Ein Sprinklernetz aus C-Stahl
Angewandte Physik im Weinhold-Bau der Uni ChemnitzIm Jubiläumsjahr 2011 hat die Universität Chemnitz mit dem Umbau und der Sanierung des Adolf-Ferdinand-Weinold-Baus nicht nur für die ansässigen naturwissenschaftlichen Fakultäten eine moderne Stätte für Forschung und Lehre, sondern auch mit der Sprinkler-Löschanlage zugleich ein Beispiel für angewandte Physik und Materialkunde geschaffen.
Einbau eines Sprinklernetzes
Für alle fünf Geschosse (Erdgeschoss sowie 1. bis 4. OG) des Adolf-Ferdinand-Weinold-Baus sorgen nach Umbau und Sanierung rund 900 Sprinkler (im 1. Bauabschnitt) in den Büros sowie in den Labor- und Technikräumen rund um die Uhr für einen automatischen Brandschutz. Errichterunternehmen für die Anlage ist das sächsische Unternehmen HT Protect, das über einschlägige Erfahrung – auch bei Universitätsbauten – verfügt.
Beim Sprinklerschutz werden Rohrleitungen wie ein Netz über den zu schützenden Bereich gelegt. Im Rohrsystem steht Löschwasser mit einem Druck von ca. 8 bar bereit, damit – egal an welcher Stelle – im Brandfall ausreichend Wasser auf das Entstehungsfeuer beaufschlagt werden kann. In Anbetracht des erheblichen Drucks werden an das verarbeitete Rohrleitungsmaterial besonders harte Anforderungen gestellt. Dies gilt in erster Linie natürlich für die Dichtigkeit und darüber hinaus für die Korrosionsbeständigkeit. Über Jahrzehnte hinweg muss sichergestellt sein, dass es nicht zu Leckagen kommt und insbesondere die Verbindungen dem vorgegebenen Druck zuverlässig standhalten. Ein Weiteres kommt hinzu: Sprinkleranlagen müssen heute auch unter ästhetischen Gesichtspunkten strenge Anforderungen erfüllen.
Wahl des Rohrmaterials
Für das Rohrnetz hat sich HT Protect deshalb für die Ausführung aus C-Stahl entschieden. Bei diesem Material handelt es sich um ein nach DIN geprüftes Leitungsrohr. Die vom Hersteller aufgestellte Werksnorm gewährleistet zusätzlich unter anderem erhöhte Anforderungen an:
Für die besonderen Eigenschaften von C-Stahl sorgt ein spezieller Bearbeitungsprozess beim Verzinken. Die schützende Beschichtung wird dabei nicht nur außen, sondern auch im Inneren des Rohres aufgebracht. Damit erhält das Material einen besonders guten und flächendeckenden Korrosionsschutz.
Ein weiterer Vorteil ist die Optik. Die so veredelte Oberfläche verleiht den Rohren ein dem Edelstahl vergleichbares Aussehen. Ein Weiteres kommt hinzu: Der verbesserte Schutz gegen Korrosion erlaubt dünnere Rohrwände als bei konventioneller Ausführung (feuerverzinkt). Das entsprechende Know-how bei der Verarbeitung von derartigen Werkstoffen hat HT Protect bereits bei der Installation von Sprinkleranlagen in Edelstahlausführung – zum Beispiel an der Uni Magdeburg – gesammelt.
Der Werkstoff C-Stahl eignet sich insbesondere für geschlossene Leitungssysteme wie in diesem Fall für die einbaute Sprinkleranlage. Aufgrund seiner optischen Qualitäten empfiehlt sich C-Stahl auch für die an der Decke sichtbare Installation des Rohrsystems und fügt sich harmonisch in das architektonische Gesamtbild ein, ohne dass Kompromisse beim Brandschutz erforderlich werden.
Kostenaspekte und Sicherheit
Durch den Einsatz dieser Metalltechnologie rechnen sich Anlagenhersteller und Betreiber nicht nur Vorteile bei der Haltbarkeit der Wasserlöschanlage aus. Kostenersparnis bei der Wartung und geringe Investitionskosten – gerechnet auf die verlängerte Lebensdauer der Anlagenkomponenten – sind weitere Argumente für diese Technologie.
Mit Blick auf die Sicherheit legt der Bauherr, die TU Chemnitz, großen Wert darauf, dass in dem weitläufigen Gebäude Brandschutz auch dann gewährleistet ist, wenn sich keine Personen in den jeweiligen Räumen aufhalten. Außerdem müssen Entstehungsbrände selektiv gelöscht werden, damit im Fall des Falles möglichst wenige Gebäudeteile in Mitleidenschaft gezogen werden. Untersuchungen der Versicherungswirtschaft belegen dabei, dass in mehr als 80 % der Brandfälle vier oder noch weniger Sprinkler das Entstehungsfeuer wirksam unter Kontrolle halten.
Sprinkler im Brandfall
Im Brandfall löst allein der Sprinkler aus, in dessen Einwirkungsbereich die definierte Temperatur überschritten wird. Für eine ausreichende Löschwasserversorgung sorgt zunächst eine Druckhaltepumpe.
Die Versorgung und Steuerung des gesamten Systems erfolgt über die Sprinklerzentrale im UG des Weinhold-Baus. Hier befindet sich nicht nur ein Wasser-Vorratsbehälter mit einem Nutzinhalt von 61 m3 Löschwasser – einer Menge, die in den meisten Fällen völlig ausreicht um das Feuer zu bekämpfen. Sicherheitshalber wurde zusätzlich eine Feuerwehreinspeisung installiert, um für alle Eventualitäten gerüstet zu sein.
Die gesamte Sprinkleranlage wird über vier Nassalarmventilstationen gesteuert. Bei Öffnung eines Sprinklers fällt der Druck im Rohrnetz ab, und dieser Vorgang bewirkt die Öffnung der jeweiligen Alarmventilstation und den Start der Sprinklerpumpe. Zeitgleich wird ein elektrisches Signal ausgelöst, das über die Brandmeldeanlage die Feuerwehr verständigt. Zudem wird ein akustischer Alarm gegeben, damit Personen aus dem Gebäude rechtzeitig evakuiert werden können.
Die Sprinkleranlage wird komplett durch Endlagenschalter überwacht, die auf eine Störmeldezentrale aufgeschaltet sind. Um den Wehrmännern die Arbeit zu erleichtern, sind neben den Alarmdruckschaltern jeder Etage Strömungsmelder zugeordnet. In der Sprinklerzentrale kann somit schnell eine Selektierung des jeweiligen Auslösebereiches zugeordnet werden, damit schnell vor Ort über eventuell noch notwendige Maßnahmen entschieden werden kann.
Es obliegt stets der Feuerwehr zu entscheiden, ob keine Brandgefahr mehr besteht und die Sprinkleranlage manuell außer Betrieb gesetzt werden kann.
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