Sport- und Freizeitbad in Kiel
Neubau im NordenFür das neue Sport- und Freizeitbad, das sich wie eine große Eins in Kiel auf dem prominenten Grundstück südlich der Hörn, der Spitze des Hafens, positioniert, hat das Architektur- und Ingenieurbüro pbr aus Osnabrück die Gesamtplanung erbracht. pbr hatte bereits im Jahr 2010 den durch die Landeshauptstadt Kiel, die auch Bauherrin ist, ausgelobten Architektenwettbewerb für sich entschieden.
Das neue Sportbad in Kiel vereint ein futuristisches Erscheinungsbild und eine vielfältige Innenraumgestaltung mit Aspekten der Energieeinsparung und des Klimaschutzes. Der große Neubau übernimmt eine zentrale Bedeutung für Kiel, weil er die Funktionen kleinerer städtischer Bäder in einem großen zusammenführt.
Futuristische Gebäudeform mit identitätsstiftender Dachlandschaft
Die städtebauliche Ausprägung des Schwimmbadneubaus wird von diversen umgebungs- und grundstücksspezifischen Vorgaben bestimmt. Dies sind insbesondere die Nähe zur Gablenzbrücke, ein westlich gelegener Teich, der...
Das neue Sportbad in Kiel vereint ein futuristisches Erscheinungsbild und eine vielfältige Innenraumgestaltung mit Aspekten der Energieeinsparung und des Klimaschutzes. Der große Neubau übernimmt eine zentrale Bedeutung für Kiel, weil er die Funktionen kleinerer städtischer Bäder in einem großen zusammenführt.
Futuristische Gebäudeform mit identitätsstiftender Dachlandschaft
Die städtebauliche Ausprägung des Schwimmbadneubaus wird von diversen umgebungs- und grundstücksspezifischen Vorgaben bestimmt. Dies sind insbesondere die Nähe zur Gablenzbrücke, ein westlich gelegener Teich, der kanalisierte Bach Mühlenau, der nicht überbaut werden durfte, und die vorhandene städtische Infrastruktur. Der Baukörper nimmt diese Umgebungsparameter in Form einer großen, liegenden Eins auf. Sämtliche Funktions- wie auch Erschließungsbereiche wurden soweit optimiert, um das ehrgeizige Raumprogramm im beengten Baufeld vereinen zu können.
Im Südosten dreigeschossig ausgebildet, steigt die Gebäudehöhe zur Gablenzbrücke nach Nordwesten – bedingt durch die Positionierung des Sprungbeckenbereichs zu einer Viergeschossigkeit – an. Auf diese Weise sind nicht nur die geforderte Raumkante zur Brückenrampe und der Mühlenau entstanden, sondern auch eine identitätsstiftende Dachlandschaft und Gebäudeüberhöhung. Durch die Schrägstellung der Nord- und Ostfassaden und die fugenoffenen Fassaden erhält der Neubau eine dynamische und futuristische Anmutung, die Konnotationen zu einem Schiffsrumpf weckt. Aufgrund seiner Lage zwischen Altstadt und dem Stadtteil Gaarden übernimmt das Gebäude ebenfalls eine Leuchtturmfunktion für die geplante Aufwertung und Entwicklung des Stadtteils und so eröffnen sich dem Betrachter bereits von der Gablenzbrücke aus verschiedene, interessante Perspektiven.
Die große Freiflächenterrasse mit Außenbecken verstärkt zudem den individuellen Charakter des Gebäudekomplexes. Mit den großzügigen Fensterfronten nach Westen und den damit verbundenen Sichtachsen nimmt der Baukörper die bestehende Teichanlage in die Inszenierung der Badewelt mit auf.
Geschlossenheit und Transparenz im Wechselspiel
Wirtschaftlichkeit, Funktionalität und Gestaltung werden durch den spannungsvollen Dialog zwischen Transparenz und Geschlossenheit vereint. Nach Südwesten ist das Bad durch großzügige transparente Flächen zum Teich geöffnet, wodurch eine optimale natürliche Belichtung erzielt wird. An der Ost- und Nordseite sind die Fassaden dezent offen bzw. völlig geschlossen. So kommen die passiven Solareinträge den verringerten Wärmeverlusten an den sonnenabgewandten Gebäudeseiten zugute.
Das äußere Material- und Gestaltungskonzept zeigt sich im Materialmix aus hellen, großformatigen Fassadenplatten, anthrazitfarbenen Aluminiumprofilen und den großen Glasflächen modern und zugleich zeitlos. Die Pfosten-Riegel-Konstruktionen und Fenster liegen oberflächenbündig in den Fassaden, so dass der Eindruck einer gespannten Fassade entsteht.
Übersichtliche Gliederung
Der Baukörper mit Kantenlängen von ca. 124 m und 82 m und jeweils ca. 30 m Schenkeltiefe ist auf drei Geschossebenen organisiert. Im Sockelgeschoss sind Technikflächen, Personalräume und die Badverwaltung untergebracht. Das Erdgeschoss beherbergt den Sport- und Freizeitbereich sowie die Gastronomie. In exklusiver Atmosphäre befindet sich im Obergeschoss die Saunalandschaft. Die Kieler Bäderverwaltung hat hier ebenfalls separat zu erschließende Büroräume.
Der Hauptzugang des Bades liegt auf erhöhtem Erdgeschossniveau in Mitte der Ostfassade und ist über eine großzügige Freitreppe sowie barrierefrei über einen ebenengleichen Nebeneingang mit Aufzug zu erreichen. Ein großzügiges Foyer mit Empfang, Shop, Aufenthaltsbereich und angrenzendem Gastronomiebereich, der auch von der Badeplatte genutzt werden kann, lässt erste Blicke auf das Bad, den Kleinkinderbereich und die große Freiterrasse zu. Südlich des Foyers sind die Umkleiden für den Freizeitbereich, nördlich die des Sportbades angeordnet. Ein zweiter, separater Zugang für Schulklassen, Vereine und Tribünengäste zum Sportbereich reguliert den Zutritt der Besucher und vermeidet damit auch Störungen im Betrieb. Erschließungen und Flure wurden minimiert, um alle Funktionsbereiche auf dem kompakten Grundriss unterbringen zu können.
Erlebniswelt mit fließenden Übergängen
Die Badeplattform mit insgesamt 1.700 m2 Wasserfläche besteht aus einem Sport-, einem Freizeit-, einem Lehrschwimm- sowie einem Eltern-Kind-Becken. Darüber hinaus bietet der Außenbereich eine weitere Schwimmfläche und eine große Liegeweise. Das 50-m- Sportbecken verfügt über acht Bahnen und einen Hubboden, der eine stufenlos einstellbare Wassertiefe ermöglicht und einen Teilbereich des Beckens so für unterschiedliche Einsatzzwecke nutzbar macht. Am tiefen Ende des Beckens ist die Sprunganlage mit 1-m- und 3-m-Sprungbrettern und 5-m-Sprungplattform verortet. Mittels einer Wendebrücke lässt sich das Becken zudem unterteilen. Das Freizeitbecken bietet Sprudelliegen, Sprudelsitze, Nackenduschen, Bodenbrodler und Wasserpilz. Eine 70 m lange Reifen- Wasserrutsche mit Landebecken sorgt für zusätzlichen Freizeitspaß.
Das Eltern-Kind-Becken mit Seelöwenfigur, Wasserorgel und Schiffchenkanal ist zwischen Freizeitbereich und Lehrschwimmbecken und damit auch in unmittelbarer Nähe zum Gastrobereich angeordnet. Die barrierefreie Wasserlandschaft ist übersichtlich organisiert und wartet mit einem hohen Erlebniswert auf. Die Bereichsübergänge sind fließend, so dass Besucher das Bad stets in seiner Gesamtheit erleben. Verschiedene Raumhöhen kennzeichnen die unterschiedlichen Zonen im Sport- und Freizeitbereich. Dadurch wird auch eine subtile Untergliederung der Badbereiche für Gäste erlebbar. Die Hauptbereiche Sport und Freizeit sind aus Lärmschutzgründen durch eine Glaswand voneinander getrennt. Der Außenbereich präsentiert sich als Ergänzung der inneren Badelandschaft und bindet den angrenzenden Teich optisch in das Gesamtbild ein.
Die Saunalandschaft mit verschiedenen Themensaunen, Saunabar, Tauchbecken, Whirlpool und Dachterrasse wird über den Umkleidebereich des Freizeitbades erschlossen. Große Fensteröffnungen in den frei stehenden Wänden verknüpfen durch gezielte Ausblicke den abgeschiedenen Bereich mit dem Bad und seiner Umgebung. Der Rücklauf der Saunaheizung wurde direkt unter den Gehwegen und der Außendusche im Saunabereich geführt und sorgt im Winter für Eisfreiheit auf diesen Bereichen.
Hohe Raumluftqualität wirtschaftlich erzeugen
Alle Räume des Gebäudes werden mechanisch über die Lüftungsanlagen in den Technikzentralen im Ober- und Untergeschoss be- und entlüftet. Hierzu versorgen jeweils separate Geräte einen großen Badbereich oder zusammengeschlossene Bereiche. Insgesamt sind zwölf Lüftungsanlagen mit einer Luftmenge von ca. 150.000 m³/h verbaut. Die Lüftung des Bades erfolgt zum größten Teil mit Schwimmbadgeräten, die sich durch ihre Korrosions- und Chlorbeständigkeit auszeichnen. Die Luftversorgung weniger beanspruchter Bereiche erfolgt über Nebenraumgeräte. Die Zu- und Abluftanlagen verfügen über eine hocheffiziente Wärmerückgewinnung durch Doppelkreuzstromwärmetauscher ohne mechanische Entfeuchtung. Im Ruhebetrieb wird der Volumenstrom verringert, um so die Stromaufnahme der Ventilatoren deutlich zu senken. Um den Energieverbrauch weiter zu senken, wurden alle Ventilatoren mit EC-Motoren ausgestattet. Darüber hinaus wurden die zulässigen Geschwindigkeiten in Kanalsystemen und Lüftungsgeräten auf Werte deutlich unterhalb der normativ zulässigen Werte begrenzt. Es wurde darauf geachtet, Luft von einem Nutzbereich in einen anderen überströmen zu lassen und somit für eine verbesserte Wirtschaftlichkeit zweimal zu nutzen. Dies trifft z.B. auf die Umkleide- und Duschbereiche sowie die Sauna zu. Im Sanitärbereich ist das Bad soweit möglich mit elektronischen Armaturen ausgestattet, weil sich durch die elektrisch gesteuerte Laufzeit Wasser sparen lässt. Außerdem führen die Armaturen zeitabhängig und eigenständig Hygienespülungen durch. Hygienespülungen und Laufzeiten der Armaturen können über die Gebäudeleittechnik eingestellt werden. Wenn Armaturen nur selten genutzt werden, kann dies ebenfalls über die Gebäudeleittechnik festgestellt werden. Das Badewasser mit einem Gesamtumwälzvolumenstrom von ca. 800 m³/h wird mittels Ultrafiltration aufbereitet. Das Bad gehört somit zu einem der größten Bäder mit Ultrafiltration in Deutschland. Etwa 75 % der Abwässer aus den Badewasseraufbereitungsanlagen werden über eine weitere Anlage mit Ultrafiltration und Umkehrosmose so gereinigt, dass sie wieder in den Badewasserkreislauf zurückgeführt werden können. Die Desinfektion erfolgt mit einer automatischen Vollvakuum-Chlorgasanlage. Die Filteranlage lässt sich über ein Touch-Panel steuern und Anlagenparameter werden über die Gebäudeleittechnik visualisiert und dokumentiert.
Auf Pfählen gebettet
Das Gebäude wurde auf einer Fläche errichtet, die ursprünglich zum Hafenbecken bzw. der Hörn gehörte und erst zwischen 1886 bis 1890 mit dem Abraum aus der Erweiterung der Dockanlagen der naheliegenden Werften verfüllt wurde. Aufgrund der vorzufindenden, gestörten Baugrundverhältnisse wurde das Gebäude auf über 500 Pfählen mit einer Tiefe bis 30 m gegründet. Zum größten Teil wurde es in Stahlbeton-Skelettbauweise, in Teilen aber auch mittels Fertigteilen errichtet. Aus Gewichtsgründen und der im Zusammenhang stehenden, vorbeschriebenen Gründungsproblematik besteht ein großer Teil des Dachgeschosses zur Gewichtsreduzierung aus einer Holz-Skelettkonstruktion.
Aufgrund der Nähe zur Hörn, der Hafenspitze von Kiel, dem niedrigen NN-Niveau und dem damit verbundenen, hohen Grundwasserpegel besteht die Sohle vollflächig aus WU-Beton. Die Becken wurden zum größten Teil als WU-Konstruktion mit keramischen Belägen ausgeführt, lediglich das Eltern-Kind-Becken wurde vollflächig hochwertig abgedichtet.
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