Der Ruhr Tower in Essen
Quasi-Neubau unter DenkmalschutzDer Ruhr Tower (ursprünglich als Rheinstahl-Hochhaus errichtet, später Thyssen und ThyssenKrupp) gehört zu den ersten, nach dem Zweiten Weltkrieg in Essen errichteten Hochhäusern. Es steht im Stadtteil Südviertel und steht seit 2015 unter Denkmalschutz. Nach dem Verkauf des Gebäudekomplexes durch ThyssenKrupp an die Fakt AG wurde dieser umfassend saniert und zunächst als Fakt Tower vermarktet.
Architektur – Geschichte – Historie
In der Zeit des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg plante die Stadt Essen, den Stadtkern ohne Hochhäuser zu belassen. So wurden Randbereiche südlich der Innenstadt für Verwaltungsbauten und entsprechende Hochhäuser ausgewiesen. Bald sprach man von einem Hochhausgürtel, der Essen als Metropole des Ruhrgebiets darstellen sollte. Später gehörten die RWE-Gebäude und das Postscheckamt dazu. Zunächst fand 1956 ein Wettbewerb zwischen zehn Architekten statt, die den Sitz des Stahlkonzerns Rheinstahl entwerfen sollten. Der Dortmunder Architekt Albert Peter...
Architektur – Geschichte – Historie
In der Zeit des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg plante die Stadt Essen, den Stadtkern ohne Hochhäuser zu belassen. So wurden Randbereiche südlich der Innenstadt für Verwaltungsbauten und entsprechende Hochhäuser ausgewiesen. Bald sprach man von einem Hochhausgürtel, der Essen als Metropole des Ruhrgebiets darstellen sollte. Später gehörten die RWE-Gebäude und das Postscheckamt dazu. Zunächst fand 1956 ein Wettbewerb zwischen zehn Architekten statt, die den Sitz des Stahlkonzerns Rheinstahl entwerfen sollten. Der Dortmunder Architekt Albert Peter Kleinwort erhielt den Zuschlag und war federführend bei Entwurf und Bauausführung.
Zur endgültigen Planung und Ausführung wurde auch der Architekt Hanns Dustmann hinzugezogen. Am heutigen Standort wurde daraufhin eines der ersten Hochhäuser der Stadt Essen mit 22 Stockwerken und etwa 16.000 m2 Bürofläche errichtet.
Das Rheinstahl-Hochhaus wurde mit Betonpfählen mit dem Felsgrund verbunden und besitzt ein torsionssteifes Hohlkasten-Fundament. Damit wirkte man möglichen Bergschäden entgegen, denn man vermutete, wie in vielen Bereichen im Stadtgebiet, alte Kohleflöze, die möglicherweise nicht richtig verfüllt worden sein könnten.
1958 begannen die Arbeiten zunächst mit der Errichtung einer Großgarage mit Wendelrampe. Zudem gab es eine Tankstelle, eine Waschanlage und eine Werkstatt.
Die Grundsteinlegung für das Hochhaus im Stil der Nachkriegsmoderne fand im Oktober 1959 statt. Im Mai 1961 war das 76,9 m hohe Rheinstahl-Hochhaus mit 22 Etagen und drei Kellergeschossen bezugsfertig und wurde der Rheinstahl-AG übergeben. Das Stahlskelett besitzt einen inneren Stahlbetonkern, in dem sich die Fahrstühle und Treppenhäuser befinden. Das überhöhte EG besitzt große Fensterflächen und den Haupteingang mit Flugdach. Die ersten 18 Etagen sind für Büros konzipiert worden. In der 19. Etage folgen vier Sitzungssäle und darüber, im 20. OG, der Speisesaal. In der obersten, der 22. Etage, befinden sich das Kasino und die Küche.
1963 kam ein siebenstöckiger Verwaltungsbau hinzu. 1964 kam eine Verbindungsbrücke zwischen Hochhaus und dem siebengeschossigen Vorbau hinzu.
Die Fakt Tower GmbH & Co. KG hat das ehemalige Bürogebäude von ThyssenKrupp in Essen 2015 erworben und ließ es umfangreich sanieren. Im ersten Schritt wurde ab dem 2. Quartal 2016 mit der Renovierung der Fassade begonnen. Zunächst wurde die Fassade des neunstöckigen Vorbaus erneuert, bis Ende des Jahres 2017 auch die Fassade des 25-geschossigen und rund 80 m hohen Gebäudes saniert.
Die Gebäude erhielten eine neue Fassade aus Glas, Stahl und Aluminium, die unter energetischen Gesichtspunkten und den Bestimmungen des Denkmalschutzes ausgewählt wurden.
Zeitgleich mit den äußerlichen Umbaumaßnahmen, wurde das Innere des Gebäudekomplexes in das neue Nutzungskonzept überführt. Dafür wurden die Versorgungsleitungen erneuert, die Büros neu zugeschnitten und individuell für künftige Nutzer angepasst. Nur das Foyer sollte unverändert bleiben. So entstanden auf ca. 20.000 m² (Hochhaus + Vorbau) hochwertige und energetisch moderne Büros.
Die Gebäudegruppe als Ganzes steht mit den zeitgleich entstandenen Freiflächen aufgrund ihrer architekturhistorischen und städtebaulichen Bedeutung seit 2015 unter Denkmalschutz.
Ziel der Baumaßnahme des neuen Eigentümers war die immobilienwirtschaftliche Revitalisierung des Gebäudekomplexes. Schwerpunkte bildeten dabei Hochhaus und Vorbau (Haus 1 und 3). Im Mittelpunkt standen insbesondere die denkmalschutzkonforme Erneuerung der Fassaden, die Schadstoffsanierung, die brandschutztechnische Ertüchtigung der Bausubstanz sowie die Erneuerung der technischen Gebäudeausrüstung.
Das Gebäudeensemble ist ein Denkmal im Sinne des §2 DSchG NRW und umfasst die dreiteilige Gebäudegruppe (Hochhaus, Hochgarage und Vorbau) als Ganzes in Substanz und Erscheinungsbild sowie die umgebenden Freiflächen aus der Bauphase.
Fassade
Zentrale Bestandteile des Denkmalumfangs sind die Gestaltung der Außenfassade in Substanz und Erscheinungsbild in der Fernwirkung sowie das baukonstruktive Gerüst, der Treppenhauskern mit den Aufzügen.
Aufgrund einer fast vollständigen Kernsanierung handelt es sich quasi um einen Neubau. Besonderes Augenmerk galt der neuen Fassade, die der Maxime „Green Buildings“ gerecht wird. Durch die neue Konstruktion, die in Zusammenarbeit mit dem Institut für Denkmalschutz und Denkmalpflege der Stadt Essen abgestimmt wurde, wurde der Energiebedarf auf 119 kW/m² pro Jahr gesenkt und liegt damit weit unter den vorgeschrieben 249 kW/m² pro Jahr der neuen EnEV.
Erhalten bleiben im Haus 1 und Haus 3 die Fassadenprofile und die Bauteile der Stahlbetonkerne bis auf die Ertüchtigungen der Brandschutztüren.
Die neue Glasfassade übernimmt die Gliederung der Bestandsfassade mit ihrer vertikalen Betonung der Stützenachsen mit einem eloxierten Aluminiumprofil sowie dazwischen gespannten vierteiligen Fassadenelementen.
Auch die verschiedenen Geschoßhöhen, die Regelgeschosse und die Etagen wurden wieder entsprechend dem Bestand ausgeführt. Die neue Pfosten-Riegel-Fassade aus Aluminiumprofilen erhält eine Dreifachverglasung und Brüstungselemente aus Aluminiumblech.
Erschließung
Trinkwasser-, Abwasser- und Fernwärmeseitig waren das Haus 1 und 3 bereits erschlossen. Im Zuge der Sanierung der Außenfassade sowie der lüftungstechnischen Anlagen sinkt der erforderliche Wärmebedarf wodurch der Fernwärmeanschluss reduziert werden konnte.
Technische Anlagen
Abwasser-, Wasseranlagen
im Hochhaus
Auf Grund brandschutztechnischer Mängel (fehlende Brandschottungen bei Querung von Wänden und Decken mit Brandschutzanforderung), dem Zustand des Trinkwassernetzes (Alter, stagnierendes Wasser – Totleitungen) wurde eine komplette Überprüfung des Trinkwassernetzes vorgenommen. Alle Trinkwasserleitungen wurden im Zuge der Sanierung ausgetauscht und nach aktuellen Normen und Richtlinien der Trinkwasserverordnung sowie den gesetzlichen Vorschriften in Bezug auf den Brandschutz neu installiert.
Das vorgefunden Konzept der Trinkwasserversorgung wurde weitestgehend beibehalten. Mittels zweier TW-Druckerhöhungsanlagen wird das Hochhaus mit Trinkwasser versorgt. Die Verteilung innerhalb des Gebäudes erfolgt über vier Steigetrassen die in drei Druckzonen unterteilt sind. Im Zuge der Sanierung des Trinkwassernetzes wurden die Druckerhöhungsanlagen überprüft und überholt bzw. erneuert.
Die zentralen WC-Räume innerhalb der Geschosse, mit Ausnahme der WC-Anlage im EG, wurden komplett saniert. Die WC-Vorräume erhielten Waschtische aus Sanitärporzellan mit Kristallspiegel, Seifen- und Faltpapierspender und Papierkorb. Die Warmwasserversorgung erfolgt über dezentrale Kleindurchlauferhitzer bzw. 5-l-Boiler unterhalb der Waschtische. Das Herren-WC erhielt zusätzlich zwei Urinale mit Druckspüler.
Innerhalb der Mietfläche wird ein Trinkanschluss (kalt) sowie Abwasseranschluss zur Versorgung einer Teeküche mit Geschirrspüler vorgehalten. Zur Verbrauchserfassung wurden Passstücke zum Einbau von Mietzählern installiert.
Die Ableitung des Schmutzwassers innerhalb des Gebäudes erfolgt über das neu verlegte Abwassersystem. Hierbei wurde ebenfalls nach aktuellen Normen und Richtlinien sowie den gesetzlichen Vorschriften in Bezug auf den Brandschutz neu installiert.
Die in den Ebenen U1 und U2 befindlichen Grundleitungen werden weitergenutzt. Die Prüfung durch Kamera-Fahrten ergaben die Erkenntnis das defekte Grundleitungsabschnitte saniert werden mussten, was gegen Ende der gesamten Baumaßnahme auch durchgeführt wurde.
Auf Grund brandschutztechnischer Mängel im Vorbau (fehlende Brandschottungen bei Querung von Wänden und Decken mit Brandschutzanforderung), dem Zustand des Trinkwassernetzes (Alter, stagnierendes Wasser – Totleitungen) wurde eine komplette Überprüfung des Trinkwassernetzes durchgeführt. Alle Trinkwasserleitungen wurden im Zuge der Sanierung ausgetauscht und nach aktuellen Normen und Richtlinien der Trinkwasserverordnung sowie den gesetzlichen Vorschriften in Bezug auf den Brandschutz neu installiert.
Die zentralen WC-Räume innerhalb der Geschosse wurden komplett saniert (siehe Haus 1).
Je Ebene wird ein Trinkwasseranschluss (kalt) sowie Abwasseranschluss zur Versorgung einer Teeküche mit Geschirrspüler vorgehalten. Zur Verbrauchserfassung werden Passstück zum Einbau von Mietzählern vorgesehen.
Die Ableitung des Schmutzwassers innerhalb des Gebäudes erfolgt über das neu verlegte Abwassersystem. Hierbei wurde ebenfalls nach aktuellen Normen und Richtlinien sowie den gesetzlichen Vorschriften in Bezug auf den Brandschutz neu installiert.
Wärmeversorgungsanlagen Hochhaus
Die Wärmeversorgung von Haus 1 bis 3 erfolgt über den vorhandenen Fernwärmeanschluss. Die Wärmeübertrager-Station wurde gegen eine neue Wärmeübertrager-Station ausgetauscht. Die Anpassung war unter den neuen Anforderungen, die viel geringer als vor der Sanierung waren, erforderlich.
Auf Grund des maroden Zustands der Bestands-Verteileranlagen wurde die Heizungsverteilung neu geplant. Auch das Wärmeverteilnetz wurde entsprechend überarbeitet. Beides, die Verteileranlagen sowie die Wärme-, Kälteverteilnetze wurden zu „Change over“-Systemen neu im Gebäude installiert.
Für die Beheizung des Gebäudes existieren folgende Heizkreise:
Der nach überschlägiger Berechnung ermittelte Heizwärmebedarf beträgt ca. 700 kW.
Die Festlegung der Raumtemperaturen erfolgte unter Berücksichtigung der DIN EN 12831 bzw. der AMEV sowie der Abstimmung mit dem Bauherrn.
Lufttechnische Anlagen Hochhaus
Zur Sicherstellung des hygienischen Luftwechsels erhalten die Büroflächen dezentrale Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung. Die je Mietbereich ausgeführten Lüftungsgeräte wurden im Deckenbereich der Teeküche bzw. Lager- und Archivräume installiert. Der zur Dimensionierung der Lüftungsgeräte erforderliche Luftwechsel (Außenluft) wurde auf 5 m³/(m²/h) begrenzt. Die Außenluftansaugung sowie Fortluftabführung erfolgt über in die Fassade integrierte Wetterschutzgitter. Zur Vorkonditionierung der Zuluft ist das Lüftungsgerät mit einem Kühlregister versehen. Die Regelung des Lüftungsgerätes erfolgt dezentral über ein Bedientableau innerhalb des Mietbereichs. Die Stromversorgung des Lüftungsgerätes erfolgt über die Mietbereichs-Unterverteilung.
Vom Lüftungsgerät aus, erfolgt die Zuluftführung über innerhalb der Zwischendecke verlegte Wickelfalzrohre bis zu den Umluftkühlgeräten in den Büroflächen. Die Umluftkühlgeräte („Fan Coils“) werden über eine Vor- und Rücklaufleitung im Sommer mit Kälte bzw. im Winter mit Wärme versorgt („Change over“-Systemen).
Die übereinander angeordneten WC-Bereiche (WC-Damen und WC-Herren) werden über eine Zu- und Abluftanlage mit Wärmerückgewinnung, welche im Technikraum Ebene 22 aufgebaut wurde, be- und entlüftet. Die Zuluft wird im WC-Vorraum eingeblasen, strömt über den Türunterschnitt in den WC-Raum und wird über Tellerventile abgesaugt.
Zur Be- und Entlüftung der unterschiedlichen Nutzungsbereiche der Ebenen 19 bis 21 (Büros) wurden innerhalb der Technikzentrale Ebene 22 neue Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung errichtet. Je nach Erfordernis erhielten die Zentralgeräte einen Lufterhitzer bzw. ein Kühlregister.
Zur Sicherstellung des hygienischen Luftwechsels der Büroflächen im Vorbau wurde im Untergeschoss eine zentrale Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung errichtet. Der zur Dimensionierung des Lüftungsgerätes erforderliche Luftwechsel (Außenluft) wurde auf 5 m³/(m²/h) begrenzt. Die Außenluftansaugung sowie Fortluftabführung erfolgt über Lüftungshauben auf dem Dach. Zur Vorkonditionierung der Zuluft wurde das Lüftungsgerät mit einem Heiz,- Kühlregister versehen. Zur Regelung des Lüftungsgerätes wurde in der Lüftungszentrale ein Schaltschrank (ISP) aufgestellt. Über diesen Schaltschrank werden die erforderlichen Brandschutzklappen sowie die Volumenstromregler gesteuert.
Vom Lüftungsgerät aus erfolgt die Zuluftführung bis zu den Mietbereichen über zentrale F-90-Schächte. Je Mietbereich ist ein Konstant-Volumenstromregler mit Schalldämpfer installiert. Innerhalb des Mietbereichs erfolgt die Luftverteilung über die in den Zwischendecken verlegten Wickelfalzrohre bis zu den Umluftkühlgeräten in den Büroflächen. Die Umluftkühlgeräte („Fan Coils“) werden über eine Vor- und Rücklaufleitung im Sommer mit Kälte bzw. im Winter mit Wärme versorgt („Change over“-System).
Zu Abführung der Küchenphrasen innerhalb der Bistro-Küche im EG Vorbau wurde eine Fettabluftanlage installiert. Eine Lüftungsdecke mit RLT-Anlagen-Hauptkomponenten im UG 1, sorgt für entsprechende hygienische Vorrausetzungen und entsprechend den anerkannten Regeln der Technik konsequent für ein gutes Klima im Bistroraum.
Kälteanlagen und Rückkühlwerk gesamt Hochhaus und Vorbau
Zur Kälteversorgung des Hochhauses + Vorbaus (Haus 3) war die Errichtung einer neuen Kältemaschine mit Rückkühlwerk erforderlich. Die zwei Kältemaschinen haben jeweils ca. 750 kW Kälteleistung. Das Rückkühlwerk, ca. 1,5 MW, ist ein offenes System und wird ohne Glykol nur im Sommer betrieben.
Zur Wärmeableitung der Server, wird je Serverraum ein den Vorgaben, des Mieters, an Kälteleistung entsprechend separat geplant und ausgeführt.
Die direkte Wasserversorgung der Sprinkleranlage ist vom Trinkwassernetz des Vorbaus getrennt. Dazu ist innerhalb der Tiefgarage ein Vorlagebehälter mit Schwimmerventilen und Sprinklerpumpen errichtet.
Gebäudeautomation
Für die Wärme, -Kälteversorgung des Gebäudes wurde eine witterungsgeführte Heiz,-Kälteregelung aufgebaut. Die Heiz-, Kältekreise werden mit einem Tages- und Wochenprogramm geregelt.
Elektrotechnik
Drei von fünf Trafostationen konnten wiederverwendet werden und wurden den aktuellen Vorschriften angepasst. Die gesamte Niederspannungsanlage wurde neu errichtet. Das Netzersatzaggregat wurde neu errichtet und das alte NEA wurde außer Betrieb genommen und entsorgt.
Sicherheitsbeleuchtungsanlage
Eine Sicherheitsbeleuchtungsanlage nach den Vorgaben für Hochhäuser, Parkhäuser und Arbeitsstätten mit einen Nennüberbrückungsdauer bei Stromausfall von 3 h und einer Umschaltzeit von max. 1 s wurde installiert und die Sicherheitsbeleuchtungsanlage des Parkhauses bleibt erhalten und wurde nach PrüNO. wieder eingebunden.
Niederspannungsschaltanlagen
In den jeweiligen Untergeschossen des Hochhauses und des Vorbaus erfolgte die Neueinrichtung von Elektrobetriebsräumen für die NS-Schaltanlagen, getrennt nach allgemeiner Stromversorgung AV und Sicherheitsstromversorgung SV.
Niederspannungsinstallationsanlagen Hauptstromversorgung
Ausgeführt ist die vertikale Stromversorgung zu den Elektroverteilungen mit einem Stromschienensystem, aufgeteilt in linker und rechter Gebäudetrakt. Aus der Stromschiene werden die Etagenunterverteiler im Hochhaus eingespeist.
Im Vorbau (Haus 3), ist die vertikale Stromversorgung zu den Elektroverteilungen über zwei Steigetrassen und NS-Kabel, aufgeteilt in linker Gebäudetrakt und rechter Gebäudetrakt ausgeführt.
Pro Etage wurden zwei NS-Unterverteilungen für allgemeine Versorgung errichtet. Dabei dient jede Verteilung der Versorgung einer Etagenhälfte. Alle NS-Unterverteilungen werden mit Energiezählern ausgestattet.
Die Elektroinstallation in den Untergeschossen bestehend aus Schalter, Steckdosen, Leuchten wurde komplett erneuert. Auf den Etagen erfolgte die Neuinstallation ab den jeweiligen Etagen-Unterverteilungen. Nach örtlicher Prüfung wurde versucht, neu installierte Teilbereiche zu erhalten und wieder einzubinden.
Die neuen Stromkreisleitungen und Datenkabel wurden über Leitungsführungskanäle bzw. mit Sammelhalter über Zwischendecken bis in die Büros verlegt. Querungen von notwendigen Fluren erfolgen mit 130-Brandschutzkanälen bzw. 130-Umhausungen. Die Leitungsverlegung in den Büros erfolgte mittels horizontalen Brüstungskanälen, welche ca. alle drei Räume zur Versorgung aus der Decke angefahren werden.
Die Installation in den Untergeschossen erfolgt über Kabelrinnen und auf Putz mit Installationsrohren.
Die Ausstattung pro Büro-Arbeitsplatz besteht aus zwei Stück Schuko-Steckdosen für allgemeine Arbeitssteckdosen, EDV-Steckdosen mit Aufschrift EDV sowie Ports RJ 45 für PC, Telefon und Drucker.
Beleuchtungsanlagen
Aufgrund der Neuinstallation der Untergeschosse, mussten dort die Leuchten als Feuchtraum-Anbauleuchten erneuert werden. In den übrigen Etagen wurden entsprechend Aufgabenstellung die vorhandenen Leuchten sorgfältig demontiert, zwischengelagert und nach Möglichkeit wieder eingebaut.
Die Schaltung der Bürobeleuchtung erfolgt direkt über Serienschalter. Es wurde versucht, kürzlich erneuerte Teilbereiche zu erhalten und weiter zu betreiben (z.B. WC-Trakt und Foyer im EG).
Sicherheitsbeleuchtung
Die Häuser wurden mit einer Sicherheits- und Rettungszeichenbeleuchtung ausgerüstet. Die Fluchtwegrichtung wurde mit Energie sparenden LED-Rettungszeichenleuchten ausgestattet. Die Sicherheitsbeleuchtung für die geforderte Mindestbeleuchtungsstärke von 1 lx auf der Flurmittellinie wurde durch separate LED-Sicherheitsleuchten realisiert. Die Sicherheitsstromversorgung erfolgt aus der Zentralbatterieanlage mit 3 h Notlichtversorgung im UG/Batterieraum mit Unterstützung des vorhandenen Netzersatzaggregates.
Blitzschutz
Aufgrund der Dacherneurungen und der Fassadensanierung erfolgte die Neuerrichtung der äußeren Blitzschutzanlage, bestehend aus der Blitzschutz-Fangeinrichtung auf dem Dach und den Ableitungen am Gebäude.
Von der bestehenden Erdungsanlage mussten neue Anschlussfahnen bis zu den Potentialausgleichsschienen in NS-Elektroräumen und Aufzugsschächten verlegt werden.
Die gesamte Blitzschutzanlage für das Parkhaus wurde neu installiert.
Ausgeführt ist der innere Blitzschutz (Überspannungsschutzes LPMS) durch ein gestaffeltes koordiniertes Schutzkonzept Grob- und Mittelschutz Typ 1+2 in den Niederspannungs-Haupt- und Unterverteilungen. Weiterhin wurden Überspannungsableiter an den Übergängen der Blitzschutzzonen eingesetzt, z.B. an der Gebäudeaußenwand zur Außenbeleuchtungsanlage.
Hauptpotentialausgleiche bestehen in den NS-Elektroräumen im UG und der zusätzlichen Potentialausgleiche laut DIN VDE 0100 Teile 540 und 410 an allen Unterverteilern. Aus EMV-Schutzgründen wurde häufig eine Potentialvermaschung geschaffen.
Brandmeldeanlage
Abhängig von den im Brandschutzkonzept gestellten Forderungen (Überwachungsumfang, Steuerungen, Alarmierung) ist eine Brandmeldeanlage mit Aufschaltung zur Feuerwehr und RWA-Anlage installiert.
Energetisch auf gutem Niveau
Laut Berechnungen wird das Gebäude nach Fertigstellung im Vergleich zu früher nur noch ein Fünftel der Energie verbrauchen. Gelungen sei dies mit einem minimalen Trick: Wo die steinernen Fassadenteile früher 15 cm dick am Rohbau hingen, sind die neuen aus Kunststoff 25 cm dick – ein Unterschied, der optisch nicht ins Gewicht fällt, aber technisch viel Wirkung zeigt.
Die künftigen Mieter wird das freuen, niemand mag sich heute noch Energieverbräuche leisten, wie in den frühen Sechzigern.
Als Generalplaner betreute Petschow + Thiel das Bauvorhaben in Essen von der Entwicklung über die Steuerung bis zum Übergang in die Bewirtschaftungsphase. Es wurden dem Bauherrn und allen Beteiligten wesentliche Vorteile geboten, wie eine reibungslose Organisation sowie eine transparente Dokumentation und Kommunikation in allen Phasen der Projektabwicklung.
Fazit
Der Unterschied zu den ursprünglichen Platten am Thyssen-Hochhaus und dem kleineren Nebengebäude am Bismarckplatz ist minimal und nur bei sehr genauem Hinsehen zu erkennen. Die architektonische Anmutung der frühen 1960er Jahre, die das Ensemble zu einem Denkmal macht, bleibt somit auch nach der grundlegenden Sanierung erhalten.
Alte Hochhäuser weisen meist eine Energieeffizienz auf wie amerikanische Straßenkreuzer der gleichen Baujahre: verheerend verschwenderisch. Die Kunst besteht im Denkmalfall darin, die Fassade optisch zu erhalten und das Haus dennoch energetisch auf den neuesten Stand zu bringen. Das haben die Generalplaner von Petschow + Thiel aus Dresden geschafft.
Danksagung
Für die Unterstützung bei der Ausarbeitung des Beitrages bedankt sich der Autor bei Dipl.-Ing. Ronny Wedemeyer und Dipl.-Ing. Volker Clemen von Petschow + Thiel.
Jetzt Artikel freischalten:
tab DIGITAL
14 Tage kostenlos testen
2,49 € / Woche*
Fachwissen jederzeit und überall.
Greifen Sie auf exklusive PLUS-Artikel und das komplette Online-Archiv zu und lesen Sie tab bequem im E-Paper-Format. Das digitale Abo für alle, die flexibel bleiben möchten.
Ihre Vorteile:
- Exklusive tab-PLUS-Artikel
- 6 E-Paper für mobiles Lesen
- Online-Archivzugang
*129,48 € bei jährlicher Abrechnung inkl. MwSt.
tab KOMBI
4,99 € / Woche*
Das komplette tab-Erlebnis – digital & gedruckt.
Für alle, die Fachinformationen auf allen Kanälen nutzen möchten: Kombinieren Sie Print und Digital, profitieren Sie von unseren Fachforen und präsentieren Sie Ihr eigenes Projekt.
Ihre Vorteile:
- Exklusive tab-PLUS-Artikel
- 6 Print-Ausgaben pro Jahr
- E-Paper für mobiles lesen
- Teilnahme an einem Fachforum
- Online-Archivzugang
- Veröffentlichen eines Projekts
*259,48 € bei jährlicher Zahlung inkl. MwSt. & Versand
