Trends im Gebäudeenergiemanagement
Anforderungen an eine vernetzte GebäudeinfrastrukturGebäude verursachen nicht nur beim eigentlichen Bau, sondern über den gesamten Lebenszyklus hinweg Kosten. Energieressourcen und -kreisläufe beispielsweise machen einen großen Teil dieser laufenden Kosten aus und sollten bereits in der Planungsphase berücksichtigt werden, um während des späteren Betriebs wirtschaftliche Vorteile aus niedrigen Betriebs- und Wartungskosten ziehen und ein kosteneffizientes und nachhaltiges Gebäude betreiben zu können.
Allein mit der Optimierung des Energieverbrauchs könnten in einigen Fällen die gesamten Errichtungskosten eines Gebäudes gedeckt werden. Das Ganze ist aber leichter gesagt als umgesetzt. Tatsächlich stehen Gebäudebetreiber vor einer Vielzahl an Herausforderungen. Einerseits muss die Infrastruktur heute wesentlich mehr leisten, ist dafür aber häufig gar nicht ausgelegt. Schließlich sind die zum Teil recht unterschiedlichen Gebäudesysteme in vielen Fällen schon 30 bis 40 Jahre alt. Gebäudebetreibern fehlt es deshalb oft an einem leistungsfähigen und stimmigen Gesamtkonzept mit einem kompletten...
Allein mit der Optimierung des Energieverbrauchs könnten in einigen Fällen die gesamten Errichtungskosten eines Gebäudes gedeckt werden. Das Ganze ist aber leichter gesagt als umgesetzt. Tatsächlich stehen Gebäudebetreiber vor einer Vielzahl an Herausforderungen. Einerseits muss die Infrastruktur heute wesentlich mehr leisten, ist dafür aber häufig gar nicht ausgelegt. Schließlich sind die zum Teil recht unterschiedlichen Gebäudesysteme in vielen Fällen schon 30 bis 40 Jahre alt. Gebäudebetreibern fehlt es deshalb oft an einem leistungsfähigen und stimmigen Gesamtkonzept mit einem kompletten Überblick über alle Einzelsysteme. Das Betriebspersonal steht ebenfalls im Fokus. Die stark gestiegenen Anforderungen an die Effizienz und Produktivität einer vernetzten Gebäudeinfrastruktur erfordern ein umfassendes Know-how und eine Lösung von der klassischen Gewerketrennung hin zu einem übergreifenden Verständnis des Gebäudebetriebs. Das verschärfte Anforderungsprofil des Fachpersonals kommt besonders in den letzten Jahren zum Tragen, seitdem sich viele Unternehmen im Zuge des Energiedienstleistungsgesetzes mit der Einführung von Energiemanagementsystemen beschäftigen müssen.
Scheitert die optimale Energiebilanz bereits an mangelnden Strukturen und nicht ausreichend geschultem Fachpersonal, macht es die Volatilität des Energiemarktes nicht besser. Schwankungen durch weltpolitische Ereignisse und die stetigen Veränderungen durch europäische und nationale Regelungen erschweren die Planung der Gebäudebetreiber enorm.
Wie sehen die aktuellen Trendthemen aus?
Natürlich können Gebäudebetreiber Faktoren wie etwa die Volatilität des Energiemarktes oder den Mangel an geeigneten Fachkräften nicht selbst beeinflussen. Dennoch gibt es eine Reihe an Maßnahmen, die bereits heute umgesetzt werden, und die gleichzeitig die treibenden Energietrends im Gebäudemanagement darstellen.
1. Dezentrale Erzeugung
Eine Möglichkeit, den Schwankungen des Energiemarktes zu entgehen, ist die dezentrale Energieerzeugung. Diese Variation im Energiemix von Unternehmen, auf weniger volatile Energieträger zurückzugreifen, lässt sich beispielsweise durch die Integration eines BHKW realisieren, das durch eine Kraft-Wärme-Kopplung gleichzeitig elektrischen Strom und Wärme erzeugt. Der erzeugte Strom kann entweder selbst genutzt oder in das öffentliche Stromnetz eingespeist werden. Im Vergleich zu volatil einspeisenden Wind- und Solaranlagen haben Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen den Vorteil, dass sie eine gesicherte Leistung zur Verfügung stellen können und so am Minutenreservemarkt teilnehmen können.
2. Digitalisierung
Die Digitalisierung des Gebäudebetriebs für mehr Verbrauchertransparenz und zur Vernetzung verschiedener Gebäudekomponenten ist für Neuprojekte selbstverständlich, wird allerdings nun auch bei Bestandsanlagen mitbedacht. Grundlage für das integrierte, digitalisierte Gebäude bilden die zunehmende Konnektivität und eine erhöhte Datenpunktkapazität, um alle vorhandenen Einzelsysteme und die wachsende Zahl an Sensoren und Aktoren einbinden zu können. Branchenführende offene Kommunikationsprotokolle wie BACNet, OPC, ONVIF oder LonWorks ermöglichen die Integration von Drittsystemen. Aufgrund der Einbindung von Automatisierungsfunktionen, etwa zur Brennersteuerung und optimierten Raumtemperaturregelung, kann der Energieverbrauch mit Echtzeitdaten im Hintergrund reduziert werden. Hierbei unterstützen moderne Softwaretechnologien, die einerseits nicht nur einen anschaulich visualisierten Überblick, sondern auch eine einfache Handhabung liefern – und es dem bestehenden Personal damit so einfach wie möglich machen.
Honeywell bietet etwa mit dem „Energy Manager“ eine Anwendungssoftware, die den Energieeinsatz überwacht, überprüft, optimiert und für den Betreiber transparent macht. Dieser bekommt dadurch einen besseren Einblick in den Energieverbrauch der Immobilie und kann die damit verbundenen Zähler-, Energieerzeuger- sowie Mieterdaten und Kosten leichter verwalten. Das A und O ist jedoch, sich nicht nur einen ganzheitlichen Überblick über die bestehenden Systeme zu verschaffen, sondern Optimierungspotentiale erkennen zu können.
3. Analyse und Auswertung
Für eine optimale Auswertung sind sowohl die komplette Analyse der bestehenden Anlagen in Form einer Begehung notwendig als auch die Dokumentation der Energieverbrauchsmengen. Die Echtzeitdatenanalyse kommt dann später hauptsächlich während des laufenden Betriebs zum Einsatz. Die reine Masse an erhobenen Daten reicht allerdings noch nicht zur Optimierung des Energiemanagements. Nur wer die Daten versteht, also die Funktionsweise von Geräten und Anlagen kennt und die Sensorik und Messtechnik begreift, kann daraus Optimierungspotentiale identifizieren und Handlungsanweisungen ableiten. Die Auswertung und Analyse stellt im Gebäudebestand die nahezu größte Herausforderung dar und erfordert eine übergreifende Betrachtung über alle Gewerke und über die Grenzen der Infrastruktur hinweg. Wichtig ist in diesem Zusammenhang insbesondere die Betrachtung der Kernprozesse, die stets hinterfragt werden müssen, dann aber das größte Optimierungspotential bieten.
4. Visualisierung und Vereinfachung
Damit Endanwender eine effiziente Gebäudeinfrastruktur bei einem gleichzeitig möglichst wirtschaftlichen Umgang mit Energie schaffen können, müssen neue Funktionen in die Gebäudetechnik integriert werden, die den steigenden Bedarf nach kennzahlenbasierter Analyse der Gebäudeleistung berücksichtigen.
Die Erhebung von Daten reicht allerdings nicht aus, wichtig ist vor allem die visuelle Aufbereitung und übersichtliche Darstellung von Energieinformationen, um mehr Transparenz zu schaffen. Ein „intelligentes“, vernetztes Gebäude ist anwendungs- statt geräteorientiert und bietet dem Gebäudebetreiber eine zentrale Plattform zur Überwachung, Wartung und Instandsetzung von gebäudetechnischen Anlagen. Moderne intelligente Gebäudetechnologien, wie die „Command and Control Suite“ (CCS) von Honeywell, verknüpfen alle Subsysteme auf eine einzige Plattform, so dass das Personal eine ganzheitliche und visualisierte Sicht auf die Gebäudedaten gewinnt und diese in Aktionsempfehlungen umwandeln kann. Die Einbindung mobiler Geräte und Apps verstärkt diesen Effekt, denn insbesondere in Gefahrensituationen können Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes in Echtzeit prüfen, wo und in welchem Umfang ein Störfall vorliegt.
5. Einbeziehung unterschiedlicher Kompetenzen
Die Optimierung der Energieeffizienz ist als Strategieaufgabe in den Unternehmen zu begreifen und kann nicht von der technischen Leitung alleine realisiert werden. Da insbesondere die Optimierung in enger Abstimmung mit den Kernprozessen den größten „Wirkungsgrad“ verspricht, müssen auch die jeweiligen Kompetenzen aus diesem Bereich miteinbezogen werden, etwa aus der Entwicklung, der Produktion oder dem Verkauf. Das Energiemanagement ist ein Prozess, der einer kontinuierlichen Erfassung und Anpassung bedarf und von einem interdisziplinären Team innerhalb des Unternehmens gemanagt wird. In vielen Fällen kann hier das Hinzuziehen eines externen Experten hilfreich sein, der in der Rolle des Moderators die Bedürfnisse und Anforderungen der einzelnen Fachabteilungen berücksichtigt und weitere Impulse geben kann.
Fazit
Es stecken große Optimierungspotentiale in den heutigen Gebäuden, sie müssen nur erkannt werden. Eine ausführliche Bestandsaufnahme und Analyse der Ist-Situation ist oft der unerlässliche erste Schritt, da es vielen Unternehmen bereits an Gesamtüberblick fehlt. Im Anschluss daran müssen meist noch nicht einmal ganze Anlagen ausgetauscht oder neu errichtet werden. An den richtigen Stellschrauben zu drehen, kann schon deutlich helfen.
Jetzt Artikel freischalten:
tab DIGITAL
14 Tage kostenlos testen
2,49 € / Woche*
Fachwissen jederzeit und überall.
Greifen Sie auf exklusive PLUS-Artikel und das komplette Online-Archiv zu und lesen Sie tab bequem im E-Paper-Format. Das digitale Abo für alle, die flexibel bleiben möchten.
Ihre Vorteile:
- Exklusive tab-PLUS-Artikel
- 6 E-Paper für mobiles Lesen
- Online-Archivzugang
*129,48 € bei jährlicher Abrechnung inkl. MwSt.
tab KOMBI
4,99 € / Woche*
Das komplette tab-Erlebnis – digital & gedruckt.
Für alle, die Fachinformationen auf allen Kanälen nutzen möchten: Kombinieren Sie Print und Digital, profitieren Sie von unseren Fachforen und präsentieren Sie Ihr eigenes Projekt.
Ihre Vorteile:
- Exklusive tab-PLUS-Artikel
- 6 Print-Ausgaben pro Jahr
- E-Paper für mobiles lesen
- Teilnahme an einem Fachforum
- Online-Archivzugang
- Veröffentlichen eines Projekts
*259,48 € bei jährlicher Zahlung inkl. MwSt. & Versand
