Vom Bahnhof zum Wohngebäude

Flächenheizung und -kühlung in einem Umbau

Das ehemalige Bahnhofsgebäude in Bad Salzungen wird zum modernen Wohnhaus mit Geschäftsräumen des Sozialwerks umgebaut. Die Fachplaner setzten dabei bewusst auf dezentrale Wohnungsstationen und eine Kombination aus verschiedenen Systemen zur Flächenheizung und -kühlung eines Anbieters.

Es ist das derzeit größte Bauprojekt im Kurort Bad Salzungen in Thüringen: Die städtische Wohnungsgesellschaft GEWOG und die Stadt gestalten das gesamte Bahnhofsgelände neu. Zum Areal gehören drei markante Bauwerke – das Bahnhofsgebäude (Baujahr 1858), ein historischer Wasserturm und ein Pavillon samt Freiflächen. Das Ensemble wird derzeit im großen Stil umgebaut und saniert. Im Erdgeschoss des ehemaligen Bahnhofsgebäudes soll ein soziales Zentrum einziehen, in den Obergeschossen und im Dachgeschoss entstehen 13 Wohnungen mit Mietpreisbindung. Für den Bauherrn GEWOG, die S&P Sahlmann...

Es ist das derzeit größte Bauprojekt im Kurort Bad Salzungen in Thüringen: Die städtische Wohnungsgesellschaft GEWOG und die Stadt gestalten das gesamte Bahnhofsgelände neu. Zum Areal gehören drei markante Bauwerke – das Bahnhofsgebäude (Baujahr 1858), ein historischer Wasserturm und ein Pavillon samt Freiflächen. Das Ensemble wird derzeit im großen Stil umgebaut und saniert. Im Erdgeschoss des ehemaligen Bahnhofsgebäudes soll ein soziales Zentrum einziehen, in den Obergeschossen und im Dachgeschoss entstehen 13 Wohnungen mit Mietpreisbindung. Für den Bauherrn GEWOG, die S&P Sahlmann Planungsgesellschaft aus Leipzig und das IBK Ingenieurbüro Kirchner aus Bad Salzungen war klar: Die späteren Mieter sollen es möglichst behaglich haben.

Von Anfang an gut beraten

Die Wahl fiel deshalb auf dezentrale Wohnungsstationen von KaMo und Flächenheizung und -kühlung von Uponor in Fußböden und Decken. „Damit konnten wir gleich drei Faktoren optimieren: den Wohnkomfort, die Trinkwasserhygiene und die Energiekosten“, sagt Fachplaner Harald Kirchner. Die Wohnungsstationen haben den Vorteil, dass das Trinkwasser prompt und bedarfsgerecht erwärmt wird. Die Temperaturen – und damit auch die Betriebskosten – sind niedriger als bei zentralen Systemen. Weil sich in den Warmwasserleitungen weniger als drei Liter Wasser befinden, besteht keine Legionellenprüfpflicht, so dass auch hier Kosten entfallen. Die Abrechnung ist im Vergleich zur zentralen Versorgung einfacher, weil jede Wohnung ihren eigenen Kaltwasser- sowie Wärme- und Kältezähler hat. Für Flächenheizsysteme spricht, dass sie behaglicher sind als klassische Heizkörper. Alle Umfassungswände sind warm, die Vorlauftemperaturen niedrig. Da die Oberflächen immer über dem Taupunkt bleiben, hat Schimmel keine Chance. Mit den Marken der Uponor-Gruppe hat das Ingenieurbüro Kirchner schon bei früheren Projekten gute Erfahrungen gemacht. „Die Systeme sind optimal aufeinander abgestimmt. Hinzu kommt, dass Uponor uns immer sehr gut beraten und betreut hat, bis hin zu Sonderanfertigungen speziell für unser Bauprojekt“, erläutert Michael Kirchner, ebenfalls Fachplaner bei IBK. Berater von KaMo und Uponor haben beispielsweise das Strangschema erstellt, die Steig- und Verteilungsleitungen dimensioniert und waren auch für die Baustelleneinweisung der ortsansässigen ausführenden Firmen zur Stelle.

Aus Fernwärme mach Nahwärme

Das gesamte Ver­sor­gungs­sys­tem des modernisierten Bahnhofsgebäudes ist auf Komfort und Effizienz ausgerichtet. Das Haus bezieht Fernwärme aus dem Netz der Kurstadt. Sie stammt aus einer Kraft-Wärme-Kopplung mit einem Spitzen-Wirkungsgrad von mehr als 90 %. Für Heizzwecke stehen zwei Pufferspeicher à 900 l bereit, für Kühlzwecke ein weiterer Pufferspeicher, der Kompressionskälte aus einer Hydrobox bezieht. Die dezentrale Wärmeverteilung in den 13 Wohnungen übernimmt jeweils eine Wohnungs-Kombi-Station mit 3-Leiter-Modul. Sie funk­tio­niert mit zwei verschiedenen Vorlauftemperaturen und einem gemeinsamen Rücklauf. Dies ermöglicht eine zentrale, witterungsgeführte Regelung. Zusätzliche Pumpenmodule oder Regelungskomponenten sind nicht mehr nötig. „KaMo ist, soweit wir wissen, der einzige Anbieter von 3-Leiter-Modulen auf dem deutschen Markt. Weil die vierte Leitung wegfällt, spart man Platz im Kellergeschoss und in den Installationsschächten“, erklärt Harald Kirchner. Weiter entfernte Zapfstellen in sieben Wohnungen werden von jeweils einer Trinkwasserstation „Aqua Port Compact Base“ versorgt. Dadurch entfällt die Zirkulation innerhalb der Wohnung. Das verbessert nicht nur die ­Hygiene der Installation, sondern spart auch Energie, weil auf hohe Zirkulationstemperaturen verzichtet werden kann und die Rücklauftemperaturen niedrig sind.

Flächendeckend behaglich

„Je nach Raumhöhe, Nutzung und Bauart haben wir für die einzelnen Geschosse verschiedene Systeme zur Flächentemperierung empfohlen“, erklärt Paul Bartenstein, Technischer Fachberater bei KaMo/Uponor. Für das Sozialzentrum im Erdgeschoss mit seinen 4 m hohen Räumen war die Fußbodenheizung Uponor-„Klett“ optimal – insgesamt 650 m2 sind damit ausgestattet. Für die Obergeschosse mit massiven Betondecken haben die Fachplaner eine oberflächennahe Bauteilaktivierung vorgesehen. Hier wurde auf 800 m2 die thermische Bauteilaktivierung Uponor-„Contec ON“ verlegt. Dabei sind die Rohrleitungen nicht mittig in der Betonplatte, sondern am unteren Rand mit einer Unterdeckung von nur 2 cm angebracht. So lassen sich die Raumtemperaturen besonders schnell regeln. Für die 200 m2 großen Holzdecken im Dachgeschoss ist das Trockenbausystem Uponor-„Renovis“ wie geschaffen. „Dass wir die Decken sowohl fürs Heizen als auch fürs Kühlen nutzen, ist eine Besonderheit dieses Projekts. KaMo hat uns dafür spezielle Wohnungsstationen angefertigt, bei denen die Verteiler so positioniert sind, dass sie sich perfekt an die Deckenheizsysteme anbinden lassen“, berichten die Fachplaner.

 

Smartes Zusammenspiel

Ein hydraulischer Abgleich des Gesamtsystems ist unerlässlich, um die Heizungsanlage zu optimieren und Heizkosten zu verringern. In den KaMo-Wohnungsstationen sind bereits werkseitig Differenzdruckregler verbaut, die das Verteilnetz abgleichen. Zusätzlich sorgt die „Smatrix“-Einzelraumregelung von Uponor vollautomatisch für den hydraulischen Abgleich der einzelnen Flächenheizungsheizkreise. So wird ein störungsfreier und energieeffizienter Betrieb ermöglicht. Mit dem Heiz- und Kühlregler Uponor-„Smatrix Base Pro“ samt Bedienmodul lassen sich Temperatur und Betriebszeiten für jeden Raum einzeln einstellen. Die GEWOG hat für das Gebäude ein Vollcontracting mit einem Dienstleister abgeschlossen, der das gesamte Energiesystem im laufenden Betrieb optimiert. Dafür wurde ein Bus-System installiert, das eine Fernüberwachung und -steuerung der Anlage ermöglicht. Vorgedämmte, im Erdreich verlegte „Ecoflex“-Rohre von Uponor übertragen die zentral gelieferte Fernwärme auch auf den benachbarten Wasserturm.

Schon jetzt, während das Areal noch eine Baustelle ist, freut sich das Team vor Ort täglich über das bereits funktionsfähige Heizsystem: „Speziell die Deckenheizungen haben an kalten Tagen den Vorteil, dass wir die Baustelle ganz bequem beheizen können, ohne transportable Luftheizungen, die oft im Weg stehen“, sagen die Fachplaner. Alle Beteiligten sind schon gespannt auf den Herbst 2020: Dann erstrahlt das Bahnhofsgebäude in frischem Glanz und ist einzugsbereit.

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