OMV Office Building in Schwechat
Gestapelte Büroskulptur vor RaffinerieATP architekten ingenieure (Wien) plante einen neuen Bürokomplex der Raffinerie Schwechat mit scheinbar übereinander schwebenden Baukörpern. Der skulpturale Bürobau vor dem Raffineriegelände des Unternehmens in Schwechat fungiert nicht nur als Visitenkarte für das Mineralölunternehmen, sondern steht an markanter Stelle auf dem Weg vom Flughafen Wien-Schwechat zur Innenstadt.
An einer durchaus prominenten Stelle in Wien entstand – integral geplant durch ATP Wien – ein neues Gebäude für die OMV Raffinerie Schwechat. Der Bauplatz befindet sich zwar nicht in der Innenstadt, ist aber für viele Wienbesucher einer der ersten Eindrücke der österreichischen Hauptstadt. Der moderne Bürokomplex ist bereits vom Autobahnknotenpunkt Schwechat zu sehen. Bei der Fahrt vom Flughafen Schwechat in die Wiener City wird das neue Gebäude also nicht nur als Visitenkarte der OMV Raffinerie Schwechat, sondern auch als erste architektonische Landmark der Donaumetropole wahrgenommen.
ATP-Pr...
An einer durchaus prominenten Stelle in Wien entstand – integral geplant durch ATP Wien – ein neues Gebäude für die OMV Raffinerie Schwechat. Der Bauplatz befindet sich zwar nicht in der Innenstadt, ist aber für viele Wienbesucher einer der ersten Eindrücke der österreichischen Hauptstadt. Der moderne Bürokomplex ist bereits vom Autobahnknotenpunkt Schwechat zu sehen. Bei der Fahrt vom Flughafen Schwechat in die Wiener City wird das neue Gebäude also nicht nur als Visitenkarte der OMV Raffinerie Schwechat, sondern auch als erste architektonische Landmark der Donaumetropole wahrgenommen.
ATP-Projektleiterin Architektin Birgit Reiterer unterstreicht die Wichtigkeit ansprechender Architektur an diesem Standort: „Das neue Office Building der Raffinerie Schwechat begrüßt die Bewohner wie Besucher Wiens auf ihrem Weg vom Flughafen in die Stadt als erstes modernes Gebäude mit hochwertiger Architektur.“ Städtebauliche Relevanz besitzt das Projekt nicht nur als OMV-Signet für Vorbeifahrende. Es markiert den Zugang zum Raffineriegelände des Konzerns. Die Raumkanten des neuen Baus gliedern sich in die umgebenen Bestandsbauten ein. Der Neubau integriert ein vorhandenes Laborgebäude und dient als Nukleus für weitere Verwaltungsbauten auf dem Betriebsgelände. Auf den insgesamt 13.000 m2 Fläche arbeiten 300 Beschäftigte.
Dass der Neubau noch außerhalb der Raffinerie steht, erleichtert den Zugang. Erreichen kann man den Komplex auch künftig über die bestehende Zufahrt. Die existierende Werks- und Tanklastwagenzufahrt wurden nicht verändert.
Expressiver Brückenbau, repräsentativer Vorplatz und ruhige Höfe
Vier „Boxen“ fügen sich zu einem skulpturalen Brückenbau, der teilweise von expressiven Betonstützen getragen wird. Das Erscheinungsbild als Brücken- und Stapelbau ist nicht nur auf formale Entscheidungen zurückzuführen. Die integral planenden Architekten und Ingenieure von ATP reagierten auch auf technische Notwendigkeiten und die Bedingungen auf dem Gelände, denn der schwebende Bauteil überspannt eine bestehende Bunkeranlage. Und die schräg gestellten Betonstützen sind nicht nur aus statischen Gründen notwendig, sie erfüllen auch ästhetische Funktionen und inszenieren den Vorplatz des Eingangsbereichs mit einladender Geste an der Zufahrt zum Werk. Diesen repräsentativen Platz vor dem Gebäude ergänzen ruhige, hochwertig gestaltete Innenhöfe zwischen den Gebäudeteilen. Die Gliederung der Gebäude rund um die Höfe ergeben auch vielfältige Raumsituationen und Blickbeziehungen.
Die Gestaltung der Fassade spielt mit der Idee der Geschwindigkeit und der Interpretation von Mobilität. Tiefe, verschiedenfarbige Fensterlaibungen sorgen für unterschiedliche Eindrücke, die sich je nach Blickwinkel verändern. Von der nahen Autobahn betrachtet kommt dies besonders zur Geltung. Die schmalen, raumhohen Fensteröffnungen gliedern gemeinsam mit hellsilbernen Metallpaneelen die Gebäudehülle.
Der Standort, im Einflussbereich zweier stark befahrener Autobahnen, stellte hinsichtlich des Schallschutzes hohe Herausforderungen dar. Durch den frühzeitigen Einsatz von Simulationsberechnungen konnte, durch integrale Lösungen, eine ausgezeichnete raum- sowie bauakustische Qualität erreicht werden.
Funktional und flexibel
Neben der gestalterischen Qualität zeichnet sich das Bürohaus durch eine besondere Funktionalität aus. Hohe Flexibilität in den Bürobereichen charakterisiert das 65 m x 75 m große Gebäude: Die intelligente Verbindung mit der Tragweite der Baukonstruktion ergeben weitestgehend stützenfreie und deswegen flexibel nutzbare Flächen. Massive Bauteile und statisch notwendige Elemente finden sich hauptsächlich in der Fassade. Ein zentraler Fahrstuhl verbindet sämtliche Funktionsbereiche und Baukörper.
Der Entwurf geht optimal auf die Betriebsprozesse des Unternehmens ein. Jedes der vier Volumina besitzt unterschiedliche Funktionsbereiche. Die öffentlichen und halböffentlichen Nutzungen, die Seminar-, Schulungs- und Konferenzbereiche sowie die Kantine sind zentral rund um das großzügige Foyer angeordnet. Entsprechend der Vorgaben und Funktionsabläufe sind auch die Bereiche Operations, Asset Management, Development und Site Management aneinandergereiht.
Teilweise verglaste Trennwände zu den Fluren ermöglichen Blickbeziehungen zwischen den einzelnen Büro- und Erschließungszonen. Die lichte Raumhöhe im Bürobereich beträgt 2,80 m, dadurch konnten Großraumbüros mit Flächen bis zu 500 m2 geschaffen werden. Doppelböden ermöglichen unkomplizierte Installationen. Der Boden ist ein textiler Belag.
Die aufeinandergestapelten Baukörper mit Untergeschoss, Erdgeschoss und fünf Obergeschossen sind als Skelettbau in Stahlbetonmassivbauweise ohne Dehnfuge errichtet. Die massiven Kerne der vier Treppenhäuser sorgen für die horizontale Gebäudeaussteifung, die gegen die Lasten von Wind, Schiefstellung oder Erdbeben wirken. Einzelne Stahlbetonscheiben ergänzen diese Kerne, die Flachdecken übernehmen die horizontale Lasteinleitung in die Kerne. Alle vertikalen Einwirkungen aus Eigengewicht, ständiger Auflast und Nutzlast werden primär über die Geschossdecken in Form von Stahlbetonflachdecken abgeleitet. Sekundär geschieht dies über die im Raster angeordneten Stützen, über die Kerne und durchgehenden Tragwände bis auf die Fundamentierung.
Im Bereich des offenen Vorplatzes sind nur die massiven Erschließungskerne sowie die schrägen skulpturalen Stützen bis auf den Boden geführt und entsprechend gegründet. Für die Überbrückung des zweigeschossigen Platzes sorgt eine Abfangdecke aus Stahlbeton. Es erfolgt eine Flachgründung. Wo Tiefengründungen erforderlich sind, sind diese gemäß den Empfehlungen des Bodengutachtens Schneckenortbetonpfähle (SOB-Pfähle) ausgeführt.
Nachhaltigkeit, Energieeffizienz und Integrale Planung
Die ganzheitliche Integration aller relevanter Faktoren stellte ATP durch eine Integrale Planung mit BIM sicher. Dabei wird ein digitaler Zwilling des zukünftigen Gebäudes mit all seinen Eigenschaften und Verhaltensweisen erstellt und dem Bauherrn nach Errichtung im Zustand „as built” für den Betrieb übergeben. Bei dieser Planungsmethode werden laufend alle Gebäudedaten in ein 3D-Modell eingepflegt. Änderungen der Planungsparameter und deren Auswirkung werden so sofort sichtbar.
Großer Wert wurde nicht nur auf Kontext und Lebenszykluskosten des Gebäudes gelegt, sondern auch auf die Energieeffizienz. Florian Stift von der Forschungsgesellschaft ATP sustain betont: „Im vorliegenden Projekt sind sowohl Gebäude als auch technische Ausstattung ganzheitlich in die örtlichen Gegebenheiten integriert. Mittels räumlicher Überbauung trägt der Entwurf sowohl zu einer ökologisch aufgewerteten Flächennutzung als auch zur Verbesserung der Luftqualität bei. „Energy-Upcycling“, so der Gebäudetechniker, „wird durch die Einbindung der am Standort prozessbedingt anfallenden Abwärme in Form von Dampf in die Energieversorgung des Gebäudes ermöglicht und stellt die Zielsetzung der Maximierung des Anteils erneuerbarer Energie sicher.”
Wärme, Luft und Wasser
Die Versorgung mit Wärmeenergie ist ganzjährig über das von der Raffinerie Schwechat gespeiste Dampfnetz sichergestellt, wobei die Dampftemperatur bis zu 220 °C misst. Diese vorhandene Energie wird mit einem Dampfumformer als Rohrbündelwärmetauscher, welcher sich in einer eigenen Umformzentrale befindet, für die weitere Verwendung aufbereitet. Dadurch entsteht für das Gebäude kein Primärenergieaufwand. Auch für die Kühlung kommt die Energie über diesen Weg, wobei eine Absorptionskältemaschine den Dampf in Klimakälte umwandelt. Die Kältemaschine und der dazugehörige Pufferspeicher befinden sich im Technikraum im Untergeschoss. Die Abfuhr der Abwärme erfolgt über Rückkühler in Form eines Hybridkühlers am Dach, welcher mit einem frostgeschützten Medium betrieben wird. Das Besondere an dieser Energieversorgung ist die Dampftemperatur, da herkömmliche Absorptionskältemaschinen mit einer Maximaltemperatur von ca. 150 °C beaufschlagt werden dürfen. Hierfür realisierte ATP eine eigene Sicherheitsschaltung über eine Kondensatrückführung.
Für die Beheizung und Kühlung der Büroräumlichkeiten sorgen Heiz- beziehungsweise Kühldecken. Um eine flexible Grundrissgestaltung zu ermöglichen, legte ATP die Kühldecken auf die kleinste Büroeinheit mit 2-Fensterachsen aus. Im restlichen Gebäude befinden sich statische Heizflächen und eine Lüftung.
Das gesamte Gebäude ist mit einer kontrollierten Be- und Entlüftung und hocheffizienter Wärmerückgewinnung ausgestattet. Zusätzlich ist diese CO2-gesteuert und verfügt über eine Ionisationsanlage, welche Zuluft mit Sauerstoff-Ionen anreichert und Geruchspartikel sowie Mikroorganismen auf ein Minimum reduziert. Somit kann trotz schadstoffhaltiger Luft am Standort eine hohe Raumluftqualität gewährleistet werden. Bei der Ausführung des Luftverteilnetzes achtete man ebenfalls auf die erforderliche Flexibilität sowie die Abstimmung auf das 2-Fenster-Raster.
Zur Wasserversorgung wird der Hauswasseranschluss des bestehenden Laborgebäudes genutzt, die Abwässer werden in das vorhandene Kanalnetz der Gemeinde Schwechat geleitet.
Wasserspararmaturen und Durchflussbegrenzer minimieren den Wasserverbrauch des Bürokomplexes. Aufgrund der Nähe zur Raffinerie waren einige besondere Auflagen aus Sicht des Brandschutzes, wie etwa die Installation einer Trockensteigleitung in einem Bürobau, erforderlich.
Elektro, Sicherheit, Beleuchtung
Die elektrische Energieversorgung erfolgt über das vorhandene Werksnetz. Die hohen Sicherheitsvorschriften des Bauherrn bedingten ein umfangreiches Gebäudesicherheitskonzept und eine zu jeder Zeit funktionierende Operationsbereitschaft. Aus diesem Grund wurde eine USV-Anlage (unterbrechungsfreie Stromversorgung) geplant.
Die Anordnung der Fensterflächen mit raumhoher Verglasung gewährleistet eine ideale Belichtung mit natürlichem Tageslicht. Der Blendschutz ist unabhängig vom Sonnenschutz und kann individuell geregelt und in seiner Position verändert werden. Dadurch mindern sich die Tageslichtverhältnisse im Inneren nur gering. Bei den elektrischen Leuchten achtete ATP auf einen reduzierten Energiebedarf. So kommen Indirektleuchten in den Fensterachsen des Bürobereichs vor, Stimmungslichter im Kantinenbereich und eine Akzentbeleuchtung durch große schwebende Lichtkreise im Empfangsbereich. In schwach frequentierten Räumen sind Bewegungsmelder sowie Dämmungsschalter für die Außenbeleuchtung installiert. Diese kommen in energiesparender LED-Technik zum Einsatz.
Jetzt Artikel freischalten:
tab DIGITAL
14 Tage kostenlos testen
2,49 € / Woche*
Fachwissen jederzeit und überall.
Greifen Sie auf exklusive PLUS-Artikel und das komplette Online-Archiv zu und lesen Sie tab bequem im E-Paper-Format. Das digitale Abo für alle, die flexibel bleiben möchten.
Ihre Vorteile:
- Exklusive tab-PLUS-Artikel
- 6 E-Paper für mobiles Lesen
- Online-Archivzugang
*129,48 € bei jährlicher Abrechnung inkl. MwSt.
tab KOMBI
4,99 € / Woche*
Das komplette tab-Erlebnis – digital & gedruckt.
Für alle, die Fachinformationen auf allen Kanälen nutzen möchten: Kombinieren Sie Print und Digital, profitieren Sie von unseren Fachforen und präsentieren Sie Ihr eigenes Projekt.
Ihre Vorteile:
- Exklusive tab-PLUS-Artikel
- 6 Print-Ausgaben pro Jahr
- E-Paper für mobiles lesen
- Teilnahme an einem Fachforum
- Online-Archivzugang
- Veröffentlichen eines Projekts
*259,48 € bei jährlicher Zahlung inkl. MwSt. & Versand
