Brandschutzanforderungen für Kabeltrassen
Baurechtliche Vorgaben, normative Prüf- und Klassifizierungsverfahren sowie physikalische Grundlagen für Elektroleitungs-VerlegesystemeDer Funktionserhalt elektrischer Leitungsanlagen ist ein zentrales Schutzziel des baulichen Brandschutzes. Er stellt sicher, dass sicherheitsrelevante Systeme auch unter extremen thermischen Belastungen zuverlässig betrieben werden können. Der Beitrag ordnet die physikalischen Grundlagen, die maßgeblichen baurechtlichen Vorgaben sowie die normativen Prüf- und Klassifizierungsverfahren ein und zeigt auf, welche Verlegesysteme sich in der Praxis bewährt haben.
Ob Neubauprojekt oder Modernisierung eines bestehenden Gebäudes: Der Brandschutz zählt zu den zentralen Themen jeder technischen Gebäudeausrüstung. Eine der wichtigsten Aufgaben besteht darin, dafür zu sorgen, dass sicherheitsrelevante Anlagen auch im Brandfall zuverlässig weiterarbeiten. Dazu gehören etwa Rauchabzugs- und Entrauchungssysteme, Alarmierungs- und Evakuierungsanlagen, sicherheitsrelevante Beleuchtungen sowie die Energieversorgung essenzieller Infrastrukturkomponenten wie Aufzüge oder Lüftungsanlagen. Fachgerecht montierte Kabelverlegesysteme spielen hierfür eine zentrale Rolle.
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Der Funktionserhalt ist überall dort verbindlich vorgeschrieben, wo es zu Menschenansammlungen und/oder hohen Sachwertkonzentrationen, beispielsweise in Parkhäusern kommt.
Bild: Clipdealer
Ob Neubauprojekt oder Modernisierung eines bestehenden Gebäudes: Der Brandschutz zählt zu den zentralen Themen jeder technischen Gebäudeausrüstung. Eine der wichtigsten Aufgaben besteht darin, dafür zu sorgen, dass sicherheitsrelevante Anlagen auch im Brandfall zuverlässig weiterarbeiten. Dazu gehören etwa Rauchabzugs- und Entrauchungssysteme, Alarmierungs- und Evakuierungsanlagen, sicherheitsrelevante Beleuchtungen sowie die Energieversorgung essenzieller Infrastrukturkomponenten wie Aufzüge oder Lüftungsanlagen. Fachgerecht montierte Kabelverlegesysteme spielen hierfür eine zentrale Rolle.
Funktionserhalt unter Extrembedingungen
Kommt es zu einem Brand, kann die Temperatur im Gebäudeinneren innerhalb kürzester Zeit auf über 1.000 °C ansteigen. Für elektrische Leitungen bedeutet eine solche thermische Extrembelastung meist den Verlust ihrer Funktion – verursacht durch Kurzschluss in Folge des Verlustes der Isolierungen oder Leiterbruch. Selbst als feuerwiderstandsfähig klassifizierte Kabeltypen erreichen unter diesen Bedingungen schnell ihre Grenzen und verlieren erheblich an mechanischer Stabilität.
Ob Neubauprojekt oder Modernisierung eines bestehenden Gebäudes: Der Brandschutz zählt zu den zentralen Themen jeder technischen Gebäudeausrüstung.
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Um dennoch sicherzustellen, dass essenzielle Brandschutzkomponenten funktionsfähig bleiben, werden speziell geprüfte Verlegesysteme eingesetzt. Diese stützen, führen und fixieren die Leitungen so, dass diese trotz direkter Brandeinwirkung funktionieren und somit eine Brandausbreitung verhindert oder zumindest deutlich verzögert sowie eine Alarmierung und geordnete Evakuierung ermöglicht wird. Zudem können Feuerwehr und andere Einsatzkräfte die zur Brandbekämpfung notwendigen Einrichtungen nutzen. Der Funktionserhalt ist überall dort verbindlich vorgeschrieben, wo es zu Menschenansammlungen und/oder hohen Sachwertkonzentrationen kommt, beispielsweise in öffentlichen Verwaltungsgebäuden, Krankenhäusern, Parkhäusern oder Einkaufszentren.
MBO, LBO, MLAR und LAR: Baurechtliche Grundlagen im Überblick
Die notwendige brandschutztechnische Gebäudeausrüstung wird in Deutschland durch eine Vielzahl an Regelwerken sowie ergänzenden technischen Vorgaben bestimmt, die je nach Bundesland variieren können. Die Grundlage bildet die Musterbauordnung (MBO), die als bundeseinheitlicher Orientierungsrahmen die zentralen Schutzziele definiert – etwa die Begrenzung von Brand- und Rauchausbreitung, die Sicherstellung nutzbarer Rettungswege sowie die Funktionsfähigkeit sicherheitsrelevanter Anlagen. Rechtlich verbindlich wird dieser Rahmen jedoch erst durch die Landesbauordnungen (LBO), mit denen jedes Bundesland die Inhalte der MBO eigenständig in Landesrecht überführt.
Damit essenzielle Brandschutzkomponenten funktionsfähig bleiben, werden speziell geprüfte Verlegesysteme eingesetzt. Dies ermöglicht u. a., dass Feuerwehr und andere Einsatzkräfte die zur Brandbekämpfung notwendigen Einrichtungen nutzen können.
Bild: Clipdealer
Neben der MBO existieren weitere Musterregelwerke wie die Muster-Leitungsanlagen-Richtlinie (MLAR). Sie beschreibt die brandschutztechnischen Anforderungen an Leitungsanlagen und deren Verlegung im Gebäude. Die MLAR besitzt – ebenso wie die MBO – zunächst nur Empfehlungscharakter. Erst wenn ein Bundesland ihre Inhalte ganz oder teilweise in Landesrecht übernimmt, wird daraus die verbindliche Leitungsanlagen-Richtlinie (LAR).
Ob ein System die geforderten Kriterien erfüllt, wird typischerweise durch bauaufsichtliche Prüfverfahren nachgewiesen. Besonders maßgeblich ist dabei die Normenreihe DIN 4102-12, die für eine Vielzahl von Produkten entsprechende Prüfungen beschreibt und damit einen einheitlichen technischen Maßstab setzt.
Brandprüfung und Klassifizierung von Kabelanlagen gemäß DIN 4102-12
Die Norm DIN 4102-12 legt fest, wie elektrische Kabelanlagen zu prüfen sind, die unter Brandeinwirkung funktionsfähig bleiben müssen (s. www.t1p.de/tab-1-26-Ni). Sie gilt für Leitungsanlagen mit Spannungen bis 1.000 Volt und bewertet grundsätzlich das gesamte System aus Kabeln und Verlegesystemen, wie Kabelrinnen, Kabelleitern, Tragschienen, Hängestielen, Auslegern und weiteren Komponenten. Entscheidend ist zudem die Halogenfreiheit der verwendeten Kabel, um im Brandfall die Freisetzung giftiger oder korrosiver Gase zu vermeiden. So wird die körperliche Unversehrtheit der Menschen gewahrt und zugleich werden mögliche Folgeschäden an der Bausubstanz reduziert.
Erst wenn Kabel und Verlegesystem den realitätsnahen Prüfbedingungen standhalten, wird ein allgemeines bauaufsichtliches Prüfzeugnis (abP) erteilt (s. www.t1p.de/tab-1-26-Ni). Um diesen Nachweis zu erbringen, muss das in DIN 4102-12 klar definierte Prüfverfahren erfüllt werden. Die Kabelanlage wird hierfür in einen speziellen Ofen einer akkreditierten Materialprüfanstalt eingebaut. Während der Prüfung folgt der Temperaturanstieg der Einheits-Temperaturzeitkurve (ETK), die einen realistischen Brandverlauf darstellt. Nur wenn während der erforderlichen Prüfzeit keinerlei Unterbrechungen oder Kurzschlüsse auftreten, werden die entsprechenden Funktionserhaltsklassen – E30, E60 oder E90 – erteilt. Die Bezeichnungen stehen dabei für die geprüfte Funktionsdauer, die je nach Anlage 30, 60 oder 90 Min. umfasst.
Während etwa Personenaufzüge mit Brandfallsteuerung und sicherheitsrelevante Beleuchtungsanlagen mindestens 30 Min. funktionsfähig sein müssen, gelten für Feuerwehraufzüge, Bettenaufzüge in Kliniken oder maschinelle Rauchabzüge mindestens 90 Min. Das auf erfolgreichen Prüfungen beruhende abP dient anschließend als baurechtlicher Nachweis für Kabelanlagen mit Funktionserhalt.
Normtragekonstruktionen und flexible Alternativen – ein Vergleich
Um ein allgemeines bauaufsichtliches Prüfzeugnis (abP) zu erhalten, müssen Kabel und Verlegesystem realitätsnahen Prüfbedingungen standhalten (Bild vor Brandversuch).
Bild: Niedax
Für die Umsetzung stehen grundsätzlich zwei Lösungsansätze zur Verfügung: Normtragekonstruktionen sowie praxisorientierte, kabelspezifische Verlegesysteme. Normtragekonstruktionen sind Kabelträgerelemente wie Kabelrinnen, Kabelleitern oder Einzelschellen, die den restriktiven Vorgaben der DIN 4102-12 entsprechen. Sie sind herstellerübergreifend nutzbar, sofern sie nach DIN 4102-12 geprüft wurden, und erleichtern dadurch die Projektplanung. Allerdings unterliegt ihre Konstruktion engen Vorgaben, wozu definierte Materialstärken, Befestigungsabstände, die verpflichtende Nutzung einer zusätzlichen Gewindestange im Bereich der Auslegerspitze sowie festgelegte maximale Belastungen zählen. Diese Vorgaben sichern zwar die Funktionsfähigkeit, schränken jedoch die Gestaltungsfreiheit signifikant ein.
Die Kabelanlage wird in einen speziellen Ofen einer akkreditierten Materialprüfanstalt eingebaut. Während der Prüfung folgt der Temperaturanstieg der Einheits-Temperaturzeitkurve (ETK) (Bild nach Brandversuch).
Bild: Niedax
Flexible, kabelspezifische Systeme bieten hingegen deutlich mehr Spielraum. Hier können Materialstärken, Abstände, Befestigungsarten und Traglasten individueller an die baulichen Gegebenheiten angepasst werden – vorausgesetzt, die jeweiligen Kombinationen aus Leitungen und Verlegekomponenten wurden gemeinsam geprüft und zertifiziert. Neben klassischen Bauteilen kommen dabei auch Gitterrinnen, Leitungsschutzkanäle, Sammelhalter, Edelstahltragwerke oder Elektroinstallationsrohre zum Einsatz. Gerade bei komplexeren Bauvorhaben oder bei Sanierungen mit geringem Platzangebot lassen sich so wirtschaftlichere, montagefreundlichere und oftmals kosteneffizientere Lösungen realisieren. Bspw. entfällt der bei Normtragekonstruktionen vorgeschriebene Gewindestab; zudem können höhere Traglasten oder größere Befestigungsabstände umgesetzt werden.
Kooperation als entscheidender Baustein jeder Brandschutzstrategie
Hersteller wie die Niedax Group stellen geprüfte Systeme für unterschiedlichste Anwendungsbereiche bereit und liefern die erforderlichen Verwendungsnachweise direkt mit. Planer und Bauherren haben dadurch eine hohe Planungssicherheit und ein geringeres Risiko, später korrigieren oder nachrüsten zu müssen. Um potenzielle Fehler im Vorfeld zu vermeiden, empfiehlt sich eine rechtzeitige Abstimmung zwischen Fachplanern, unabhängigen Prüfsachverständigen und den jeweiligen Produktherstellern. Denn effektiver Brandschutz beginnt mit einer fachkundigen und vorausschauenden Planung.
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