Kaltluftprozesse in der Lufttechnik

Eine Studie mit Anwendungsbeispiel

Von den arbeitsverbrauchenden Maschinen war es die Kaltluftmaschine, die Ende des 19. Jh. den ersten durchschlagenden Erfolg in der Kältetechnik gezeigt hat. Thermo­dynamisch denkbar wäre eine Anwendung bei den RLT-Anlagen.

Dem so genannten „Kaltluft­prozess“ (oder allgemein Kaltgas-Kreisprozess) liegt der linksherumlaufende Joule-Kreisprozess zugrunde.

Anmerkung:

Läuft der Joule-Kreisprozess rechts herum, dann handelt es sich um einen „Heißluftpro­zess“ oder „Kraftprozess“ (Gas­tur­bi­nen­prozess). Die linksherumlaufenden Kreisprozesse werden auch „Wärme­prozesse“ (Anwendung bei der Kältemaschine und Wärmepumpe) genannt (Bilder 1a und b).

Der ideale Kaltluft-Kreisprozess

1 – 2: Isentrope Verdichtung von p0 auf p, Lufttemperatur von T1 auf T2 (s = konst.),

2 – 3: Isobare Wärmeabfuhr (Q) von T2 auf T3 (p =...

Dem so genannten „Kaltluft­prozess“ (oder allgemein Kaltgas-Kreisprozess) liegt der linksherumlaufende Joule-Kreisprozess zugrunde.

Anmerkung:

Läuft der Joule-Kreisprozess rechts herum, dann handelt es sich um einen „Heißluftpro­zess“ oder „Kraftprozess“ (Gas­tur­bi­nen­prozess). Die linksherumlaufenden Kreisprozesse werden auch „Wärme­prozesse“ (Anwendung bei der Kältemaschine und Wärmepumpe) genannt (Bilder 1a und b).

Der ideale Kaltluft-Kreisprozess

1 – 2: Isentrope Verdichtung von p0 auf p, Lufttemperatur von T1 auf T2 (s = konst.),

2 – 3: Isobare Wärmeabfuhr (Q) von T2 auf T3 (p = konst.),

3 – 4: Isentrope Expansion von p auf p0, Lufttemperatur von T3 auf T4 (s0 = konst.),

4 – 1: Isobare Wärmeaufnahme (Kühlleistung) von T4 auf T1 bei p0 = konst.

Verdichterleistung

WV = mL x cp x (T2 – T1)

= mL x x p x 1/ρL [(p/po) – 1]⇥[kW]

 

Mit

mL = Luftmassenstrom in [kg/s]

κ = Isentropen-Exponent (Kappa) von Luft = 1,4

p = Verdichtungsendruck in [Pa]

p0 = Ansaugdruck in [Pa] (z. B. Atmosphärendruck)

ρL = Luftdichte in [kg/m3] (Luft = 1,2 kg/m3)

Expansionsleistung

Wex = mL x cp x (T3 – T4)

 

cp = spez. Wärmekapazität (Luft = 1,01 kJ/(kg K))

T = absolute Temperatur in [K]

 

Effektive Antriebsleistung

Wt = Wv – Wex

 

Luftkühlerleistung

Q = mL x cp x (T2 – T3)⇥[kW]

 

Kühlleistung

Q0 = mL x cp x (T1 – T4)⇥[kW]

 

Leistungsziffer (COP)

ε0 = Q0/Wt

 

Verdichtungsendtemperatur

T2 = T1 (p/p0)⇥[K]

Expansionstemperatur

T4 = T3 (p0/p)⇥[K]

 

Anmerkung: Bei den Realprozessen erfolgt die Verdichtung und die Expansion „polytrop“ mit dem Polytropenexponent „n“,

Nimmt man anstelle der Expansionsmaschine, die schwer zu verwirklichen ist, eine „Drossel“ zur Entspannung (Isenthalpie), z. B. ein Expansionsventil, so erhält man den Kälteprozess der „Kaltdampfmaschine“ mit dem Arbeitsstoff „Kältemittel“ anstelle von Luft.

Nachteilig beim Entfall der Expansionsmaschine ist die jetzt erforderliche höhere Antriebsleistung Wt, die der Verdichter aufbringen muss.

Anmerkung: Beim rechtslaufenden Kreisprozess („Kraftprozess“) gemäß Bild 1 „Gasturbinen-Heißluftprozess“ tritt anstelle des Luftkühlers die Brennkammer und der Raum entfällt, d.h. Atmosphären-Ansaug und -Ausblas.

Die Expansionsmaschine ist jetzt eine Turbine mit Generator zur Stromerzeugung.

Ebenso wie der vorgenannte Kaltluftprozess funktioniert der Druckluftprozess:

Die Expansion der Druckluft (ca. 6 bis 8 bar i.d.R.) erfolgt in der Arbeitsvorrichtung o.ä. auf T4, p0, und es wird eine Arbeitsleistung (Wex) verrichtet mit Abkühlung der Druckluft.

 

Anwendungsbeispiel

In Anlehnung an die obigen Ausführungen wird nachfolgend eine Anwendungsmöglichkeit in der Lufttechnik aufgezeigt (Bilder 2a, 2b und 3):

Parameter

VL = 10 000 m3/h = 2,78 m3/s; ρL = 1,2 kg/m3, mL = 3,33 kg/s, p0 = 105 Pa = 1 bar, p = 1,05 bar, Δp = p – p0 = 5000 Pa, c1 = 3 m/s

 

Q = mL x cp x (T2 – T1) = mW x cW x (28 °C – 23 °C) = (k x A x Δϑm) [kW]

 

Auswertung

Bei den in Bild 4 verwendeten Parametern wird bei den heute üblichen Wärmedurchgangskoeffizienten „k“ von Luftkühlern eine Abkühlung von ca. 11 K er­reicht (in diesem Fall handelt es sich um fünf Rohrreihen).

 

Q = mL x cp x ΔϑL = 2,78 x 1,2 x 1,01 x 11,3 kW = 38 kW

 

Verdichtungstemperatur

T2 = T1 (p/p0) = 305 (1,05/1,0)0,286 = 309,3 K = 36,3 °C

 

Expansionstemperatur T4 (= Zulufttemperatur):

T4 = T3 (p0/p)            = 298 (1,0/1,05) 0,286 = 293,87 K = 21 °C

 

Kühlleistung

Q0 = mL x cp x (T1 – T4) = 3,33 x 1,01 x (32 – 21) kW = 37 kW

 

Ventilator-Antriebsleistung Wt

Wt = mL x cp x (T2 – T1) = 3,33 x 1,01 x (309,3 – 305) kW = 14,46 kW

 

Leistungsziffer ε0 = Q0/Wt = 37/14,46 = 2,6

Im Beispiel vernachlässigt wurden

die Druckverluste des Gerätes und des Kanalnetzes
sowie der Ventilatorwirkungsgrad,

so dass man letztlich eine Leistungsziffer von ε0 = 2,0 erhält.

 

Ermittlung der Düsenaustrittsgeschwindigkeit c2 (Bild 5):

In der adiabaten Düse expandiert die Luft vom Eintrittszustand p auf den niedrigeren Druck p0. Die Totalenthalpie bleibt konstant.

h3 – h4 = - Δhs = ½ (c22 – c12) = ∫ v dp = Wex = x p x 1/ρL

[(p/p0)             - 1]

 

= 1,4/0,4 x 1,05 x 105 x 1/1,2 x [(1,05/1,0)0,286 – 1] = 4287,5 J/kg (abgegeben)

 

c2 = √4287,5 x 2 + 32 m/s = 92,6 m/s

 

Düsenaustrittsdurchmesser d: VL = d2 x π/4 x c2

d = √ m = 0,2 m

=> Der Durchmesser beträgt 20 cm.

Zulufttemperatur-Regelung mittels Drehzahl-Regelung oder Kühlwasser-Regelung

Fazit

Die Ventilatoren werden bis p/p0 ≤ 1,3 in Niederdruck-, Mitteldruck- und Hochdruckventilatoren eingeteilt und ab p/po ≥ 1,3 sind sie Gebläse und Kompressoren. Das bedeutet für die Ventilatoren- bzw. Gerätebauer ist die Studie eine Hausforderung. Es sollte über Versuche nachgedacht werden.

Literatur:

[1] G. Weber: Interationaler Gebäudekongress in Hamburg [2] G. Weber: CCI 12/1991 [3] G. Weber: TAB 4/1999 Druckluftprozess

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