Energy Storage 2014

Die Rahmenbedingungen für Energiespeicher

Speichertechnologien spielen eine wichtige Rolle bei der Energiewende. Um den Nutzern nicht vorschreiben zu müssen, wann sie wie viel Energie nutzen dürfen, bieten Speicher eine wichtige Möglichkeit, verfügbare Energie zwischenzupuffern. Dem Thema der Energiespeicherung nahm sich die Konferenzmesse „Energy Storage“ an, die vom 25. bis 27. März 2014 in Düsseldorf stattfand.

In seiner Abschlussrede zur diesjährigen Energy Storage-Konferenzmesse erklärte Prof. Dr. Eicke R. Weber, Vorsitzender des Energy Storage-Programmkomitees, Präsident des Bundesverbandes Energiespeicher (BVES) und Leiter des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme: „Der Energiespeichermarkt ist heute in derselben Situation wie die Photovoltaik vor zehn Jahren, nur muss die Entwicklung bei den Speichern wesentlich schneller vorangehen.“ Die Speicherbranche müsse in drei Jahren schaffen, wofür die Photovoltaik zehn Jahre gebraucht habe. Mehr als 850 Experten aus 46 Ländern diskutierten auf der Energy Storage 2014 aktuelle Entwicklungen der Energiespeicherung. Auf einer begleitenden Fachausstellung mit fast 70 Ständen konnten sich die Besucher  vor Ort informieren und konkrete Geschäftsabschlüsse tätigen.

 

In zwei, drei Jahren soweit

Tobias Rothacher von Germany Trade and Invest, geht davon aus, dass der große Durchbruch der Energiespeicher in zwei bis drei Jahren kommen werde, wenn nach Erreichen des atmenden Deckels keine Einspeiseförderung mehr gezahlt werde. „Es ist ein logischer Schritt, dass Photovoltaikanlagenbesitzer dann einen Energiespeicher kaufen, um die erzeugte Energie nicht wegzuwerfen“, erklärte Tobias Rothacher. Er rechnet damit, dass in Deutschland bis 2020 rund 3,8 TWh PV-Strom wirtschaftlich gespeichert werden können. Das würde eine installierte Batteriespeicherkapazität von über 12 GWh erlauben. 

Auch weltweit wird der Anteil der erneuerbaren Energien steigen. Davon geht Frank Wouters, Stellvertretender Generaldirektor der Internationalen Regierungsorganisation für Erneuerbare Energien (IRENA) aus. „Ohne steigende Kosten kann der Anteil der erneuerbare Energien an der weltweiten Energieversorgung bis 2030 36 % erreichen“, meinte er. Im Rahmen der Energy Storage veranstaltete die IRENA einen internationalen Workshop, in dem die zirka 50 Teilnehmer vielversprechende Energiespeicher-Technologien und -Anwendungen herausarbeiten konnten, die in die weltweite IRENA-Technologie-Roadmap für Energiespeicherung einfließen.

Viele Redner forderten die entsprechenden regulatorischen Rahmenbedingungen, um Energiespeichern weltweit zum Durchbruch zu verhelfen. So betonte beispielsweise Dr. Ilja Pawel, Cellstrom GmbH/Gildemeister energy solutions: „Bis Energiespeicher weltweit wirtschaftlich angewendet werden, ist es noch ein langer Weg, aber wir gehen in die richtige Richtung. Dazu brauchen wir auch den richtigen Rechtsrahmen.”  

 

Wirtschaftlichkeit der Speicherung.

Ob sich Energiespeicher wirtschaftlich rechnen, sei sehr komplex und hänge stark von den jeweiligen Bedingungen vor Ort ab, zeigte u.a. Tobias Cossen von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). So berichtete er in der Session „Building the Global Ecosystem for Grid Storage“ beispielsweise von philippinischen Inseln, auf die Diesel zur Energieerzeugung derzeit mit dem Helikopter eingeflogen werden müsse. Eine Photovoltaik-Anlage mit Energiespeicher amortisiere sich hier sehr schnell.

 

Side-Events der Energy Storage

Als Side-Event der Energy Storage fand die 3. Power-to-Gas-Konferenz des Ostbayerischen Technologie-Transfer-Instituts (OTTI e. V.) statt. Hier erklärte Annegret Agricola von der Deutschen Energieagentur (dena) in ihrer Eröffnungsrede: „Power-to-Gas bringt Flexibilität in das Energiesystem. Sie ist eine sehr wichtige Technologie, um die deutschen Klima- und Erneuerbare-Energien-Ziele zu erreichen.“ Sie forderte die Steuerbefreiung von Energiespeichern für Endverbraucher sowie die Anpassung der Gesetze für erneuerbare Kraftstoffe aus Wasserstoff und Synthetic Natural Gas. Die Veranstaltung fand bereits zum dritten Mal statt und hatte mehr als 100 internationale Teilnehmer.

„In der Tat wird diese neue Ära der erneuerbaren Energien nicht in erster Linie durch direkte staatliche Unterstützung, sondern durch private Investitionen vorangetrieben werden. Die Bankability von Erneuerbare-Energien-Projekte hat dazu beigetragen, die notwendigen Mittel einzuwerben, damit diese Projekte realisiert werden können“, erklärte Wilfried Jäger, Hauptgeschäftsführer der VDE Prüf- und Zertifizierungsinstitut GmbH in seiner Eröffnungsrede zur Veranstaltung VDE Financial Dialogue Europe. Sie fand ebenfalls als Side-Event der Energy Storage statt. Obwohl der Energiespeichermarkt noch im Entwicklungsstadium ist, gibt es in der Branche einen starken Antrieb, bestehende Hürden zu überwinden. „Vertreter der Finanzindustrie betonen, dass die heutigen Geschäftsmodelle für Energiespeichersysteme mit Blick auf eine regressfreie Finanzierung noch nicht „bankable“ sind. Es liegt immer noch eine Menge Arbeit vor uns, aber wir können aus anderen Bereichen wie der Photovoltaik lernen, um die gleichen Fehler zu vermeiden und in mancher Hinsicht schneller zu sein“, meinte Matthias Jäger, Leiter Risk Advisory & Services, Allianz Climate Solutions. An der Veranstaltung nahmen mehr als 150 Besucher teil. 

Erstmalig im Rahmen der Energy Storage fand auch der StorageDay der SolarAllianz statt. Acht Referenten präsentierten hier Installateuren und Energieberatern ihre konkreten Speicherlösungen und -produkte zur Erhöhung des Eigenverbrauchs von selbst erzeugtem Ökostrom. Zum Programm gehörten auch ein Vortrag des Start-ups Flyingeyes Germany  sowie ein Kommunikations- und Vertriebstraining der Peter Holzer Unternehmensberatung. Die Veranstaltungstechnik des StorageDays wurde durchweg von einem Speicher – dem Hauskraftwerk S10 von E3/DC – versorgt.

 

Im kommenden Jahr finden die Energy Storage Europe (Conference & Expo) sowie die 4. Power-to-Gas-Konferenz erstmals gemeinsam mit der Internationalen Konferenz zur Speicherung Erneuerbarer Energien (IRES) statt. Vom 9. bis 11. März 2015 treffen sich am Standort Düsseldorf dann weit über 1000 internationale Teilnehmer und fast 100 Aussteller in der begleitenden Fachmesse ( www.ESEexpo.de).

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