlaufskurve).
Ein Praxisbeispiel
Für Dipl.-Ing. Lars Lindenberg, Inhaber der Lindenberg-Ortungstechnik, ist das zerstörungsfreie Abdichtverfahren eine regelmäßig genutzte Alternative zur herkömmlichen Leckage-Sanierung: „Unser RDS-Verfahren kommt insbesondere dann zum Einsatz, wenn die aufgefundene Leckage an einer Stelle sitzt, die man aus optischen und/oder auch aus finanziellen Gründen nicht durch das Aufstemmen der Wände sanieren möchte – beispielsweise bei einem Sichtbeton oder bei einem Bad mit wertvollen Fliesen.“
Beispielsweise im Sanaa-Gebäude (zuvor: Zollverein School of Management and Design) in Essen: Das Gebäude ist eine Referenz an die umliegenden Gebäude der ehemaligen Zeche und besitzt dennoch einen unverkennbar eigenen Charakter. Mächtig und leicht mutet der hellgraue Kubus an. Der 34 m hohe Bau hat eine Grundfläche von 35 m × 35 m. Einzigartig ist die innere Struktur, die aus fünf Ebenen – vier Geschosse zuzüglich Dachgarten – mit jeweils unterschiedlichen Raumhöhen besteht. Ein Großteil der rund 5000 m² Nutzfläche ist offener Raum. Reduktion bestimmt die Raumatmosphäre – wenige tragende Elemente und die Verlegung sämtlicher Haustechnik in die Wände und Decken betonen die Konzentration auf das Wesentliche. Eine Besonderheit ist die aktive Wärmedämmung der einschaligen Sichtbeton-Fassade. In die Betonwand ist ein mäanderförmiges Rohrsystem eingelegt. Es wird von 28 °C warmem Wasser durchströmt, das ohnehin als Grubenwasser abgepumpt werden muss. Dadurch konnte die Dicke der Außenwand um etwa 20 auf 30 cm reduziert werden.
Bei diesem architektonisch beeindruckenden Gebäude waren gleich mehrere Geschosse von Leckagen betroffen, auch die Steigleitungen selbst. Die Vorgehensweise des Dienstleisters auch in diesem Fall: Strangweise wurden die Leitungen auf Druckverluste überprüft und somit die Leckagen identifiziert. Falls noch Wasser in den Leitungen vorlag, wurden diese trocken geblasen. In Summe waren mehrere 100 m² Fläche zu sanieren, das Lindenberg-Team benötigte dazu sieben Arbeitstage, die Kosten lagen im unteren fünfstelligen Euro-Bereich – viel Geld, aber kein Vergleich zu den Kosten bei einer herkömmlichen Sanierung. Von der verunstalteten Optik des Sichtbetons ganz zu schweigen.
Das RDS-Verfahren ist nicht nur bei Großobjekten erfolgreich, der bundesweit tätige Dienstleister setzt die Technik durchschnittlich ein- bis zweimal im Monat ebenso in Ein- und Mehrfamiliengebäuden ein. Das Verfahren bewährt sich mit entsprechend zertifizierten Dichtmitteln auch im Trinkwasserbereich.
Literatur
[1] www.bine.info/hauptnavigation/publikationen/publikation/thermoaktive-bauteilsysteme/beton-temperiert-gut/Jetzt Artikel freischalten:
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