Konkurrenten oder Verbündete?

Strom und Wasserstoff

Der Gebäudesektor hat einen bedeutenden Anteil an den CO2-Emissionen in Deutschland. Daher müssen vielfältige Versuche unternommen werden, den mit dem Bau und dem Betrieb von Gebäuden verbundenen Ausstoß klimaschädlicher Gase zu reduzieren.

Um veraltete Bestandsanlagen schnellstmöglich auszutauschen und einen großen Schritt nach vorne zu machen, ist es ein gefährlicher Weg, ausschließlich auf Strom oder Wasserstoff als Energieträger setzen zu wollen. Vielmehr müssen alle Anstrengungen unternommen werden, um den Energiebedarf generell deutlich zu senken. Nur mit gebündelten Bemühungen wird der Weg zu einem klimaneutralen Gebäudebestand gangbar sein. Weder der Stromwärmepumpe noch der mit Wasserstoff betriebenen Brennstoffzellenheizung wird dies in einem absehbaren Zeitraum für sich allein gelingen.

Vielmehr muss ein kooperativer Weg gefunden werden, damit der Energieträger Wasserstoff zunehmend klimaneutraler produziert  und Strom noch regenerativer bereitgestellt werden kann. Dafür braucht es eine entsprechende Infrastruktur. Als Verteilnetz sollte das vorhandene Gasnetz berücksichtigt werden, das zugleich als Speicher dienen kann.

Passend zu diesen Gedanken wurde im Rahmen des Online-Panels „Building Technology Experts – die klügsten Köpfe für intelligente Gebäude“ in einer Online-Gesprächsrunde zum Thema „Die Brennstoffzelle in unseren Gebäuden: Heizen wir zukünftig mit Wasserstoff?“ im November 2020 u.a. festgestellt, dass eine dezentrale grüne Wasserstofferzeugung in Quartieren sich als eher schwierig darstellen wird. Für eine Übergangszeit, so wurde argumentiert, müsse man mit blauem bzw. türkisem Wasserstoff – Wasserstoff, bei dessen Erzeugung aus Erdgas der Kohlenstoff abgeschieden und gespeichert bzw. als Basisrohstoff für eine weitere Verwendung genutzt wird – rechnen. Eine Maximallösung braucht ihre Zeit.

Wichtig bei den Bemühungen um eine möglichst klimaneutrale Strom-, Wärme- und Kälteversorgung von Gebäuden aller Art ist also eine enge Verzahnung der Energieträger Strom und einem künftigen, dekarbonisierten Wasserstoff.

Ausgehend von diesem großen Ganzen ist es sinnvoll, dann die passende Lösung für ein Wohnquartier und Gebäude zu suchen und zu finden. Diese kann je nach Gegebenheiten dann eben eher in einer strombetriebenen Wärmepumpe oder einer gasbetriebenen Brennstoffzelle liegen.

Schon immer war Technologieoffenheit ein wesentlicher Treiber für Erfindungen und Kreativität. Behalten wir diese Kreativität bei, um in den 2020er Jahren die passenden Lösungen für unsere Gebäude zu finden. Das wünsche ich mir für die nähere Zukunft, damit wir bereits 2030 einen großen Schritt in Richtung Klimaneutralität in der Technischen Gebäudeausrüstung erreicht haben.

Mit dieser Ausgabe endet das Jubiläumsjahr 50 Jahre tab – Das Fachmedium der TGA-Branche, das leider lange nicht so festlich begangen werden konnte, wie geplant. In unseren Web-Seminaren haben wir Fachthemen behandelt und so manche interessante Diskussion geführt. Dafür ein herzliches Dankeschön an alle Beteiligten. Ich hoffe nun darauf, dass wir zusätzlich zu unseren digitalen Veranstaltungen (www.bauverlag-events.de) das nächste Jahr (zumindest ab der zweiten Jahreshälfte) wieder verstärkt in persönlichen Begegnungen interessante Gespräche erleben dürfen.

Auf ein gutes Jahr 2021 und achten Sie auf Ihre Gesundheit!

Strom und Wasserstoff
sollten sich gegenseitig als Energieträger ergänzen!
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