Trends in Ingenieur- und Planungsbüros
Erkenntnisse und Tipps aus den Ergebnissen einer StudieDie Studie „Herausforderungen und Trends der Ingenieur- und Planungsbüros 2012 – D/A/CH“ soll Entscheidern der Branche helfen, sich Klarheit über die aktuellen Trends und Herausforderungen im eigenen Markt zu verschaffen. Darüber hinaus geht es darum, die richtigen Schritte für das eigene Unternehmen in die Wege zu leiten.
tab: Die Ergebnisse Ihrer Studie zeigen, dass die Ingenieurbüros vor keiner leichten Zukunft stehen. Welches...
tab: Die Ergebnisse Ihrer Studie zeigen, dass die Ingenieurbüros vor keiner leichten Zukunft stehen. Welches sind die zentralen Ergebnisse?
Heiko Henkes: Derzeit rechnet das Gros der Unternehmen in der D/A/CH-Region mit einer Stagnation der Auftragslage. Der VBI konnte dies darüber hinaus auch für Deutschland bestätigen, ebenso wie die Mehrzahl der Expertengespräche mit Ingenieuren bzw. Geschäftsführern von Ingenieurunternehmen mit über 200 Mitarbeitern. Dennoch tragen die fokussierten Geschäftsfelder erheblich dazu bei, in eine rosige oder eine ungewisse Zukunft zu blicken.
Zur Absicherung der identifizierten Geschäftshemmnisse der Branche, die laut Studienergebnissen die Projektfinanzierung, der Fachkräftemangel und die Haftungsbedingungen respektive die Bürokratie in Deutschland sind, kristallisierten sich auf der anderen Seite Erfolgsfaktoren heraus. Erfolgsfaktoren, die sich lohnen zu berücksichtigen, um den avisierten Problemen effizient zu begegnen.
Für den Geschäftserfolg der Ingenieurbüros zählt daher vor allem die langfristige Kundenzufriedenheit, von 33 % auf Platz 1 gewählt, neben dem Blick auf die Projekt-Profitabilität, von 24 % auf Platz 1 gewählt, und die Gewinnung neuer Projekte/Geschäftsfelder, von 24% auf Platz 1 gewählt.
tab: Welche Maßnahmen werden getroffen, um die Zufriedenheit der Kunden langfristig zu sichern?
Heiko Henkes: Primär versucht das Ingenieur- bzw. Planungsbüro von heute im D/A/CH-Raum, Langzeitbeziehungen zu Kunden aufzubauen, um die Kundenzufriedenheit zu erhöhen – 64 % sprachen sich dafür aus. Speziell die mittelständischen Strukturen in Deutschland lassen es zu und bedingen es zugleich, dass Kunden in verschiedenen aufeinander folgenden Projekten mit ein und demselben Ansprechpartner des Büros in Kontakt stehen. Dies führt jedoch dazu, dass Büros nicht in ausreichendem Maße HR-Ressourcen flexibel und projektorientiert bzw. anhand von Skills einsetzen können. Im Umkehrschluss gefährdet dies die Absicherung der Projektprofitabilität.
Darüber hinaus präferieren 56 % der Büros bzw. Unternehmen eine Erweiterung des Serviceangebots, um breiter aufgestellt zu sein und dementsprechend in verschiedenen Ausschreibungen oder Bieterverfahren Berücksichtigung zu finden. Es gilt jedoch, stets aktuelle und vorzeigbare Referenzen vorweisen zu können.
Die generelle Kommunikation mit Kunden steht bei 52 % der Unternehmen im Vordergrund zur Erhöhung der Kundenzufriedenheit. Dies unterstreicht die Kundenpräferenz mit bekannten Ansprechpartnern zu kommunizieren, denn dieser weiß um die Kundeneigenheiten Bescheid und kann die Bedürfnisse daher direkt adressieren.
Des Weiteren konnten über die lokalen Gespräche in Deutschland folgende „Best Practices“ zur langfristigen Steigerung der Kundenzufriedenheit erörtert werden:
tab: Welche Investitionen sollten Planungsbüros tätigen, um sich auf zukünftige Aufgaben einzustellen?
Heiko Henkes: Zukunftsträchtige Investitionen sind laut Erhebung integrierte Dokumentenmanagement-Systeme, ERP-Systeme, die projektorientiertes Arbeiten ermöglichen und natürlich für die Branche essentielle CAD-Upgrades. Upgrades können beispielsweise EuroCodes und 3D-Planung sein.
BIM-Systeme bedingen eine Aufnahme von Ist-Prozessen im Unternehmen und ziehen in der Implementation explizite Know-how-Träger und somit Budget nach sich. Aufgrund der integrierten und vereinheitlichten Datenplattform könnte sich BIM – aktuell eher als Leuchturmprojekt in Deutschland auffindbar – früher oder später als echter Wettbewerbsvorteil herausstellen.
tab: Das Nachwuchsproblem ist ein weiteres Problem, mit dem sich auch Ingenieurbüros zunehmend beschäftigen müssen. Welche Konsequenzen sollten Entscheider aus dieser Problematik ziehen?
Heiko Henkes: Aufgrund des festgestellten Fachkräftemangels ist es ratsam frühzeitig mit potentiellen Berufseinsteigern in den Universitäten in Kontakt zu treten und den Dialog zu suchen. Es geht darum, den Beruf als Ingenieur im Vergleich zu etwa Ärzten und Rechtsanwälten im Ansehen zu verbessern und das Image aufzupolieren. Die Aufgabe steht nach mehreren Jahren der Berufstätigkeit für viele Ingenieure im Vordergrund. Für Berufsanfänger ist das in erster Linie der Gehaltsscheck. Auf einer persönlichen Bindungsebene können daher High Potentials gewonnen werden, die es gilt langfristig zu halten und nicht an die Groß- oder Elektroindustrie zu verlieren. Dafür müssen Anreize geschaffen werden.
tab: Gibt es aus Ihrer Sicht weitere interessante Ergebnisse, die ein Ingenieurbüro berücksichtigen sollte?
Heiko Henkes: Ingenieurbüros können verschiedene Standorte ausnutzen, um sich regional zu spezialisieren und somit auch an unterschiedlichen Budget-Töpfen öffentlicher Haushalte partizipieren zu können.
Darüber hinaus wird man in Deutschland tendentiell gerne gezielt Fachkräfte ab, anstatt gleich ein ganzen Unternehmen zu übernehmen. International agierende Unternehmen können jedoch seit längerer Zeit nur noch anorganisch wachsen. Will man sich da anbieten, lohnt es sich alle Referenzen parat zu haben und vor allem aufgrund der gesamtschuldnerischen Haftung die Karten über etwaige Altlasten auf den Tisch zu legen.
tab: Herr Henkes, vielen Dank für das Interview.
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