Ein Sprinklernetz aus C-Stahl

Angewandte Physik im Weinhold-Bau der Uni Chemnitz

Im Jubiläumsjahr 2011 hat die Universität Chemnitz mit dem Umbau und der Sanierung des Adolf-Ferdinand-Weinold-Baus nicht nur für die ansässigen naturwissenschaftlichen Fakultäten eine moderne Stätte für Forschung und Lehre, sondern auch mit der Sprinkler-Löschanlage zugleich ein Beispiel für angewandte Physik und Materialkunde geschaffen.

Die Universität in der sächsischen Industriemetropole Chemnitz zählt seit 175 Jahren zu den renommierten Ausbildungsstätten für Ingenieure in Deutschland. Den Naturwissenschaften wird seit Gründung im Jahre 1836 eine herausragende Stellung eingeräumt. Passend zum Jubiläum erhielt der Adolf-Ferdinand-Weinhold-Bau, der die Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik, für Maschinenbau sowie das Institut für Physik der Fakultät für Naturwissenschaften beherbergt, im Rahmen der Gebäuderenovierung eine moderne Löschanlage. Damit ist in den Seminar-, Labor- und Technikräumen des Hauses an der...
Die Universität in der sächsischen Industriemetropole Chemnitz zählt seit 175 Jahren zu den renommierten Ausbildungsstätten für Ingenieure in Deutschland. Den Naturwissenschaften wird seit Gründung im Jahre 1836 eine herausragende Stellung eingeräumt. Passend zum Jubiläum erhielt der Adolf-Ferdinand-Weinhold-Bau, der die Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik, für Maschinenbau sowie das Institut für Physik der Fakultät für Naturwissenschaften beherbergt, im Rahmen der Gebäuderenovierung eine moderne Löschanlage. Damit ist in den Seminar-, Labor- und Technikräumen des Hauses an der Reichenhainer Straße 70 auf dem Campus der TU Chemnitz ein in jeder Beziehung zeitgemäßes Konzept für den Brandschutz realisiert worden. Dies gilt sowohl für die installierte Technik als auch für das verwendete Material der Wasserlöschanlage.

Einbau eines Sprinklernetzes

Für alle fünf Geschosse (Erdgeschoss sowie 1. bis 4. OG) des Adolf-Ferdinand-Weinold-Baus sorgen nach Umbau und Sanierung rund 900 Sprinkler (im 1. Bauabschnitt) in den Büros sowie in den Labor- und Technikräumen rund um die Uhr für einen automatischen Brandschutz. Errichterunternehmen für die Anlage ist das sächsische Unternehmen HT Protect, das über einschlägige Erfahrung – auch bei Universitätsbauten – verfügt.

Beim Sprinklerschutz werden Rohrleitungen wie ein Netz über den zu schützenden Bereich gelegt. Im Rohrsystem steht Löschwasser mit einem Druck von ca. 8 bar bereit, damit – egal an welcher Stelle – im Brandfall ausreichend Wasser auf das Entstehungsfeuer beaufschlagt werden kann. In Anbetracht des erheblichen Drucks werden an das verarbeitete Rohrleitungsmaterial besonders harte Anforderungen gestellt. Dies gilt in erster Linie natürlich für die Dichtigkeit und darüber hinaus für die Korrosionsbeständigkeit. Über Jahrzehnte hinweg muss sichergestellt sein, dass es nicht zu Leckagen kommt und insbesondere die Verbindungen dem vorgegebenen Druck zuverlässig standhalten. Ein Weiteres kommt hinzu: Sprinkleranlagen müssen heute auch unter ästhetischen Gesichtspunkten strenge Anforderungen erfüllen.

 

Wahl des Rohrmaterials

Für das Rohrnetz hat sich HT Protect deshalb für die Ausführung aus C-Stahl entschieden. Bei diesem Material handelt es sich um ein nach DIN geprüftes Leitungsrohr. Die vom Hersteller aufgestellte Werksnorm gewährleistet zusätzlich unter anderem erhöhte Anforderungen an:

Maßgenauigkeit,
Oberflächenqualität,
Biegefähigkeit sowie
Korrosionsbeständigkeit.

Für die besonderen Eigenschaften von C-Stahl sorgt ein spezieller Bearbeitungsprozess beim Verzinken. Die schützende Beschichtung wird dabei nicht nur außen, sondern auch im Inneren des Rohres aufgebracht. Damit erhält das Material einen besonders guten und flächendeckenden Korrosionsschutz.

Ein weiterer Vorteil ist die Optik. Die so veredelte Oberfläche verleiht den Rohren ein dem Edelstahl vergleichbares Aussehen. Ein Weiteres kommt hinzu: Der verbesserte Schutz gegen Korrosion erlaubt dünnere Rohrwände als bei konventioneller Ausführung (feuerverzinkt). Das entsprechende Know-how bei der Verarbeitung von derartigen Werkstoffen hat HT Protect bereits bei der Installation von Sprinkleranlagen in Edelstahlausführung – zum Beispiel an der Uni Magdeburg – gesammelt.

Der Werkstoff C-Stahl eignet sich insbesondere für geschlossene Leitungssysteme wie in diesem Fall für die einbaute Sprinkleranlage. Aufgrund seiner optischen Qualitäten empfiehlt sich C-Stahl auch für die an der Decke sichtbare Installation des Rohrsystems und fügt sich harmonisch in das architektonische Gesamtbild ein, ohne dass Kompromisse beim Brandschutz erforderlich werden.

 

Kostenaspekte und Sicherheit

Durch den Einsatz dieser Metalltechnologie rechnen sich Anlagenhersteller und Betreiber nicht nur Vorteile bei der Haltbarkeit der Wasserlöschanlage aus. Kostenersparnis bei der Wartung und geringe Investitionskosten – gerechnet auf die verlängerte Lebensdauer der Anlagenkomponenten – sind weitere Argumente für diese Technologie.

Mit Blick auf die Sicherheit legt der Bauherr, die TU Chemnitz, großen Wert darauf, dass in dem weitläufigen Gebäude Brandschutz auch dann gewährleistet ist, wenn sich keine Personen in den jeweiligen Räumen aufhalten. Außerdem müssen Entstehungsbrände selektiv gelöscht werden, damit im Fall des Falles möglichst wenige Gebäudeteile in Mitleidenschaft gezogen werden. Untersuchungen der Versicherungswirtschaft belegen dabei, dass in mehr als 80 % der Brandfälle vier oder noch weniger Sprinkler das Entstehungsfeuer wirksam unter Kontrolle halten.


Sprinkler im Brandfall

Im Brandfall löst allein der Sprinkler aus, in dessen Einwirkungs­bereich die definierte Temperatur überschritten wird. Für eine ausreichende Löschwasserversorgung sorgt zunächst eine Druckhaltepumpe.

Die Versorgung und Steuerung des gesamten Systems erfolgt über die Sprinklerzentrale im UG des Weinhold-Baus. Hier befindet sich nicht nur ein Wasser-Vorratsbehälter mit einem Nutzinhalt von 61 m3 Löschwasser – einer Menge, die in den meisten Fällen völlig ausreicht um das Feuer zu bekämpfen. Sicherheitshalber wurde zusätzlich eine Feuerwehreinspeisung installiert, um für alle Eventualitäten gerüstet zu sein.

Die gesamte Sprinkleranlage wird über vier Nassalarmventilstationen gesteuert. Bei Öffnung eines Sprinklers fällt der Druck im Rohrnetz ab, und dieser Vorgang bewirkt die Öffnung der jeweiligen Alarmventilstation und den Start der Sprinklerpumpe. Zeitgleich wird ein elektrisches Signal ausgelöst, das über die Brandmeldeanlage die Feuerwehr verständigt. Zudem wird ein akustischer Alarm gegeben, damit Personen aus dem Gebäude rechtzeitig evakuiert werden können.

Die Sprinkleranlage wird komplett durch Endlagenschalter überwacht, die auf eine Störmeldezentrale aufgeschaltet sind. Um den Wehrmännern die Arbeit zu erleichtern, sind neben den Alarmdruckschaltern jeder Etage Strömungsmelder zugeordnet. In der Sprinklerzentrale kann somit schnell eine Selektierung des jeweiligen Auslösebereiches zugeordnet werden, damit schnell vor Ort über eventuell noch notwendige Maßnahmen entschieden werden kann.

Es obliegt stets der Feuerwehr zu entscheiden, ob keine Brandgefahr mehr besteht und die Sprinkleranlage manuell außer Betrieb gesetzt werden kann.

Jetzt Artikel freischalten:

tab DIGITAL

14 Tage kostenlos testen

2,49 € / Woche*

Fachwissen jederzeit und überall.

Greifen Sie auf exklusive PLUS-Artikel und das komplette Online-Archiv zu und lesen Sie tab bequem im E-Paper-Format. Das digitale Abo für alle, die flexibel bleiben möchten.

Ihre Vorteile:

  • Exklusive tab-PLUS-Artikel
  • 6 E-Paper für mobiles Lesen
  • Online-Archivzugang

*129,48 € bei jährlicher Abrechnung inkl. MwSt.

Jetzt bestellen

tab KOMBI

4,99 € / Woche*

Das komplette tab-Erlebnis – digital & gedruckt.

Für alle, die Fachinformationen auf allen Kanälen nutzen möchten: Kombinieren Sie Print und Digital, profitieren Sie von unseren Fachforen und präsentieren Sie Ihr eigenes Projekt.

Ihre Vorteile:

  • Exklusive tab-PLUS-Artikel
  • 6 Print-Ausgaben pro Jahr
  • E-Paper für mobiles lesen
  • Teilnahme an einem Fachforum
  • Online-Archivzugang
  • Veröffentlichen eines Projekts

*259,48 € bei jährlicher Zahlung inkl. MwSt. & Versand

Jetzt bestellen

Thematisch passende Artikel:

Ausgabe 7-8/2008

Sprinkleranlagen in Privathaushalten

Sprinkleranlagen gehören in Deutschland mittlerweile in vielen öffentlichen Gebäuden zum Standard. Anders als in den USA und einigen europäischen Staaten werden Sprinkleranlagen in Deutschland...

mehr
Ausgabe 11-12/2009

Brandschutz in der Villa Zimmermann

Ein historisch wertvolle Gebäude wird „unsichtbar“ geschützt

In den Jahren um 1866 im neogotischen Stil geplant und gebaut, diente die Villa Zimmermann in Chemnitz von 1867 bis 1884 als Wohnsitz für Johann von Zimmermann, dem Gründer der ersten Chemnitzer...

mehr
Ausgabe 12/2014

Herausforderung für den Brandschutz

Sanierung im Bestand

In den vielen Jahren seines Bestehens wurde das Hotel immer wieder auf den neuesten Stand gebracht. Die Eigentümer haben sich vor kurzem entschlossen, das Gebäude nicht allein im Bestand zu...

mehr
Ausgabe 03/2012 Eine Brauerei wird zum Kulturzentrum

Brandschutz im Dortmunder „U“

Wo früher in Dortmund Bier ge­braut wurde, ist auf rund 15?000 m² ein Kultur- und Krea­tiv­zentrum entstanden, das inter­nationale Anerkennung genießt. Den Mittelpunkt bildet der so genannte...

mehr
Ausgabe 03/2015

Feuerschutz und Design im „Trias“

Technischer Brandschutz für Leipziger Büroneubau

Mit Blick auf den Brandschutz stellen Flexibilität und Design besondere Ansprüche an den Büroneubau „Trias“ in Leipzig. Als Rückgrat für Sicherheit bei Feuergefahren hat sich der Auftraggeber,...

mehr