Lufttechnik oder Lüftungstechnik?
Mehr als eine DefinitionssacheWie heißt es richtig: Lufttechnik oder Lüftungstechnik? Ist der Begriff Lufttechnik noch zeitgemäß? Welche Aufgaben hat eine Lüftungsanlage? Der Beitrag ist ein Plädoyer für eine präzisere Verwendung von Fachbegriffen.
In DIN 1946 Teil 1 [1] wird in einer Übersicht der Oberbegriff „Lufttechnik“ verwendet. Es ist jedoch heute kaum mehr nachvollziehbar, weshalb und wann dieser Begriff in der Normung und Fachliteratur eingeführt wurde. Es ist zu vermuten, dass es sich um den Versuch handelt, die Raumlufttechnik von anderen Lüftungssystemen, insbesondere in Prozessen, abzugrenzen.
In Wikipedia steht zu lesen: „Die Lufttechnik dient der Versorgung bestimmter Bereiche mit Luft. Nach diesen Bereichen erfolgt eine Gliederung in Raumlufttechnik (RLT) und Prozesslufttechnik. Während die Prozesslufttechnik ganz...
In DIN 1946 Teil 1 [1] wird in einer Übersicht der Oberbegriff „Lufttechnik“ verwendet. Es ist jedoch heute kaum mehr nachvollziehbar, weshalb und wann dieser Begriff in der Normung und Fachliteratur eingeführt wurde. Es ist zu vermuten, dass es sich um den Versuch handelt, die Raumlufttechnik von anderen Lüftungssystemen, insbesondere in Prozessen, abzugrenzen.
In Wikipedia steht zu lesen: „Die Lufttechnik dient der Versorgung bestimmter Bereiche mit Luft. Nach diesen Bereichen erfolgt eine Gliederung in Raumlufttechnik (RLT) und Prozesslufttechnik. Während die Prozesslufttechnik ganz allgemein in Absaugung, Abscheidung, Trocknung und Förderung unterteilt wird, gliedert man die Raumlufttechnik in Freie Lüftungssysteme und Raumlufttechnische Anlagen oder in RLT-Anlagen mit Lüftungsfunktion und RLT-Anlagen ohne Lüftungsfunktion.“ (Bild 1 nach [1]).
Bei der Prozesslufttechnik steht der maschinelle Arbeitsprozess im Vordergrund. Es gibt aber auch prozesslufttechnische Anlagen mit weiterführenden Aufgaben.
Nach Wikipedia: „Eine Lüftungsanlage ist eine technische Einrichtung, um Wohn-, Büro- und Betriebsräumen Außenluft zuzuführen bzw. „verbrauchte“ oder hieraus belastete Abluft abzuführen. Je nach Anwendungsfall gibt es Anlagen mit kontrollierter Zuluft (Zuluftanlage), kontrollierter Abluft (Abluftanlage) oder kombinierte Zu- und Abluftanlagen. Eine Lüftungsanlage ist eine an den Baukörper angepasste technische Einrichtung, die notwendige Luftleistung wird bedarfsabhängig ermittelt. Der Oberbegriff Raumlufttechnische Anlage umfasst neben Lüftungsanlagen, die der Zuführung von Frischluft dienen, auch reine Umluftanlagen.“
Bisher wurde sich in der Lüftungs- und Klimabranche ausschließlich mit der Problematik der Raumlufttechnik im Sinn der Gewährleistung von hygienischen und technologischen Randbedingungen in Räumen und Gebäuden auseinandergesetzt. Dabei entstanden unterschiedliche Definitionen [2] und strukturelle Darstellungen [3], [4], [5] u.a. Bild 2.
Die Problematik der Prozesslufttechnik wurde in der Vergangenheit selten einer Betrachtung und Systematisierung unterzogen.
Energieeffizienz in der Lüftungstechnik
Im Rahmen der europäischen Normung zur Energieeffizienz von Gebäuden [6], d.h. Wohn- und Nichtwohngebäuden, erfolgte eine neue Definition der Anlagentypen der Lüftungsanlagen (Bild 3). Sie schließt neben der freien (natürlichen) Lüftung und der mechanischen (ventilatorgestützten) Lüftung auch die hybride Lüftung mit ein.
Bemerkenswert ist, dass die Betonung auf „Ventilator“ liegt, d.h. dem Förderaggregat, welches im Wesentlichen für den Energieverbrauch und dessen Energieeffizienz verantwortlich zeichnet.
Die Bezeichnungen „unidirektional“ und „bidirektional“ sind gewöhnungsbedürftig und wahrscheinlich aus der Übersetzung aus der englischen Fassung entstanden. Die Arten von Lüftungs- und Klimaanlagen und Raumkühlsystemen, funktionsabhängig, sind in Bild 4 nach [6] tabellarisch erfasst.
Die Darstellung in Bild 3 in Verbindung mit Tabelle 1 ist als eine aktuelle Variante zur Definition der Lüftung im Sinn der Gewährleistung von hygienischen und technologischen Randbedingungen in Räumen zu werten.
Die Interpretation nach Anlagentypen schließt nach Ansicht des Autors auch die bisher nicht betrachtete „Prozesslufttechnik“ mit ein.
Erweitert man Bild 3 durch den Aspekt „ventilatorgestützte Umluft-Lüftungsanlage“ (Bild 4), so sind auch Anlagenlösungen mit Umluft in technologischen Einrichtungen und Geräten erfasst. Auch hier liegt das Augenmerk auf der Energieeffizienz des Ventilators.
Schlussfolgerungen
Literatur
[1] DIN 1946, T1: Terminologie und graphische Symbole (VDI-Lüftungsregeln), 10/1988, Beuth-Verlag GmbH, Berlin [2] VDI 4700: Begriffe der Technischen Gebäudeausrüstung mit Hinweisen zur Gestaltung von Benennungen und Definitionen, 10/2015, Beuth-Verlag GmbH, Berlin [3] Trogisch, A.: DIN EN 16789 – insbesondere Teil 3 als Ersatz für DIN EN 13779 – impliziert neue Definitionen für die „Klimaanlage“, 2016, KI – Kälte-, Luft- und Klimatechnik, H. 6/7, Hüthig-Verlag GmbH, Heidelberg [4] Trogisch, A.: Definition des Begriffs „Klimaanlage“, 2013, H. 11, S. 28–33. Ki – Kälte-, Luft- und Klimatechnik, Hüthig-Verlag, Heidelberg [5] Trogisch, A.; Reichel, M.: Planungshilfen Lüftungstechnik, 6. überarb. u. erweit. Auflage, 12/2017, VDE Verlag Berlin [6] DIN EN 16798-3: Energieeffizienz von Gebäuden –Teil 3: Lüftung von Nichtwohngebäuden – Anforderungen an die Leistung von Lüftungs- und Klimaanlagen und Raumkühlsystemen; Deutsche Fassung, 11/20175; Beuth-Verlag GmbH, BerlinJetzt Artikel freischalten:
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