Heizungsmarkt legt zu – Wärmepumpen setzen positive Impulse
11.08.2026Der deutsche Heizungsmarkt hat im ersten Halbjahr 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum zugelegt. Besonders das kräftige Wachstum bei Wärmepumpen setzt ein positives Signal. Zugleich zeigt die BDH-Halbjahresreihe 2019 bis 2026 deutlich, dass das Marktvolumen weiterhin unter dem Niveau früherer Jahre liegt.
Absatz der Wärmeerzeuger in Deutschland für das 1. Halbjahr 2019–2026: Wärmepumpen prägen zunehmend den deutschen Heizungsmarkt.
Bild: BDH
Nach Erhebungen des Bundesverbands der Deutschen Heizungsindustrie (BDH) wurden von Januar bis Juni 2026 insgesamt 352.000 Wärmeerzeuger abgesetzt, 19 % mehr als im Vorjahreszeitraum. Davon entfielen 194.500 Geräte auf Heizungs-Wärmepumpen (+40 %), 134.000 auf gasbasierte Wärmeerzeuger (+1 %), 9.500 auf ölbasierte Wärmeerzeuger (-11 %) und 14.000 auf Biomasseheizungen (-1 %).
Wärmepumpen waren im ersten Halbjahr der wichtigste Wachstumstreiber im Heizungsmarkt und machten mehr als die Hälfte des Gesamtabsatzes aus. Auf Grundlage der verabschiedeten politischen Rahmenbedingungen gilt es laut BDH nun, diese Dynamik zu verstetigen. Zugleich müsse das Vertrauen bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern in die Heizungsmodernisierung insgesamt wieder gestärkt werden. Verlässliche und verständliche Regeln sind dabei elementar und können Investitionsentscheidungen erleichtern und den Modernisierungsmarkt in seiner ganzen Breite stärken.
Jahreshochrechnung deutlich unter erforderlichen Modernisierungsraten
Setzt sich die Entwicklung des ersten Halbjahres im Gesamtjahr fort, ist 2026 mit einem Absatz von rund 700.000 Wärmeerzeugern zu rechnen. Damit zeichnet sich gegenüber 2025 eine leichte Stabilisierung ab. Um die Modernisierung des Gebäudebestands weiter zu beschleunigen und die Klimaziele zu erreichen, braucht der Markt jedoch zusätzliche Dynamik. Nach wie vor sind ca. 4 Mio. Heizungen älter als 30 Jahre und über 40 % der 21,5 Mio. Heizungen in Deutschland entsprechen nicht dem Stand der Technik.
„Das kräftige Wachstum bei Wärmepumpen ist ein wichtiges positives Signal und zeigt, welches Potenzial im Markt vorhanden ist. Jetzt kommt es darauf an, diese Entwicklung zu verstetigen und auf den Gesamtmarkt auszuweiten. Verlässliche Rahmenbedingungen geben Verbraucherinnen und Verbrauchern Orientierung und ermöglichen den Unternehmen, ihre Kapazitäten langfristig zu planen,“ sagt Markus Staudt, Hauptgeschäftsführer des BDH.
GModG und BEG müssen langfristige Klarheit schaffen
Mit dem Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) und der angepassten Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) sind laut BDH nun klare und verständliche ordnungspolitische Rahmenbedingungen geschaffen worden. Wenn Eigentümerinnen und Eigentümer dauerhaft wissen, welche Anforderungen gelten und welche Förderung sie erwarten können, entstehe die notwendige Investitionssicherheit.
Diese Klarheit müsse nun auch langfristig bestehen bleiben. Die Leitplanken für einen klimaneutralen Gebäudebestand dürfen nicht mit jeder Wahlperiode neu verhandelt werden. Verlässliche und langfristig geltende Rahmenbedingungen schaffen Planungssicherheit für Haushalte, Handwerk und Industrie. Sie sind die Voraussetzung dafür, Investitionen anzustoßen und den Gebäudebestand kontinuierlich zu modernisieren. Der BDH appelliert daher an die politischen Akteure, diese Verlässlichkeit langfristig zu gewährleisten und damit das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in die Modernisierung ihrer Wärmeversorgung zu stärken.
Entscheidungsfreiheit braucht fairen Wettbewerb
Einen wichtigen Beitrag dazu soll auch die Stärkung der Entscheidungsfreiheit der Gebäudeeigentümer durch das GModG leisten. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche erklärte dazu in einer BMWE-Pressemitteilung am 10. Juli 2026: „Wir schaffen einen technologieoffenen Rahmen, in dem Gebäudeeigentümerinnen und Gebäudeeigentümer wieder selbst entscheiden können, welche Heizung am besten zu ihrem Gebäude passt.“ Dieses Versprechen muss der Maßstab für alle Optionen der Wärmeversorgung sein, heißt es vom BDH.
Dementsprechend dürfe die Wahlfreiheit auch nicht durch eine einseitige Begünstigung des Wärmenetzausbaus eingeschränkt werden. Fernwärmenetze sind nach Einordnung der Wissenschaftlichen Dienste des Bundestages natürliche Monopole; Verbraucher können den Anbieter nicht wechseln. Anders als im Strom- und Gasmarkt sind Netzbetrieb und Versorgung bislang nicht voneinander getrennt. Förderung und Ordnungsrecht müssen deshalb technologieoffen, systemneutral und wettbewerblich ausgestaltet sein. Vor der Förderung neuer oder erweiterter Netze brauche es einen technologieoffenen Vollkostenvergleich mit dezentralen Lösungen und vorhandenen Infrastrukturen.
