Neubau eines Bürogebäudes
Die „Office Twins“ in RatingenEines der letzten noch freien Grundstücke im Gewerbepark Ratingen-Breitscheid wurde nun bebaut. Die Farmersland Holding GmbH, die sich bereits 2009 für den Standort „An der Pönt 48“ entschieden hatte, konnte ab Herbst 2014 auch das Nachbargrundstück bebauen. Mit Vollack wurde ein bundesweit tätiger Gebäudespezialist für die Planung und Bauausführung gefunden.
Architektur
Die Fassade des neu geplanten Bürogebäudes besteht aus einer...
Architektur
Die Fassade des neu geplanten Bürogebäudes besteht aus einer Kombination aus einzelnen Fensterelementen und einer senkrecht stehenden Industrieverglasung. Das Staffelgeschoss ist eine Pfosten-Riegelkonstruktion mit hohem Glasanteil und einer Flachdachkonstruktion mit extensiver Dachbegrünung. Das äußere Erscheinungsbild orientierte sich am Bestandsgebäude, das sich auf dem Nachbargrundstück befindet.
Bauausführung und technische Besonderheiten
Die ersten drei Geschosse des Bürogebäudes wurden in Massivbauweise mit Mauerwerk und Stahlbeton erstellt. Das Staffelgeschoss in Leichtbauweise mit einer Stahlkonstruktion. Die Dachkonstruktion ist eine Trapezblecheindeckung mit aufliegender Dämmung und PVC-Folie sowie einer extensiven Begrünung. Der Innenausbau wurde bis auf die tragenden Elemente in Trockenbauweise ausgeführt. 120 Rüttelstopfsäulen sorgen für die Tragsicherheit des Gebäudes. Die Beheizung und Kühlung des Gebäudes wird über Wärmepumpen gewährleistet.
Bauen oder mieten ist für Unternehmer eine wichtige strategische Entscheidung. Vor allem Start-up-Unternehmen wünschen sich eine individuelle Flächengestaltung, die optimal zur Unternehmenskultur passt und die Arbeitsabläufe unterstützt – ohne langfristig Kapital binden zu müssen. Die lichtdurchfluteten Flächen des neuen Bürogebäudes „Office Twins“ können die Mieter individuell gestalten – als Open-Space-Arbeitswelten, Kombi- oder Zellenbüros.
Heizung/Kühlung
Die Heizlast im Bereich des Bürogebäudes mit seinen Sozialbereichen beträgt ca. 80 kW. Der Kältebedarf im Bereich der Büro- und Besprechungsräume im Staffelgeschoss liegt bei ca. 35 kW.
Wärmeversorgungsanlagen
Die Wärmeversorgung des Gebäudes erfolgt nach den gesetzlichen Vorschriften des EEWärmeG und der EnEV in der zum Zeitpunkt des Bauantrags (2015) gültigen Fassung.
Nachfolgend aufgeführte Raumtemperaturen wurden für die Auslegung der Wärmeversorgungseinrichtungen zugrunde gelegt:
Außentemperatur –10 °C
Büroräume 20 °C
WC-Räume 21 °C
Halle 20 °C
Treppenhaus/Empfang 20 °C
Technikräume (Heizfall) 20 °C
Wärmeerzeugung
Die Wärmeerzeugung erfolgt über VRF-Wärmepumpen, die in Kaskade geschaltet sind. Im Technikraum des EG wurden ein Wasserwärmeüberträger und ein Pufferspeicher installiert. Von hier aus erfolgt die Versorgung der Fußbodenheizungsverteiler in den einzelnen Etagen.
VRF-Technologie für das komplette Bürogebäude
Das gesamte Objekt wurde mit einem 2-Leiter-VRF-Multi-Split-System zum Heizen ausgestattet. Als Wärmeerzeuger dienen hocheffiziente Luft-Wärmepumpen, welche die Umweltwärme als Energiequelle nutzen. Das ausgewählte Hybridsystem (Heizungssystem) überträgt Wärme bzw. Kälte direkt vom Kältemittel über die Inneneinheit auf das PWW-Heizsystem. Es werden keine weiteren Frostschutzmaßnahmen benötigt.
Wärmeverteilung
Es wurde ein Strang (Vorlauf/Rücklauf) installiert, welcher die Fußbodenheizungsverteiler in den Etagen versorgt. Die Verlegung erfolgte in Installationswänden und auf dem Fußboden.
Bei den eingebauten Pumpen handelt es sich um Hocheffizienzpumpen. Das Rohrnetz wird über entsprechende Armaturen einreguliert und hydraulisch abgeglichen.
Alle Heizungsrohre und Armaturen wurden nach den Forderungen der EnEV und DIN 4140 Teile 1 und 2 wärmegedämmt. Die Wärmedämmung besteht aus Mineralfaserschalen mit alukaschierter Gitternetzfolie, nicht brennbar nach DIN 4102 - A2. Im Sichtbereich erfolgte eine Ummantelung aus PVC-Folie.
Die Rohrleitungen auf der Rohdecke erhielten eine Kompaktdämmhülse.
Fußbodenheizung
Das gesamte Objekt wurde mit einer Fußbodenheizung versehen, welche raum- bzw. zonenweise über Raumthermostate gesteuert wird. Das Rohrmaterial der Fußbodenheizung (peroxidisch vernetztes Polyethylen [PE-Xa]), entspricht der DIN 16892. Es ist sauerstoffdicht, entsprechend DIN 4726, mit einer außenliegenden Sauerstoffsperrschicht. Die Rohre sind für einen maximalen Betriebsdruck von 6 bar oder für eine maximale Betriebstemperatur von 90 °C (kurzzeitige Störfalltemperatur bis 100 °C) ausgelegt.
Die Verlegung erfolgte im Estrich (Nassbauweise) auf der Wärme- und Trittschalldämmung.
Die jeweiligen Heizkreise wurden an Verteiler mit Absperr- und Regulierventilen angeschlossen. Die Verteiler wurden in Unterputzkästen, weiß lackiert, montiert. Den Verteilern sind jeweils mehrere Regelkreise (Einzelraum oder Zone) mit Raumtemperaturregelung zugeordnet.
Kühlung
Der Serverraum wird durch ein Split-Klimagerät gekühlt. Das Innengerät wurde als Wandaufbaugerät konzipiert, die Außeneinheit befindet sich auf dem Flachdach.
Im Staffelgeschoss werden Kassettengeräte zur Klimatisierung der Büroräume eingesetzt, die mit einer bauseitigen Unterdecke verdeckt werden (z. B. Streckmetalldecke mit ca. 80 % freiem Querschnitt).
Lüftung
Die innenliegenden WC-Räume, die Putzmittelräume und der Verteileraufstellraum erhielten je einen mechanischen Ablüfter (Fabrikat Helios). Die Nachströmung wird über die Fassade sichergestellt.
Die Luftführung erfolgt in Wickelfalzrohren mit Gummilippendichtungen (DIN 24145) nach Dichtheitsklasse II.
Alle Öffnungen in den Rauch- und Brandabschnitten wurden mit den jeweiligen klassifizierten Brandschutzsystemen mit bauaufsichtlicher Zulassung verschlossen.
Sanitär
Versorgung
Die Trinkwasserversorgung wird über eine Versorgungsleitung des örtlichen Wasserversorgers sichergestellt. Grundlage für die Ausführung der Wasserversorgungsanlage ist die DIN 1988 „Technische Regeln für die Trinkwasserinstallation TRWI“. Der Versorgungsanschluss mit Trinkwasser erfolgt aus dem öffentlichen Trinkwassernetz der Stadt Ratingen.
Im Hausanschlussraum ist ein Wasserzähler mit Rückflussverhinderer und den erforderlichen Absperrungen installiert. Die Verteilung der Wasserleitungen zu den einzelnen Nass-, WC-Bereichen und Teeküchen erfolgt in Installationswänden und auf dem Boden.
Warmwasserversorgung
Die Warmwasserversorgung erfolgt dezentral über 5-l-Untertischgeräte, in Putzmittelräumen über 10-l-Untertischgeräte.
Für die Trinkwasserinstallation wurde Kunststoffverbundrohr PE-Xa verwendet. Der Werkstoff ist DIN/DVGW geprüft.
Zum Schutz gegen Schwitzwasserbildung erhielten alle Kaltwasser-, Regenwasserleitungen im Gebäude eine Isolierung.
Entwässerung und Abwasser
Grundlage für die Ausführung der Entwässerung war die DIN 1986 bzw. DIN EN 12056, „Entwässerungsanlagen für Gebäude und Grundstücke“.
Das Schmutzwasser wird über einen Anschluss an den Straßenkanal an der Grundstücksgrenze abgeführt.
Alle Fall- und Sammelleitungen wurden mit schallgedämmten PE-Rohr ausgeführt. Für Einzelanschlussleitungen innerhalb der Wände/Installationswände wurden HD-PE-Rohre verwendet. Die Entlüftung des gesamten Schmutzwasserleitungssystems erfolgt generell über Dach.
Die Fallleitungen werden bis zu den Grundleitungsanschlüssen im Erdgeschoss geführt. Vor dem Anschluss an die Grundleitung erhielten die Fallleitungen je eine Reinigungsöffnung.
Regenwasser
Das Dach im Staffelgeschoss wird durch ein Unterdrucksystem entwässert.
Die Dachterrasse wird über eine Freispiegelentwässerung durch die Attika mittels Fallrohren hinter der Vorhangfassade entwässert. Alle freiliegenden horizontalen und vertikalen Leitungen erhielten eine Schwitzwasserdämmung aus geschlossenporigem Schaummaterial mit PVC-Mantel.
In der Dachattika, 2. OG, wurden Notüberläufe entsprechend dem Entwässerungsnachweis als Notentwässerungssystem (2. Entwässerungssystem) eingebaut. Das 2. Entwässerungssystem im Staffelgeschoss wurde ebenfalls als innenliegendes Unterdrucksystem mit PEHD-Rohren hergestellt.
Die Ausleitung erfolgt in beiden Fällen mit freien Ausläufen im Bereich der Attika Dachterrasse im 2. OG. Die Ausläufe werden mit Sichtblenden in Fassadenfarbe ausladend überdeckt.
Elektro
Der Gebäudeanschlusswert setzt sich aus den geplanten Nutzeinheiten zusammen. Das Gebäude mit Sozial- und Lagerbereichen hat einen Leistungsbedarf von ca. 170 kW.
Die Sicherheitsbeleuchtung wurde entsprechend DIN EN 12454 und den Arbeitsstättenrichtlinie ASR A3.4/3 ausgeführt. Die Flucht- und Rettungswege wurden mit beleuchteten LED-Piktogramm-Leuchten bzw. SL-LED-Leuchten (teilweise integriert in die Allgemeinbeleuchtung) nach BGV A8 deutlich sichtbar gekennzeichnet bzw. beleuchtet.
Grundlage hierfür waren die Vorgaben des Brandschutzkonzeptes.
Das Schienensystem der Gebäudehauptverteilung wurde für die oben genannten Ausgangsleistungen ausgelegt. Die Planung erfolgte als TNS-Netz mit der Spannungsebene 230 / 400 V AC, 50 Hz für alle Unterverteilungen sowie die Technikzentrale. Unterverteilungen wurden in den allen Geschossen eingerichtet.
Das komplette Kabel- und Leitungsnetz wurde entsprechend den aktuellen Bestimmungen sowie Richtlinien unter Beachtung des vorbeugenden Brandschutzes auf entsprechende Trassen- und Leitungsführungssystemen installiert.
Fazit
Vor dem Hintergrund des Kostenrahmens stellte die Planung und Ausführung der anspruchsvollen TGA beim Neubau „Office Twins“ eine besondere Herausforderung dar. Die partnerschaftliche Einschaltung des Ingenieurbüros Hufen hatte bereits im Planungsprozess das Ziel, die vorhandenen Ressourcen aller am Projekt Beteiligten so zu nutzen und einzusetzen, dass die zur Ausführung kommenden Konstruktionen, Materialien, Arbeitsverfahren usw. zu einem möglichst frühen Stadium optimiert werden konnten. Alle am Objekt Beteiligten bündelten ihr Wissen und ihre Kompetenz, um so Doppel- und Fehlbearbeitungen zu vermeiden und Kosten zu sparen.
Anmerkung
Für die Unterstützung bei der Ausarbeitung dieses Beitrages bedankt sich der Autor bei Herrn Christian Frenzen, Projektingenieur TGA und Energie bei Vollack in Ratingen.
Jetzt Artikel freischalten:
tab DIGITAL
14 Tage kostenlos testen
2,49 € / Woche*
Fachwissen jederzeit und überall.
Greifen Sie auf exklusive PLUS-Artikel und das komplette Online-Archiv zu und lesen Sie tab bequem im E-Paper-Format. Das digitale Abo für alle, die flexibel bleiben möchten.
Ihre Vorteile:
- Exklusive tab-PLUS-Artikel
- 6 E-Paper für mobiles Lesen
- Online-Archivzugang
*129,48 € bei jährlicher Abrechnung inkl. MwSt.
tab KOMBI
4,99 € / Woche*
Das komplette tab-Erlebnis – digital & gedruckt.
Für alle, die Fachinformationen auf allen Kanälen nutzen möchten: Kombinieren Sie Print und Digital, profitieren Sie von unseren Fachforen und präsentieren Sie Ihr eigenes Projekt.
Ihre Vorteile:
- Exklusive tab-PLUS-Artikel
- 6 Print-Ausgaben pro Jahr
- E-Paper für mobiles lesen
- Teilnahme an einem Fachforum
- Online-Archivzugang
- Veröffentlichen eines Projekts
*259,48 € bei jährlicher Zahlung inkl. MwSt. & Versand
