Analyse des Klimabeitrags von BACnet-basierten BAS

Studie: BACnet-basierte Gebäudeautomation vermeidet weltweit 1,4 Mrd. t CO₂-Äquivalente

Gebäudeautomation wirkt. Und zwar in einer Größenordnung, die bisher kaum beziffert war: Eine neue wissenschaftliche Studie zeigt, dass BACnet-basierte Gebäudeautomationssysteme zwischen 1995 und 2025 weltweit rund 1,4 Mrd. t CO₂e-Emissionen vermieden haben. Bis 2030 könnte dieser Beitrag auf mehr als 2 Mrd. t CO₂-Äquivalente (CO₂e) steigen.

Die BACnet Interest Group Europe (BIG-EU) begrüßt die Veröffentlichung der Studie „Global Carbon Mitigation from BACnet Adoption in Commercial Building Automation Systems 1995–2030“ von Fei Han und Weiwei Mo von der University of New Hampshire. Die Untersuchung analysiert erstmals umfassend, welchen Klimabeitrag BACnet-basierte Building Automation Systems (BAS) in den USA, Kanada, Europa und weiteren Weltregionen leisten.

Die Studie „Global Carbon Mitigation from BACnet Adoption in Commercial Building Automation Systems 1995–2030“ unterstreicht, dass Gebäudeautomation langfristige Energieeinsparungen ermöglicht.
Bild: Clipdealer

Die Studie „Global Carbon Mitigation from BACnet Adoption in Commercial Building Automation Systems 1995–2030“ unterstreicht, dass Gebäudeautomation langfristige Energieeinsparungen ermöglicht.
Bild: Clipdealer
„Diese Studie macht sichtbar, was die Branche seit Jahren aus der Praxis kennt: Offene, interoperable Gebäudeautomation ist ein starker Hebel für Energieeffizienz und Klimaschutz“, sagt die BACnet Interest Group Europe (BIG-EU). „Mit BACnet können Systeme herstellerübergreifend zusammenarbeiten, Energieflüsse intelligenter gesteuert und Einsparpotenziale dauerhaft erschlossen werden. Jetzt liegt dafür ein belastbarer globaler Nachweis vor.“

BACnet gilt seit Jahrzehnten als weltweit führender offener Kommunikationsstandard für die Gebäudeautomation. Der Standard ermöglicht es, Heizungs-, Lüftungs-, Klima-, Beleuchtungs- und Energiemanagementsysteme flexibel miteinander zu vernetzen – unabhängig vom Hersteller. Genau diese Interoperabilität ist entscheidend, wenn Gebäude nicht nur einmal effizient geplant, sondern über ihren gesamten Lebenszyklus optimiert betrieben werden sollen.

Regional unterschiedliche Einsparungen

Die Studie zeigt u. a.:

  1. Gebäudeautomationssysteme ermöglichen langfristige und nachhaltige Energieeinsparungen.
  2. Regionale Energiemixe beeinflussen die Höhe der erzielten CO₂-Reduktionen deutlich.
  3. Regelmäßige Modernisierung und fachgerechte Wartung sind entscheidend, damit Einsparpotenziale dauerhaft wirken.
  4. Mit der Dekarbonisierung der Stromnetze verändert sich auch der CO₂-Effekt einzelner Effizienzmaßnahmen.

Besonders deutlich werden die regionalen Unterschiede: In den USA tragen vor allem Stromeinsparungen zur Emissionsminderung bei. In Europa und Kanada spielen aufgrund klimatischer Bedingungen und verbreiteter gasbasierter Heizsysteme zusätzlich Einsparungen beim Erdgasverbrauch eine wesentliche Rolle.

BIG-EU würdigt in diesem Zusammenhang auch die Arbeit der internationalen BACnet-Community, darunter BACnet International und ASHRAE. Ihr Engagement hat wesentlich dazu beigetragen, interoperable Gebäudeautomation weltweit zu verbreiten und als Grundlage moderner, effizienter Gebäudetechnik zu etablieren. „Die Ergebnisse zeigen: Intelligente Gebäudeautomation ist keine Zukunftsoption, sondern eine sofort verfügbare Klimaschutzmaßnahme“, so BIG-EU. „Gerade im gewerblichen Gebäudesektor zählt Energieeffizienz zu den schnellsten, wirtschaftlichsten und am besten skalierbaren Wegen zur Dekarbonisierung.“

Gebäudeautomation bleibt Schlüssel der Wärmewende

Die aktuelle Debatte um die Novelle des Gebäudeenergiegesetzes, in der öffentlichen Debatte häufig als „Heizungsgesetz“ bezeichnet, zeigt: Klimaschutz im Gebäudesektor darf nicht beim Heizungstausch stehen bleiben. Schon im geltenden GEG wurde mit § 71a ein wichtiger Schritt getan, um Anforderungen der europäischen Gebäuderichtlinie an Gebäudeautomation und digitale Energieüberwachung umzusetzen. Das geplante Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) sollte diesen Weg konsequent fortsetzen — denn intelligente, interoperable Gebäudeautomation sei ein zentraler Schlüssel, um Energieverbräuche transparent zu machen, Anlagen effizient zu betreiben und CO₂-Emissionen dauerhaft zu senken.

Studienreferenz

Han, Fei; Mo, Weiwei (2025): Global Carbon Mitigation from BACnet Adoption in Commercial Building Automation Systems 1995–2030 University of New Hampshire. Verfügbar unter: www.scholars.unh.edu/faculty_pubs/2433

Thematisch passende Artikel:

Ausgabe 5/2025

BACnet/SC-Router in kritischen ­Infrastrukturen

Sichere Datenkommunikation der Gebäudeautomation

Die BACnet-Vernetzung erfolgt über ein Netzwerk, das auf einer Ethernet- oder RS-485-Infrastruktur basiert (BACnet/IP bzw. BACnet MS/TP). Es gibt verschiedene Arten von BACnet-fähigen Geräten,...

mehr
Ausgabe 04/2010

Für die interoperable Gebäudeautomation

Ein BACnet-zertifiziertes Automationssystem im Einsatz

Vermehrt setzen Anwender im Bereich der Gebäudeautomation auf BACnet, ein Kommunikationsprotokoll für die Gebäudeautomation zur einfachen, gewerkeübergreifenden Integration im Gebäude. Was aber...

mehr

Europäische BACnet Interest Group auf der ISH 2025

Die BACnet Interest Group Europe (BIG-EU) nimmt mit einem Gemeinschaftsstand an der ISH 2025 in Frankfurt am Main (17. bis 21. März 2025) teil. Zusammen mit einigen Mitgliedern wird die Organisation,...

mehr

Internationale BACnet-Community testet die Zukunft vernetzter Gebäude

Im Mittelpunkt der diesjährigen Veranstaltung stand insbesondere BACnet/SC (BACnet Secure Connect). Mit der zunehmenden Bedeutung sicherer Kommunikationsstrukturen in der Gebäudeautomation...

mehr
Ausgabe 01/2017 Planen, Errichten, Nutzen

Gebäudeautomationssysteme

In diesem Buch werden die aus den Nutzungsformen und den Strukturen des Gebäudes gebildeten Grundlagen zu einem Gesamtsystem der Gebäude­automation (GA) verknüpft. Alle Funktionen der GA für die...

mehr