Haus Liebhartstal

Eine Seniorenresidenz in Wien

Die Nachfrage nach Seniorenresidenzen steigt. Nach einem gewonnenen Wettbewerb für das Kuratorium Wiener Pensionisten-Wohnhäuser (KWP) plante ATP architekten ingenieure (Wien) im Rahmen eines Design-Build-Vertrages für die PORR AG als Totalunternehmer den Um- und Zubau eines Pensionisten-Wohnhauses in Wien.

Aufgabe und Konzept

Aufgabe war die Revitalisierung und Erweiterung des Bestandes sowie die Errichtung eines neuen, L-förmigen Gebäudetraktes. Die Nutzfläche des Hauses mit seinen 266 Wohneinheiten wurde von 12 260 m2 auf 26 000 m2 erweitert.

In einem Wettbewerb 2011 war „die Generalplanung für die Sanierung des bestehenden Objektes und die Erweiterung als Neubau eines Pensionisten-Wohnhauses mit darüber hinausgehenden Funktionseinheiten“ ausgeschrieben. Dazu forderte der Bauherr, das Kuratorium Wiener Pensionisten-Wohnhäuser, mehrere Totalunternehmer auf, innerhalb des festgelegten Budgets ihre...

Aufgabe und Konzept

Aufgabe war die Revitalisierung und Erweiterung des Bestandes sowie die Errichtung eines neuen, L-förmigen Gebäudetraktes. Die Nutzfläche des Hauses mit seinen 266 Wohneinheiten wurde von 12 260 m2 auf 26 000 m2 erweitert.

In einem Wettbewerb 2011 war „die Generalplanung für die Sanierung des bestehenden Objektes und die Erweiterung als Neubau eines Pensionisten-Wohnhauses mit darüber hinausgehenden Funktionseinheiten“ ausgeschrieben. Dazu forderte der Bauherr, das Kuratorium Wiener Pensionisten-Wohnhäuser, mehrere Totalunternehmer auf, innerhalb des festgelegten Budgets ihre Wettbewerbsbeiträge für das gesamte Projekt einzureichen. Aus diesem Design-Build-Bewerb ging ATP architekten ingenieure (Planer)/PORR AG (Totalunternehmer) als Sieger hervor.

Das Konzept sieht vor, allen Bewohnern ein selbstbestimmtes, sinnerfülltes und sicheres Leben im Pensionisten-Wohnhaus zu ermöglichen. Der Fokus des Entwurfs lag neben der Schaffung eines bewohner-, wohn- und mitarbeiterfreundlichen Arbeitsumfeldes vor allem darauf, die Selbständigkeit und Mobilität der Bewohner zu erhalten bzw. zu fördern. Das Gebäude wurde im April 2014 fertiggestellt.

Wohnen im Alter „mit allen Sinnen“

Insbesondere die Sinneswahrnehmungen und die damit verbundenen Aktivitäten werden vom Gestaltungskonzept angeregt: Farben leiten und orientieren, Materialien sind fühlbar. Das Tages- und Kunstlichtkonzept schafft eine positive Stimmung im Haus, während Pflanzen in den gestalteten Höfen und in einem eigenen „Sinnes­garten” ihrerseits das Wohlbefinden und die Zufriedenheit der Bewohner unterstützen.

Architektur

Das Gebäude präsentiert sich aufgrund der vorgegebenen Widmung als Z-förmige Anlage mit einem funktionalen Kopf im Eingangsbereich, der auch den Bestand mit einfasst. Der L-förmige Neubau ist als Fortsetzung des bestehenden Wohn- und Pflegehauses zu sehen und zeigt eine klare Baukörperstruktur. Durch seine zurückhaltende Formensprache definiert er sich auf diese Weise neben dem Bestandsgebäude.

Als Entree wurde der bisherige Standort des Haupteinganges beibehalten und lediglich in einem neuen Erscheinungsbild den neuen Funktionen des Eingangsbereiches angepasst. Der großzügige überdachte Vorplatz dient als Vestibül der gesamten Anlage.

Durch einen Windfang betritt man den lichtdurchfluteten, zweigeschossigen „Markt.Platz“. Dieser Bereich mit seinen Nutzungen wie Cafeteria, Greißler (Lebensmittelhandel), Friseur, Fußpflege, Shop, Ärzten, Mehrzwecksaal und Rezeption bildet die Schnittstelle der älteren Menschen zu ihren Besuchern und zu den Bewohnern der Umgebung.

Materialien und Fassade

Die Material- und Möbelauswahl orientiert sich am jeweiligen Le­bens­abschnitt der Bewohner. Es wurden bewusst natürliche Ma­terialien (Holz- Lerche) sowie Far­ben gewählt, die das Wohlbefinden der Bewohner fördern. Die Verwendung der fünf Leitfarben – (Farben der fünf Elemente: Rot – Feuer, Orange – Metall, Gelb – Erde, Blau – Wasser, Grün – Holz) – erleichtert älteren Menschen die Orientierung im Gebäude.

Bei der Fassadengestaltung wurde Wert darauf gelegt, die Individualität der Bewohner nach außen hin zu zeigen, indem jedes Appartement durch ein Panoramafenster zum Außenraum hin präsentiert wird. Das Parapet von nur 60 cm Höhe ermöglicht auch im Sitzen den Ausblick in die Natur. Holzlamellenverkleidungen im Fensterbereich gliedern die Fassade zusätzlich und verleihen so dem Gebäude auch von außen einen wohnlichen Charakter. Um den Bestandsbau und den Neubau optisch zu einem Ensemble zu verbinden, wurden die Öffnungen des Ein­gangsbaus als umlaufender Streifen ausgebildet.

Höfe und Sinnesgarten

Die drei Innenhöfe ziehen durch ihre Bepflanzung den Grünraum quasi ins Gebäude. Hier entstehen geschützte Oasen der Ruhe. Durch die Fassaden der Höfe wird die Sprache der Hauptfassaden vom Innenraum aus sichtbar.

Im Alter erinnert man sich gerne zurück an seine „aktive Zeit“ und an die besonderen Erlebnisse. Die Außenanlagen sind darauf abgestimmt und bieten einen Sinnesgarten im Nordwesten. Die Form von Sinnes­gärten macht die Ereignisse des Lebens wieder greifbar. In Anlehnung an die Falten und Narben einer Hand, welche die eigenen Geschichten und Erlebnisse wachrufen, werden im Sinnesgarten Erlebniswege angelegt - die Lebenswege im Grünen. Jeder Weg steht für ein Ereignis oder eine Aktivität im Freiraum. Dabei diffe­renzieren sich vier Kategorien der Freiraumnutzung, die an „aktive“ Zeiten erinnern und gleichzeitig alte Menschen aktiv werden/bleiben lassen: der Gartenweg, der Erholungsweg, der Liebes­weg und der Sportweg.

Tragwerksplanung

Das Gesamtbauwerk setzt sich aus zwei Baukörpern zusammen: Zum einem handelt es sich um die Adaptierung des bestehenden Baukörpers, welcher annähernd einen rechteckigen Grundriss besitzt und zum anderen um einen L- förmigem Zu-/Neubau. Die wesentlichen Umbauarbeiten des Bestandsgebäudes beschränken sich vorwiegend auf den südlich gelegenen Haupteingangsbereich. Hier wurde der Bestand örtlich unter Berücksichtigung der Dehnfugen bis auf die Decke über Keller abgetragen. Unter Beachtung des Bestandslastniveaus und der vertikalen Tragelemente im Keller wurde der neue zweigeschossige Eingangsbereich über ein entsprechendes Stützenraster und Flachdecken neu hergestellt. Für die Gestaltung des Eingangsbereichs wurde die Decke über dem EG teilweise geöffnet und in diesem Bereich durch Unterfangungen in Form von Stahlkonstruktio­nen ausgeweitet. Der L-förmige Zu-/Neubau wurde in Fertigteilbauweise – geprägt durch vertikale Tragscheiben – errichtet.

Bauphysik und thermische Gebäudehülle

Das bauliche Gebäudekonzept bietet eine hohe bauphysikalische Qualität bei gleichzeitiger optimaler nutzungsoptimierter Innengestaltung. Eine kompakte Gebäudeform bietet ein günstiges Verhältnis von wärmetransportierender Hüllfläche zum eingeschlossenen Volumen. Der winterliche Wärmeschutz wird konsequent außenliegend mit einer wärmebrückenoptimierten, gedämmten Gebäudehülle ausgeführt. Die zu erfüllenden baurechtlichen und förderungsrechtlichen Anforderungen an Bauteile und Heizwärmebedarf werden dabei günstig eingehalten.

Moderne Wärmeschutzisolierverglasungen machen großzügige Glasflächen möglich. Ein hoher Energiedurchlassgrad der Gläser kombiniert mit außenliegenden Lamellenraffstores sorgt für eine gute Nutzung der winterlichen solaren Gewinne und eine umfas­sende Reduktion des solaren Wär­meeintrages im Sommer. Für die nichttransparenten Fassa­den­teile des Neubauteiles ist eine Vollwärmeschutzfassade in erforderlicher Stärke vorgesehen.

Die Loggien des Bestandsgebäudes werden baulich geschlossen, neben der Schaffung von zusätzlichem ganzjährlich nutzbarem Wohnraum wird so das Gebäude kompakter und die Wärmeverlustfläche reduziert. Die Dächer sind allgemein als Warmdach oder Umkehrdach geplant. Damit kann bei vertretbarer Aufbauhöhe die thermische Dämmwirkung optimiert werden. Kellerdeckendämmplatten reduzieren die Wärmeverluste in Richtung der Tiefgarage, die hohe absorbierende Wirkung senkt den Rauminnenpegel und sorgt für ein angenehmes Raumschallklima im Garagengeschoß bzw. für reduzierte Lärmemissionen. Eine entsprechend dichte Gebäudehülle kombiniert mit einer effektiven mechanischen Raumluftanlage reduziert die Lüftungswärmeverluste auf das Minimum und sorgt gleichzeitig für eine optimale Raumluftqualität. Die geplante Massivbauweise ergibt hohe thermisch aktivierbare Speichermassen um Temperaturspitzen auszugleichen sowie eine sommerliche Überwärmung zu vermeiden.

Durch eine optimierte thermische Gebäudehülle, hochmoderne Wärmeisolierglasfenster, effektive Sonnenschutzeinrichtungen, Wärmeabgabe in Wohnräumen mit Einzelraumregelung, beleuchtungsoptimierte Raum-anordnung, hohe Speichermassen durch Massivbauweise ist es gelungen, ein Gebäude der Klasse „Besonderes-Energieeffizientes Haus“ nach Förderrichtlinien der Stadt Wien zu konzipieren.

TGA und Ökologie

Das Projekt entspricht der Kate­gorie „Besonders energieeffizientes Gebäude“, gemäß den Förderrichtlinien der Stadt Wien. Das energetische Konzept stammt von den TGA-Ingenieuren bei ATP architekten ingenieure (Wien). Es basiert auf der Minimierung des Energieverbrauchs und schont die fossilen Energieressourcen durch den Einsatz regenerati­ver Energien in Verbindung mit einem darauf abgestimmten Gebäudetechniksystem. Das TGA-System ist auf einen geringen Wartungsaufwand und niedrige Betriebskosten ausgelegt. Dabei trägt die hohe Luftdichtheit der Gebäude wesentlich zur Energieeinsparung bei, da die Lüftungswärmeverluste davon abhängen. Die hohe Dichtigkeit des Gebäudes im Verbund mit einer kontrollierten Lüftung mit hocheffizienter Wärmerückgewinnung ermöglichen ein Optimieren der Lüftungswärmeverluste.

Wärmetechnik

Die Primärenergieversorgung wird über eine energiesparende Erdwärmepumpenanlage mit Flächenkollektor (situiert unterhalb der Bodenplatte des Neubaubereichs) abgedeckt. Zur Spitzenlastabdeckung und für die Warmwasserbereitung, um die hygienerelevanten Erfordernisse zu gewährleisten, wird der vorhandene Fernwärmeanschluss herangezogen. Durch den Betrieb der Anlagen auf Niedrigtemperaturniveau wird ein optimaler Wirkungsgrad der Wärmepumpenanlage erreicht. Zur Reduktion des Lüftungswärmeverlustes wird ein kontrolliertes Be- und Entlüftungssystem eingesetzt, wobei für die Dimensionierung der hygienische Luftwechsel bzw. Luftbedarf der Personen herangezogen wird. Die Lüftungsanlagen werden neben den erforderlichen Komponenten (wie Luftfilter, Schalldämpfer, Heiz- und Kühlregister, Ventilatoren) mit Hochleistungs-Wärmerückgewinnungsanlagen ausgestattet.

Lüftungs- und Kältetechnik

Die Befeuchtung wird mittels hocheffizienter Hochdruckbefeuchter mit Nachverdunstungskammer realisiert. Die Zuluft wird zugfrei in den Aufenthaltsbereichen eingebracht, strömt in Nebenräume, Kochbereiche, WC-Anlagen, Gänge, Lager usw. über und wird von dort abtransportiert. Durch diese Art der Mehrfachnutzung der Luft kann ebenfalls die Luftmenge und die dazu erforderliche Energie reduziert werden.

Die Versorgung mit der erfor­der­lichen Kühlenergie erfolgt eben­falls mit der für die Heizung installierten Wärmepumpen. Als Redundanz sind Rückkühler am Dach des Gebäudes vorgesehen. Die Abluft wird befeuchtet und abgekühlt, über die nachgeschaltete Wärmerückgewinnung wird diese Kälteenergie in die Zuluft übertragen.

Solartechnik

Die erforderliche Energie für die Warmwassererzeugung wird mittels Solarthermie, Abwärme aus der Kleinkälte der Küche, den Wärmepumpen und dem Fernwärmeanschluss realisiert.

Wassertechnik

Der bestehende Grundwasserbrunnen wird für Anspeisung der WC-Spülung, für Reinigungszwecke in der Garage sowie die Grünflächenbewässerung genutzt. Besondere Bedeutung kommt dem Erreichen einer hohen Nutzerfreundlichkeit zu. Behagliche Aufenthaltsbedingungen werden durch gute Raumqualitäten und ein ausgewogenes Verhältnis zwischen automatisiertem Konfort und individueller Regelbarkeit erreicht.

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