Einsatz unter Denkmalschutzvorgaben
Klimatechnik für Planetarium BochumSchon von außen beeindruckt das große Kuppeldach des Bochumer Planetariums. Faszinierend, was sich erst in seinem Innenraum abspielt. Täglich machen sich hier rund 700 Besucher ein Bild von den Sternen. Und zwar bei bester Luftqualität. Ein maßgeschneidertes Komfortklimagerät, das im Rahmen einer Sanierung zum Einsatz kam, ermöglicht eine Qualitätsverbesserung in dem denkmalgeschützten Gebäude.
Doch das Raumklima entsprach bis zum vergangenen Sommer diesem Anspruch nicht immer. „Unter der Kuppel des Planetariums kann es unerträglich werden vor Hitze“, berichteten die Ruhrnachrichten im August 2013. Eine Klimaanlage fehlte. Planetariumschefin Prof. Dr. Susanne Hüttemeister und der technische Leiter Helmut Schüttemeier haben an heißen Tagen sogar den Besuchern mit Fächern und kostenlosem Wasser ausgeholfen. Zwar habe es laut Frau Dr. Hüttemeister eine Lüftung gegeben, aber die habe nur noch zur erhöhten Luftfeuchtigkeit beigetragen.
Herausforderung Denkmalschutz
Die Planer stellte die Klimatisierung des Projektionssaals vor eine doppelte Herausforderung: Die deutliche Verbesserung der Luftqualität musste komplett ohne bauverändernde Maßnahmen auskommen. Dem denkmalgeschützten Gebäude steht ein beengter Technikraum zur Verfügung. Hier sollte das neue Klimagerät Platz finden.
Die passende Lösung erarbeitete das Ingenieurbüro ITG, Bochum, gemeinsam mit der Firma Menerga aus Mülheim an der Ruhr.
Konkret galt es, im Besucherraum die Raumtemperatur konstant zwischen 22 und 26 °C zu halten. Dafür musste die Außenlufttemperatur nach Angaben des Planungsbüros auf 18 °C Zulufttemperatur abgesenkt werden. Eine Kältemaschine war jedoch nicht vorhanden und konnte auch aus Platzgründen nirgendwo aufgestellt werden.
Die Wahl fiel auf ein Komfortklimagerät des Typs „Adsolair 581301“. Die Anlage arbeitet mit einer hocheffizienten Wärmerückgewinnung über rekuperative Doppelplatten-Wärmeübertrager. So kann heute ein Temperaturwirkungsgrad von 76 % im Winter und 88 % im Sommer erzielt werden.
In den warmen Monaten wird mittels indirekter, adiabater Verdunstungskühlung mit Wasser, ohne Einsatz von zusätzlicher Energie eine Temperaturabsenkung der Außenluft von 34 °C auf 22 °C Zuluft ermöglicht. Für die eventuell notwendige weitere Abkühlung der Zuluft und Entfeuchtung der Luft an schwülen Tagen ist die Anlage mit einer integrierten Kompressionskälteanlage ausgestattet.
Die Gesamtleistungszahl der Kälteerzeugung liegt im Kombinationsbetrieb von „adiabater“ Verdunstungskühlung und Kompressionskälteanlage bei einem EER-Wert von 16,2.
Die Luftmenge wird in Abhängigkeit der Besucherzahl über eine Druckkonstantregelung im Zu- und Abluftkanal nach Bedarf gesteuert. Der maximale Luftvolumenstrom liegt bei 10 900 m3/h mit einem maximalen Außenluftanteil von 100 % – geregelt über Luftqualitätsfühler (CO2-geführt).
Besondere Konstruktion
Die Abgabe der Zuluft in den Besucherraum des Planetariums erfolgt über eine besondere Konstruktion: Die innere Kuppelverkleidung aus Aluminium dient als Auslass. Das Material wurde mit äußerst kleinen und somit für die Besucher unsichtbaren Öffnungen versehen, aus denen die Zuluft in den Raum dringt.
Das gelingt, indem ein Überdruck an Zuluft im Raum zwischen Kuppeldach und Kuppelverkleidung erzeugt wird. Dadurch, dass im Saal ein Unterdruck herrscht, drückt sich die abgegebene Zuluft automatisch durch die kleinen Öffnungen.
Die Abluft wird anschließend durch Schlitzauslässe unter den Sitzen wieder abgesaugt.
„Das System ist eher untypisch“, erklärt Helmut Schüttemeier, „weil normalerweise ja die Zuluft von unten in den Raum gegeben und von oben wieder herausgeführt wird. Das entspricht auch eher den physikalischen Grundsätzen. Dass wir es genau anders herum machen, hat für uns jedoch einen entscheidenden Vorteil. Die kleinen Öffnungen in der Projektionsfläche setzen sich nicht mit Staub zu, was aber durchaus passieren könnte, wenn die Luft von oben angesaugt würde.“
Übergreifende GLT
Das neue Lüftungs- und Klimasystem im Planetarium Bochum ist mittels BACnet auf die zentrale Gebäudeleittechnik aufgeschaltet und wird dort überwacht und ausgewertet. Aufgrund der eigenen Mess- und Regeltechnik der Menerga-Anlage erfolgt immer ein bedarfsgerechter Luftaustausch.
Sensoren ermitteln permanent die entsprechenden Werte und regeln die Leistung der Anlagen. Durch die individuelle Anforderung der Leistung werden Ventilatorenleistungen und somit der Energieeinsatz gering gehalten.
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