Solarstromproduktion europaweit auf dem Vormarsch
03.07.2026Der Anteil der erneuerbaren Energien an der öffentlichen Nettostromerzeugung in Deutschland – dem Strommix, der tatsächlich aus der Steckdose kommt – lag im 1. Halbjahr 2026 bei 61,8 %. Die Windkraft konnte ihre Erzeugung gegenüber dem Vorjahr um 12,2 % steigern, die Netzeinspeisung aus Photovoltaik (PV) erreichte mit 43,2 TWh einen neuen Rekord. Die starke Erzeugung aus erneuerbaren Quellen sorgte dafür, dass sich der Strompreis im Frühjahr vom durch den Irankrieg gestiegenen Gaspreis weitgehend entkoppeln konnte. Das geht aus einer Auswertung des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE auf Basis der Datenplattform energy-charts.info hervor.
Öffentliche Nettostromerzeugung im ersten Halbjahr 2026. Die Grafik zeigt die Stromerzeugung aus Kraftwerken zur öffentlichen Stromversorgung. Das ist der Strommix, der tatsächlich aus der Steckdose kommt.
Bild: Fraunhofer ISE/energy-charts.info
Gegenüber dem 1. Halbjahr 2025 legt die Erzeugung aus Windkraftanlagen zu: bei den Offhore Anlagen von 11,4 TWh auf den neuen Rekordwert von 14,6 TWh, Onshore von 48,7 TWh auf 52,8 TWh. Die Windkraft steigerte damit ihren Anteil an der öffentlichen Nettostromerzeugung von 28,8 auf 30,0 %. Die Netzeinspeisung aus der PV lag mit 43,2 TWh um zehn Prozent höher als im Vorjahr (39,3 TWh) und erreichte damit ein Allzeithoch. Auch EU-weit war die Einspeisung aus PV auf Rekordniveau und ist seit 2015 um 254 % gestiegen. Leicht rückläufig war dagegen die Erzeugung aus Wasserkraft (7,8 TWh nach 8,1 in 2025), die auf dem niedrigsten Stand seit 2015 lag.
Auch die Netzeinspeisung aus Biomasse ging leicht zurück (17,9 TWh nach 18,3 in 2025). Die Einspeisung aus den fossilen Energieträgern Erdgas, Braun- und Steinkohle stieg gegenüber dem Vorjahr um 6% auf 78,6 TWh. Der Anteil der erneuerbaren Energien an der öffentlichen Nettostromerzeugung lag mit 61,8 % auf einem ähnlichen Niveau wie im ersten Halbjahr 2025 (61,3 %). Der Anteil erneuerbarer Energien an der Last (diese umfasst den Stromverbrauch und die Verluste bei der Stromübertragung) stieg von 55,0 auf 58,5 % und erreichte damit einen neuen Rekord.
Die öffentliche Nettostromerzeugung aus Photovoltaik war in Deutschland und in der EU im 1. Halbjahr 2026 auf Rekordniveau.
Bild: Fraunhofer ISE/energy-charts.info
Bild: Fraunhofer ISE/energy-charts.info
Die starke Erzeugung von Wind und PV führt zu immer mehr Stunden, an denen der Day Ahead Börsenstrompreis negativ ist. Im ersten Halbjahr 2026 sind sehr viele Stunden nahe 0,- €/MWh aufgetreten, da immer mehr Anlagen in der Direktvermarktung keine Förderung bei negativen Börsenstrompreisen erhalten. Daher regeln sie bei Börsenstrompreisen knapp unter oder bei 0,- € ab. Die Erzeugungsspitzen und die Lastkurven zeigen den Bedarf an unter tägiger Speicherung sowie Flexibilitäten auf. Zwar stieg die Kapazität von 25,4 auf 29,6 GWh – damit wurden in den ersten sechs Monaten des Jahres bereits mehr große Batteriespeicher in Betrieb genommen als im gesamten Vorjahr. Es verbleibt aber noch eine deutliche »Speicherlücke«, um eine Verschiebung von Überschussstrom in die Stunden schwacher Erzeugung zu ermöglichen. Der Ausbau der Batterien für die untertägige Speicherung könnte negative Börsenstrompreise tagsüber und Preispeaks in den Abendstunden verringern. Die Hitzeperiode im Juni, die zu erhöhtem Strombedarf für Kühlung bei gleichzeitig gedrosselter Leistung von konventionellen Kraftwerken führte, hatte besonders starke Preisausschläge in den Abendstunden zur Folge.
Dank der starken Erzeugung aus erneuerbaren Quellen wurden im 1. Halbjahr im Saldo nur 1,3 TWh Strom importiert (1. HJ 2025: 9,6 TWh). Die Importe kamen aus Frankreich (3,9 TWh), Dänemark (2,5 TWh), Norwegen (1,1 TWh), Belgien (1,1 TWh), den Niederlanden (0,5 TWh) und Schweden (0,2 TWh). Exportiert wurde nach Österreich (4,6 TWh), Luxemburg (1,8 TWh), Tschechien (1,0 TWh), Polen (0,6 TWh) und in die Schweiz (0,2 TWh).
PV-Erzeugungsleistung steigt um 7 GWp – Wirtschaftlichkeit kleiner Dachanlagen gefährdet
Die Überschuss-Stromspitzen tagsüber werden derzeit durch Pumpspeicher teilweise in Zeiten schwacher Erzeugung verschoben.
Bild: Fraunhofer ISE/energy-charts.info
Im 1. Halbjahr 2026 wurden 2,2 GWp PV-Gebäudeanlagen mit einer Leistung bis 30 KWp neu installiert. Bei den Gebäudeanlagen im Segment bis 1.000 KWp kamen 1,1 GWp neu hinzu. Freiflächenanlagen trugen mit 3,7 GWp am stärksten zum Zubau bei. Insgesamt stieg die installierte Modulleistung von 118,0 GWp auf 124,9 GWp (DC). Die installierte Wechselrichterleistung stieg von 107,7 auf 113,9 GW. Nach einer gemeinsamen Analyse von Agora Energiewende und Fraunhofer ISE könnten die derzeit diskutierten Änderungen im Rahmen der EEG-Novelle dazu führen, dass sich insbesondere kleinere PV-Dachanlagen unter den heutigen Rahmenbedingungen wirtschaftlich schlechter darstellen. Dies könnte Anreize schaffen, Anlagen kleiner auszulegen oder verfügbare Dachflächen nicht vollständig zu belegen.
Strompreise entkoppeln sich weitgehend von Gaspreisen
Beim Vergleich der Strom- und Gaspreise zeigen sich die Auswirkungen des Iran-Kriegs, der am 28. Februar begann: Der Erdgaspreis stieg von Februar auf März um 48 % (von 35,61 Euro/MWh auf 52,71 Euro/MWh). Nach Kriegsbeginn stiegen damit die Grenzkosten der Stromerzeugung aus Erdgas, die sich aus den Kosten für Gas und für die CO2-Emissionszertifikate zusammensetzen, um 39 % auf 132,87 Euro pro MWh. Hätten die Gaskraftwerke nach dem Merit-Order-Prinzip den Strompreis bestimmt, wären die Stromkosten entsprechend deutlich gestiegen. Der Börsenstrompreis sank dagegen nach Kriegsbeginn auf 95,58 Euro/MWh, da die erneuerbaren Energien ab März mit ihren günstigen Gestehungskosten die Preise drückten. Im April sank er nochmals deutlich um 27,7 %, während der Erdgaspreis nur um 12,6 % nachgab.
Die gesamte Studie steht hier zum Download als PDF-Datei zur Verfügung.
