Brandrisiken im TK-Lager

Bedeutung des Brandschutzes für Lager und Logistik

Die zunehmende Globalisierung in Verbindung mit einer immer stärker werdenden digitalen Vernetzung von Produktions- und Logistikprozessen führen dazu, dass heute der Erhalt der Geschäftstätigkeit eine immense Bedeutung bekommen hat. Ist der Ablauf von kritischen Geschäftsprozessen gestört, kann es infolge ihrer Bedeutung innerhalb der Wertschöpfungskette zu einer Bedrohung des Fortbestandes des Unternehmens kommen.

Die rasante Technologieentwicklung im Bereich Lager und Logistik führt zu neuen Lösungen in der Automatisierung und Robotik. Immer höhere Packungsdichten in den Lagerbereichen und flexibles Nutzungsverhalten führen dazu, dass herkömmliche Brandschutzlösungen diesen Anforderungen nicht mehr gerecht werden. Wenn sich Kunden innerhalb der Supply-Chain vermehrt auf hochautomatisierte Prozesse verlassen müssen, ist es umso wichtiger, Betriebsunterbrechungen – etwa durch Feuer – wirksam zu verhindern.

Neben dem finanziellen Verlust gibt es eine Fülle von weiteren Auswirkungen, die durch eine...

Die rasante Technologieentwicklung im Bereich Lager und Logistik führt zu neuen Lösungen in der Automatisierung und Robotik. Immer höhere Packungsdichten in den Lagerbereichen und flexibles Nutzungsverhalten führen dazu, dass herkömmliche Brandschutzlösungen diesen Anforderungen nicht mehr gerecht werden. Wenn sich Kunden innerhalb der Supply-Chain vermehrt auf hochautomatisierte Prozesse verlassen müssen, ist es umso wichtiger, Betriebsunterbrechungen – etwa durch Feuer – wirksam zu verhindern.

Neben dem finanziellen Verlust gibt es eine Fülle von weiteren Auswirkungen, die durch eine Unterbrechung der Logistikkette verursacht werden können. Der Verlust von Kunden durch das Nichteinhalten von Lieferverpflichtungen und der Verlust der Reputation des Unternehmens stehen hier an erster Stelle.

 

Sind Betriebsunterbrechungsversicherungen die Lösung?

Unternehmen können Brandrisiken auf eine entsprechende Versicherung transferieren. So kann eine Betriebsunterbrechungsversicherung (BUV) dafür sorgen, dass die finanziellen Auswirkungen beispielsweise eines Großbrandes vermindert werden. Immaterielle Schäden wie Reputationsverlust, verpasste Marktchancen sowie Verlust von Kunden und Wissen können so aber nicht kompensiert oder verhindert werden. Ein Teil des Risikos bleibt damit als nicht übertragbar im Unternehmen bestehen.

 

Brandschutzkonzept/-nachweis

Gemäß der Musterbauordnung § 2 Abs. 4 Punkt 18 handelt es sich bei Regallagern mit einer Oberkante-Lagerguthöhe von mehr als 7,50 m um einen Sonderbau. Dies bedeutet, dass zum Errichten eines Tiefkühl-Hochregallagers immer ein Brandschutzkonzept/-nachweis erstellt werden muss. Je nach Bundesland werden die Brandschutzkonzepte/-nachweise durch die Bauaufsicht oder Prüfsachverständige für Brandschutz geprüft und freigegeben.

Das Brandschutzkonzept/-nachweis betrachtet schwerpunktmäßig die Maßnahmen des Schutzes von Personen und Umwelt. Da gerade im Bereich der TK-Hochregallager aber auch die Themen Sachschutz und Betriebsunterbrechung wesentlich sind, sollten Schutzmaßnahmen auch hierfür geplant und festgeschrieben werden.

 

Anforderungen an Tiefkühl-Hochregallager

TK-Hochregallager müssen besondere Anforderungen erfüllen: eine unterbrechungsfreie Kühlkette, hohe Lagerdichte und Energieeffizienz, geringe Durchlaufzeiten und minimale Fehlerquoten bei Kommissionierung und Lieferungen. Außerdem muss gewährleistet sein, dass bei einem auftretenden Brandfall die eingelagerten Waren nicht mit toxischen Rauch­gasen kontaminiert werden und damit der Lagerinhalt entsorgt werden müsste.

 

Schutzziele

Will man solche Risiken in einem Brandfall, der unter Umständen unternehmensgefährdende Auswirkungen haben kann, minimieren, müssen Schutzziele definiert werden.

Aus den genannten Anforderungen ergeben sich folgende Schutzziele:

Erhalt der Lieferfähigkeit,
Sicherung der Betriebsbereitschaft,
Sicherung der eingelagerten Werte,
Schutz der Kundenbeziehun­gen,
Vermeidung von Imageschäden.

 

Daraus lassen sich im Rahmen einer Risikoanalyse die notwendigen anlagentechnischen Brandschutzmaßnahmen zum optimalen Schutz von TK-Hochregallagern ableiten.

Risikobetrachtung zur möglichen Brandentstehung in einem TK-Hochregallager

Bei der risikotechnischen Analyse und Bewertung von Feuer­gefahren in ­TK-Hochregallagern sind eine Reihe nutzungsspezifischer Brandgefahren zu berücksichtigen:

Verwendung brennbarer Bau- und Dämmstoffe,
technische Betriebseinrichtung mit erhöhten Brandgefahren (Kälteaggregate, Defroster- und Heizeinrichtung, Wärmetauscher, Verpackungs-
anlagen etc.),
hohe Rauch- und Tempe­raturempfindlichkeit der Lagergüter,
extrem trockene Atmosphäre.

Darüber hinaus sind in TK-Hoch-
regallagern weitere Brand­ent­ste­hungs­gefahren wie Beleuchtungseinrichtungen, Batterie­-
ladeanlagen (Flurförderfahrzeuge, Regalbediengeräte etc.) zu berücksichtigen. Insbesondere elektrische Anlagen bilden einen Schwerpunkt bei der Brandentstehung (Zündquellen). Brandstatistiken belegen, dass 44 % der Brände Ihre Ursache in der elektrischen Einrichtung haben (Quelle: VdS 2032). Auch die üblichen betrieblichen Gefahrenerhöhungen bei Lagereinrichtungen sind bei einem TK-Hochregallager zur berücksichtigen:

hohe und enge Bauweise von Regalbauten (Kamineffekt und dadurch schnelle Brandausbreitung),
dicht gestapelte Paletten und Waren mit geringen Zwischenräumen (begrenzte Einsatzmöglichkeit von Anlagen sowie Einrichtungen zur Brandmeldung und starke Behinderung der abwehrenden Brandbekämpfung),
hohe Brandbelastung durch brennbare Produkte, Verpackun­gen, Transportmittel und Lagerhilfen,
Gefahren der Brandstiftung und
funkenbildende Arbeiten (Einsatz von Schweißgeräten, Trennschleifern etc.).

Des Weiteren stellt bei tiefgekühlten Produkten die Empfindlichkeit gegenüber Rauchkontamination zusätzliche Anforderungen an den Brandschutz. Bereits eine Rauchentwicklung im Stadium eines kleineren Entstehungsbrandes kann dazu führen, dass die eingelagerten Produkte unbrauchbar bzw. bei Fertigware gänzlich unverkäuflich sind.

 

Anlagentechnischer Brandschutz

In automatisierten TK-Hochregallagern hat sich eine Brandschutzlösung mit aktiver Sauerstoffreduzierung, wie z.B. „OxyReduct“ von Wagner, bewährt. Das System baut dafür eine Schutzatmosphäre mit einem kontinuierlich reduzierten Sauerstofflevel auf. So wird das Brandrisiko minimiert. Das von der VdS Schadenverhütung GmbH anerkannte System erreicht das, indem es Stickstoff in den zu schützenden Bereich einleitet und damit die Sauerstoffkonzentration exakt unter die spezifische Entzündungsgrenze der dort vorherrschenden Materialien absenkt und auf diesem Niveau zeitlich unbegrenzt hält. In dieser Atmosphäre kann die Entstehung eines offenen Brandes ausgeschlossen werden. Der vorhandene Sauerstoff reicht nicht mehr aus, um ein Feuer aufrechtzuerhalten oder sich ausbreiten zu lassen.

Um Personen und Sachwerte optimal zu schützen sowie Betriebsabläufe effektiv vor Unterbrechungen zu sichern, bilden zudem hochsensible Ansaugrauchmelder der „Titanus“-Familie die Grundlage der Schutzkonzepte von Wagner. Sie detektieren Brände frühestmöglich und täuschungsalarmsicher, so dass schnell Gegenmaßnahmen eingeleitet werden können und Kontaminationen durch Rauch und Ruß vermieden werden.

Für Tiefkühlanwendungen befinden sich besondere Ansaug­rauchmelder im Portfolio, die bis zu einer Temperatur von –40 °C sicher funktionieren. Zudem können im Tiefkühlbereich auftretende Vereisungen an den Ansaugöffnungen mittels spezieller Technik freigeblasen werden.

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