Hochpräzise Mess- und Dosiertechnik im Freibad Rosenau

Sensoren überwachen Wasserqualität

Der August hatte es mal wieder in sich: Die Sonne brannte, das Thermometer erreichte Höchstwerte, und die Luft flirrte. Bei solchen Wetterlagen gibt es für viele in Fulda nur einen Ort, an dem sich die Hitze ertragen lässt: das Freibad Rosenau mitten in der Domstadt. Während sich die Besucher am kühlen Nass erfreuen, läuft im Hintergrund ein komplexes Zusammenspiel aus Technik und langjährigem Fachwissen ab, das für die Sicherheit und das Wohlbefinden der Schwimmbadbesucher sorgt: die Überwachung und Steuerung der Wasserqualität.

Mehrere Hitzetage hintereinander stellen für Bäderbetriebe eine echte Herausforderung dar. Bei der Überwachung und Steuerung der Badewasserqualität sind Präzision und Automatisierung gefragt, um ein hohes Maß an Sicherheit zu gewährleisten. „Bei solchen Hitzetagen mit über 30 °C ändern wir einige technische Einstellungen. Da müssen wir uns auf die Technik verlassen“, sagt Michael Lipus, Leiter Bäder Betriebs GmbH (BBG). Die BBG gehört zu dem Versorger RhönEnergie in Fulda. Die RhönEnergie zählt zu den zwanzig größten kommunalen Energieversorgern in Deutschland. Die BBG betreibt acht Frei- oder Hallenbäder im Landkreis Fulda sowie in der Stadt Schlüchtern.

Wasserqualität bedeutet mehr als klares H2O

Die Sicherstellung einer konstant hohen Wasserqualität ist eine der zentralen Aufgaben im Freibad Rosenau. Neben dem Wohlbefinden der Badegäste steht vor allem die Gesundheit im Vordergrund. Denn nur einwandfreies Wasser schützt vor Infektionen, Hautreizungen und anderen gesundheitlichen Risiken. „Die Überwachung und Steuerung wichtiger Wasserparameter wie pH-Wert, Chlorgehalt, Redox-Spannung und Wasserhärte sind dabei unerlässlich“, weiß Lipus aus langjähriger Erfahrung.

Das Freibad Rosenau ist das größte Freibad im Landkreis Fulda. Es wurde 1938 eingeweiht, in den 1960er Jahren das erste Mal generalüberholt, 2007 dann die komplette Beckenanlage saniert. Die gesamte Wassermenge in allen vier Becken (einschließlich Kinderplanschbecken) liegt heute bei 4.078 m3, die gesamte Wasserfläche bei 2.457 m2. Das Freibad Rosenau setzt auf die Vertikaldurchströmung. Dabei wird das Reinwasser durch Reinwasserkanäle im Beckenboden eingeleitet. „Das verschmutzte Wasser wird über die Überlaufrinne abgeleitet“, erklärt Lipus. Zur gleichmäßigen Wasserverteilung sind entsprechende Düsen im Beckenboden notwendig.

Moderne Messtechnik: Präzision und ­Automatisierung

Der pH-Wert ist das Herzstück der Wasserqualität. Im Idealfall liegt er zwischen 6,5 und 7,5. Ist der pH-Wert zu niedrig, also sauer, wird das eingesetzte Chlor zu schnell verbraucht und metallische Komponenten, etwa an Filteranlagen, können angegriffen werden. „Ist der pH-Wert hingegen zu hoch, verliert das Chlor seine desinfizierende Wirkung, was zu einer Grünfärbung des Wassers und Kalkablagerungen führen kann“, erklärt Matthias Kremer, Branchenmanager Wasser/Abwasser bei Jumo.

Die Kontrolle des Chlorgehalts ist ebenso essenziell, da Chlor als Hauptdesinfektionsmittel eingesetzt wird. Nur bei optimaler Dosierung werden Keime zuverlässig abgetötet, ohne dass es zu unangenehmen Nebenwirkungen wie Haut- oder Augenreizungen kommt. Ein weiterer wichtiger Parameter ist die Redox-Spannung. Sie gibt in Millivolt (mV) an, wie stark die keimtötende Wirkung der Desinfektionsmittel im Wasser ist. Ein stabiler Redox-Wert ist ein verlässlicher Indikator für die Wasserqualität und die Wirksamkeit der Desinfektion. Auch die Wasserhärte spielt eine Rolle, da sie Einfluss auf die Dosierung von Chemikalien und die Bildung von Ablagerungen hat.

Die kontinuierliche Messung und automatische Regelung dieser Werte ist „state of the art“ und sorgt für einen effizienten und sicheren Badebetrieb. Moderne Systeme ermöglichen es, die Wasserqualität rund um die Uhr zu überwachen, Abweichungen sofort zu erkennen und gezielt gegenzusteuern – oft sogar vollautomatisch. Insgesamt werden im Freibad Rosenau im Volllastbetrieb 1.460 m3 Wasser stündlich umgewälzt. Zum Einsatz kommen hier seit langem pH- und Redox-Elektroden aus der „tecLine“-Serie des Herstellers Jumo. Die Industrieelektroden dienen der kontinuierlichen Überwachung des pH-Werts und der Redox-Spannung im Beckenwasser. Als hochpräzise Sensoren liefern sie zuverlässige Messwerte und sind besonders langlebig. Der Hersteller von pH-, Redox- und Chlorsensoren fungiert auch als Komponentenlieferant, sodass die Sensoren von anderen Unternehmen unter dem jeweiligen Label vertrieben.

Wasser/Abwasser-Messtechnologie entwickelt sich kontinuierlich weiter

Die Technologie für die Frei- und Hallenbäder hat in vierzig Jahren einen Riesen-Sprung gemacht, weiß Lipus aus Erfahrung. Über die Verpflichtung, in den 1970ern und 1980ern Badekappen in Schwimmbädern zu tragen, kann der Bäderbetriebsleiter nur Schmunzeln. Heutzutage stehen Filter zur Verfügung, die die Verschmutzungen effektiv herausfischen. Dennoch ist für eine gute Wasserqualität sehr hilfreich, wenn die Badegäste sich abduschen, bevor sie ins Wasser gehen. Wenn die Temperaturen sehr hoch sind und viele Gäste Tag für Tag im Bad sind, gehen die Redox-Werte nach unten. Dann steuern die Schwimmbadtechnik bei der Chlorung nach. Die Redox-Spannung ist ein Wert für die keimtötende Wirkung von Desinfektionsmitteln im Badewasser. Je höher die Spannung, desto schwerer können Mikroorganismen im Wasser überleben. Folglich: Je höher die Spannung, desto sauberer das Wasser. Im Freibad Rosenau wird die Wasserqualität zweimal pro Becken am Tag überprüft.

Sicherer und wirtschaftlicher Betrieb des Bades

Mit einem Mix an Systemen- und Lösungen kann die BBG die Wasserqualität im Freibad Rosenau zuverlässig überwachen, Reinigungs- und Desinfektionsprozesse automatisieren und so einen sicheren sowie wirtschaftlichen Betrieb gewährleisten. „Die Badegäste genießen hier unbeschwert das kühle Nass – und können sich darauf verlassen, dass wir im Hintergrund mit modernster Technik für ihre Sicherheit sorgen“, so Lipus abschließend.

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