Der Weg zum Fettabscheider

Die Zuleitungen richtig auslegen

Die Gestaltung von Zulauf- und Lüftungsleitungen im Bereich von Fettabscheidern unterliegt in erster Linie der DIN EN 1825-2 sowie der DIN 1986-100. Die besonderen Bestimmungen begründen sich vor allem durch die hohe Belastung, denen diese Leitungen aufgrund des Fettgehalts des Abwassers ausgesetzt sind.

Durch die chemischen Auswirkungen der Fette und sonstigen Bestandteile einerseits, und durch das Risiko von Ablagerungen andererseits, muss besonderer Wert auf die Gestaltung von Zulauf- und Lüftungsleitungen von Fettabscheidern gelegt werden. Dabei ist zu bedenken, dass Ablagerungen das Rohr nicht nur mechanisch belasten, sondern auch eine Vervielfachung der chemischen Angriffe verursachen.

Grundsätzlich sollten die Abscheideranlagen so nahe wie möglich an der „Quelle“ des fetthaltigen Abwassers platziert werden, um die Zuleitung möglichst kurz zu halten. Um eine ausreichende...

Durch die chemischen Auswirkungen der Fette und sonstigen Bestandteile einerseits, und durch das Risiko von Ablagerungen andererseits, muss besonderer Wert auf die Gestaltung von Zulauf- und Lüftungsleitungen von Fettabscheidern gelegt werden. Dabei ist zu bedenken, dass Ablagerungen das Rohr nicht nur mechanisch belasten, sondern auch eine Vervielfachung der chemischen Angriffe verursachen.

Grundsätzlich sollten die Abscheideranlagen so nahe wie möglich an der „Quelle“ des fetthaltigen Abwassers platziert werden, um die Zuleitung möglichst kurz zu halten. Um eine ausreichende Fließgeschwindigkeit und Selbstreinigung der Leitung zu erzielen, ist das Abwasser der Abscheideranlage für Fette im freien Gefälle von mindestens 2 % bzw. 1 : 50 zuzuführen. Wenn das Mindestgefälle aus baulichen Gründen nicht eingehalten werden kann, und/oder die Zuleitung recht lang sein muss, kann unter Umständen eine Wärme-isolierung von Nöten sein, um Fettanlagerungen zu verhindern. Eine solch ungünstige Leitungsführung sollte aber unbedingt die Ausnahme bleiben!

Der Übergang von einer Fallleitung in eine liegende Leitung erfolgt am besten mit einem Doppelbogen mit 250 mm Beruhigungsstrecke oder alternativ mit einem entsprechenden Rohrstück zwischen zwei 45°-Bögen. Nach dem Übergang auf die liegende Leitung muss vor dem Anschluss an den Fettabscheider eine weitere Beruhigungsstrecke vorgesehen werden, die mindestens das Zehnfache der Nennweite am Zulauf zum Fettabscheider lang ist, bei DN 100 also 1000 mm. Dies ist erforderlich, um übergroße Verwirbelungen von Wasser und Fett zu vermeiden, die die Effizienz des Fettabscheiders beeinträchtigen würden.

Der Schmutzwasserabfluss QS in der Zulaufleitung zum Fettabscheider wird gemäß Anhang A der DIN EN 1825-2 errechnet; die Dimensionierung der Leitung erfolgt dann nach DIN 1986-100 für einen Füllungsgrad von 50 %.

Ausreichend viele und gut platzierte Reinigungsöffnungen und Entlüftungen sind bei der Zuleitung zum Fettabscheider ein absolutes Muss. Die Zulaufleitung ist laut DIN EN 1825-2 grundsätzlich über Dach zu entlüften, genauso wie jede einzelne Anschlussleitung über 5 m Länge. Wenn die Zulaufleitung auf den letzten 10 m vor dem Fettabscheider keine solchen entlüfteten Anschlussleitungen hat, muss so nah wie möglich am Abscheider nochmals eine Lüftungsleitung integriert werden. Laut DIN 1986-100 dürfen die verschiedenen Lüftungsleitungen der Zuleitung und gegebenenfalls des Abscheiders selbst zu einer Sammellüftung zusammengeführt werden; Lüftungsleitungen anderer Abflussleitungen oder die der dem Abscheider nachgeschalteten Hebeanlage dürfen hier jedoch nicht mit angeschlossen werden. Die Dimensionierung der Sammellüftung erfolgt nach DIN 1986-100, Abschnitt 14.1.6.2.

Zu den Reinigungsöffnungen geben die Normen keine speziellen Regelungen für fetthaltige Abwässer vor; jedoch sollte hier auf keinen Fall gespart werden, damit die Leitung im Bedarfsfall schnell inspiziert oder gereinigt werden kann. Die Angaben in DIN 1986-100, Abschnitt 6.6, (z. B. alle 20 m in Grund- und Sammelleitungen) sind als das absolute Minimum und nicht als Richtwert zu sehen.

Der informative Anhang D der DIN EN 1825-2 gibt Empfehlungen, wo Wärmedämmungen oder sogar Begleitheizungen unter Umständen sinnvoll sind, um Fettanlagerungen zu verhindern. So können Wärme­dämmungen erforderlich sein, wenn Leitungen, vor allem längere Leitungen, durch kühle Kellerräume geführt werden; bei frostgefährdeten Gebäudeteilen ist sogar eine Begleitheizung mit Dämmung denkbar. Das Problem ist die Interpretation dieses Anhangs, da die Länge von „längeren Leitungen“ und die genauen Bedingungen, unter welchen Isolierungen und Heizungen erforderlich sein können, nicht näher definiert werden.

Rohrbegleitheizungen sind mit Sicherheit bei frostgefährdeten Leitungsteilen zu empfehlen. Zur Energieeinsparung werden nach Anhang D der DIN EN 1825-2 ein Thermostat (Regelbereich zwischen 25 und 40 °C) und eine Zeitschaltuhr dringend empfohlen. Darüber hinaus sollten aber auch die hohen Montage-, Betriebs- und Reparaturkosten einer Rohrbegleitheizung in die Überlegungen mit einbezogen werden. Rücksprache mit dem Hersteller von Rohrbegleitheizungen ist anzuraten.

Bei nicht frostgefährdeten Leitungen sollte die Notwendigkeit von Isolierungen genau geprüft werden. Hohe Abwassertemperaturen im Fettabscheider beeinträchtigen dessen Abscheidewirkung. So ist bei der Auslegung des Fettabscheiders bei Schmutzwassertemperaturen am Einlauf bis 60 °C der Temperaturfaktor ft = 1 zu berücksichtigen, während bei ständig oder gelegentlich höheren Temperaturen als 60 °C der Faktor ft = 1,3 anzusetzen ist. Insofern ist eine gewisse Abkühlung des häufig heißen Abwassers durchaus wünschenswert.

Bei einer 50 m langen liegenden Leitung in DN 100 hat das Abwasser bei 2 % Gefälle und 50 % Füllungsgrad eine Fließgeschwindigkeit von 1 m/s, benötigt also nur 50 s von der Ablaufstelle zum Fettabscheider. Dies sollte man sich bei der Überlegung zur Notwendigkeit von Wärmedämmungen vor Augen halten. Eine allgemein gültige Empfehlung kann leider nicht abgegeben werden, da natürlich aufgrund der individuell unterschiedlichen Temperaturbedingungen (Abwasser und Umgebung) und Leitungsführungen jeder Einzelfall gesondert geprüft werden muss.

Über die Wahl des Materials bei der Zuleitung zum Fettabscheider und deren Entlüftung sagt die DIN EN 1825-2 nichts. Interessant sind aber einige der Faktoren, die auf die Wahl des Fettabscheiders Einfluss haben:

ft, der Erschwernisfaktor in Abhängigkeit von der Temperatur im Zufluss,

fd, der Dichtefaktor der Fette oder Öle und fr, der Erschwernisfaktor für den Einfluss von Spül- und Reinigungsmitteln.

Bei der Funktion des Fettabscheiders wirken sich diese Faktoren vor allem mechanisch auf die Abscheidung der Fette vom Wasser aus. Aber allein schon die Nennung solcher Faktoren sollten den Planer und den Verleger für die besondere chemische Zusammensetzung fetthaltiger Abwässer sensibilisieren. Es ist einzusehen, dass diese Faktoren auch Einfluss auf die Rohrmaterialwahl haben müssen. Die DIN 1986 Teil 4 unterscheidet nach „häuslichem Schmutzwasser einschließlich Niederschlagswasser“ und „anderem Abwasser“, wobei bei „anderem Abwasser“ im Einzelfall nachgewiesen werden muss, dass die Abwasserrohre und -formstücke anwendbar sind. Nachdem man sich mit dem Thema beschäftig hat, ist klar, dass fetthaltige Abwässer definitiv in die Kategorie „anderes Abwasser“ fallen. Die Materialwahl ist daher im Idealfall auf eine Herstellerempfehlung zu basieren.

Bei Kunststoffrohrsystemen z. B. aus PE-HD besteht die Problematik der Fettleitung im Zusammentreffen von hohen Abwassertemperaturen und der häufig vorgesehenen Erdverlegung, da die statische Belastbarkeit dieser Abflussrohrsysteme bei höheren Abwassertemperaturen stark abnimmt. Daher bieten sich vor allem gusseiserne Abflussrohrsysteme für die Fettleitung an.

Allerdings ist die Standardvariante „SML“ für diesen Anwendungsfall nicht geeignet. Die Hersteller empfehlen für die Fettleitung schon seit Jahren den Beschichtungstyp „K“

Beim Hersteller Düker beispielsweise ist seit diesem Jahr die verbesserte Version „Düker MLK-protec“ im Programm, die aufgrund modernster Beschichtungstechnologien und des neuen Schnittkantenschutzes „Düker pro-cut“-Band den Sicherheitsspielraum im Vergleich zum bisherigen „MLK“ weiter erhöht. Bei den Gummimanschetten der Verbinder wird als Faustregel EPDM (Standard) bei überwiegend pflanzlichen Fetten und NBR (Sonderausführung) bei überwiegend tierischen Fetten empfohlen.

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