DGNB veröffentlicht überarbeitete Fassung der Zertifizierung für Gebäude im Betrieb
17.02.2026
Das DGNB System für Gebäude im Betrieb unterstützt Bestandsimmobilien auf dem Weg in die Klimaneutralität.
Bild: DGNB
Die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) hat die neue Version ihres Zertifizierungssystems für Gebäude im Betrieb finalisiert. Der Kriterienkatalog wurde mit den neuesten regulatorischen Anforderungen wie der EU-Taxonomie harmonisiert. Vorteile des überarbeiteten Systems sind unter anderem die hohe Anschlussfähigkeit an marktgängige Standards sowie eine auf das Reporting von Kennzahlen ausgerichtete Dokumentation. Es ist international nutzbar und zur Anwendung für Immobilienportfolios geeignet. Anpassungen gibt es auch bei den dazugehörigen Fortbildungen der DGNB Akademie.
Bestandsanalyse als Grundlage für kontinuierliche Verbesserungsmaßnahmen
Die überarbeitete Variante der Zertifizierung hilft Gebäudeeigentümern, Bestandshaltern und Betreibern, die Transformation ihrer Bestandsimmobilien systematisch zu planen und umzusetzen. Die Grundlage ist dabei die Erfassung des Ist-Zustands im Sinne einer ganzheitlichen Bestandsbewertung. Diese gibt Orientierung und schafft Transparenz über die tatsächliche Qualität eines Gebäudes inklusive der durch die Nutzung verursachten Verbräuche, Kosten und Wirkungen auf Menschen und Umwelt.
DGNB Plakette in Platin für nachhaltig betriebene Gebäude.
Bild: DGNB
Das Zertifizierungssystem unterstützt als Management- und Optimierungstool eine kontinuierliche Verbesserung bei den wichtigsten Aspekten der Nachhaltigkeit. Nach dem Prinzip „Plan, Do, Check, Act“ trägt die Zertifizierung dazu bei, relevante Verbesserungspotenziale von Bestandsbauten zu identifizieren und auszuschöpfen. Ein Ergebnis des Zertifizierungsprozesses sind gebäudespezifische Transitionspläne, die dazu beitragen können, die Zukunftssicherheit der Gebäude zu gewährleisten, indem diese z. B. in Richtung Klimaneutralität geführt werden. Gleichzeitig schützt die Anwendung des Systems vor multiplen Risiken, wie etwa einem möglichen Leerstand oder der Gefahr, dass Immobilien zu „Stranded Assets“ werden.
Auch mit Blick auf die gestiegenen Anforderungen an das Reporting hilft die DGNB Zertifizierung für Gebäude im Betrieb. So erhalten Anwendende für ihre Immobilien über eine standardisierte Dokumentation Auskunft über die wesentlichen Kennzahlen, die sie zur Gebäudebewertung und ihr Reporting benötigen. Schließlich sind die Kriterien mit allen relevanten regulatorischen Anforderungen in der EU harmonisiert. So ist zum Beispiel das in der EU-Taxonomie adressierte Thema der Biodiversität als eigenes Kriterium ein neuer, ergänzender Schwerpunkt der Zertifizierung. Auch bei der Version 2026 bietet die DGNB wieder die Möglichkeit, ergänzend zum DGNB Zertifikat eine ESGVerifikation zur EU-Taxonomie zu erlangen.
Transparente Vergleichbarkeit bei Immobilienportfolios
Besonders geeignet ist die Anwendung der Zertifizierung auch für komplette Immobilienportfolios. Schließlich ist das System so angelegt, dass es eine transparente Vergleichbarkeit der Gebäudeperformance ermöglicht und so eine strukturierte und zielgerichtete Steuerung von Investitionsentscheidungen unterstützt wird. Entsprechend sei die Anwendung der Zertifizierung nicht nur für Asset Manager und Property Manager interessant, sondern auch für Portfolio Manager.
Die aktuelle Überarbeitung des DGNB Systems für Gebäude im Betrieb erfolgte in enger Zusammenarbeit mit der Schweizer Gesellschaft für Nachhaltige Immobilienwirtschaft (SGNI), dem Green Building Council Denmark (DK-GBC), der Österreichischen Gesellschaft für Nachhaltige Immobilienwirtschaft (ÖGNI) und dem Green Building Council España (GBCe).
Zehn Kriterien für einen nachhaltigen Gebäudebetrieb
In seiner Grundstruktur bleibt das Zertifizierungssystem, das inzwischen bei rund 1.000 Projekten erfolgreich zum Einsatz kam, weitgehend erhalten. Es setzt sich aus zehn Kriterien zusammen, die den drei übergeordneten Säulen der Nachhaltigkeit – Ökologie, Ökonomie, Soziales – zugeordnet sind. Anders als bei den DGNB Systemvarianten für Neubau und Sanierung, die die Gebäudesubstanz fokussieren, nimmt das System für Gebäude im Betrieb bei der Bewertung alle gebäudebezogenen Nachhaltigkeitsaspekte in den Blick, die betriebsrelevant, beeinflussbar und optimierbar sind.
Voraussetzung für die Zertifizierbarkeit ist, dass ein Gebäude mindestens ein Jahr in Betrieb ist. Die Gültigkeit des DGNB Zertifikats für Gebäude im Betrieb beträgt drei Jahre. Um diese Gültigkeit um drei weitere Jahre zu verlängern, ist eine Rezertifizierung erforderlich. Über die Umsetzung gezielter Maßnahmen ist es möglich, eine Verbesserung der Auszeichnungsstufe von Bronze, über Silber und Gold bis hin zu Platin zu erreichen. Das System ist für alle Gebäudetypen und Nutzungsarten anwendbar.
Anpassungen bei der Qualifizierung über die DGNB Akademie
Zur Auditierung im Rahmen der DGNB Zertifizierung für Gebäude im Betrieb sowie der Einreichung von Projekten für eine ESG-Verifikation zur EU-Taxonomie im Bereich Erwerb und Eigentum war bislang die Qualifikation als DGNB ESG-Manager erforderlich. Die entsprechende Fortbildung wird ab sofort in zwei separate Schulungen überführt.
Während die Qualifikation zum neu eingeführten DGNB Auditor Gebäude im Betrieb speziell auf die Anwendung des Zertifizierungssystems und die damit verbundene Durchführung der Auditierung zugeschnitten ist, fokussiert die modulare Fortbildung zum DGNB-geprüften Experten zur EU-Taxonomie auf regulatorische Aspekte sowie den Prüf- und Reportingprozess von Taxonomie-Projekten.
Weiterführende Informationen zur DGNB Zertifizierung für Gebäude im Betrieb gibt es online unter www.dgnb.de/gib.
