Energietransport bei RLT-Anlagen

Vergleich der Medien „Wasser“ und „Luft“

Die Abführung der thermischen Lasten aus den Räumen im Sommer und zum Teil im Winter mittels Klimaanlagen kann zum einen über das Medium „Luft“ und zum anderen über das Medium „Wasser“ erfolgen. Werden die thermischen Lasten nur mit dem Medium „Luft“ transportiert, so sind die Volumenströme hoch, mit dem Medium „Wasser“ dagegen wird der Energietransportaufwand minimiert.

Aufgrund der schlechten thermodynamischen Eigenschaften (Dichte, spezifische Wärmekapazität) der Luft müssen die Volumenströme zur Abfuhr thermischer Lasten in RLT-Anlagen hoch ausfallen. Transportiert man dagegen die thermischen Lasten mit Wasser, werden die Volumenströme wesentlich kleiner. Damit sinkt auch der Energietransportaufwand.

An einem Beispiel wird ein Vergleich einmal mit Luft und einmal mit Wasser für diesen Energietransportaufwand durchgeführt.

Für das Beispiel werden folgende Parameter vereinbart:

abzuführende Raum­kühllast QK = 100 kW
Raumtemperatur tR = 26 °C
keine...
Aufgrund der schlechten thermodynamischen Eigenschaften (Dichte, spezifische Wärmekapazität) der Luft müssen die Volumenströme zur Abfuhr thermischer Lasten in RLT-Anlagen hoch ausfallen. Transportiert man dagegen die thermischen Lasten mit Wasser, werden die Volumenströme wesentlich kleiner. Damit sinkt auch der Energietransportaufwand.

An einem Beispiel wird ein Vergleich einmal mit Luft und einmal mit Wasser für diesen Energietransportaufwand durchgeführt.

Für das Beispiel werden folgende Parameter vereinbart:

abzuführende Raum­kühllast QK = 100 kW
Raumtemperatur tR = 26 °C
keine Entfeuchtungslasten
spezifische Wärmekapa­zität von Luft
cpL = 1,0 kJ/kg K
Dichte der Luft
ρL = 1,2 kg/m3
spezifische Wärmekapa­zität von Wasser
cpW = 4,2 kJ/kg K
Dichte von Wasser
ρW = 1000 kg/m3

Variante 1: „Nur-Luft-System“ mit Zentralgerät im Umluftbetrieb

Zulufttemperatur tzu = 18 °C
Anlagendruckverlust ΔpV-L = 1000 Pa

Der Luftvolumenstrom VL berechnet sich wie folgt:

QK = m x Δ hL = VL x ρL x cpL x (tR – tzu)

Ventilatorantrieb Pe bei η = 0,75:

Anmerkung: In der Klimatechnik wird bei den Druckverlustberechnungen der Anlagennetze die Luft als inkompressibles Fluid gerechnet.

Kanalquerschnitt bei einer Luftgeschwindigkeit von 6 m/s:

A =         =             = 1,74 m2 (Installationsplatzbedarf!)

Variante 2: „Luft-Wasser-System“ mit dezentralen Umluftgeräten mit eingebauten Wasserwärmeübertragern (Fan-Coils)

Zur Verfügung steht Kühlwasser von 12 °C/18 °C. Der luftseitige Druckverlust der Umluftgeräte ΔPV-L = 50 Pa, Ventilatorwirkungsgrad ηV = 0,5. Der wasserseitige Druckverlust des Kühlwassernetzes liegt bei ΔPV-W = 5 mWs (≈ 50 000 Pa), ηW = 0,75.

Ventilatorantriebe:

Pv =                    =                       = 1,042 kW

ΔtL = (tR – tzu) = 8 K (wie in Variante 1)

Pumpenantriebe:

Förderstrom VW =                      =                                        =

0,0040 m3/s (= 14,4 m3/h)

PP =                        =                               = 0,27 kW

Gesamtantrieb P = PV + PP = 1,042 + 0,27 = 1,3 kW

Energietransportfaktor im Vergleich von Variante 1 zu Variante 2:

         =            = ca. 10fach

Dieser ermittelte Faktor hängt natürlich sehr stark von den Daten in einem konkreten Beispiel ab.

Würde man z. B. die Raumkühllast über eine Kühldecke (stille Kühlung) abführen, so entfielen die Fan-Coil-Ventilatoren-Antriebe und die Temperaturdifferenz des Kühlwassers vom Vor- und Rücklauf wäre anstelle von 6 K dann 3 K:

VW = 0,0080 m3/s und PP = 0,53 kW, so dass der Energietransportfaktor

=              = ca. 26fach wäre.

Transportiert man die thermischen Lasten mit der Variante „Umluft-Kältemittel-System“ aus dem Raum mit den Split-, Multisplit- bzw. VRF-Systemen, so wird zusätzlich die Verdampfungsenthalpie des Kältemittels genutzt. Hierdurch lassen sich gegenüber dem Medium, Wasser noch einmal die Volumenströme und damit die benötigten Installationsräume reduzieren und somit auch den Energietransportaufwand.

Man unterscheidet in der RLT-Technik bezüglich des Energietransports zwei Hauptgebiete:

a) geschieht die Lastabfuhr über den Luftvolumenstrom, so handelt es sich um so genannte „Nur-Luft-Anlagen“.

und

b) erfolgt einen Trennung der Aufgaben:

einmal die Außenluftversorgung, Abfuhr der Feuchtelasten

und

zum anderen die thermische Lastabfuhr mit dem Medium Wasser, so handelt es sich um „Luft-Wasser-Anlagen“

und

c) wie oben genannt jedoch Abführung der thermischen Lasten mit dem Medium Kältemittel so handelt es sich um „Luft-Kältemittel-Anlagen“.

Bei den heutigen Klimaanlagen im Komfortbereich (Humanklimatisierung) zeichnet sich folgender Trend ab:

Zentrale Außenluftversorgung für die Personen (ca. zwei- bis dreifacher Frischluftwechsel) mit isothermer Zulufteinbringung bzw. im Sommer ggf. mit Untertemperatur zur Raumtemperatur.
Dezentrale Abführung der Wärmelasten: Nachdem die internen Wärmelasten heute in der Regel (bei Betrieb) oft die Raumheizung abdecken, ist nur bei Betriebsstillstand eine statische Heizung erforderlich.

Quelle:

[1] Vorlesungsskript „Klimasystemtechnik“ an der ESak-Maintal

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