Sanitärräume im Krankenhaus
Neue Chirurgie und Dermatologie am Universitätsklinikum UlmKrankenhäuser sind heute nicht mehr nur Heilanstalten, sondern wirtschaftlich arbeitende Unternehmen, in denen Patienten zu Kunden bzw. Gästen werden. Da genügen keine einfachen Krankenzimmer und Sanitäreinrichtungen mehr. Um für Patienten attraktiv zu sein, bedarf es einer angenehmen Atmosphäre, in der man sich gut aufgehoben fühlt. Genau nach diesen Kriterien ist der Neubau der Chirurgie und Dermatologie in Ulm konzipiert worden: Ein modernes Haus zum Gesundwerden mit Wohlfühlambiente. Besonders hohe Ansprüche im Bereich Sanitär und Hygiene werden an die OP-Bereiche und Sanitärräume gestellt.
Sieben Kliniken unter einem Dach
Der Gebäudekomplex auf dem Oberen Eselsberg, der 2012 feierlich eröffnet worden ist, beherbergt...
Sieben Kliniken unter einem Dach
Der Gebäudekomplex auf dem Oberen Eselsberg, der 2012 feierlich eröffnet worden ist, beherbergt insgesamt sieben Kliniken. Zusammen bilden sie die neue Chirurgie und Dermatologie. Mit einer Bauzeit von vier Jahren und Kosten von 240 Mio. € ist das Objekt die größte Baustelle eines Klinikums in Baden-Württemberg gewesen. Die Planung des Neubaus reicht bis ins Jahr 2000 zurück. Das alte Haus am Safranberg war den Anforderungen einer Sanierung, wie die Klinikleitung sie forderte, nicht mehr gewachsen. Daher fiel der Entschluss, am Eselsberg neu zu bauen.
Den Architektenwettbewerb gewannen KSP Jürgen Engel Architekten. „Somit hatten wir von Beginn an die Kontrolle über die Gestaltung“, erklärt Inhaber Jürgen Engel. „Wir entwickeln unsere Projekte in einem integralen Planungsprozess und im Dialog mit unserem Auftraggeber sowie allen Fachplanern. Das betrifft Fragen der Fassadengestaltung, Materialwahl und Farben bis hin zu Details wie die Auswahl der Sanitärobjekte.“
Nach sechs Jahren Planung konnte 2008 der Grundstein gelegt werden, 2012 war das Objekt fertiggestellt. Der Umzug aus dem alten Klinikum fand dann am 15. Juni 2012 statt. Er setzte eine monatelange Organisationsphase voraus, denn nichts durfte hier dem Zufall überlassen bleiben. Innerhalb von nur vier Stunden wurden 118 Patienten in ihre Zimmer im neuen Klinikum verlegt. Diese befinden sich in einem optisch schwebenden Bettenhaus mit weit auskragenden Gebäudeteilen, das sich quer über den Sockelbau sowie über die Umgebung erhebt, wodurch beim Blick aus dem Fenster eine panoramaartige Aussicht geboten wird. Im Sockel des Gebäudekomplexes befindet sich der funktionale Teil der Chirurgie mit Operationssälen, Intensivstation, Notaufnahme, Radiologie, Fachambulanzen und dermatologischer Klinik. So sind die Bereiche der medizinischen Behandlung und das Bettenhaus architektonisch voneinander getrennt.
Der Aufenthalt soll den Patienten so angenehm wie möglich gestaltet werden. Mit viel Licht und einem warmen Farbkonzept will das Architektenteam den Patienten die Angst vor dem Krankenhaus nehmen. „Die hell und freundlich gestaltete Architektur“, so Jürgen Engel, „trägt dazu bei, Schwellenängste zu überwinden. Farbakzente in den Erschließungsbereichen, Pflegestationen und Patientenzimmern schaffen eine angenehme Atmosphäre. Als individuelle Rückzugsbereiche tragen die Zimmer mit Bad dazu bei, dass sich die Patienten gut aufgehoben fühlen – wie in einem Hotel“, erklärt Architekt Engel den konzeptionellen Ansatz seines Teams.
So gibt es vier Lichthöfe, die das Gebäude nach oben hin öffnen und den Himmel durchscheinen lassen. Jedem Lichthof ist eine andere warme Farbe zugeordnet, die sich vom Teppich über die Geländer bis hin zu den Fensterumrahmungen auf der Fassade wiederfindet. Die begrünten Außenflächen ergeben im Verbindung mit der 6500 m2 großen Glas-Alu-Fassade einen interessanten Mix aus Moderne und Natur.
15 OP-Säle, 315 Betten und ein ambulantes OP-Zentrum stellen die Versorgung der Patienten rund um die Uhr sicher. Von besonderer Bedeutung im OP-Bereich ist die Hygiene. Deshalb sind die hier eingesetzten Waschrinnen aus dem Mineralwerkstoff Varicor gefertigt worden. Der aus hochwertigen Naturmaterialien und Harzen bestehende Werkstoff ist nicht nur besonders leicht zu reinigen, sondern hat in der Farbe Weiß sogar eine antibakterielle Wirkung, da er für eine Keimreduktion von über 99 % sorgt. Die Anfertigung der OP-Rinnen hat der Varicor-Topverarbeitungsbetrieb Rockhausen aus Waldheim vorgenommen. Die „Rockhausen OPR“ wurden mit bis zu vier Waschplätzen und einer etwa 50 cm hohen Rückwand produziert, die mit Armaturen, Seifen-, Desinfektionsmittel- und Bürstenspendern bestückt ist. Ein wichtiges Merkmal dieser völlig fugenfreien, bis zu 2800 mm langen Anlagen ist die erhebliche Reduzierung von Ecken und Kanten. Die daraus resultierende, geometrisch einfach gehaltene Oberfläche ist besonders leicht zu reinigen. Darüber hinaus verbessert auch die hohe Widerstandsfähigkeit des Materials gegen Chemikalien und Temperaturen den Hygienestandard, da jegliche Reinigungsmittel hier zum Einsatz kommen können.
Hotelstandard und Zweibettzimmer für alle
Im Neubau auf dem Eselsberg sucht man Drei- und Mehrbettzimmer vergebens: Im Bettenhaus gibt es ausschließlich Zweibettzimmer, die dank der großen Fenster hell sowie durch Farben freundlich gestaltet sind und so eher an ein Hotel-, als an ein Krankenzimmer erinnern. Neben zwei Betten mit Nachtschränkchen gehören auch geschmackvolle Möbel, wie Tische, Stühle und Sessel, zum Interieur. Jedes Zimmer verfügt über ein eigenes Patientenbad. Die mit frischen Fliesenfarben versehenen Bäder wurden mit 600 mm breiten Waschtischen und wandhängenden Tiefspül-WCs der Serie „Renova Nr. 1“ ausgestattet. Mit dem weit über 140 unterschiedliche Produkte umfassenden Sanitärprogramm kann nahezu jede sanitäre Problemstellung gelöst werden. Durch ihre hohe Funktionalität, ihr zeitgemäßes Design und ihre zehnjährige Nachkaufgarantie bietet sie dem Bauherrn ein Höchstmaß an Sicherheit und Wirtschaftlichkeit. Zusätzlich überzeugten die Entscheider in Ulm insbesondere die betriebskostensparende 4,5-l-Technik und der reinigungsfreundliche, offene Spülrand bei den WCs.
Martin Hirschke von der Planungsgruppe M+M AG, Böblingen, verantwortlich für die technische Gebäudeausrüstung im Bereich Heizung und Sanitär, erklärt zur Auswahl der Sanitärausstattung: „Die Produkte sind in Abstimmung mit dem Bauherrn und dem Generalunternehmer ausgewählt worden. Dabei hatten wir Vorgaben gestalterischer und funktionaler Natur. Die Wahl fiel letztendlich auf den Hersteller Keramag und dessen Serie „Renova Nr. 1“, weil die Sanitärobjekte optisch und funktional gefallen und sich bereits vielfach im Objektbereich bewährt haben.“
Auch die übrigen Gebäudeteile, wie die Dermatologie, die Forschungs- und Hörsäle der Universität sowie die öffentlich zugänglichen Bereiche, haben hochwertige Sanitärräume erhalten. Diese wurden ebenfalls überwiegend mit „Renova Nr. 1“- Produkten ausgestattet, darunter Waschtische in den Breiten 450 und 600 mm, wandhängende Tiefspül-WC und Urinale. Zusätzlich wurden Ablageplatten der Serie „Coppelia“ unterhalb der großflächigen Spiegel platziert. Natürlich fand auch der Aspekt der Barrierefreiheit Berücksichtigung, da viele Patienten mobilitätseingeschränkt sind oder aus dem Rollstuhl heraus die sanitären Anlagen nutzen müssen. Als Waschtisch kam hier das Modell „Paracelsus“ zum Einsatz. Es ist durch seine flache Form mit dem Rollstuhl unterfahrbar. Die griffgünstig und gerade ausgeführte Vorderkante trägt dazu bei, dass sich sitzende Menschen an den Waschtisch heranziehen und die Armatur problemlos erreichen können. In diesen barrierefreien Sanitärrräumen wurden Tiefspül-WCs aus der Serie „Vitalis“ installiert, die über eine Ausladung von 70 cm verfügen und so auch von Rollstuhlfahrern selbstständig genutzt werden können.
Erleichterte Pflege und Weitsicht
Durch Architektur, Aufteilung und Einrichtung der Zimmer sowie Ausstattung der Sanitärbereiche ist mit der neuen Chirurgie und Dermatologie in Ulm eine moderne und ästhetische Klinik entstanden, die den Patienten den Aufenthalt so angenehm wie möglich gestaltet und gleichzeitig dem Pflegepersonal die Arbeit erleichtert. Die Entscheider bewiesen damit Weitsicht, denn künftig wird die Belegungsquote von Krankenhäusern nicht mehr nur von medizinischen Standards, sondern auch von dem den Patienten gebotenen Wohlfühlfaktor abhängig sein.
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