Strahlungswärme im Strandhotel
Fußbodenheizung im „Bayside“Die ersten Gäste des im April 2014 eröffneten Design- und Wellness-Hotels „Bayside“ haben vor allem an kühlen Tagen mit einer steifen Brise nach einem entspannten Spaziergang am kilometerlangen Ostseestrand in Scharbeutz die behagliche Strahlungswärme der Fußbodenheizung bereits schätzen gelernt. Die für ein Hotel noch ungewöhnliche Niedertemperaturheizung ist ein Baustein des energetischen Konzepts, das auf konsequenter Wärmedämmung, effizienter Energieerzeugung und -verteilung basiert.
Energiekonzept mit BHKW
Die dreifach verglasten Fenster, Außenwanddämmungen, die die gültigen Vorgaben der EnEV deutlich unterschreiten, ein Lüftungssystem mit hocheffizienten Wärmetauschern und nicht zuletzt die 3800 m2 Fußbodenheizung reduzieren den thermischen Energieverbrauch des 132-Zimmer-Hotels an der Lübecker Bucht gegenüber herkömmlich gebauten Hotels erheblich.
Durch die Dreifachverglasung reduziert sich der Dämmwert pro Fenster gegenüber einer herkömmlichen Zweifachverglasung von 1,0 auf 0,7 W/m2K. Neben der Energieeinsparung von knapp 50 % erhöht die Dreifachverglasung die thermische Behaglichkeit in den Räumen. So wird während des Aufenthaltes vor den großflächigen Fenstern, beispielsweise im Restaurant, keine Kältestrahlung empfunden. Neben dem hohen Dämmwert der Fensterflächen ist die Gebäudehülle vollständig mit einer Dämmstoffstärke von 16 cm an der Außenwand sowie der Decke unter dem Dachraum und 20 cm an Massiv- und Steildach gedämmt.
Die Jahresheizlast von 2 557 524 kWh wird durch vier kaskadenförmig geschaltete BHKW „EC Power XRGI 20“ mit jeweils 40 kWh thermischer Leistung gedeckt. Damit liefern die BHKW etwa 90 % der benötigten Wärme. 50 kW davon werden zur Temperierung des Schwimmbades genutzt. Ergänzend können zwei Gasbrennwertkessel mit jeweils 310 kW zugeschaltet werden.
Die BHKW produzieren mit einer elektrischen Leistung von maximal 80 kWel zudem 40 % des benötigten Stroms. Die Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) nutzt die Primärenergie deutlich besser aus und reduziert den CO2-Ausstoß gegenüber konventioneller Bereitstellung von Wärme und Strom um 34 %.
Mit stromsparenden LED-Leuchten, Umwälzpumpen mit Permanentmagnet-Synchronmotoren bei der Heizungs-, Lüftungs- und Schwimmbadtechnik sowie der Verwendung von Gas zum Kochen wird der elektrische Energieverbrauch zusätzlich reduziert.
Die Kühlräume für die Küche sind mit einer Wärmerückgewinnungsanlage ausgerüstet. Die Abwärme der Kältemaschinen wird über einen Pufferspeicher abgegeben. Vom Pufferspeicher aus wird das kalte Zulaufwasser der Warmwasseraufbereitung vorgewärmt. Dadurch werden 80 % der Abwärme aus der Kälteversorgung genutzt.
Der öffentliche Bereich des Hotels ist mit einer Lüftungsanlage ausgestattet. Durch die Regelungstechnik können Temperatur und Volumenstrom bedarfsgerecht geregelt werden. Über einen Kreuzstrom-Wärmetauscher mit einem maximalen Wirkungsgrad von 90 % wird die Abluft in die kalte Außenluft übertragen.
Um den Energieverbrauch zu minimieren, wurde auf die Lüftung und Kühlung der Zimmer verzichtet. Optional ist es aber möglich, die Fußbodenheizung im Foyer und in den Gastronomiebereichen für eine energieeffiziente, unsichtbare und zugluftfreie Kühlung zu nutzen.
Flächenheizung mit Strahlungswärme
Der Beauty- und Wellnessbereich, das Foyer, Bar und Restaurants, die Veranstaltungsräume und die 132 Gästezimmer des Hotels werden mit einer Uponor-Flächenheizung temperiert (42/32 °C). In einem Verlegeabstand von 15 cm (Schwimmbad- und Wellnessbereich 10 cm) hat das Fachunternehmen Otto Schatte GmbH, Lübeck, auf die Noppenfolie Uponor-„Nubos“ 691 Heizkreise mit dem Uponor-PE-Xa-Rohr „Comfort Pipe“ 16 x 1,8 mm verlegt.
Dabei sind jeweils vier Gästezimmer an einen Heizkreisverteiler angeschlossen. Die vorgeschaltete Regelung ist mit der Buchungssoftware verbunden und kann bedarfsgerecht entsprechend der Belegung den Volumenstrom exakt dosieren. Eine „angenehme Behaglichkeit“ wünscht sich Eigentümer Jürgen Haltermann für seine Gäste. Eine Eigenschaft, die er auch an der Uponor-Fußbodenheizung in seiner eigenen Penthousewohnung im Hotel sehr schätzt.
Planer und Bauherr haben sich für die Lösung mit „Comfort Pipe“ und Noppenfolie „Nubos“ entschieden, da diese Produktwahl neben der schnellen Montage auch eine klare Schnittstellenkoordination zwischen dem Heizungsbauunternehmen und dem Hochbauunternehmen ermöglicht hat. Die Dämmung wurde vom Hochbauunternehmen verlegt.
Fazit
Die Niedertemperaturheizung sorgt nicht nur im Hotel für mehr Behaglichkeit, sondern an kalten Tagen auch außerhalb für mehr Komfort bei der An- und Abreise der Gäste: Die Wärme der BHKW wird dazu genutzt, die Rampe zur Tiefgarage mittels einer Flächenheizung schnee- und eisfrei zu halten. Diese ist über einen Temperatursensor in der Bodenplatte gesteuert. Bei Temperaturen von weniger als 1 °C wird die auf 100 m2 verlegte Flächenheizung Uponor-„Meltaway“ mit dem Uponor-PE-Xa-Rohr „Comfort Pipe Plus“ aktiviert.
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