Zur Luftqualität in Schulen

Maßnahmen zur Optimierung

Seit vielen Jahren erreichen uns teils alarmierende Berichte über das schlechte Innenklima in Schulräumlichkeiten. Dies betrifft nicht zuletzt die Luftqualität. Mindestens genauso lange haben Hersteller auf Lösungen hingewiesen, die manchmal berücksichtigt, aber nicht selten auch wieder verworfen wurden. Es gibt keine perfekte Lösung für alle Schulen, denn dafür ist die Bauweise der Gebäude viel zu unterschiedlich.

D as schlechte Innenraumklima ist in einigen Schulen nicht auf fehlende technische Lösungen zurückzuführen, sondern ist der Tatsache geschuldet, dass diese mit zweifelhaften Lüftungslösungen oder in einer Zeit mit besonders einfachen Installationslösungen errichtet und entsprechen somit nicht den heutigen Anforderungen. Daneben ist ein weiterer Umstand in Betracht zu ziehen: das eher laue Interesse von kommunaler Seite gegenüber einer Verbesserung des Innenklimas in Schulgebäuden. Trotz wiederholter alarmierender Berichte zu Gesundheitsgefahren, schlechtem Arbeitsumfeld und negativen...
D as schlechte Innenraumklima ist in einigen Schulen nicht auf fehlende technische Lösungen zurückzuführen, sondern ist der Tatsache geschuldet, dass diese mit zweifelhaften Lüftungslösungen oder in einer Zeit mit besonders einfachen Installationslösungen errichtet und entsprechen somit nicht den heutigen Anforderungen. Daneben ist ein weiterer Umstand in Betracht zu ziehen: das eher laue Interesse von kommunaler Seite gegenüber einer Verbesserung des Innenklimas in Schulgebäuden. Trotz wiederholter alarmierender Berichte zu Gesundheitsgefahren, schlechtem Arbeitsumfeld und negativen Auswirkungen auf das Lernverhalten wird dem Innenklima von Schuleinrichtungen noch immer nicht die notwendige Priorität eingeräumt.

Um dieses Problem struktu­rell anzugehen, wäre eine grobe Kategorisierung nach Schulgebäudetyp möglich. Eine solche Einteilung sähe dann wie folgt aus:

1. vorhandene Gebäude ohne ausbalancierte Lüftung
(natürlicher Zug)
2. vorhandene Gebäude mit aus­schließlich mechanischer Abluft
3. vorhandene Gebäude mit aus­balancierter Lüftung ohne Wär­merückgewinnung und mit zeitgesteuertem Betrieb
4. vorhandene Gebäude mit ausbalancierter Lüftung mit Wärmerückgewinnung und mit zeitgesteuertem Betrieb
5. relativ neu errichtete vorhan­dene Gebäude mit einer ausbalancierten Lüftung und einer Form von bedarfsge­steuertem Betrieb
6. Schulneubauten

Soll unabhängig von Jahreszeit und Raumbelastung eine gute Luftqualität sichergestellt werden, ist in der Schule genau wie in den meisten anderen Räumlichkeiten eine mechanische Zu- und Abluft erforderlich. Bei Energieauflagen ist eine Wärme­rück­gewinnung und darüber hinaus eine geeignete Bedarfssteue­rung unerlässlich. Lüften, aber mit Verstand!

Lösung für die Kategorien 1 und 2

Alternative 1: Umbau mit Installation von zentral positionierter Ausrüstung für eine ausbalancierte Lüftung mit Wärmerückgewinnung und Bedarfssteuerung.

Alternative 2: Installation von im Raum positionierten Klassenzimmergeräten mit ausbalancierter Lüftung mit Wärmerückgewinnung und bedarfsgesteuertem Betrieb.

Von diesen beiden Alternativen erfordert Alternative 1 umfas­sende, bautechnische Eingriffe in die bestehende Struktur. In be­stimmten Fällen kann es schwierig oder sogar unmöglich sein, zu den erforderlichen Kanälen vorzudringen.

Alternative 2 erfordert prinzipiell nur eine Öffnung durch die Außenwand sowie einen Stromanschluss in jedem Klassenzimmer.

Lösung für Kategorie 3

Sofern möglich, ist sie mit einem Wärmerückgewinnungssystem zu kombinieren. Ist dies nicht möglich, so ist das vorhandene Lüftungsgerät mit modernen Einheiten mit Wärmerückgewinnung zu ersetzen. In beiden Fällen ist ein System für eine Bedarfssteuerung erforderlich.

Lösung für Kategorie 4

Funktioniert die Ausrüstung und verfügt sie über eine akzeptable technische Leistung, ist die Zeitsteuerung um eine Bedarfssteuerung zu ergänzen.

Lösung für Kategorie 5

Hier sind lediglich eine durchgreifende Steuerung der Anlagenfunktion sowie bei Bedarf ein Abgleich und eine Justierung erforderlich.

Lösung für Kategorie 6

Bei einem Neubau gilt es, von Anfang an den richtigen Weg zu beschreiten. Die beste Lösung besteht darin, ein komplettes Wärmerückgewinnungsgerät mit integrierter Automatik zu installieren. Dafür sind Bereiche für Zu- und Abluftkanäle einzuplanen. Sollte das Gebäude vom Pavillontyp sein, können die neuen Klassenzimmergeräte eine kostengünstige Alternative darstellen. Unabhängig von diesen Systemen sind die Luftvolumenströme bedarfsgesteuert zu regeln.

Bedarfssteuerung

Da alle Menschen das Innenklima unterschiedlich bewerten, ist es schwierig bzw. unmöglich, alle zufriedenzustellen. Höchste Priorität genießt dabei, eine sichere Luftqualität in der Schule zu gewährleisten. Niemand soll sich darum sorgen, vom Innenklima der Schule krank zu werden oder aufgrund schlechter Luftqualität nur schwer Lerninhalte aufnehmen zu können. Die Bedarfssteuerung kann auf verschiedene Weise erfolgen. Die erfahrungsgemäß besten Ergebnisse lassen sich mit einer Steuerung des CO2-Gehalts im Klassenraum erzielen. Damit dies auch funktioniert, müssen die Zu- und Abluftventile zufriedenstellend funktionieren, und zwar unbeeinflusst davon, ob der Luftvolumenstrom klein oder groß ist. Diese Form der Bedarfssteuerung berücksichtigt die Luftqualität unabhängig davon, ob sich 15 oder 30 Schüler im Klassenzimmer aufhalten und stellt daher die einzig richtige Energiesparlösung dar.

(Das Kohlendioxid ist an sich kein Problem. In vielen Fällen funktioniert es ausgezeichnet als Indikator für andere gasförmige Verunreinigungen im Raum. Daher erfährt es breite Anwendung bei der Bedarfssteuerung.)

Wirtschaftlicher Aspekt

Zweifellos kostet ein gutes Innenklima, aber das sollte es Ihnen auch wert sein! Als Techniker und Verfasser dieses Artikels ziehe ich als technische Lösung ein zentral positioniertes Wärmerückgewinnungsgerät mit integrierter Automatik vor. Zwar ist die Installation vermutlich langwieriger und auch das Gebäude wird durch die Kanalführung massiv beeinflusst, aber Sie erhalten eine Lösung, die auch mit ihren Aufgaben bzw. künftigen Veränderungen im Zuge der Gebäudeverwendung wächst.

Lösungen mit klassenzimmerbasierten Geräten lassen sich besonders einfach installieren und in Betrieb nehmen. Sie können sich als kostensparende Alternative bei akuten Innenklimaproblemen bewähren. Nicht zuletzt kommen sie häufig in temporären Schulräumlichkeiten zum Einsatz.

Kreativität

bei der Finanzierung

Um der Unfähigkeit bzw. dem Unwillen der Kommunen bei der Lösung von Innenklimaproblemen in Schulen etwas entgegenzusetzen, sind kreative Finanzierungsformen gefragt, mit denen es gelingen kann, die wirtschaftliche Beschlussfassung auf kommunaler Ebene zu fördern. Keine kommunale Leitung wünscht sich schließlich kranke und schlecht ausgebildete Schüler. Sollten wir dazu als Branche nicht auch unseren Beitrag zur Verbesserung leisten?

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