Herausforderung für den Brandschutz

Sanierung im Bestand

Kurfürstendamm, Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche und Tauentzien, hier schlägt das Herz von Berlin. Hier suchen Touristen, Geschäftsreisende und andere Besucher ein passendes Hotel für ihren Aufenthalt. Das Hotel Zoo ist seit langem eine der ersten Adressen. Die Zimmer in dem Gebäude aus dem 19. Jahrhundert liegen zentral zwischen Ku’damm und dem Bahnhof Zoo. Bei der letzten Modernisierung kam ein neues Brandschutzkonzept zum Tragen.

In den vielen Jahren seines Bestehens wurde das Hotel immer wieder auf den neuesten Stand gebracht. Die Eigentümer haben sich vor kurzem entschlossen, das Gebäude nicht allein im Bestand zu erhalten, sondern komplett zu modernisieren. Durch Aufstockungen und Umbauten wird zusätzlich die Zimmerkapazität von 136 auf 145 Räume erweitert. Für die Gäste wird in dem historischen Gebäude künftig modernster Komfort angeboten, angefangen von den Gästezimmern bis hin zu attraktiven Tagungsräumen, Restaurant und Shopping-Bereich.

Erstellung eines Brandschutzkonzeptes

Damit hochwertiges Design mit der...

In den vielen Jahren seines Bestehens wurde das Hotel immer wieder auf den neuesten Stand gebracht. Die Eigentümer haben sich vor kurzem entschlossen, das Gebäude nicht allein im Bestand zu erhalten, sondern komplett zu modernisieren. Durch Aufstockungen und Umbauten wird zusätzlich die Zimmerkapazität von 136 auf 145 Räume erweitert. Für die Gäste wird in dem historischen Gebäude künftig modernster Komfort angeboten, angefangen von den Gästezimmern bis hin zu attraktiven Tagungsräumen, Restaurant und Shopping-Bereich.

Erstellung eines Brandschutzkonzeptes

Damit hochwertiges Design mit der historischen Bausubstanz und aktuellem Hotelkomfort in Einklang gebracht werden kann, war auch ein spezielles Brandschutzkonzept erforderlich. Dieses Konzept ist nicht nur Basis für optimale Sicherheit im Brandfall. Es ist auch ein Baustein, um die Sicherheitsan­for­derungen von Reisenden aus anderen Ländern zu erfüllen – z.B. aus den USA. Hier sind flächendeckende Sprinkleranlagen eine Grundvoraussetzung für Hotelbuchungen.

Ein historisches Gebäude, mit Seitenflügeln und Erweiterungsbauten stellt bereits für sich genommen eine Herausforderung für den Feuerschutz dar. Die verdichtete Bebauung zwischen Ku’damm und Zoo stellt zusätzliche Anforderungen an das Sicherheitskonzept. Für Planung und Ausführung entschieden sich die Bauherren für eine flächendeckende Sprinkleranlage. Damit wird die Brandausbreitung wirksam kontrolliert und Sprinkler sind ein Beitrag, die Fluchtwege im Falle einer Evakuierung sicher passierbar zu halten.

Von Anfang an war klar, dass es sich um eine recht komplizierte Bauausführung handelt, um alle Anforderungen zu erfüllen. In Anbetracht der komplizierten Umgebungsbedingungen wurde bereits bei der Ausschreibung Wert auf handwerkliche Präzision und einschlägige Expertise gelegt. Die Wahl fiel auf das Unternehmen HT Protect GmbH aus dem sächsischen Hartmannsdorf (bei Chemnitz), weil diese Firma über besondere Erfahrungen bei Planung und Installation von Löschanlagen in Bestandsgebäuden und speziell auch in Hotels verfügt. Für den Technischen Brandschutz galt es, gleich mehrere Herausforderungen zu meistern:

Die Keller des Gebäudes sind durch den bekannt hohen Grundwasserspiegel in der Stadt Berlin sehr niedrig, außerdem besteht hier eine extrem hohe Installationsdichte der Gebäudetechnik.
In dem Gebäude befinden sich sogenannte „Kappendecken“ im Sichtbereich. Diese Deckenkonstruktion besteht aus sich wiederholenden, flachen, mit Ziegelsteinen ausgemauerten Rundtonnengewölben, dieser Blickfang soll natürlich erhalten bleiben.
Eine besondere Attraktion in der Lobby ist die ausladende Stuckdecke. Sie befindet sich 6,80 m über dem Fußboden, sie ist zugleich Unikat und Kunstobjekt.
In verschiedenen Gebäude­teilen sind Holzkonstruktionen für Decken und Treppenhäuser ein elemen­tarer Bestandteil des his­torischen Gebäudes. Sie sollen auch in Zukunft als Teil des gesamten Ambientes erhalten bleiben.

Um einen optimalen Brandschutz zu gewährleisten, wurde von HT Protect eine Vollschutzanlage nach VdS CEA 4001 geplant. Obwohl die Kellerfläche im Zuge der Modernisierung durch Unterkellerung des Innenhofes erweitert wurde, musste die Sprinklerzentrale auf engstem Raum untergebracht werden, weil die alten und neuen Kellerflächen als Technik- und Vorratsräume dringend benötigt werden.

Aufbau der Löschtechnik

Zwei Löschgruppen versorgen von der Zentrale im Keller jeweils mehrere Geschosse sowie Konferenz- und Shop-Bereiche. Jede Etage ist über Strömungsmelder einzeln detektierbar. Eine wichtige Hilfe für die Feuerwehr, um im Einsatzfall schnell an den Ort des Geschehens zu gelangen. Die Etagen wurden dabei wechselseitig an die Nassalarm-Ventilstationen angeschlossen.

Für die Wasserversorgung der insgesamt 1850 Sprinkler stehen eine Pumpenanlage und ein Vorratsbehälter mit 80 m3 Nutzinhalt zur Verfügung (Wasserversorgung der 2. Art).

Die Versorgung erfolgt über zwei Löschgruppen, die untereinander über einen Bypass verbunden sind. Damit ist bei Wartungsarbeiten an der jeweiligen Gruppe über die andere Nassalarm-Ventilstation der volle Sprinklerschutz sichergestellt.

Von den gesamten 1850 Sprinklern sind allein rund 850 für den Schutz von Hohlräumen im Gebäude vorgesehen. Zwischendecken-Hohlräume befinden sich nicht allein in den Gästezimmern. In den Zimmern war die Montage vergleichsweise unproblematisch, hier galt es in erster Linie, den Raum zwischen Eingangstür, Bad und Garderobe zu schützen. Für die Gästezimmer selbst wurden „Weitwurfsprinkler“ verbaut, die konstruktionsbedingt eine große Fläche schützen können.

Bei den anderen Zwischendecken-Hohlräumen in allen weiteren Gebäudeteilen waren nach Angaben des Geschäftsführers des ausführenden Errichters, Roger Hoffmann, besondere handwerkliche Kenntnisse und Fähigkeiten sowie Materialkenntnisse erforderlich, die über das bei Installationen von Löschanlagen in Neubauten erforderliche Maß deutlich hinausgehen.

Rohre und Sprinkler galt es nicht allein an schwer zugänglichen Stellen zu montieren. Befestigungen sind teilweise am Holz der Deckenkonstruktion vorgenommen worden. Die Schwierigkeit für die Monteure bestand dabei darin, die tragfähigen Balken zu erkunden, die durch Strohunterdecken oft unsichtbar waren.


Planung und Umsetzung

Die ursprünglichen Planungen sind in solchen Fällen nicht eins zu eins umsetzbar. Erfahrungswerte spielen bei den Arbeiten eine wichtige Rolle, um die Anforderungen des flächendeckenden Brandschutzes mit der historischen Bausubstanz in Einklang zu bringen. Allerdings bietet eine Deckenkonstruktion aus Holz auch Vorteile. Die Befestigung im Holz lässt sich einfach montieren und zudem hat Massivholz eine hohe Isolierwirkung sowie extreme Maßbeständigkeit im Brandfall.

Moderne Deckenkonstruktionen müssen heute einen Feuerwiderstandswert F90 aufweisen. Vor der Modernisierung haben die Holzdeckenkonstruktionen diese Qualität nicht erreicht. Mit der Kompensation durch die installierte Sprinkleranlage wird diese Forderung jetzt auch erfüllt – ein wichtiger Aspekt bei eventuellen Evakuierungsmaßnahmen.

Darüber hinaus gibt es sowohl im Altbau als auch in den Anbauten zahlreiche abgehangene Decken mit Kabelkanälen, die einen besonderen Schutz für die darunterliegenden Räumlichkeiten zwingend erforderlich machen. Das betrifft einmal Restaurant und Konferenzräume, aber auch den hochwertigen Einzelhandel als Teil des Hotelbetriebes. Für die Passanten des Ku’damms ist das Ladengeschäft Blickfang für den gesamten Hotelkomplex und Visitenkarte für Design sowie Qualitätsanspruch zugleich.

Für den Brandschutz in diesem modern gestylten Modegeschäft stand nicht so sehr die historische Bausubstanz im Mittelpunkt – im Gegenteil. Hier besteht der Anspruch, Sprinklerschutz mit modernster Innenarchitektur und der entsprechenden Beleuchtungstechnik in Einklang zu bringen. Demgegenüber stellte die Stuckausführung im Verbund mit der künstlerischen Gestaltung der Decke in der Hotellobby die Planer vor ganz andere Herausforderungen. Die Deckenhöhe von rund 6,80 m und die große zu schützende Fläche erfordern normalerweise eine klassische, netzförmige Sprinkleranordnung. Dies war jedoch so nicht möglich, ohne die künstlerische Gestaltung in Mitleidenschaft zu ziehen. Die Lösung brachte eine erhöhte Sprinklerdichte in der umgebenden Fläche. Damit bleibt das Deckenkunstwerk unbeeinträchtigt, der Brandschutz ist trotzdem gewährleistet.

In Absprache mit dem VdS wurde im Erdgeschoss zum Schutz der benachbarten historischen Gewölbe- und Kappendecken das Rohrnetz nebst Seitenwandsprinkler als Sichtinstallation montiert. Die Löschanlage präsentiert sich damit in Doppelfunktion: Zum einen als Technischer Brandschutz und zum anderen als Teil eines modernen Designs, das den Wert der historische Bau­substanz unterstreicht und zusätzlich aufwertet.

In den engen und mit sehr hoher Installationsdichte für die Haustechnik versehenen, historischen Kellerräumen ist ebenfalls ein flächendeckender Feuerschutz installiert. Dies nicht zuletzt deshalb, weil in diesen verwinkelten Gängen für die Mitarbeiter ein sicherer Fluchtweg unabdingbar ist und die Warenlagen geschützt sein müssen.

Auch hier gilt – wie an allen anderen Stellen des Hotels – die Mindestwasserbeaufschlagung beträgt 5 mm/min und die Schutzfläche pro Sprinkler darf 12 m2 nicht überschreiten – ungeachtet der baulichen Besonderheiten durch lange und recht schmale Verbindungsgänge. Bei der Instal­lation mussten auch hier Bausubstanz und Sicherheitsanforderungen in Einklang ge­bracht werden.

Die neuen Eigentümer des Hotels Zoo haben mit dem Modernisierungskonzept zugleich klare Ziele und Zeitvorgaben erstellt. Als ein Hotel mit besonderem Design ist es eine erste Adresse im Berliner Zentrum, eingebettet zwischen dem Apple-Store und dem Hugo-Boss-Geschäft als Teil des gesamten Hotelkomplexes. Die Sicherheit für die Gäste ist brandschutztechnisch aufwendig gewährleistet und das nicht allein, um den Auflagen der Baubehörde nachzukommen. Wenn die Marketingbotschaft „flächendeckende Sprinkleranlage“ zusätzlich neue Gäste bringt, ist das ein attraktiver Nebeneffekt des durchdachten Gesamtkonzepts.


Fazit

Die Sanierung von historisch wertvollen Bestandsgebäuden, diese Aufgabe wird für den Brandschutz technisch und ökonomisch weiter an Bedeutung gewinnen. Dabei sind Planung und Montage „von der Stange“ meistens nicht möglich. Das Hotel Zoo in Berlin ist ein Beispiel für die Synthese von Sicherheitstechnik, historischer Bausubstanz und anspruchsvollem Design. Ambitioniert zeigte sich auch der Zeitplan für die Modernisierung: Innerhalb von rund zwei Jahren wurde das Haus komplett hergerichtet – allen Widrigkeiten zum Trotz.

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