EuGH verändert Zulassungsverfahren
Die DIN 4040-100 schafft bei Fettabscheidern KlarheitSeit vielen Jahren gibt es allgemeine bauaufsichtliche Zulassungen für Fettabscheideranlagen. Diese regeln nicht nur das Produkt, sondern auch dessen Einbau und Betrieb. Bei Einhaltung aller Vorgaben kann die zuständige Behörde davon ausgehen, dass damit nicht nur die baurechtlichen, sondern auch die wasserrechtlichen Vorgaben eingehalten werden. Das gab Sicherheit für Planer, Betreiber und vor allem die zuständige Behörde. Seit dem 16. Oktober 2016 ist in dieser Form damit Schluss.
Parallel entsteht nun ein neues Nachweisverfahren, was allen Beteiligten mehr Aufwand und Verantwortung abverlangt. Noch sind nicht alle Bausteine des neuen Konstrukts vorhanden und klar. Unter anderem soll als Ersatz für eine Bauregelliste Teil B eine „Musterverwaltungsvorschrift Technische Baubestimmungen über das Baurecht“ eingeführt werden. Ein Entwurf liegt zur Notifizierung bei der europäischen Kommission. Frühestens Ende 2017 wird die Gesamtsituation geklärt werden. Wesentliche Orientierung schafft hierbei die neue DIN 4040-100.
Die neue Fettabscheidernorm DIN 4040-100 –
wertvoller denn je
Genau zwölf Jahre nach seinem ersten Erscheinen wird die DIN 4040-100 mit der Ausgabe 12/2016 aktualisiert. Der Umfang erhöht sich von 20 auf 35 Seiten. Viele bewährte Baugrundsätze aus dem Zulassungsverfahren wurden in die Norm überführt. Damit ist die DIN 4040-100 bei weitem keine „Restnorm“ mehr. Sie garantiert, dass Verantwortliche die bisherigen bau- und wasserrechtlichen Vorgaben in Deutschland einhalten. Umso wichtiger wird es, diese novellierte Fassung schnell umzusetzen und als neuen Standard für alle Anlagen anzuwenden.
Anforderung an die Statik genau prüfen
Wie kann ein Bauherr sicher sein, dass der geplante Abscheider für eine längere Nutzungsdauer geeignet ist? Seit Dezember 2012 gibt es eine klare und einheitliche Norm DIN 19901, welche für alle Bauformen und Werkstoffe gilt. Diesen Nachweis der Tragfähigkeit und Gebrauchstauglichkeit verlangt nun auch die DIN 4040-100. Der Hersteller muss in jedem Einzelfall eine Prüfstatik vorlegen. Alle Beteiligten müssen dann Inhalt und Ergebnis in jedem Einzelfall überprüfen. Eine aufwendige Aufgabe, welche im Falle von Zulassungen bisher vom DIBt erfolgte.
Neu ist für den Anwender auch, dass es neben den aus der DIN 124 bekannten Verkehrslastklassen nun Verkehrslastgruppen gibt, welche für den Abscheider als Bauwerk gelten, nicht aber für die Abdeckung. So kann ein Abscheider mit der Verkehrslastgruppe E2 beispielweise nur im Bereich PKW-Befahrung eingebaut werden. Auch der Austausch der Abdeckung Klasse B auf Klasse D würde dies nicht rechtfertigen.
So ist es eine besondere Herausforderung, für erdeingebaute Kunststoffabscheider eine Standzeit von 50 Jahren für den LKW-befahrenen Schwerlastbereich nachzuweisen. Dies gelang der Kessel AG auf Basis von belastbaren Langzeitwerkstoffkennwerten und einem aufwendigen gekoppeltem Nachweis-verfahren. Das bedeutet für den Anwender: Sicherheit für einen langen Zeitraum.
Regelmäßige Eigenkontrolle ermöglicht Optimierung der Entleerungsintervalle
Damit Grenzwerte dauerhaft eingehalten werden, braucht es eine regelmäßige Betreuung für Fettabscheideranlagen. Neben einer umfangreichen fünfjährigen Generalinspektion durch einen Fachkundigen und einer jährlichen Wartung konkretisiert die neue Ausgabe der DIN 4040-100 vor allem die Eigenkontrolle durch einen Sachkundigen. Zu jeder Anlage muss mindestens eine geeignete Person eine entsprechende Ausbildung erhalten.
Ziel ist, dass der Betreiber seine Anlage genau beobachtet und kompetent damit umgeht. Monatlich muss er Schichtdicken messen und im Betriebstagebuch festhalten. So erkennt er Störungen der Anlage frühzeitig. Bei den Entleerungsintervallen wird damit eine Anpassung an den tatsächlichen Bedarf kompetent begründet.
Wesentliche Unterstützung bei der Überwachung bieten moderne Schichtdicken-messgeräte. Beispielsweise misst das Ultraschallmessgerät Sonic Control nicht nur zentimetergenau und kontinuierlich die Schichtdicke, zusätzlich überwacht es die Temperaturspitzen und speichert sie systematisch. Das Auslesen und Befüllen des Betriebstagebuches spart zusätzlich Zeit und schafft Vertrauen bei der Diskussion mit Behörden.
Freie Zugänglichkeit muss alle Arbeiten rund um den Abscheider erlauben
Damit notwendige Dienstleistungen rund um den Abscheider erfüllt werden, müssen auch die baulichen Voraussetzungen gegeben sein. Beispielsweise müssen die Mindestquerschnitte für die begehbaren Schachtbereiche gemäß DIN EN 476 regelkonform sein. Kessel bietet hierfür ein zugelassenes Baukastensystem, welches Einbautiefen bis zu 1,80 m erlaubt.
Auch zum Durchmesser von Probenahmeschächten finden sich in der neuen DIN 4040-100 klare Empfehlungen. Vor allem dann, wenn neben der Probennahme auch weitere Funktionen wie Belüftung oder Übergabe erfüllt werden sollen, wird ein Mindestdurchmesser von 1.000 mm vorgeschlagen.
Funktionelles Durchlüften und zuverlässige Rückstausicherung
Die gesamte Fettabscheideranlage muss zuverlässig durchlüftet werden, um Korrosion, Geruch und den Abbau von Faulgasen zu vermeiden. Dies erfordert eine sorgfältige Einbindung in die gesamte Entwässerungsanlage. In kompakter Form bündelt die neue DIN 4040-100 alle Regeln.
Wenn der Betriebswasserspiegel unter der Rückstauebene liegt, wäre die Durchlüftung unzulässig unterbrochen. Deshalb muss bei allen Fettascheideranlagen im und außerhalb vom Gebäude eine zuverlässige Rückstausicherung eingebaut werden. Meist sind das Hebeanlagen mit Rückstauschleife. Sie müssen künftig auch mit einer netzunabhängigen Warneinrichtung versehen sein, damit sie Betriebsstörungen erkennen.
Noch mehr Betriebssicherheit bieten die Hybridhebeanlagen von Kessel. Wie auch der Kommentar zur DIN 1986-100 bestätigt, ermöglicht dieser Anlagentyp selbst bei Stromausfall noch eine Entwässerung – und zwar so lange bis die Akupufferung unter einen bestimmten Wert fällt. Gemäß bauaufsichtlicher Zulassung profitiert der Betreiber vom dem Anlagenprinzip. Abwasser aus dem Fettabscheider wird im Normalfall im Freispiegel entwässert. Das spart dauerhaft Energiekosten und reduziert Wartungsintervalle.
DIN 4040-100 gewährleistet Sicherheit
Die DIN 4040-100 erfüllt nun mehr wesentliche Anforderungen, welche bisher nur in den nicht veröffentlichten Richtlinien des Deutschen Instituts für Bautechnik enthalten waren.
Dort, wo bauaufsichtliche Zulassungen noch vorhanden sind, können sich Behörden und Bauherren auf wenig Aufwand und hohe Sicherheit freuen. In allen anderen Fällen hingegen reicht eine reine CE-Kennzeichnung nach DIN EN 1825-1 nicht aus. Die komplette DIN 4040-100 und DIN 19901 müssen eingehalten und sorgfältig geprüft werden. Dies erfordert viel Aufmerksamkeit und Fachkenntnis. Darauf müssen sich alle Beteiligten einstellen.
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