Campus statt Kaserne

Rohrleitungssysteme in der Modernisierung

Ein Bildungs-Campus, der die Fachhochschule für Finanzen integriert, wird derzeit auf dem Gelände der ehemaligen Wentworth-Kaserne in Herford entwickelt. Der unter Denkmalschutz stehende Komplex wurde bereits in Teilen modernisiert. Auch die Rohrleitungen wurden dabei den heutigen technischen Anforderungen angepasst.

D ie Wentworth-Kaserne zählt zu den Konversionsflächen, die Herford sukzessive einer neuen Nutzung zuführt. Die Kreis­stadt, zwischen Osnabrück und Hannover gelegen, übernahm die Liegenschaften von der Bundesanstalt für Immobilien­aufgaben (BImA), die diese wiederum von den britischen Streitkräften übernommen hatte. 2015 wurde die Stadtentwicklungsgesellschaft Hansestadt Herford (SEH mbH) mit dem Ziel gegründet, städtische Flächen neu zu entwickeln beziehungsweise sie weiterzuentwickeln. Die erste Aufgabe der SEH ist die Umwandlung der Konversionsliegenschaften. Zusammen mit der städtischen...

D ie Wentworth-Kaserne zählt zu den Konversionsflächen, die Herford sukzessive einer neuen Nutzung zuführt. Die Kreis­stadt, zwischen Osnabrück und Hannover gelegen, übernahm die Liegenschaften von der Bundesanstalt für Immobilien­aufgaben (BImA), die diese wiederum von den britischen Streitkräften übernommen hatte. 2015 wurde die Stadtentwicklungsgesellschaft Hansestadt Herford (SEH mbH) mit dem Ziel gegründet, städtische Flächen neu zu entwickeln beziehungsweise sie weiterzuentwickeln. Die erste Aufgabe der SEH ist die Umwandlung der Konversionsliegenschaften. Zusammen mit der städtischen Wirtschaftsförderung und dem Baudezernat der Hansestadt Herford hat man das Konzept des BildungsCampus entwickelt – einen zukunftsorientierten und integrativen Bildungs- und Forschungspark für Jung und Alt. 3,4 Mio. € an Bundesmitteln erhält die Stadt für ihre Pläne. Die Fachhochschule für Finanzen mit ihrem Hauptsitz in Nordkirchen nahm im September 2017 in Herford als erster Nutzer den Studienbetrieb auf. Zunächst starteten 160 Studenten, später sollen bis zu 500 Plätze bereitstehen.


Mensa statt Militaria

Die Kaserne, 1937 für die deutsche Wehrmacht erbaut, steht auf einem 9,6 ha großen Gelände, die Bausubstanz wurde als gut eingestuft. Die Herausforderung für die Baubeteiligten bestand in der Umsetzung in einem engen Zeitfenster, um den Studienstart wie geplant zu gewährleisten. Bereits in der ersten Ausbaustufe waren drei große Gebäude fertigzustellen. Dazu zählen das ehemalige Casino der Streitkräfte, das Konferenzgebäude DCC sowie das Gebäude A, eines der großen Kasernengebäude direkt am Eingang des Geländes mit 2.500 m² Nutzfläche. Die Fachplanung für die Gebäudetechnik im Casino übernahm die Archimedes Technik GmbH aus Herford. Dort waren ein Lehrsaal, die Mensa samt Nebenräumen sowie sechs Dozentenapartments termingerecht zu erstellen. Für die Installation der Rohrleitungen nahm Archi­medes den Sanha-Planungsservice mit ins Boot.


Schnell und zuverlässig

Die Unterstützung für die Projektierung der Trinkwasser- und Ab­wassersysteme lag damit in kompetenten Händen, denn das Essener Unternehmen konnte wie bei vielen anderen Baumaßnah­men die passenden Planungsmodule beisteuern. Nach den genauen Vorgaben wurden alle erforderlichen Berechnungen, Pläne und Materialauszüge erstellt. Dabei legte man Wert auf eine anwenderfreundliche, praxisorientierte, effiziente und kostengünstige Umsetzung. Die empfohlenen Systeme – „NiroSan“ und „3fit-Press“ mit „Multifit“-Rohren für Trinkwasser sowie „Master 3“ für Abwasser – wurden in der Folge auch eingesetzt.


Trinkwasser – am besten bleifrei

Die beiden Systeme für die Trinkwasserversorgung haben eines gemeinsam: Sie sind bleifrei. Zur Sicherung der Trinkwasserquali­tät wurde der Eintrag von Blei per EU-Richtlinie 98/93-EG auf 0,01 mg/l begrenzt. Mit der Trinkwasserverordnung (TrinkWV) ist diese Vorgabe in Deutschland schon 2013 in Kraft getreten, wobei jeweils höchstens 0,005 mg/l vom Wasserversorger eingeleitet bzw. von der häuslichen Installation eingetragen werden dürfen. Wichtig ist hier, dass der Wert von 0,005 mg/l als Summe des kompletten Bleieintrags zu verstehen ist. Alle wasserberührten Komponenten nach der Übergabe in das Gebäude – von Armaturen über Rohrverbindungen bis zu Wasserzählern – können sich negativ auf den Bleigehalt auswirken. Selbst wenn ausschließlich nach der UBA-Liste zugelassene Produkte installiert werden, kann es zu einer Grenzwertüberschreitung kommen. Durch den Einsatz der bleifreien Produkte des Herstellers Sanha wurde jedes Risiko frühzeitig ausgeschlossen.

„NiroSan“ ist eine hochwertige Produktreihe aus 1.4404-Edelstahl. Das System besteht aus Pressfittings mit einer Formteildichtung aus EPDM und den darauf abgestimmten Systemrohren. Alle Pressfittings werden aus den Werkstoffen 1.4404 (für die Formteile) und 1.4408 (für die Gewindeteile, in Edelstahlfeinguss) gefertigt. Der Werkstoff 1.4404 enthält mindestens 2,3 % Molybdän und weist einen geringeren Kohlenstoffanteil als der konventionelle Werkstoff 1.4401 auf. Damit überzeugt er durch seine deutlich höhere Korrosionsresistenz. Das Presssystem verfügt über alle relevanten Prüfungen bzw. Zertifikate. Das Produktportfolio umfasst die Dimensionen von 15 bis 108 mm, eingesetzt wurden die Größen 15 bis 54 mm. Als maximaler Betriebsdruck wird 16 bar angegeben.

Als zweites System wurde „3fit-Press“ – Fittings aus blei­freier Siliziumbronze – in Kombination mit „Multifit-Flex“-Rohren gewählt. Damit konnten sämtliche Objektanschlussleitungen in den Dimen­sionen 16 und 20 mm umgesetzt werden. Die Mehrschicht­ver­bund­rohre sind sehr biegsam und daher leicht zu verarbeiten. Alle Fittings verfügen über zwei Dichtringe, was die Sicherheit der Installation erhöht. Dabei sorgten auch die Montage- und Be­festi­gungssets für einen raschen Arbeitsfortschritt.

Vorteile bei der Installation

Ein nicht zu unterschätzender Aspekt bei der Umsetzung solch komplexer Projekte betrifft die eigentliche Installationsarbeit. Hier konnten die SHK-Fachleute der Archimedes Technik GmbH von „combipress“ profitieren. Unter diesem Stichwort fasst das Unternehmen Sanha die folgenden drei Eigenschaften zusammen:

- Werkzeugkompatibilität: Die Fittings und Rohre lassen sich mit Pressbacken bzw. Pressschlingen SA, V und M-Originalkontur bis 54 mm bzw. SA und M-Originalkontur bis 108 mm verpressen. Auf diese Weise wird jedes Verwechslungsrisiko von Werkzeug auf der Baustelle unterbunden.
- Unverpresst-undicht-Funktion (UVUD): Vor dem Pressen besteht eine zertifizierte Zwangsundichtigkeit der Verbindungen.
- Push & Stay: Die Gleithaftung bewirkt eine einfache, sichere Montage in jeder Position.

Diese Pluspunkte sorgten für eine rasche und fehlerfreie Installation, was gerade bei einem knapp bemessenen Zeitfenster umso wichtiger wird.


Abwasserleitungen

Die Abflussrohre und Formstücke der „Master 3“-Serie werden in erster Linie für heißwasser­be­ständige Entwässerungslei­tun­gen für häusliche und in­dus­triel­le Grau-, Schwarz-, und Re­gen­wäs­ser bis 60 °C unter Dauer­be­las­tung eingesetzt. Das Tem­peratur-Maximum liegt bei 95 °C. Die Einhaltung des Schall­druckpegel-Grenzwerts nach DIN 4109 von <25 dB(A) wurde vom Fraunhofer-Institut für Bauphysik geprüft: Bei einer Durchflussmenge von 4 l wurde der Wert 22,6 dB(A) ermittelt. Das Rohrsystem kann bis zur Dimension 160 mm zudem im Schacht im Nullabstand zu me­tallischen Sanha-Systemen ver­legt werden.

Die Elemente punkten durch ihre Passgenauigkeit, Dichtheit (-0,8 bar Unterdruckdichtheit) und die einfache Verarbeitung. Damit lassen sie sich ideal als montagefreundliche Alternative bei der Sanierung wie in der Wentworth-Kaserne nutzen. Die Brandklassifizierung lautet D – s2, d2 nach EN 13501-1. Das „Master 3“-System ist aufgrund des verwendeten Werkstoffs unempfindlich gegen Säuren und Laugen im pH-Bereich von 2 bis 12. Außerdem erfüllen die Rohre die erhöhten Anforderungen an die Schlagzähigkeit und lassen sich daher auch bei Temperaturen unter -10 °C verlegen.

Aus den vorhandenen Dimensionen von 30 bis 315 mm (für Sonderlösungen) wurden die Größen 40 bis 125 mm für Abwasserfall,- Sammel-, Entlüftungs- und Anschlussleitungen eingesetzt.


Nahwärmekonzept und weitere Haustechnik

Der BildungsCampus wird über ein Nahwärmekonzept der Stadtwerke Herford versorgt. Die Heizzentrale fand im Gebäude A ihren Platz. Das Konferenzgebäude konnte mit relativ wenigen baulichen Änderungen belassen werden. Hier war vor allem moderne Präsentationstechnik zu installieren. Der als Kino genutzte große Raum dient inzwischen als Hörsaal. Die Gesellschaftsräume des Casinos waren für die Nutzung als Mensa anzupassen, unter anderem durch Kühlräume, Versorgungsanschlüsse und Küchentechnik. Dabei blieb die vorhandene Bausubstanz weitgehend erhalten, etwa der frühere Festsaal mit Parkettboden. Alle Dozentenwohnungen wurden mit neuen Sanitär­objekten ausgestattet.


Fazit

Die gute Zusammenarbeit zwischen Archimedes und Sanha führte zu einer termingerechten Umsetzung der Trinkwasser- und Ab­was­serleitungen auf dem BildungsCampus. Dazu trugen auch die Nutzung des Planungsservice und die ausgefeilte Baustellenlo­gis­tik bei. Das Projekt findet derzeit seine Fortsetzung, damit im Herbst 2018 weitere Studenten in die ehemalige Kaserne einziehen können.

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