Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und Klimaresilienz sind Grundpfeiler in der Energie- und Wasserversorgung
26.01.2026Die Versorgungssicherheit mit bezahlbarer Energie müsse im Zentrum aller wirtschaftspolitischen Vorhaben der Bundesregierung stehen. Nur wenn diese gewährleistet sei, gelänge es, die konjunkturelle und strukturelle Krise in Deutschland zu überwinden. Ausdrücklich begrüßt der Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches e.V. (DVGW) bei einem Pressegespräch zum Jahresauftakt in Berlin, dass die Europäische Kommission und die Bundesregierung eine Einigung zur dringend notwendigen Kraftwerksstrategie erzielen konnten. „Diese überfällige Einigung jetzt zu Jahresbeginn ist ein wichtiges Signal für Energiesicherheit, Wettbewerbsfähigkeit und Klimaschutz auf europäischer und nationaler Ebene“, sagt Prof. Dr. Gerald Linke, Vorstandsvorsitzender des DVGW.
Kraftwerksstrategie: weitere Kapazitäten notwendig
Gaskraftwerk Irsching.
Bild: Uniper
Der DVGW sieht in der Einigung zwischen Berlin und Brüssel auch ein klares Bekenntnis zur fortbestehenden Bedeutung des Energieträgers Erdgas für die sichere Gestaltung der Transformation hin zu einer emissionsfreien Klimaneutralität. Gaskraftwerke gleichen die volatile Stromerzeugung der Erneuerbaren Energien aus, sie gewährleisten im Gegensatz zu Batteriespeichern auch im Falle langanhaltender Dunkelflauten zuverlässig die Stromversorgung für Industrie, Mittelstand und den privaten Verbrauch. Zudem sparen Gaskraftwerke im Vergleich zu den noch immer dominierenden Kohlekraftwerken erheblich CO₂ ein.
Durch die EU-Vorgabe einer H₂-Readiness werde nun eine schrittweise Dekarbonisierung ermöglicht. Dass Gaskraftwerke, die perspektivisch mit Wasserstoff betrieben werden können, zum Bestandteil der Ausschreibungen gehören, sei eine richtige Entscheidung. Es sei notwendig, dass die Bundesregierung zügig und noch in diesem Jahr die Auktionen für steuerbare Kapazitäten startet und den Betreibern des Wasserstoffkernnetzes so eine Perspektive für eine gesicherte Abnahme ermöglicht. Zu kritisieren sei hingegen, dass die nun vereinbarten 12 Gigawatt (GW) lediglich der bereits von der Ampelkoalition mit der EU-Ebene verhandelten Leistung entsprechen und hinter dem selbst gesteckten Ziel der Bundesregierung (mindestens 20 GW) zurückbleiben. Auch würde durch den Neustart des Verfahrens unnötigerweise ein Jahr für die erfolgreiche Umsetzung der Energiewende verloren. Der DVGW fordert die Bundesregierung auf, schnell, zielgerichtet und unter Vermeidung bürokratischer Hemmnisse ihre Kraftwerksstrategie umzusetzen und weitere Kapazitätsplanungen auf den Weg zu bringen.
Wasserstoffhochlauf und Wärmemarkt: Infrastruktur und Mengen entscheiden über den Erfolg
Heizzentrale eines Neubaugebietes in Leipzig; vorn ein BHKW, dahinter ein Spitzenlastkessel und links ein Wärmespeicher.
Bild: ASUE / Th. Wencker
Deutschlands Anspruch muss es sein, beim Wasserstoffhochlauf weltweit eine technologische Spitzenposition einzunehmen. Dies sichert zum einen die inländische Versorgung mit klimaneutralen Gasen in der Zukunft und eröffnet andererseits Perspektiven für Transfer und Export von technologischem Wissen und von Hightech-Produkten, die eine auf Export ausgerichtete Volkswirtschaft, gerade in Zeiten wie diesen, so dringend benötigt. Gute Ansätze und Erfolge gibt es bereits: Kurz vor dem Jahreswechsel wurde in einem Flow-Projekt im Nordosten Deutschlands vom Gastransportnetzbetreiber Gascade ein 400 km langes Hauptversorgungssystem mit Wasserstoff gefüllt. Aktuell unterstützt der DVGW Indien bei der Erarbeitung eines Wasserstoff-Regelwerks. Im Rahmen der Indienreise des Bundeskanzlers Mitte Januar wurde eine Absichtserklärung zwischen der indischen Regulierungsbehörde für Erdöl und Erdgas und dem DVGW unterzeichnet. Damit setzt die viertgrößte Volkswirtschaft der Welt auf das technische Knowhow und Regelwerk des DVGW.
Kritisch sieht der DVGW, dass die Bundesregierung im Zuge des Monitoringberichts zur Energiewende keine eigenen Mengenbedarfe zum Wasserstoff kommuniziert. Dagegen prognostiziert eine Expertenkommission einen erheblichen Bedarf von rund 300 bis 600 Terawattstunden (TWh) klimafreundlichem Wasserstoff, um die Klimaziele zu erreichen. Gleichzeitig erwarten die Wissenschaftler bereits ab 2030 einen in der Folge stark wachsenden Importbedarf, der durch verschiedene Erzeugungsarten gedeckt werden muss, um die inländische Nachfrage zu decken. Nach Einschätzung des DVGW sei es daher notwendig, Wasserstoff zunächst in all seinen Farben herzustellen sowie die Erzeugung und Verteilung von Biomethan stärker auszubauen. Dies käme insbesondere dem Wärmesektor zugute. Der DVGW ist überzeugt, dass „All electric“ mit der elektrischen Wärmepumpe nicht der Königsweg ist, sondern spricht sich stattdessen für eine technologieoffene, praktikable, rechtssichere und auf Klimaneutralität ausgerichtete Gebäude-Energiewende aus.
Auch mit Blick auf die Wasserversorgung sieht der DVGW umfassenden politischen Handlungsbedarf. In Deutschland zählt die Versorgung mit Trinkwasser zu der leistungsfähigsten weltweit. Damit das so bleibt, braucht sie stabile politische Rahmenbedingungen – insbesondere angesichts wachsender Anforderungen durch Klimawandel, neue Nutzungskonkurrenzen und veränderte sicherheitspolitische Bedrohungslagen. Weitere Informationen zu den Energie- und wasserpolitischen sowie weiteren Forderungen des DVGW finden sie unter folgendem Link.
