Wärmepumpenbranche dämpft Erwartungen an Marktentwicklung
30.03.2026Nach der Veröffentlichung der Eckpunkte zum Gebäudemodernisierungsgesetz (GMG) durch die Koalition hat der Bundesverband Wärmepumpe (BWP) seine neue Branchenstudie vorgelegt. Demnach rechnet der Verband mit 330.000 Wärmepumpen in diesem Jahr und auch für die kommenden Jahre mit Wachstumsraten von rund 10 %. Das Interesse von Hauseigentümern an Wärmepumpen sei zwar groß; Die zu erwartende Nachfrage bleibe aber hinter den eigentlichen Potenzialen zurück, da die Debatte um das GMG für erhebliche Unsicherheit am Heizungsmarkt sorge. Umso wichtiger sei daher die unveränderte Fortsetzung der Heizungsförderung.
Der BWP hat seine neue Branchenstudie vorgestellt, die am Ende der Meldung heruntergeladen werden kann.
Bild: BWP
„Das Heizen mit Gas und Öl verbinden immer mehr Verbraucherinnen und Verbraucher mit hohen finanziellen Risiken. Der Krieg im Nahen Osten macht deutlich, wie dringend sich Deutschland von seinen fossilen Importabhängigkeiten lösen muss“, konstatiert Norbert Ruths, Mitglied im Vorstand des BWP und Handwerksmeister aus Langenlonsheim. „Für viele ist die Wärmepumpe die erste Antwort darauf.“
Anlässlich der neu vorliegenden Branchenstudie des BWP betont Geschäftsführer Dr. Martin Sabel die gewachsene wirtschaftliche Bedeutung der Wärmepumpe. „Für eine ganze Wertschöpfungskette ist die Wärmepumpe zum wichtigsten Produkt geworden. Es geht um zukunftssichere Arbeitsplätze für 100.000 Beschäftigte. Die Wärmewende wird von heimischer Heizungsindustrie und lokalen Akteuren aus Handwerk und Energieversorgung umgesetzt.“
Heizungsförderung entscheidender Hebel für stabilen Wärmepumpen-Markt
Nach dem Wegfall der 65-%-Regelung des GEG und der ausgebliebenen Strompreissenkung bildet die BEG-Heizungsförderung die zentrale Orientierung am Wärmemarkt. Deshalb sei es wichtig, dass die Koalition die auskömmliche Finanzierung der Heizungsförderung bis mindestens 2029 beschlossen habe. „Jeder Fördereuro löst das Vierfache an Investitionen in die Gebäudemodernisierung aus“, sagt Dr. Sabel unter Verweis auf den jüngsten Evaluierungsbericht zur BEG. „5,5 Mrd. € Förderung für neue Heizungen stehen deshalb 4 Mrd. € an Steuereinnahmen für die öffentlichen Haushalte gegenüber. Besser kann die Regierung nicht in Energieunabhängigkeit, Wirtschaftswachstum und Klimaschutz investieren.“
Im Fall einer abrupten Umstellung und Kürzung der Heizungsförderung würde die Nachfrage nach Wärmepumpen gegenüber Szenario 1 um bis zu 40 % einbrechen, heißt es vom Bundesverband. Investitionen in Wärmepumpen erfolgen in der Regel nicht erst nach Defekt der alten Heizung, sondern vorzeitig. Würde die Förderung weniger attraktiv, führt dies zum Teil zu weiterer Kaufzurückhaltung, zum Teil zu neuen Gas- und Ölheizungen. Grundlegende Umstellungen der Systematik zögen einen vorübergehenden Antragsstopp bei der KfW nach sich, um Anpassungen des Portals vorzunehmen.
GMG: Neue Modernisierungswelle nicht zu erwarten
Mit Blick auf das angekündigte Gebäudemodernisierungsgesetz stellt Ruths Verunsicherung bei Hauseigentümern fest. „Unsere Kunden stellen uns viele Fragen, die sich frühestens mit Abschluss der Gesetzgebung beantworten lassen, etwa zu den Vorgaben für die Nutzung CO2-armer Energieträger in neuen Gas- und Ölheizungen. Es ist schwer zu verstehen, warum das Gebäudemodernisierungsgesetz trotz der weltpolitischen Ereignisse die Installation neuer Öl- und Gasheizungen wieder freistellt. Eine neue Modernisierungswelle im Gebäudesektor lässt sich so nicht erwarten“, sagt Ruths. Ein fortschreitender Wärmepumpen-Ausbau sei entscheidend für Umsetzbarkeit des GMG, heißt es vom BWP.
Volle Entfaltung der Potenziale bei klarer Ausrichtung der Energiepreise
Die Marktprognosen der Branchenstudie beruhen auf zwei Szenarien: Ein Business-as-Usual-Szenario beschreibt, wie das GMG zu neuen Unsicherheiten am Heizungsmarkt führt. Dabei wird deutlich, dass kurzfristig vor allem eine stabile Heizungsförderung Orientierung geben muss. Eine Hochrechnung unter diesen Bedingungen sieht den Gesamtabsatz bei Heizungswärmepumpen in 2026 auf 332.500 Einheiten wachsen (+11 %).
Ein ambitioniertes Zielszenario macht hingegen deutlich, dass die Wärmepumpe ihre tatsächlichen Wachstumspotenziale vor allem nach einer klaren Ausrichtung der Energiepreise entfalten würde und damit auch der Heizungsmarkt insgesamt wieder in Schwung käme. Das Wachstum am Markt wäre im Verhältnis zum ersten Szenario deutlich stärker mit einer Hochrechnung von 403.500 abgesetzten Heizungswärmepumpen in 2026 (+35 %).
Branche fordert Umsetzung politischer Zusagen
„Von einem fairen Wettbewerb zwischen der Wärmepumpe und den fossilen Alternativen kann angesichts der hohen staatlichen Abgabenbelastung auf Strom derzeit keine Rede sein. Statt endlich die Absenkung der Stromsteuer umzusetzen, wird sogar wieder häufiger der CO2-Preis in Frage gestellt“, kritisiert Sabel und fasst die Schlussfolgerungen der Branchenstudie für die Bundesregierung zusammen: „Wir brauchen mehr Klarheit im neuen Ordnungsrecht, Kontinuität in der Förderung und Entlastungen beim Strompreis.“
Heizungsförderung, Investitionen und Umsatzsteuer in 2025.
Tabelle: BWP / Energiewechsel.de
