DGNB-Positionspapier für die Anerkennung von produktspezifischen Ökobilanzdaten bei QNG
02.07.2026Das Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude (QNG) ist das staatliche Nachhaltigkeitszertifikat des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB). Es legt verbindliche Anforderungen an die ökologische, soziokulturelle und ökonomische Qualität von Bauwerken fest und ist maßgeblich für die Vergabe von Förderprogrammen mit Nachhaltigkeitsbezug.
Handlungsbedarf
Das QNG schreibt für die Ökobilanzierung die Verwendung generischer Branchendurchschnittswerte aus zentralen Rechenwerttabellen vor. Nachweislich CO₂-optimierte Produkte einzelner Hersteller, die die Umweltwirkung eines Bauwerks verringern können, finden in der Nachweisführung von QNG und damit in der Förderung keine Anrechnung. Infolgedessen wird der Mehrwert emissionsarmer Produkte in den Ergebnissen der Ökobilanz nicht abgebildet und somit ihr Einsatz nicht gefördert. Planer und Bauherren erhalten dadurch keine Motivation, emissionsarme Produkte einzusetzen, während Herstellern wichtige Anreize zur Entwicklung emissionsarmer Lösungen genommen werden. Dieser Ansatz hemmt laut der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) e.V. die Weiterentwicklung innovativer, klimaschonender Lösungen im Bausektor und steht im Widerspruch zu den Förderzielen des QNG.
Zudem sind Rechenwerttabellen in einem dynamischen Umfeld, wie z. B. die stetige Weiterentwicklung von Produkt- und Materialeigenschaften, nur bedingt aussagefähig, weil sie keine aktuellen Werte enthalten und nicht alle Produktspezifikationen abbilden.
Forderung
Produktspezifische, verifizierte Ökobilanzdaten – wie Umweltproduktdeklarationen (EPDs) und Einträge in der ÖKOBAUDAT nach DIN EN 15804+A2 – sollten für die Ökobilanzierung im QNG ausdrücklich zugelassen werden, heißt es vom DGNB. Nur so würden die tatsächlichen Umweltwirkungen von Bauprodukten berücksichtigt und CO₂-optimierte Lösungen angemessen bewertet werden können.
Die Einbeziehung individueller Produktdaten schaffe gezielte Anreize für Innovation und Wettbewerb und ermögliche eine effektive Förderung emissionsmindernder Bauweisen. Die DGNB fordert daher, die QNG-Vorgaben so anzupassen, dass produktspezifische Ökobilanzdaten nach DIN EN 15804+A2 uneingeschränkt genutzt werden können. Dies fördere die Entwicklung emissionsarmer Produkte sowie Bauweisen und trage zur Erreichung der Klimaschutzziele im Bausektor bei.
Mitunterzeichner
- Dr. Michael Six, Goldbeck GmbH
- Thorsten Hahn, Holcim (Deutschland) GmbH
- ppa. Prof. Josef Steretzeder, Lindner Group KG
- ppa. Dr. Thomas Schlenker, Schüco International KG
- Dr. Eike Messow, Sto SE & Co. KGaA
- André Körner, ArcelorMittal Germany Holding GmbH
