Das Rendelbad in Öhringen

Kompakte Anlagentechnik für ein Freizeitbad

Das Rendelbad in Öhringen nahe Heilbronn wurde 2010 umfassend saniert. Das Hallenbad wurde nicht nur technisch erneuert, sondern um ein Kinderplanschbecken, ein Dampfbad, einen Salzruheraum und einen Saunaneubau mit Saunagarten erweitert.

Das Rendelbad liegt im Südosten der im Hohenlohischen gelegenen Stadt Öhringen. Das Bad aus dem Jahr 1976 sollt dazu baulich und technisch wieder in einen Neubauzustand versetzt werden. Es sollte sozusagen ein neues, altes Bad mit einem Ergänzungsbau werden. Die durch benachbarte Sportflächen sowie Parkplatzbereiche des Freibades sehr beengten räumlichen Möglichkeiten gaben bereits früh die Erweiterungsflächen des Saunaneubaus vor. Man entschied sich den ehemaligen Bistrobereich sowie Teile des südlichen Parkplatzes für den Neubau zu verwenden. Bei diesem Projekt handelt es sich um den...

Das Rendelbad liegt im Südosten der im Hohenlohischen gelegenen Stadt Öhringen. Das Bad aus dem Jahr 1976 sollt dazu baulich und technisch wieder in einen Neubauzustand versetzt werden. Es sollte sozusagen ein neues, altes Bad mit einem Ergänzungsbau werden. Die durch benachbarte Sportflächen sowie Parkplatzbereiche des Freibades sehr beengten räumlichen Möglichkeiten gaben bereits früh die Erweiterungsflächen des Saunaneubaus vor. Man entschied sich den ehemaligen Bistrobereich sowie Teile des südlichen Parkplatzes für den Neubau zu verwenden. Bei diesem Projekt handelt es sich um den typischen Fall eines Bauens im Bestand. Ein bedeutender Anteil des Projekts bestand daher darin, die Anlagen und die Gebäudehülle zu modernisieren. Über die Hälfte der Finanzmittel wurde für die Finanzierung dieser Aufgaben benötigt.

 

Architektur und Technik Flächenmäßige Umsetzung des Projektkonzeptes

Die Struktur der Gesamtanlage kann in drei klare Nutzungsbereiche gegliedert werden:

Den Funktionstrakt mit Umkleiden und Duschbereichen,

die Schwimmhalle mit Schwimm-, Lehrschwimm- und Kinderplanschbecken, sowie

den Saunatrakt mit angegliedertem Saunagarten.

Der Sanitär- und Umkleidebereich wurde nutzungsgerecht umgestaltet und behindertengerecht ausgebaut. Die Grundstruktur und Organisation des Funktionstrakts blieb weitestgehend erhalten. Die Raumstruktur des Schwimmbadbereiches wurde auf der Bestandsbasis belassen und mit der Schaffung eines Kleinkinderbereichs mit Kinderplanschbecken am Lehrschwimmbecken optimiert. Zur Attraktivitätssteigerung wurden ein von den Badegästen ohne Aufpreis nutzbarer Salzraum und ein Dampfbad am Übergang zur Sauna errichtet. Große Glasflächen Richtung Süden sorgen für eine freundliche und helle Raumatmosphäre und öffnen die Aufenthalts- und Ruhebereiche zum vorgelagerten Saunagarten.

Der Saunaneubau schließt südöstlich an die Schwimmhalle an und wird von dort aus über eine Schleuse bedient. Die Panoramasauna bildet einen eigenen Baukörper, der durch ein Herausschieben aus dem Gebäuderaster starken Einfluss auf die Gebäudedynamik nimmt, aber durch die durchgängige Fassade als optischer Teil des Gebäudes bestehen bleibt. Die statische Auslegung des Neubaus lässt eine zweite Geschossebene zu, so dass der Saunabereich jederzeit erweitert werden kann.

Ein offener Ruhe- und Aufenthaltsbereich mit Kamin bildet den Kern der Saunalandschaft, an den sich Sanarium, Panoramasauna und Duschbereiche angliedern. Ein separater Ruheraum bietet die Möglichkeit nach dem Saunagang auch ungestört zu entspannen. Große Fensterflächen mit Schiebeelemente öffnen den Blick zum Saunagarten und verbinden Außenraum und Innenraum miteinander.

 

Gestaltung der Gebäudehülle

Aufgrund der energetischen Gebäudesanierung stand schon früh fest, dass sich eine Neugestaltung der Fassade ergeben würde. Die konzeptionellen Anforderungen leiteten den Blick zum Thema Freizeitbad und zur stringenten Raumstruktur. Somit entschied man sich als Markenzeichen des Gebäudes farbliche Bezüge zur dahinterliegenden Nutzung herzustellen und den drei Hauptnutzungsbereichen drei Farben in unterschiedlichen Nuancen zuzuordnen. Es entstand ein umlaufender Farbwechsel, der dem Gebäude eine frische und nutzungsgerechte Fassade verleiht und das Thema Freizeitbad neu interpretiert. Für die Umsetzung wurde das Plattensystem der Firma Trespa gewählt.

 

Energieeffiziente Sanierung

Die ehemals nur unzureichend gedämmte Fassade wurde entfernt und nach neuem Standard durch eine hinterlüftete Fassade ersetzt. Zudem erhielt das gesamte Gebäude energetisch verbesserte Pfosten-Riegel-Elemente. Dadurch konnte die Energiebilanz des Gebäudes wesentlich optimiert werden. Auch große Flachdachflächen des Bestandes erhielten eine neue Dämmung und wurden neu abgedichtet. Neben der energetischen Sanierung der Gebäudehülle bildet der Anlagenbau ein weiteres Kernelement. Die Badewasser- und Lüftungsanlagen arbeiten mit Wärmerückgewinnung und sind damit energetisch wesentlich effizienter als die jeweiligen Vorgängeranlagen.

 

Besonderheiten

Die hinterleuchteten Salzsteinwände des neuen Salzraumes schimmern in warmen Orangetönen und verleihen ihm dadurch einen besonderen Wohlfühlcharakter. Die durch Solenebel angereicherte Raumluft schafft zudem ein gesundes Raumklima und wirkt wohltuend auf die Atemwege.

Die dunklen Mosaikbeläge in Kombination mit einem LED-Sternenhimmel schaffen im Dampfbad eine Atmosphäre, die zum Verweilen und Entspannen einlädt.


Badewasser

Der Bauherr legte höchsten Wert auf eine Wasseraufbereitungsanlage mit bestmöglichem Wirkungsgrad. Oberste Priorität haben dabei Betriebsstabilität und geringster Energieverbrauch der Anlagen. Die errichteten Anlagen sind speziell für diese Anforderungen geplant und sowohl verfahrenstechnisch, als auch räumlich auf das Projekt abgestimmt.

 

Wasser- und Badewassertechnik

Die gesamten Badewasseranlagen, einschließlich der periphären Aggregate wurden demontiert und durch energieeffiziente neue Aggregate ersetzt. Die zwei Badewasseranlagen mit je einem Drucksand- und Aktivkohlefilter aus Stahl, die vollständig mit von Hand bedienten Klappen ausgerüstet waren, wurden durch jeweils einen neuen Drucksandfilter ersetzt. Jedoch erhielten die beiden Stahlfilter jeweils einen kathodischen Korrosionsschutz und Klappen mit pneumatischen Antrieb. Zusätzlich wurde eine separate Spülanlage für Wasser einschließlich Spülwasserbehälter errichtet. Weiterhin wurde ein Schlammwasser-Behälter für die Schlammwässer, die bei der Spülung der Badewasserfilter anfallen, ergänzt.

 

Besondere Herausforderungen

Eine markante Aufgabenstellung lag darin, die Anlagentechnik möglichst kompakt zu gestalten, um möglichst viele der technischen Aggregate im stark belastbaren Fundamentrostbereich platzieren zu können. Der für die Erweiterung der Badewassertechnik zur Verfügung stehende Platz war jedoch nicht ausreichend. Die zusätzlich erforderliche Teilfläche musste im weniger belastbaren Bereich des Technikbodens platziert werden.

Aus Gründen der DIN-Konformitäten, wirtschaftlichen Überlegungen und dem Aspekt der Bedienfreundlichkeit entschied sich die Fachplanung, den Spülwasserbehälter auszugliedern. Die Verstärkung des Fundament­rosts führt zu Einbußen der ver­füg­baren Raumhöhe. Jedoch konnten durch variieren der geo­metrischen Gestaltung des Spülwasser-Behälters letztendlich alle für einen effizienten Be­trieb wesentlichen Elemente errichtet werden.

 

Lösungskonzept

Die Aufbereitung der abgebade­ten Wässer des Schwimm-, Lehrschwimm- und Kinderplanschbeckens erfolgt mittels 3-stufiger Aufbereitungsanlage gem. DIN 19 643-2. Das Schwimmbecken hat eine eigene Aufbereitungsanlage. Das Lehrschwimm- und das Kinderplanschbecken sind in einem Kreislauf zusammengefasst. Nach der Dosierung des Flockungsmittels wird das Rohwasser durch den entsprechenden Drucksandfilter geleitet. Zuvor kann im Bedarfsfall pulverförmige Aktivkohle zur Entfernung von Desinfektionsmittel-Nebenprodukten zudosiert werden. Abschließend wird das Filtrat temperiert, der pH-Wert eingestellt und mit Desinfektionsmittel (aus Chlorgasanlage) versetzt. Die Einspeisung des Reinwassers durch die Einströmdüsen in die jeweiligen Becken. Das überlaufende Wasser wird im jeweiligen Schwallwasserbehälter der Anlage 1 oder 2 gesammelt und anschließend der Aufbereitungsanlage zugeführt. Als Nachspeisewasser wird zu mindestens 70 % Trinkwasser und zu 30 % Brunnenwasser verwendet. Das Stetsablaufwas­ser wird in der Wärmerückge­winnungsanlage durch das Stetszulaufwasser entwärmt und im errichteten Spülwasserbehälter bevorratet. Die anfallenden Schlammwässer aus den insgesamt zwei Drucksandfiltern der Anlage 1 und 2 werden im neuen Schlammwasserbehälter gespeichert und durch die neu installierte Schlammwasser-Aufbereitungsanlage behandelt. Das aufbereitete Wasser hat Betriebswasserqualität und wird nach Freigabe der Onlineüberwachung in die Vorflut (Ohrn) eingeleitet. Bei Nichtfreigabe, wird das Filtrat in die Kanalisation ausgeleitet und eine Störungsmeldung abgesetzt.

Das Schwimm- und das Lehr­schwimmbecken ist von Längsdurchströmung mit Teil-Absaugung auf die leistungsfähigere Horizontaldurchströmung mit 100 %-igem Überlauf umgerüstet worden. Das heißt, dass das gesamte einströmende Wasser oben am Beckenrand in die Rinne überläuft. Die ist bei allen drei Becken der Fall. Beim Kinderplanschbecken sorgen Vertikal-Einströmdüsen für den Reinwassereintritt. Das Sauna-Tauchbecken besitzt für den Betrieb eine Nachfüll- und Spülautomatik für Frischwasser, welches mit Desinfektionsmittel versetzt wird. Das Reinwasser strömt am unteren Bereich des Sauna-Tauchbeckens ein. Zur täglichen In- und Außerbetriebnahme ist die Anlage 3 mit einer Befüll- und Entleerungsautomatik ausgestattet.

 

Fazit

Durch die Umfangreiche Sanierung und den Ausbau an Attraktionen ist das Bad für die nächsten 20 bis 30 Betriebsjahre gut gerüstet. Auch die Technik ist auf dem gewünschten Stand und kann so den Besuchern einen erfreulichen und hygienischen Badaufenthalt ermöglichen.

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